Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Entschleunigung (Seite 1 von 4)

What a cat’s gotta do

Die Katze wartet,
dass es Wohltaten regnet.
Aber nie lange.

Bild: Ysambre Fauntography: Exercice de style VI, 31. Oktober 2016.
Die Widmung war: “Happy Samhain everyone ;)“.

Bitte helfen Sie mir auf die Bierbank

Solche Schulkumpane muss man auch erst mal finden, solang man noch jung ist: Wird der Bub 50 und lässt sich im ausgehenden Winter erst mal auf dem Moritzberg unter dem selbergemachten Motto “Der Lack ist ab” von seinen in einem halben Jahrhundert aufgesammelten Lieblingsmenschen feiern, und weil das nicht reicht, im tiefen Sommer gleich nochmal bei allgemeinem Kanupaddeln durch “Bayerisch Kanada” den Schwarzen Regen einschließlich Bärenloch hinunter, und zahlt alles.

Glaubt mir wieder kein Mensch, dass ich außer einer Wanderklampfe, weil die bildlich belegt ist, auch ein Kanupaddel am richtigen Ende festhalten kann, aber das restliche Bildmaterial soll angeblich noch kommen, und dann zahlt er den USB-Stick auch noch. Zu unserer Schulzeit war alles davon Science-Fiction.

Ist schon mal ein Mensch so gründlich 50 geworden?

Camping Schwarzer Regen

Camping Schwarzer Regen

Camping Schwarzer Regen

Camping Schwarzer Regen

Ach ja, die Soundtracks endlich nachgeliefert: John Denver: Country Roads, aus: Poems, Prayers & Promises, 1971, und S.T.S.: Irgendwann bleib i dann dort, aus: Grenzenlos, 1985, für die kein Mensch trotz mehrfach wiederholtem Durchblättern weder Text noch Griffe im Klampfenordner gefunden hat, weil eine neue Gleitsichtbrille, Lagerfeuerbeleuchtung (auf den Bildern ohne Photoshop-Einflüsse!) und Freibier, bis der Arzt entnervt wieder heimgeht, halt eine saudumme Mischung sind. Ich hätt’s auch nicht besser gekonnt als die Originale, soviel versprech ich:

Buidln: Privat, aber mit Quellenangabe
und/oder freundlichem Fragen bestimmt lizenzfrei vewendbar,
30. Juni 2018.

Nos dejamos hace tiempo, pero me llego el momento de perder

Update zu To all those who have lived and died alone:

Und weil gerade noch halbwegs Zeit für was Sommerliches ist, ein großer Filmmoment, der erst von 2017 stammt, bei dem man also staunt, dass er schon in der Qualität veryoutubt wurde, und der wohl bleiben wird: Harry Dean Stanton hat 89-jährig ein großes Solo mit Unterstützung der Familie Lynch erhalten, und wo immer Lucky auftaucht, soll man ihn durchlaufen lassen und mal 88 Minuten fein stille schweigen, damit man bemerkt, was aus der Schildkröte im Vorspann noch wird (nein, keine Suppe oder so, wir sind ja nicht bei Tarantinos).

Schon den halben Film wert ist, wie “Lucky” Stanton seinen Abgang als Geschenk an einen Zehnjährigen singt, der als einziger nicht zuhört. Der Text von Vicente Fernández erscheint hier in korrekter Versaufteilung, weil die bisher auffindbaren Versionen vermutlich voneinander abkopiert sind und alles durcheinanderwürfeln (offenbar muss ich das immer bei Liedern mit mexikanischem Bezug machen). Verständlich wird alles beim Google Translator:

——— Harry Dean Stanton:

Volver volver

aus: Lucky, 2017:

Este amor apasionado,
anda todo alborotado
por volver
Voy camino a la locura
y aunque todo me tortura
se querer.

Nos dejamos hace tiempo
pero me llego el momento
de perder
Tu tenias mucha razón,
le hago caso al corazón
y me muero por volver.

‘Y volver, volver, volver
a tus brazos otra vez
Llegare hasta donde estés
Yo se perder, yo se perder,
quiero volver, volver,
volver.’

Nos dejamos hace tiempo
pero me llego el momento
de perder
Tu tenias mucha razón,
le hago caso al corazón
y me muero por volver.

‘Y volver, volver, volver
a tus brazos otra vez
Llegare hasta donde estés
Yo se perder, yo se perder,
quiero volver, volver,
volver.’

Muss i denn?

Update zu Von München bis Venedig (fast):

Obacht gebm. Ma bereut im Leben nie, was ma gmacht hat, bloß was ma glassn hat.

Ralf, 2012 ff.

Weihnachten 2001 hat das angefangen. Da hat mir Vroni den schönen Bildband Zu Fuss über die Alpen von Ludwig Graßler geschenkt. Das Buch scheint gut zu gehen, man entdeckt fast jedes Jahr eine aktualisierte Auflage. Weniger gut soll es dem Ludwig Graßler selber gehen: Der Mann ist gerade 93 geworden und konnte am 8.8. zum ersten Mal seit 1974 nicht um 8 Uhr auf dem Marienplatz erscheinen, um die Leute nach Venedig zu verabschieden.

Marienplatz, München--Venedig, 8. August 2018

Den Wanderweg hat Herr Graßler als führendes Mitglied des Isartalvereins persönlich eingerichtet, was sich nur ein bissel hingezogen hat, weil das Isartal leider kurz von den Alpen unterbrochen wird. Seit 1974 heißt die Strecke Traumpfad München–Venedig, hat immer noch keinen Status als offizieller Fernwanderweg, dafür ungefähr 555 Kilometer. Das klingt noch beeindruckender, wenn man die zwanzigtausend Höhenmeter berücksichtigt, und dass man vom Marienplatz bis zum Markusplatz einen Monat brauchen soll.

Marienplatz, München--Venedig, 8. August 2018

2014 war ich schon mal da, zur Verabschiedung am Marienplatz — auch wenn der Wanderweg mythischen Ausmaßes jeden lieben Tag von irgendwem beschritten wird. Berghütten werden ja nicht je einmal im Jahr von zwanzig Hanseln bewohnt, sondern 365-mal im Jahr von irgendwas zwischen zwei und zweihundert. Damals, zum vierzigsten Jahrestag der Wanderwegeröffnung war der Graßler-Wiggerl noch da, und wer nicht in Wikipedia nachgeschaut hat, konnte gar nicht glauben, dass der drahtige ältere Herr selber bloß bis Pullach mitlatschen wollte, weil er “ja schon im Neinzigsten” war. Ansonsten war’s eher trist: früh um achte noch regnerisch, und die Musik hat abgesagt und bloß eine einzelne Zehnjährige im Dirndl da, die auf der Klarinette Muss i denn zusammengestopselt hat. Schon goldig und würdig alles, und der Graßler hat mir auch an der Julia-Statue meinen Bildband handsigniert, aber es fehlt einem halt der Vorgriff auf die Majestät der Alpen.

2018 hab ich nochmal vorbeigeschaut. Die Musik war ein echter Gewinn: ein paar abseitige Landler und Schottisch von einem sichtlich Urmünchner Ehepaar, und dafür dass der Graßler sich daheim davon ausruht, dass ihm nach Aberjahrzehnten das Haus voller selberbezahlter Schreinermöbel unterm Arsch abgerissen werden und er auf seine alten Tage umziehen soll, ist allerhand Traumpfadprominenz da — so wie der Franke, der eine der brauchbarsten Websites überhaupt — die München–Venedig.net — gebaut hat und weiterhin pflegt, und heuer staunt man, wie viele junge, auffallend hübsche Madeln und gerade mal mit dem Abitur fertige Junghamster sich einen nicht ganz unstrapaziösen Monat antun wollen, für den man angeblich um die zweitausend Euro pro Nase ausgibt.

Und was alle für ein gepflegtes, selbstverständliches Bairisch reden! Was für einen Grund sollte es wohl geben, sich unnütz in München aufzuhalten, gar dort seinen Wohnsitz zu errichten, wenn nicht, um rüstigen Rentnern in beigen Rentneranoraks zuzuhören, wie sie reden wie Gustl Bayrhammer, wenn er Heilige Nacht vorliest?

Traditionell wird der Teilnehmer extra begrüßt, der die weiteste Anreise zum Marienplatz auf sich genommen hat. Es meldet sich einer aus Hamburg, tritt vor, grüßt mit zackigem “Moin!” und kriegt diskret was in die Hand gedrückt, wahrscheinlich etwas in der Qualität einer Wandernadel oder was auf den restlichen 555 Kilometern nicht so arg im Rucksack aufträgt. Die Mädchengruppe wartet Muss i denn nicht mehr ab und fängt noch diskreter schon mal mit dem Wandern an.

Marienplatz, München--Venedig, 8. August 2018

Selber komm ich seit 2001, seit ich von dem Wanderweg weiß, bloß ein-, zweimal im Jahr bis Kloster Schäftlarn. Das ist annähernd der erste halbe Tag, den ganzen hab ich mal bis Wolfratshausen durchgehalten. Der zweite, den ich getrennt davon angegangen bin, geht bis Bad Tölz, der dritte, für den ich sogar einen zweiten Verrückten gewinnen konnte, bis Lenggries. Dahinter soll’s ernsthaft bergauf gehen.

Venedig liegt übrigens auf genau 0 Meter über dem Meeresspiegel, man geht also insgesamt bergab, was man gar nicht glaubt, wenn man die Berichte und die Bilder in meinem Bildband anschaut. Aber man glaubt ja auch nicht, dass so der offizielle Weg zwischen dem Marien- und dem Markusplatz aussehen soll, seit die Brennerautobahn entdeckt ist.

Auf dem Heimweg fällt mir beim Buddeln in der Hosentasche die Tube Katzenzahnpasta in die Finger, die ich heut füh bei der Katzenhygiene dort hineingesteckt und vergessen haben muss. Ich hätte also sowieso nicht mit können.

Marienplatz, München--Venedig, 8. August 2018

Soundtrack: Wenn man von egal welchem Lied die Version von Hannes Wader haben kann, so soll man sie auch nehmen: Hannes Wader: Muß i denn zum Städtele hinaus , aus: Hannes Wader singt Volkslieder, 1990:

Ich und mein Lauf

Bratpfannenwetter. Ausnahmsweise hab ich nichts Besseres zu tun, als die Jeans aufzukrempeln und meine Hobbitlatschen in den Stadtbrunnen zu baden (ich bin Künstler, für mich ist Kontemplation Arbeit). Da springt mich von rechts hinten ein Mikrophon an:

“Was halten Sie bei dieser Hitze von Sex?”

Das Mikrophon trägt eine Manschette mit dem Logo eines berüchtigten Lokalradiosenders. Die dahinter kauernde unbezahlte Praktikantin ist blond, aber zum Ausgleich mit Brille, die “was mit Medien” ausdrücken soll. Knapp unterm Hintern handabgeschnittene Jeans, das Glitzer-Top gibt die Aussicht auf gut entwickelte Brüste ohne BH frei, ihre güldenen Riemchensandalen folgen der modischen Unsitte, eine zu dünne Sohle mit Zehenstengel und Fersenriemen zu verankern, damit das Opfer möglichst schwer rein- und rauskommt. Grellrosa lackierte Zehennägel, aber in ihrem Alter ist eine gewisse stilistische Unbeholfenheit entschuldbar. Kurz: Die vorgesetzten Schweine vom Radio haben ihre Jüngste von Oberföhring in die Innenstadt gejagt, “ein paar O-Töne einsammeln”.

“Wie war das?” Die Frage ist sie gewohnt, ich bin ja nicht ihr erster O-Ton.

“Was halten Sie bei dieser Hitze von Sex?” wippt das Mikrophon.

“Pass mal auf”, sag ich, “siehst du das Café da drüben?”

Ihr Blick folgt meinem ausgestreckten Arm: “Jaaaaa …?”

“Die haben ein Behindertenklo. Richtig groß, damit man auch mit dem Rollstuhl reinkann.”

How to confuse a unbezahlte Praktikantin. Eigentlich kann das Hascherl ja nix dafür, aber jetzt hab ich meinen Lauf:

“Das ist vom Gastraum aus nicht einsehbar, es kriegt also keiner mit, wenn du dich im Eingang irrst. Du gehst links an der Theke vorbei ums Eck, das Behindertenklo ist die erste Tür. Sperr besser zu. Ich zähl hier bis hundertfünfzig und komm dann nach. Mein Klopfzeichen ist: einmal kurz, zweimal lang. Das ist das Morsezeichen für W, weil ich Wolf heiß, aber das weißt du ja als alte Funktechnikerin.”

“Hä?”

“Inzwischen hast du Zeit, dich aus deiner kaum vorhandenen Kluft zu schälen und im Schritt frisch zu machen. Wenn ich da bin, können wir meine Klamotten auf den Fliesen unterlegen, damit du dir nicht sonstwas an die Eierstöcke zuziehst. Keine Angst, meine eigenen Gummis hab ich immer dabei, weil’s in den Automaten nie die XXL gibt.”

“Hören Sie …”

“Kein perverser Schweinkram, keine Rollen- und Fesselspiele, keine Lippenstiftringe um die Eichel oder so, wenn ich bitten darf, aber Cunnilingus geht klar, wenn du vor nicht länger als sieben Tagen rasiert bist. Ich kann dreimal, also kannst du zweimal Nachschlag bestellen. Und dein schickes Tonband kannst du ruhig anlassen dabei, irgendeinen Antörner brauchen wir ja.”

“Jetzt mal langsam.”

“Übrigens schätze ich phantasievolle Beinarbeit und eine straff trainierte Vaginalmuskulatur, dafür küsse ich wie eine gesengte Sau. Wenn du so ab der mittleren Phase schön was hören lässt, kann’s leicht sein, dass ich dir einen Zwanziger draufleg. Fragen, Einwände, Sonderwünsche?”

“Es geht ist nicht das Thema”, bewahrt sie Fassung, “ob ich Sie … ähm … küssen will …”

“Ach, nicht? Na, wenn Küssen kein Thema ist, kann ich auch am Bahnhof fragen.”

Sie rafft ihr Mikrophon nebst Aufnahmegerät zusammen, stemmt sich auf ihre bebenden Fohlenstelzen in die Höhe und verschwindet ohne ein weiteres Wort in der Menge. Hoffentlich kann sie das O-Tonmaterial verwenden, wenn sie sich mal um ein bezahltes Volontariat bewirbt.

Auf meiner anderen Seite hat sich eine hübsche junge Dame niedergelassen und planscht mit, wie alle am Brunnenrand. Strohhut auf naturroten Locken, dessen Krempe ein changierendes Schattengitter über ihre sommersprossige Himmelfahrtsnase breitet, hellblau geblümtes Sommerkleid. Sie wässert ihre adelig blassen Elfenbeine, darunter in geschmackvollem Dunkelrot abgesetzter Zehennagellack, Sommersprossen sogar auf dem Spann.

Ihre strahlenden Grünaugen hinter dem Schattengitter gucken streng. Sie versucht nicht zu lächeln, beim Sprechen erscheinen ihre Perlenzähne:

“Das hätt’s nicht gebraucht”, rügt sie mich.

“Die hat doch angefangen”, sag ich.

Sie prustet los.

36 Grad und es wird noch heißer: 2raumwohnung: 36 Grad,
aus: 36 Grad, 2007:

Klimawandelbonus

Update zu Das erste Frühlingsgedicht 2018:

Herr, es ist
Zeit. Der Sommer
war so mittel.
Inzwischen prasseln mir

an der Bushaltestelle
die Kastanien aufs
Haupt, die Zeitung
lamentiert über den

Bierpreis auf der
Wiesn, aus den
Läden sind die

Kirschen weg, und
ich erwarte täglich
Lebkuchen und Marzipan.

Soundtrack. Hubert von Goisern: da summa is aussi,
aus: TRAD, 1998:

Hinten, ganz weit hinten im Präkambrium

Kaum schaut man sechs Jährchen nicht hin, hat eins der wenigen seriösen Bücher über Naturwissenschaft, die sogar ich versteh, eine Neuauflage: Peter Rothe: Die Erde. Alles über Erdgeschichte, Plattentektonik, Vulkane, Erdbeben, Gesteine und Fossilien von 2008 ist jetzt Die Erde: Alles über Erdgeschichte, Erdbeben, Vulkane, Gesteine und Fossilien von 2015.

Das nennt sich erweiterte Neuausgabe und hat weiterhin großherzigerweise ein richtig wandfüllendes Poster beigelegt, auf dem ein Zeitstrahl mit der Erdgeschichte drauf ist, mit Vulkanen, Urzeitwäldern, Trilobiten, Dinosauriern und allem. Das hält so lange, bis das Quartär zu Ende geht.

Der Zeitstrahl fängt unten mit dem Präkambrium an, was so sinnvoll wie lehrreich ist. In der Neuausgabe von 2015 ist das Präkambrium allerdings ein schmaler, maßstabsgestauchter Streifen, was sinnvoll, aber nicht ganz so lehrreich ist. In dieser Hinsicht war das Poster der Ausgabe von 2008 nämlich eine Rarität: mit dem Präkambrium in maßstabsgetreuer Ausdehnung von 80 Prozent der bisherigen Erdgeschichte. Das war kein schmaler Streifen, das war der Löwenanteil.

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Denn meine Dienerschaft ernährt sich nur von Weißbrot mit Orangensaft

Das Leben ist ein
Rennen. Sieger ist, wer mit
dem meisten Zeug stirbt.

Soundtrack: Die Ärzte: Ich bin reich,

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Nürnberg an 16:49 Uhr

Auf dem Weg
zur meiner kleinen
Schwester aus dem
Zug gefallen erst
schnell in die
älteste Buchhandlung Deutschlands
seit 1531 wo
es riecht wie

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Altes Ego

Ich bin nicht
zu alt um
alles zu tun
was man mir
sagt ich bin
nur zu jung
um damit aufzuhören.

Soundtrack: Iris DeMent: Leaning on the Everlasting Arms, 1887, aus: True Grit, 2010:

https://youtu.be/UVuAqLTmvFY

Zwitschern ohne Twittern

Als erstes hab ich gelernt: Auch 2018 — gesundes Neues noch, falls wir uns noch nicht gesehen haben — auch 2018 ist mein Default-Zustand: ruhend im Bett. Das mag sich etwas aufwändig im Unterhalt anhören, ist aber recht umkompliziert umschaltbar in eine Art Aktivitätsmodus. Während der Verweildauer im Bett bin ich auf möglichst lückenlose Zufuhr audiovisueller Eindrücke angewiesen, dann wird das auch was mit dem Aktivitätsmodus. Nahrungszufuhr zum Beispiel. Weiterlesen

Klimawandel: O Herr, die Früchte werden groß.

Der KATER berichtet

Die dümmsten Bauern haben die größten Kiwis

Neubairischer Volksmund

 

Beweis-Pfoto:
Riesen-Kiwi 8 cm lang

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Der Retter der 62

Für die Buslinie 62 innerhalb der Isarvorstadt ergeht vorläufige Entwarnung: Die nervige Umleitung zwischen Kapuzinerstraße und Zenettistraße ist aufgehoben.

Nicht dass bisher eine Haltestelle ausgefallen wäre. Nur eben, dass man von der Kapuziner- zur Zenettistraße unverstärkt hinüberschreien kann, dass der Bus schnell warten soll — was die Klientel des Tröpferlbades, das sich akkurat zwischen den zwei Haltestellen erstreckt, nächtens bestimmt auch öfter so handhabt — der Bus aber seit Anfang Oktober ständig am Penny abgebogen und über den Umweg über Tumblinger- und Zenettistraße weiter ist. In der Gegenrichtung übrigens nicht, weil sie wieder nur die halbe Straße saniert haben. Die Längshälfte.

Um sein Viertel kennenzulernen, war’s ganz praktisch. Oder wer kennt denn das Eck ums Arbeitsamt herum, wo es ein so inniges wie sinniges Ensemble mit dem Schlachthof bildet, Weiterlesen

Wenn man dazwischen was arbeitet

Zweimal zwei freie
Tage pro Woche sind gar
nicht übertrieben.

Soundtrack: Beth Gibbons & Rustin Man: Mysteries, aus: Out Of Season, 2002:

In diesem Sinne

Schon wahr: Ich werde auf dem Sterbebett nicht denken: Ach, wenn ich doch damals zwei, drei Stündchen länger an dem einen Blog-Eintrag rumrecherchiert hätte.

Leider bin ich ziemlich genau der drittlangweiligste Teigbatzen von ganz München. Zum Vergleich: Der zweitlangweiligste soll in Großhadern auf der Komastation liegen, der langweiligste soll mal bei Pro7 moderiert haben.

Was mir Angst macht, sind die Tage, an denen ich zufällig mal nicht auf dem Sterbebett liege.

Soundtrack. Bach: Solokantate Ich habe genug, BWV 82, Leipzig 1782.
Anspieltipp: Aria Nr. 5: Ich freue mich auf meinen Tod (in der Aufnahme mit dem stilechten Countertenor ab Minute 20:32:

Hättest du je geahnt, dass die Südlichen Sandwichinseln im subantarktischen Südatlantik liegen, zum britischen Überseegebiet Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln gehören, auch von Argentinien beansprucht werden und aufgrund ihrer geographischen Lage nicht unter den Antarktisvertrag fallen?

Wenn’s mal auf hart kommt, bin ich eine Enttäuschung für jeden Psychoanalytiker. Ich träume nämlich nicht und werde ihm nichts zu erzählen wissen. Die fünf ersten Probestunden, von denen man so viel hört, werden dahingehen mit der Diskussion darüber, dass jeder Mensch träumt, was mir aber nichts hilft, weil ich mich nun mal an nix und wieder nix erinnern kann, und die nächsten zehn Stunden mit der Diskussion darüber, dass “Ich kann nicht” mitnichten “Ich will nicht” bedeutet, sondern “Ich kann nicht”, weil ich nämlich sonst “Ich will nicht” gesagt hätte. Es wird alles sehr ungedeihlich, wenn’s mal auf hart kommt.

Weil mich die Leute auch dauernd für so einen Träumer halten müssen. Mir wird aber auch grundsätzlich unterstellt, dass ich ein schlimmer Kiffer wäre, dabei bin ich wirklich so.

Letzte Woche zum Beispiel. Da war ich eingeladen. So weit weg, dass ich anderwärtig übernachten musste. Im Kinderzimmer nämlich. Da war die Nachttischlampe ein Leuchtglobus (oder ein Leuchtglobus die Nachttischlampe, je nachdem). Die Gastgeberin brachte mich ins Kinderbettchen und erklärte mir, wie man die Nachttischlampe (oder den Leuchtglobus) ausknipst, wenn man sich durch die Märchenbücher im ganzen Kinderzimmer gelesen hat.

“Und? Was Schönes geträumt?” fragte sie später beim Kaffeekochen.

“Nö, ich träum nie was.”

“Jeder Mensch träumt.”

Bevor das Gespräch schon in seiner Frühphase eine ungedeihliche Richtung einschlagen konnte, steuerte ich bei: “Und was man in der ersten Nacht in einem neuen Haus träumt, geht in Erfüllung.”

“So neu ist das Haus gar nicht, ich hab bloß Staub gesaugt.”

“Und die Märchenbücher nach Farbe geordnet.”

“Alle ausgelesen über Nacht?”

“Woher denn. Ich bin bloß platt rumgelegen, hab der Welt auf den Arsch geglotzt und bin bis vor zwei Stunden nicht drüber hinweggekommen, dass auf den Sandwichinseln das erste n fehlt. Sadwich Islds.”

“Kann sein. War im Angebot bei Weltbild.”

“Logisch. Dann dürfen die auch Tippfehler auf ihren Globus machen, wenn’s bloß um die Bilder geht.”

“Apropos Sandwichinseln: Wurst oder Nutella?”

Und ich wusste wieder, warum ich mich lieber von ihr einladen ließ als vom nächstbesten Psychoanalytiker.

Kalenderspruch

“Auftakt” ist ja gut, in der dritten Kalenderwoche, wo man schon wieder von den heurigen Dissonanzen gelangweilt ist. Das Imposante ist aber immer wieder, dass so ein literarischer Katzenkalender schon Mitte 2016 fertig sein muss, wenn das Titelbild von 2018 drinstehen soll. Das Gedicht verbreitet dagegen eine angenehme Ruhe. Schönes Wochenend.

Katz im Kalender

——— Walle Sayer:

Auftakt

aus: Cool Pains, 20. November 2013,
in: Julia Bachstein (Hrsg.): Der literarische Katzenkalender 2017,
Schöffling, Frankfurt am Main 2016, Kalenderwoche 03/2017:

Ohne Lehrerlaubnis
fällt draußen Schnee.

Dass du stehst neben dir
am Fenster deiner Dachkammer.

Hinausschaust als wie jemand,
der auf nichts wartet.

Bis schwarz eine Katze
den Garten durchquert.

Schnee fällt draußen
und bedeckt das Weiß.

Katz im Kalender: Schöffling in der Küche.

Ein Tag mit Glenn Gould

Unterschied zwischen Glenn Gould und Maria Callas? — Bei Glenn Gould hat’s nicht so gestört, wenn er mitsingt.

Haben Sie schon gekannt? Macht nix, ungefähr einmal pro Jahr erzählt den irgend jemand, der sich für den einzigen humorbegabten Kenner klassischer Musik auf Gottes Erdboden hält, und weil man ihn in solchen Abständen regelmäßig wieder vergessen hat, ist der seit mehreren Jahrzehnten für ein wiederkehrendes Grinsen gut. Heuer muss man sich noch öfter drauf gefasst machen, da hat Glenn Gould kurz hintereinander 85. Geburtstag und 35. Todestag.

Wie oft und wie lange Glenn Gould beim Mitsingen ertappt wird, kann man jetzt endlich mitvergleichen, ohne andauernd mühselig die CD zu wechseln (oder gar, wie noch früher, doppelt so oft die Platte umzudrehen): War der einzige Erfolg der weiland Google Videos, die nicht mal mehr einen deutschen Wiki-Artikel haben, dass die Videos dort länger als zehn Minuten sein durften, hat am 27. Juni 2016 ein engagierter Musikfreund mal kurz ein Video mit allen Bach-Aufnahmen von Glenn Gould (oder sollte es heißen: allen Gould-Aufnahmen von Bach…?) auf YouTube gepumpt. Es dauert über siebzehneinhalb Stunden.

Allein die jeden Höreindrucks entkleidete Zahl macht einen erschauern. “Glenn Gould spielt Bach” ist ja geradezu eine eigene Musikrichtung, die jedenfalls mehr Regalmeter auffüllen kann als manche Unterkategorien der Leicht- und Schwermetalle. Wenn da oben “Ein Tag mit Glenn Gould” steht, meine ich auch einen Tag. Einschließlich der Nacht. Die verbleibenden viereinhalb Stunden sind für einen kurzen Nachtschlaf und Stoffwechsel. Oder um weitere engagierte Musikfreunde zur Nachforschung anzuhalten, wie lange es dauert, wenn Glenn Gould mal nicht Bach spielt.

Der Eintritt in die erste Veranstaltung der Elbphilharmonie, für die man überhaupt irgendwelche Eintrittskarten kaufen durfte, hätte übrigens zwischen 19,80 und 91,30 Euro gekostet, “ggf. wenige Restkarten am Veranstaltungstag vor Ort“.

Das Wochenend sollte jedenfalls gerettet sein. Ansprechbar bin ich hinterher wieder. Aber fest versprechen kann ich’s nicht.

https://youtu.be/GokEz4bbZP4

Der Rückblick

Die schlechte Nachricht ist … Ach lass gut sein, die schlechte Nachricht entfällt, wir wollen ja heuer noch fertig werden. Die gute Nachricht ist: Keith Richards lebt noch. (Nächstes Jahr wird er ganz-arg-vielleicht den Nobelpreis kriegen. Für Chemie.)

Schloss Nymphenburg

Wir sehen uns dann nächste Woche. Oder nächstes Jahr. Oder beides. Prost.

Schloss Nymphenburg

Buidln: Champagne Hubert de Gertale & Robby Bubble Apple-Cherry auf Schloss Nymphenburg, alles vom 29. Dezember 2016 und von mir. Können Sie brauchen? Schenk ich Ihnen.

Die fünf traurigsten Stellen im Internet

5.: Aufgenommen ca. 1995, 0 Favs, 0 Kommentare.

4.: Deine Änderungen konnten nicht übernommen werden.

3.: Versuche es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.

2.: Finde heute noch sexy girlfriend in Deiner region bis 300 km.

1.: Sei die erste Person, der das gefällt.

Soundtrack: Handsome Family: Far From Any Road, from: Singing Bones, 2003.

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