Ach, ich schreib so ungern über tagesaktuelle Sachen, aber das Merkel hat schon letzte Woche offen gedroht, dass sie vorerst bis anno 2021 den Völkern der Welt zu schaden gedenkt, als wären sie ihr eigenes. Vermutlich als „Kandidatin“ für CDU, SPD, Linke, Grüne, AfD, NPD, NSU, NSA, FDP, FBI, CIA, CSD und CSI, nur nicht für CSU.

Es wird sich also weiterhin ausreichend Gelegenheit ergeben, das Merkelwesen beim Ringen mit sich selbst zu beobachten. Das ist okay; bei vierbeinigen Reptilien kann das ein gewinnbringendes Schauspiel sein.

Dennoch glaube ich an dieser Stelle für alle Betroffenen sprechen zu dürfen, wenn ich die Verantwortlichen bitte, von einem Wahlkampf abzusehen. Die Argumente, Merkel zu wählen, sind bekannt und passen auf einen Bierdeckel. Es geht auch nicht ums Zigarettenrauchen oder Burkatragen, wo man dafür oder dagegen sein kann und erst jahrelang die Fernseh-Talkshows von meinem Geld vollschwallen muss, bevor es verboten wird.

Ein Argument, das für einen Wahlkampf spräche, existiert dagegen nicht. Nicht mal ein unvernünftiges. Das ist sogar postfaktischen Flache-Erde- und Chemtrail-Vefechtern zu hanebüchen. Noch nie wurde die Ansicht vernommen: Au ja, endlich wieder Wahlkampf, da erfährt man aus berufenem Munde, was jetzt schon wieder alles besser wird, und sieht am Bus ein paar neue Gesichter. Es geht mir halt, und damit stehe ich nicht allein, aus gefühls- und zeitökonomischen Gründen am Arsch vorbei, in welcher Anzugfarbe ich enteignet werde.

In den bisherigen 30 Jahren meines wahlberechtigten Lebens wurde sowieso noch nie jemand gewählt, den ich gewählt hab; anscheinend bin ich eine Art Kassen- oder Urnengift. Das hat den Vorteil, dass ich mich immer rausreden kann: Ich hab diese schwelend gewaltbereite Ballwurfbude nicht zusammengewählt, war aber immer recht dankbar für meine grundgesetzlich zugesicherte Meinungsfreiheit. Zum Beispiel jetzt im Moment.

Mit 18, kurz nach Tschernobyl, kreuzte ich in meiner ersten Wahlkabine in der Spalte „Die Grünen“ eine mir leider nicht persönlich bekannte Kinderkrankenschwester an, weil kurz vorher in Sozialkunde dran war, dass jede Stimme dem Angekreuzten fünf Mark bringt. Krankenschwestern konnten also schon immer auf meine Unterstützung zählen, auf die sie nicht angewiesen sind — aber der Franz Josef, der einem damals allzu nachdrücklich zur Wahl empfohlen wurde, erst recht nicht auf meine fünf Mark. Heute bin ich 48 und sollte mich langsam wieder gut stellen mit den Krankenschwestern. Man kann also blendend ohne Wahlkampf darauf kommen, was zu tun ist.

Die eingesparten Steuern können gern an mich überwiesen werden. Oder wenigstens an Lichtblick (absetzbar!) oder so.

Gut, das hätte ich jetzt kürzer sagen können. Also nochmal: Bitte keinen Wahlkampf. Ich habe gesprochen, denn ich bin das Volk. Danke, Merkel.

Soundtrack: Hannes Wader: Trotz alledem, Neuversion live 2014; Original aus: Volkssänger; 1975; Urtext: Ferdinand Freiligrath, 1843 ff., nach Robert Burns: Honest Poverty, 1795: