Tintenherz

A person who won’t read has no advantage over one who can’t read.

Mark Twain

Unser Halloween-Beitrag

Schopftintling Zeichen des Verfalls

Fund an den Isarauen. Foto: Vroni Gräbel

Schopftintling - der Verfall eines Speisepilzess

Schopftintling, jung den ersten Tag lang eine kulinarische Köstlichkeit, später mit spektakulärem Abgang. Foto: Vroni Gräbel

Tintenherz – Der Verfall. Statt Kürbisse allenorten.

Dieser Pilz ist jetzt in die Welt des Blog-Lesens als Platzhalter verschwunden. Es gibt ihn bereits in der Natur nicht mehr. *

 

______________________________________

* Schopftintling, Altersform kurz vor dem Ver-wesen. Als junger Schopftintling wäre er ein hervorragender Speisepilz gewesen.

 

 

Hurra, die neuen Zahnrädchen des Küchenmixers sind da. (Geplante Obsoleszenz ade)

(Was bisher geschah: Artikel Abschied in Wehmut. Voreiliger Nachruf auf einen Handrührer.)

Bin gespannt. Das Päckchen mit den neuen Zahnrädchen von Elektro-Franck ist gekommen. Werden sie passen? Wird das Küchenrührgerät wieder gehen? Schaun mer mal.

Bild: Die neuen Zahnrädchen liegen vor dem geöffneten Gehäuse des Mixers.
Die neuen Zahnrädchen (Beater Gears von Kenwood) für den Privileg-Mixer liegen bereit.

Obsolenz, nein Danke. die neuen Zahnrädchen sind da! Und schon eingebaut.
Und eingebaut. Die alten ausgeaperten Zahnrädchen jetzt vorne. Man sieht deutlich die Spuren der Zeit.

Bild: die abgeschliffene Stelle des alten kaputten Zahnrädchens
Und hier sieht man die abgeschliffene Stelle, die das Rührwerk des Küchenmixers mit einem Klackern sofort zum Stillstand brachte.

Bild: Jede Menge Staub im Inneren des Mixers.
Und so sieht es aus, wenn man alte Geräte aufmacht: jede Menge Dreck.

Bild: Der Innenraum des Küchenrührgeräts ist gesäubert und die reparierten Innereien dürfen wieder rein
Nach erfolgreicher OP darf das Rührwerk wieder zurück in den sauberen Bauchraum.

Bild: die Menga an Staub, die in einem alten Elektrogerät wie diesem Küchenmixer schlummert
Oha! Nichts für Ete-Petete-Prinzessinnen und Sagrotan-Hygieneapostel. Die Menge an altem gelblichem Mehl- und Umluftstaub, der in einem 30 Jahre alten Küchenmixer schlummert. In einer Kehrrichtschaufel sichtbar gemacht. Links das mit einem Pinsel gereinigte Gerät.

Bild: Das Rührwerk ist dank der neuen Zahnrädchen wieder voll funktionsfähig, der Motor läuft tadellos.
Man darf gerührt sein. In neuem Glanz und tadelloser Lauf: das Rührwerk und der Motor.

Bild: Beide Rührquirle drehen wieder.

14 Tage war der Mixer krank, jetzt dreht er wieder, gottseidank. Beweisfoto.

 

“Constant Multitasking Craziness”

Dies Formulierung kommt in mein Glossar. Und nicht alle englischen Begriffe sind bäh!, nur weil sie englisch sind. Ich übersetze dennoch: "eine Meise kriegen wegen ständig nebeneinander her laufender Aufgaben." Oder auch: "die stetige Angst, etwas zu verpassen." Da ist Englisch schön kurz dagegen (sonst droht constant translation craziness, known as lost in translation).

Gefallen ist der Begriff in dem nicht minder interessanten Artikel

Der Feind in meinem Postfach

des gedruckten TAGESSPIEGEL (Auch online hier lesbar, learn more…) Wo es schlicht um das Problem der Flut der E-Mails in den Postfächern der Büroangestellten geht und um die verheerenden Ablenkungen von den anderen Arbeitstätigkeiten – und ein Manager deswegen versucht (keine reine christliche Nächstenliebe, aber verstehbar, weil am casual Freitag wohl die meisten Spaßmails kursieren), bei seinen Angestellten den E-Mail-freien Freitag einzuführen:

"„Hiermit verkünde ich ein E-Mailverbot für Freitage“, hieß es in dem
Schreiben, das Jay Ellison, Vizepräsident der amerikanischen Firma US
Cellular, an 5500 Mitarbeiter schickte.
„Ich freue mich darauf, nicht
von euch zu hören.“
Zu jener Zeit bekam Ellison selbst an die 300
E-Mails am Tag. Er habe, sagt er, gar nicht mehr Schritt halten können
mit diesem Nachrichtenwust."

Dazu kommt noch die Angst, bei der Rückkehr von einem Urlaub von einem E-Mail-Tsunami der Sonderklasse hinweggespült zu werden.

Zügiges Arbeiten am Rechner?

"Für genau das bleibt meist wenig Zeit, wie Gloria Mark von der
University of California herausfand, nicht mehr als elf Minuten. […] Büroarbeiter
befassen sich also in jeder hypothetischen Arbeitsstunde 22 Minuten mit
dem, was sie sich vorgenommen haben, die restlichen 38 Minuten gehen
für die Unterbrechungsbewältigung drauf.

Doch ist er [der Büromensch, Anm. d. S.] auch ein
begabter Selbstablenker: Nach spätestens zwölf Minuten unterbricht er
seine Arbeit von alleine. Fast scheint es, als sei die
Konzentrationsspanne, zu der man fähig ist, durch die ständige
Reizüberflutung gesunken, als werde man unruhig, wenn in der
Elf-Minuten-Frist keine E-Mail eintrifft. „Constant Multitasking
Craziness
“ nennt Gloria Mark das Phänomen, dass Berufstätige eine
ständige Jonglage mit verschiedenen Aufgaben betreiben. Das gilt vor
allem für Führungskräfte, die am Tag durchschnittlich 200 E-Mails im
Postfach haben.

Gegen das alles soll jetzt ein Tool entwickelt werden, Benachrichtungen über ankommende E-Mails bekommt der Büromensch dann nur noch in Situationen geringer Konzentration. Ganz kann ich mir das noch nicht vorstellen, denn dann müsste man seinen Schädel doch verkabeln lassen, oder?

Bis es soweit ist: Casual E-Mail Friday please! Nur noch persönliche Gespräche. Und in lustigen Hemden & Bermudahosen führen! (Zicken Sie nicht rum, am Telefon sieht das doch keiner…).
Oder auch so:

Ein IBM-Manager, so heißt es, hat inzwischen eine
Unterzeile an seine E-Mails angefügt: „Lies deine Mails nur zweimal am
Tag. Hol dir deine Lebenszeit zurück und lerne, wieder zu träumen.“


Frauen, die sich von schwulen Designern gängeln lassen.

"Man kann Geschmäcker und Farben nicht reglementieren." (Didier Grumbach, Präsident des französischen Verbandes der Modeindustrie). Arrogantes Rückzugsgefecht einer Modeindustrie, die wirtschaftlich schon bessere Tage gesehen hat.

Dass jeder Designer das selbst entscheiden dürfe. Keiner wird einen Künstler gängeln wollen, wir leben nicht mehr in einer Diktatur, die Kreativen vorschreibt, was sie zu denken hätten. Mehr
aber als retro-Verwurstung der Kleidungsstile der 60er, 70er, 80er und 90er,
mehr als das erneute Inszenieren des Elfen-Looks der Britin "Twiggy" Lesley Hornby fällt diesen sich für innovativ haltenden Männern jedoch im 3. Jahrtausend nicht ein.

Es geht heute – anders als in den experimentierfreudigen 60ern – nicht mehr um die spielerische Selbst-Inszenierung oder Protest durch Kleidung, es geht um die Inszenierung des beherrschten halb-nackten Körpers der Frau.

Halbnackt, da die Défilées statt Kleidung nur das Nötigste bedeckende Stoffstreifen zeigen, die auf unerklärliche Art zusammengehalten sind. In Wirklichkeit das Inszenieren eines allen Blicken ausgesetzten und schwächlichen unreifen Körpers, der sich nicht vernünftig – sondern nur gehemmt – bewegen kann, ohne dass ihm diverse Gaze-Stoffstreifen abfallen.

Der backlash, die Hemmung der sich ihrer Weiblichkeit bewussten starken, erwachsenen Frau, die männlichen Designern einfällt statt lustvoller Kreativität? Oder einfach nur hirnlos? Selber nur unreife Buben? Denn sie wissen nicht, was sie tun? Oder letzte Arroganz einer eh sterbenden Mode-Industrie?

Die immer dünnere Silhouette, die immer männlich-schmaleren Hüften, die von Designern skizziert werden (gerne im Uniform-Look), sind das Ergebnis eines zum kindlich-schwachen verzerrten Frauenbilds der, gerne homoerotischen, auf jeden Fall männlich geprägten Modedesignerwelt, die sich selber malt. Im ersten Fall keine Ahnung, was wirklich echte Weiblichkeit ausmacht (die schwulen Designer), denen kann ich nur raten, solche Hungerentwürfe mal für den Kerl zu machen.

Tun sie aber nicht. Gaultier lässt den schwulen oder metrosexuellen Mann nicht schwächeln. Was diese Abbildung beweist. Deren Männer-Knie erscheinen nicht riesig-knubbelig, durch deren Oberschenkel kann man keinen Fußball durchschießen.

Bei der dünnen Kate Moss, dem in Mailand ausgeschlossenen Model, und Amber Valetta geht das. Weil das des männlichen Designers Geschmack und Wille und Vorstellung ist.

Im letzten Fall das Bestreben des Alpha-Männchens, als Mann der Alpha zu bleiben. Das geht nur mit einer Frau, die so zart ist, dass sie von einer Brise weggeweht wird. Böse Zungen sagen Kleiderständer dazu, Tom Wolfe nennt solche Trophy Wifes, die kräftemäßig einem Mann sicher nicht gefährlich werden können, in seinem  "Fegefeuer der Eitelkeiten" "Society-Röntgenbilder".

Der Zusammenhang mit immer gestörterem Essverhalten wird klar. 15jährige Models (älter sind sie nicht in Mailand und Paris) tun es, Schülerinnen ab 13 tun es: dünn sein wollen, Diäten machen. Ausgerechnet in einem Alter, wo sie verunsichert, verletzbar sind, werden sie so geprägt, dass sie der Außenwelt zu gefallen haben, statt sich selbst. Niemand kann sich konsequent dem Einfluss der Gazetten und Filme entziehen, außer er lebte im Wald. Insofern haben Modemacher, Werber, Journalisten und Medienleute Verantwortung. Ich sehe sie nur nicht, sie wird nicht gelebt.

Die will in einer aktuellen Studie 2006 belegt haben, dass die Magersucht ("anorexia nervosa") genetisch bedingt ist. Das entlastet auf den ersten Blick den Modemacher und die Arroganz aus Paris.

Für mich ist er nicht entlastet, denn die Genforschung sagt auch eindeutig, dass genetische Veränderungen mit aktuellen zivilisatorischen, auch aktuellen neurologischen Veränderungen einhergehen. Das heißt, das, was ich jetzt lebe, verändert bereits meine jetzige Gendisposition: meinen erworbenen plus im jetzigen Leben veränderten Genhaushalt. Beides gebe ich an meine Nachkommen weiter. Neben der erblichen Anorexia sind die Bulimie (Fressen & Kotzen) und weitere Ess-Störungen psychisch bedingt und eine wahre Endemie.

Keine Entlastung, euer Ehren Designer.
Und mein geballtes Unverständnis nach Paris, dem sterbenden Mode-Imperium mit seinen Rückzugsgefechten.

Der neokon-Zeitgeist ist ein Skelett und weht wieder rückwärts. Kernfrage: Haben Männer Angst vor starken Frauen? Ich denke, ja.

Fragt sich nur, warum aufgeklärte Frauen sich in ihrem Selbstbild so fremdgesteuert gängeln lassen. Weiss jemand eine Antwort?

Das Fraunhofer rechnet dem Bäcker den besten Standort aus.

Nennt sich Geo-Marketing und Netzbetreiber kaufen das längst ein. Pech für einen hoffnungsvollen Netzkunden, der in einem "unrentablen" Gebiet wohnt. OK, nicht mehr so ganz neu (19. Oktober), aber für mich als Hybrid von Forschungsfreak und Werber interessant, für andere hoffentlich auch. Gefunden auf der Fraunhofer AIS:

Formeln
für die Werbung – Um die besten Standorte für Plakate und Schaufenster
zu ermitteln, müssen Mathematiker gewaltige Datenberge bearbeiten

"… oft sind weit mehr Informationen zu berücksichtigen und
gegeneinander abzuwägen, als es mit bloßer Intuition möglich ist. In
dieser Situation versuchen die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts
für Autonome Intelligente Systeme (AIS) in St. Augustin Unternehmern zu
helfen. Die Forscher entwickeln Software, komplexe Daten auszuwerten
und so eine rationale Grundlage für Entscheidungen zu liefern." mehr…
Obacht, jetzt kommt ein PDF, d.S.

Jetzt wende ich mich wieder der Erkundungsrobotik zu, ebendort. Nix fur euch.

Schock: Wenn der Babyboomer in die Jahre kommt

Der Markt für die jetzt um die 40jährigen Babyboomer fängt an, sich neu aufzustellen. Da man sich ausgerechnet hat, dass diese vorgeblich technikverliebte Generation es auch in der Rente als Silver Generation nicht lassen wird, auf Technik zu verzichten. Irjendwo muss ja der Konsum herkommen, näch?

Zum Beispiel gibt es den sogenannten Parkinson Calculator, der
dem alternden Grafik-Designer bei sehr zittrigen Fingern einwandfrei
das Taschengeld für den Enkel ausrechnet, indem er sich nach Häufigkeit
und Wahrscheinlichkeit orientiert. Die Dame oben –
Ex-Mediengestalterin? – sitzt am "seniorengerechten" Computer "Pinguin"
(Ob der Linux drauf hat?).

Das is ja alles ganz prima, aber die Begriffe "Junge Alte" und "seniorengerecht" sind schon echt Scheiße. Der Babyboomer und die Babyboomerin, die ich so kenn, pfeift auf verlogene Senioren-Werbung und will normal angesprochen werden (er kennt die schrecklichen Anzeigen zum Treppen-Lifta?) nicht mit solchen Wörtern, steigt entrüstet auf die Harley und geht abends eins trinken oder gamen.

(Quelle: Technology Review, November 2005, Bericht S. 45. Der übrigens sonst sehr ordentlich ist. Es werden demnach folgende Erfindungen auf den Babyboomer zukommen, sofern er dann noch kaufkräftig und nicht verhartzt ist:

Handies mit Riesentasten und großen Displays

Vereinfachte Computer mit TouchScreen oder Spezial-Maus-Software

Tölzer Würfel statt i-Pod (Tonwiedergabegerät ohne Knöpfe und Schalter)

Autos mit Fahrerassistenzsystemen wie Auffahr-Stop oder Einschlaf-Signal

vernetztes Wohnen "in-house"

Die Japaner haben fürs Altersheim eine "Menschenwaschmaschine" entwickelt. Kein Scherz.

Roboteranzug, der Gehbehinderten beim Laufen hilft.)

Irjendwie finde ich das alles furchtbar. Kann man bitte nicht normal altern wie früher? Muss einen die Marketing-Maschine bis zum Gartengrill oder ins hintere Malzimmer verfolgen oder dauernd beim Lesen eines Buches stören? Ich meine, ich hab sogar als Designer/Werber seit 4 Jahren meinen Fernseher abgeschafft. Geht prima ohne TV-Spots (wenn ich gute sehen will, gehts zur Cannes-Rolle oder ins Internet), TV-Shopping, Christiansen, Jauch, Fliege und Ungeheuer am Mittag. Nur das Leben ohne diese Herrschaften hält mich geistig fit.