Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Supermarktmentalität (Seite 1 von 2)

Der nächste Meter bedruckter Seiten

Jetzt endlich auch bei Ikea: keine Bücher!

Beim buchreport haben sie offenbar schon am 29. August den Ikea-Katalog für 2019 gekriegt. Müssen wohl die Rezensionsexemplare sein; jedenfalls verreißen sie ihn sofort: Verdrängung im Bücherregal: Ikea inszeniert Wohnen mit wenig Buch:

Geht es dagegen nach dem in diesen Tagen an ca. 25 Mio deutsche Haushalte verteilten 300-Seiten-Katalog 2019, spielen Bücher nur noch eine marginale Rolle. Statt der bunten Bücherregale früherer Jahre finden sich meist nur noch in schwarzen oder weißen Umschlägen neutral gewandete Einzelstücke als marginale Accessoires. Zahlreiche der abgebildeten und explizit als “Bücherregal” bezeichneten Möbel enthalten Wollknäuel, Geschirr und andere Haushaltsgegenstände, aber kein einziges Buch.

Schön auch zu erfahren: Bei der FAZ lesen sie sowohl den Ikea-Katalog als auch den buchreport, jedenfalls deren Feuilleton-Redakteurin Elena Witzeck, die beobachtet: Klassiker für Katzen. Neuer Ikea-Katalog ohne Bücher, FAZ, 30. August 2018:

In seinem neuen Katalog hat Ikea die Bücher aus den Regalen verbannt. Ist das die Lehre aus dem Vormarsch des Digitalen – oder ein Plädoyer für den Müßiggang?

[…] Sicher, jeder hat schon einmal einen Bücherschrank zweckentfremdet. Man denke nur an die regalfüllenden DVD-Sammlungen lesefauler Lebenspartner, die jede nach Autoren und Stilformen geordnete Buchkollektion durcheinander brachten. Oder an die Hauskatzenangewohnheit, tote Mäuse in ungenutzt gelassenen Fächern zu verstauen. Aber ein Blick in alte, akribisch im Buchregal gesammelte Ikea-Kataloge zeigt, dass “Billy” früher immer voller Bücher stand, sogar im Kaufhaus selbst, was ja einer von vielen Gründen war, warum man beim Gang durch die Möbelabteilung immer so lange brauchte. Und wenn das erstandene Regal noch so langweilig war und auch beim spießigen Nachbarn stand – zumindest die Auswahl der Titel darin konnte man selbst bestimmen.

Auf meinem eigenen letzten Müßiggang durch den Echinger Ikea ist mir aufgefallen, dass sie dort keineswegs eine verlockende Bibliothek in ihre Wohnlandschaften geordnet haben, sondern abertausendfache Pappdeckelmodelle der erst posthum öffentlich gemachten Coming-outs von — nein, nicht etwa Astrid Lindgren; wo dächte man hin? — Patricia Highsmith: Elsie’s Lebenslust, ‘Small g’ — eine Sommeridylle und Carol. Roman einer ungewöhnlichen Liebe, in späterer Übersetzung: Carol: Salz und sein Preis.

Attrappen von Lesben-Klassikern mit diskutierwürdigen Apostrophen einer Amerikanerin aus einem Schweizer Verlag am Stadtrand von Eching — das war noch praktizierte Weltoffenheit der Seefahrernation Schweden. Nachdem Ikea seinerseits sein ausgewiesenes Bücherregal Billy in einer Form neu auflegte, in der man seine eigenen Bohrlöcher nach Bedarf mit dem kleinen Finger ins Holz stechen konnte, soll mir mein geboosteter Vintage-Ivar reichen. Der aktuelle Produkttext für Billy handelt ausdrücklich über “Regale & Bücherregale”, aber eben:

Nicht nur für Bücher

Bei IKEA versuchen wir immer, neue Wege zu denken. Zum Beispiel, indem wir uns bei einem Bücherregal nicht auf Bücher als Aufbewahrungsgegenstände beschränken lassen. Regale eignen sich auch für Geschirr hervorragend. Oder für deine Sammlungen. Aber wenn du sie einfach nur für den nächsten Meter bedruckter Seiten brauchst, ist das selbstverständlich auch prima.

Sie raten von Büchern ab und biedern sich sogar mit einer als fortschrittlich eingestuften Zielgruppe an, indem sie sich gallig von analogen Medien distanzieren — das hätte wenigstens der investigativen FAZ ruhig auffallen können. Dem allzeit wachen und dem Buchhandel zuarbeitenden buchreport hätte ich vorgeschlagen: Meine Fresse, warum geht Ikea denn nicht endlich eine längst überfällige interdisziplinäre Kooperation mit dem Aufbau-Verlag ein?

Fortschrittlicher Soundtrack in Blau und Gelb:
Reinhold Limberg: Bau auf, bau auf, Freie Deutsche Jugend, bau auf!, 1951:

Sammeln Sie Punkte?

Auf die Frage hab ich bis letzte Woche immer geantwortet: “Ja, im Gesicht.” Danach kennt mich die Kassiererin und fragt nie wieder.

Letzte Woche ist mir beim Warten an der Bushaltestelle eine Paybackkarte zugelaufen. Da ist eine rote Katze drauf, die mich anmiaute: “Nimm mich mit!” Erster Impuls natürlich: ab damit ins Fundbüro, aber wo um Himmels willen ist ein Fundbüro und gibt’s das überhaupt noch? Sonst finde ich immer nur Eurostücke, die sich als Augustiner-Kapseln herausstellen.

Ein Test bei der Kassiererin, die mich schon lange nicht mehr fragt, ob ich Punkte sammle, ergab: Weiterlesen

Der Geschenktipp des Jahres (doch, echt jetzt)

Der Advent liegt heuer skurril. Zum praktischen Gebrauch stehen nur drei Adventssonntage zur Verfügung, der vierte ist schon Heiligabend, worüber sich der Einzelhandel nicht genug zerfleischen kann, als ob es heute noch Angestelltenverhältnisse gäbe, in denen man nur das bisschen arbeiten muss, das in den Arbeitsverträgen aus dem Abreißblock vom Kaufhof steht.

Silvester ist quasi fünfter Advent. Und wo wir gerade beim Einzelhandel sind: Liebe Kinder, es werden mir keine Gegenstände gekauft, Weiterlesen

A so an Haffa Biacha dahoam

Jetzt kommen’s wieder daher: Kaum hat man sich eineinhalb Jahre dran gewöhnt, dass der Hugendubel am Marienplatz dicht ist, machen sie ihn wieder auf.

Weil so viele Kunden so sehnsüchtig drauf gewartet haben, sagen sie. Weil sowieso jeder “am Hugendubel” sagt, wenn er sich am Marienplatz verabredet, weil “am Fischbrunnen” schon seit 1318 nicht besonders einladend klingt, nehm ich an. “An der Telekom” oder “an dem neuen Luxushotel für arabische und russische Wohnungsspekulanten, denen der Bayerische Hof schon zu runtergewanzt ist”, was das gleiche Gebäude bezeichnen würde, sagt eh keiner.

Wo sie zugemacht haben, war man tatsächlich versucht, mit dem Hugendubel Mitleid zu haben, den man bei seiner ersten Eröffnung als Antichrist mit Rolltreppen dargestellt hat. Der Endgegner Internet war dann doch noch ein Stück größer, und auf einmal war der Hugendubel halt doch bloß ein Bücherladen, und keine Rede mehr davon, dass der nächste größere Hugendubel weiterhin am Stachus haust und der schönere — skurril genug — in den Fünf Höfen, alle zwei fünf Minuten vom Marienplatz weg. Jedenfalls zu Zeiten, in denen man auch wirklich in einen Buchladen hinein möchte.

Laut sämtlichen Presseberichten besteht der größte Vorteil des “neuen alten” Standorts darin, dass man da — o des Novums — “Kaffee trinken” kann und die E-Books jetzt keine gesonderte Abteilung mehr haben. Was mich beruhigt, ist der gar nicht als Vorteil ausgelobte Umstand, dass der Eingang hinten raus zum Rindermarkt liegt. Der letzte Grund, jemals wieder den Marienplatz zu betreten, entfällt also immer noch.

Die E-Books sind jetzt ins Sortiment integriert, als ob sie Bücher wären, und die “Leseinseln” sind ebenso abgeschafft wie drei von fünf Stockwerken. Nur logisch, weil Strombücher keinen Platz wegnehmen, jedenfalls keinen, der Innenstadtmiete kostet. Und ein Buch, das nicht wert ist, es stehend bei Hugendubel auszulesen, wäre auch nicht den — dankenswerter Weise immer noch — gebundenen Verlagsvollpreis wert gewesen.

Ein Gewinn für die Logistik, weil sie ihr Altpapier ab sofort spätestens zum Saisonwechsel zum Hinterausgang vom Luxushotel über den Rindermarkt raus in die Sendlinger Straße karren können, ohne Münchens neue Wohungseigentümer mit Leitkulturgut zu belästigen. Da in der Sendlinger steht nämlich in Nummer 24 eine der wenigen verbliebenen relevanten Buchhandlungen, der texxt, wo sie das ein halbes Jahr alte Zeug für die Hälfte verhökern. Oder es jedenfalls ungebrochen tapfer versuchen. Ganz verkehrt kann’s also nicht sein, wenn in München ein neuer Buchladen aufmacht — auch wenn er alt ist und schon zehnmal offen hat.

Wenn ich so durchvergleiche, hat der texxt alle der angepriesenen Vorteile vom Hugendubel außer dem Kaffee, vielleicht weil schräg gegenüber der Starbucks drinsitzt, wenn’s einer mag. Am Wochenend geh ich dann doch wieder in alle zwei und bestell daheim über Booklooker ein steinaltes Artemis-Winkler für 2,95, das ich mir mit 14 nicht leisten konnte.

Wenn sie beim Hugendubel eine antiquarische Abteilung für Strombücher haben, meld ich mich wieder.

Live vor Ort: Buch Wurm: Hugendubel Neueröffnung Marienplatz 08.17, 1. August 2017:

https://youtu.be/R3uudQMB1wA

Deine neue Schlampe

Alexa versteht jetzt auch Liedertexte. Slayer und norwegischer Death Metal sind noch early Alpha, dafür werden die meisten Texte von Morrissey und The Cure schon zuverlässig an die Psycho-Hotline weitergeleitet. Bei Bibi schaltet Alexa automatisch den Jugendschutz ein, d. h. für Kontoabbuchungen muss das Passwort von einer männlichen Stimme gesprochen werden.

Empirisch ungesichert bleibt vorerst, was passiert, wenn Liedertexte missverständliche Anweisungen erteilen und wenn sich Alexa mit Siri anlegt.

Missverständliche Anweisung: Hatebreed: Destroy Everything, aus: Supremacy, 2006,
offizielles Live-Video vom With-Full-Force-Festival 2007, Ferropolis bei Gräfenhainichen.

Obwohl ich arm bin, kann ich in meiner Bude Fahrrad fahren

Zahlen! Die kann man so oder so sehen!

Majestix.

In Europa gibt es 4,1 Millionen Obdachlose. Und 11 Millionen leerstehende Häuser. Nicht Wohnungen. Häuser.

Da gibt es jetzt die einen, die sagen, na super, dann müsste es ja kein Problem geben, es ist auf der Welt alles für alle da, es ist nur scheiße verteilt.

Und dann gibt es die anderen, die sagen, na super, in Europa kriegt jeder Penner drei Häuser in den Arsch geschoben. Also statistisch jetzt.

Und dann gibt es uns, die sich vor lauter eigengenutztem Wohneigentum nicht mehr aus dem Haus trauen, weil das Geld kosten könnte, das hinterher an der Wohnungsrate fehlt, weil wir immer noch aufs Daheimbleiben sparen und nicht aufs In-der-Weltgeschichte-Herumhupfen, und weil in der Statistik wieder nicht dringestanden ist, ob die 11 Millionen leerstehenden Häuser mit unverbaubarem Meerblick an der Côte d’Azur, in Giesing zwei Minuten von der U-Bahn oder an einem stechmückenverseuchten Tümpel in Nordfinnland leerstehen, und wie viele Obdachlose pro wie viele Wohungen pro Haus da reinpassen und wie weit sie von da pendeln müssen, um die Miete zu erschwingen. Und ob Wohnen jetzt Menschenrecht ist oder nicht und wenn ja, warum es keiner umsetzt.

Mal so zum Beispiel:

Exquisiter Lebenstraum auf 2 Ebenen: 4 Zi. DG-Altbaujuwel mit Galerie & Balkon

Kapuzinerpl. 5, 80337 München, Deutschland

3.400€· Altbauwohnung (Zu vermieten)

TRAUMWOHNUNG NAHE GLOCKENBACH: HERRLICHE TOP SANIERTE 5 ZI. ALTBAU-WOHNUNG, PARKETT, STUCK & BALKON

Idyllisches Schmuckstück in der »Isarvorstadt« nahe Glockenbach

OBJEKTBESCHREIBUNG

Inspirierender Freiraum auf zwei Ebenen nahe des begehrten Glockenbach Viertels – Ein Stück Luxus vom Feinsten, den man sich gönnen sollte…!

Diese faszinierende 4 Zimmer Maisonette Wohnung befindet sich hoch oben im 2003 ausgebauten Dachgeschoß eines monumentalen Wohnhauses der deutschen Renaissance inmitten des neuen Trendviertels »Isarvorstadt«. Schon der Anblick der bildschönen Altbaufassade wird Ihr Herz höher schlagen lassen und Ihre Vorfreude auf zauberhaft romantische Tage in Ihrem neuen Zuhause wecken…

Eine optimal mit stilsicherem architektonischen Einfühlungsvermögen durchdachte Grundrissgestaltung mit schönen offenen luftig-hellen und hohen Räumen sowie stilvolle Details bei der Innenausstattung lassen diesen modernisierten Altbautraum zu einem besonderen Wohnerlebnis werden, der Ihre Phantasie und Einrichtungsträume beflügeln wird.

Sicherlich wird diese schöne Wohnung auch Ihr Herz höher schlagen lassen. Bitte begleiten Sie uns auf eine Besichtigung und lassen Sie den Charme der Wohnung bei einem persönlichen Besichtigungstermin auf sich wirken! Dann werden wir sehr gerne auch Ihre Wohnträume wahr werden lassen.

Verlockende Lichtspiele und traumschöne Gestaltungsmöglichkeiten

AUSSTATTUNG

Ein imposantes hölzernes Tor mit schmiedeeisernen Beschlägen eröffnet den Zugang zu einem idyllischen Innenhof. Ein moderner Lift führt Sie hinauf in den 5. Stock zu einer repräsentativen Wohnung mit lichtdurchfluteten Räumen. Schon beim Betreten dieses stilvoll modernisierten Altbau-Traums wird Ihnen schnell klar, hier eine ganz besondere Wohlfühlidylle gefunden zu haben!

Charmante Dachschrägen und eine bezaubernd schöne hölzerne Balken-, Säulen- und Schrägen-Architektur prägen den stimmungsvollen Charakter dieser großzügig geschnittenen Galerie-Wohnung. Die Ausstattungsmerkmale sind in Design, Technik und Farbwelten auf höchste Ansprüche hin ausgelegt worden. Der ursprüngliche Glanz vergangener Zeiten wurde stilvoll und gekonnt restauriert und gelangt zu neuer Blüte: Neben den historischen Stilelementen kultivieren modernisierte Ausstattungsmerkmale wie auch eine Fußbodenheizung die gehobene neuzeitliche Wohnqualität. Das inspirierende Farbkonzept des wundervollen Eichenparketts im stimmungsvollen Wechselspiel mit den naturbelassenen oder weiß lackierten hölzernen Balken und Säulen unterstreicht die natürliche Note des edlen Dachgeschoß.

Es empfängt Sie stilvoll ein Entrée mit separater Garderobenmöglichkeit. Ein von Licht durchflutetes Wohn- und Esszimmer mit angrenzender offener komplett ausgestatteter Küche ist das Herz dieser malerischen Dachwohnung. Es besticht durch seine optimale Raumaufteilung mit hoher Raumhöhe und lädt genußvoll zum glamourösen Tafeln wie auch zum wohltuend relaxten Loungen ein. Von hier gelangen Sie auch auf den entzückenden Balkon mit einem weiten hellen Blick über die Dächer und in den Himmel. Lauschen Sie dem fröhlichen Zwitschern der Vögel und kreieren Sie hier Ihre ganz persönliche kleine Stadtidylle mit einem prachtvoll blühenden und verführerisch duftenden Blumenparadies… einen zauberhaften Ort mit verwunschenem Charme, der Ihre Gäste begeistern und Sie den Rest der Welt vergessen lässt!

Auf dem ersten Level befindet sich auch ein charmantes Schlafzimmer sowie ein strahlend weiß gefliestes Badezimmer mit Fenster, Badewanne, zusätzlicher Dusche und Doppelwaschbecken, welches Ihnen schon in den Morgenstunden fröhlichen Genuss und gute Laune schenken wird. Gleich am Eingang der Wohnung befindet sich ein zusätzliches, ebenso stilvoll ausgestattetes Gäste-WC.

Der Blick schweift weiter die Treppe hinauf zur offenen Galerie. Hier erwartet Sie ein weiteres großes Zimmer mit viel Charme und tollen Blickspielen. Ein idealer Platz für ein wunderbares zweites Schlaf- oder Kinderzimmer, eine stilvolle Privatbibliothek oder ein poetisch künstlerisches Refugium mit Loungebereich und einem kleinen Schreibtisch… Auch hier erwartet Sie ein strahlend weiß gefliestes Badezimmer mit Badewanne.

Der Bereich auf der zweiten Ebene ist mit einem grauen Teppich ausgestattet. Er verfügt über einen separaten eigenen Eingang. Eine praktische Abstell- und Wirtschaftskammer rundet das Angebot der Wohnung ab.

State of the Art: modernisierter Altbautraum

– Bildschöne Altbaufassade

– Inspirierender Freiraum auf zwei Ebenen: innerstädtische Wohnoase mit großzügiger Weitläufigkeit

– Offene luftig-helle Räume mit besonderer Deckenhöhe und Galerie

– Charmante Dachschrägen und eine bezaubernd schöne hölzerne Balken-, Säulen- und Schrägen-Architektur

– Moderne offene Wohnküche mit EBK

– Frühstücksbalkon mit einem weiten hellen Blick über die Dächer und in den Himmel

– Zwei Tageslichtbäder sowie ein separates stilvolles Gäste-WC mit Fenster

– TG Stellplatz möglich

Stimmungsvolle Perspektiven auf der Galerie

LAGE: BESTE MÜNCHENER INNENSTADTLAGE IN DER ISARVORSTADT

Der Kapuzinerplatz liegt in dem begehrten Münchner Viertel »Isarvorstadt«. Die »Isarvorstadt« mit ihrem Glockenbach-, Gärtnerplatz-, Schlachthof- und Dreimühlenviertel zählt zu den trendigsten und begehrtesten Wohnlagen in München. Benannt nach einem alten Kapuzinerkloster verzaubert diese Lage am Kapuzinerplatz jeden, der das städtische Leben inmitten eines eindrucksvollen Surroundings voller denkmalgeschützter Häuser mit allen Vorzügen facettenreich genießen möchte.

Sie wohnen in dem angebotenen Anwesen inmitten des lebendigen Treibens der Münchner Innenstadt direkt zwischen Kapuzinerplatz, Goetheplatz und den erst kürzlich herrlich renaturierten Isarauen mit ihren vielfältigen Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. In nur wenigen Minuten mit dem Rad oder zu Fuß können Sie von hier gemütlich die Isar erreichen. Auf der anderen Seite ist das Viertel vom Grüngürtel der Theresienwiese begrenzt, sodaß auch ein Besuch der »Münchner Wiesn« auch mal schnell zu Fuß möglich ist.

Weitere bedeutende Orte im »Isarvorstadt-Viertel« sind das weltberühmte Deutsche Museum und der alte aufgelassene südliche Friedhof, auf dem berühmte Persönlichkeiten wie Carl Spitzweg, Leo von Klenze oder Ferdinand von Miller (Erzgiesser der Bavaria auf der Theresienwiese) ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Im »Isarvorstadt-Viertel« finden Sie auch zahlreiche bekannte Gaststätten und Theater wie das »Fraunhofer«, das »Mariandl« und vor allem die köstlich bayerische Traditionsküche des »Paulaner Bräuhaus« mit seinem wunderbaren Biergarten im begrünten Innenhof des Kapuzinerplatzes.

Daß inmitten dieser verführerischen Lebendigkeit und des Verkehrsaufkommens der Großstadt München eine Nachtruhe vor 22.00 Uhr nicht immer möglich ist, darf hier den Bewohner nicht stören. Dafür profitiert er von der Top Lage und den optimalen Verkehrsanbindungen in alle Stadtteile Münchens. In unmittelbarer Nähe finden Sie sämtliche Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf, eine Bäckerei und Konditorei, eine Apotheke, Banken, Restaurants, Cafés und In-Bars, Kino, Ärzte und Kliniken usw… In nur wenigen Minuten erreichbar sind der Stachus, Hauptbahnhof, Fußgängerzone und der Marienplatz ebenso wie die U-Bahn-Stationen U3 und U6, die Busverbindungen N 40 (auch nachts) und 58 sowie ein Taxistand.

DETAILS IM ÜBERBLICK

Baujahr: 1892
Heizungsart: GET

Miete pro Monat: 3.400,- € Grundmiete
zzgl. Nebenkosten: 300,- € zzgl. Heizung und Warmwasser
Wohnfläche ca. 206,25 m²

Qualität der Ausstattung: Gehoben
Schlafzimmer: 2
Badezimmer: 2,5
Keller: Nein

Energieausweis laut Gesetz nicht erforderlich

NEUGIERIG GEWORDEN?

Wenn wir Ihre Leidenschaft für dieses erlesene Juwel der Jahrhundertwende geweckt haben, wäre es uns eine ganz besondere Freude, Sie Ihrem Ziel der Wohnungsfindung näher bringen zu dürfen.

Bitte bewerben Sie sich dazu mit ein paar aussagekräftigen Informationen das Mietverhältnis betreffend per E-Mail […] und wir sind Ihnen gerne behilflich! […]

***Die Kosten für Warmwasser und Heizung werden über die autarke Gastherme mit einem großen Wärmetauscher für Warmwasser und Heizung vom Mieter direkt mit dem Energieversorger abgerechnet. Erfahrungsgemäß betragen diese Kosten ca. € 1,20 /m2 monatlich zusätzlich und sind vom individuellen Verbrauch abhängig.***

Charmante Dachschrägen und eine bezaubernd schöne hölzerne Balken- und Säulenarchitektur

Und? Noch wach? Dabei hab ich bis jetzt den ganzen Eintrag lang noch nichts selber erfunden.

Und sehen Sie, mir wäre das Wichtigste auch fast entgangen: Die Dreieinhalbtausend sind ein Mietzins, den man jeden verschissenen Monat wieder von vorne aufbringen muss. Nicht für ein Haus. Für eine Wohnung. Die einem für den Preis nach hundert Jahren immer noch nicht gehört.

Und das Wichtigste: Der charmante Balkon, oder was da über der Paulanerbeize angeschraubt sein soll, der ist von der gegenüberliegenden Agentur für Arbeit, wo sich der Pöbel täglich ab 7 Uhr um Münchens letzte 450-Euro-Jobs balgt und allerhand Kopfsteinpflaster zur Hand hat, nicht einsehbar.

11 Millionen. Nachdem ich das alles weiß, neige ich, wenn ich schon die Auswahl hab, eventuell doch zu der Ansicht, dass auf der Welt alles für alles da ist, nur eben, sagen wir, eigenwillig verteilt, aber wissen kann man nix.

Kann man sich’s wieder aussuchen, gell.

Soundtrack: Milk auf Ex: Fahrrad, aus: Platte des Monats, 1997:

In starker perspektivischer Verkürzung

Münchner lesen ja nie den Lonely Planet für München. So vergisst sich ständig, dass die Münchner Museen am Sonntag immer einen einzelnen Euro Eintritt kosten.

Auch die Pinakotheken, alle drei (oder vier oder fünf, je nach Zählung). Selbst die sonst üblichen sechs Euro liegen immer noch unter einem Kinoeintritt, und die Mass Bier soll ab heuer drei Oktoberfeste lang bei mickrigen 10,70 Euro “gedeckelt” werden, was offenbar eine ganze Handvoll Multimillionäre in Armut und Verderben stürzen wird.

Der eine Euro hingegen erleichtert es einem wenigstens theoretisch, für sein Geld nicht etwa alle Säle aller Pinakotheken hemmungslos leerzuglotzen, weil man was sehen will für sein Geld, sondern entspannt seine ein, zwei Lieblingsbilder zu besuchen. Ich empfehle nicht ausgerechnet die dauerhaft von halb Tokio umlagerte, dabei kreuzhässliche Version der van Gogh’schen Sonnenblumen, sondern:

Adolph von Menzel, Wohnzimmer mit Menzels Schwester 1847, Neue Pinakothek MünchenAdolph von Menzel (1815–1905): Wohnzimmer mit Menzels Schwester, 1847. Öl auf Papier, aufgezogen auf Pappe, 46,1 x 31,6 cm, 1937 aus Privatbesitz erworben, Inv. Nr. 8499.

Unabhängig von den Konventionen der Interieurmalerei wählte Menzel den Bildausschnitt in dieser Ölstudie offenbar beiläufig und spontan. Der unbemerkte Blick von außen in das geöffnete und in starker perspektivischer Verkürzung wiedergegebene Zimmer erfasst mit tonigen Farben und punktuell aufscheinenden Lichtern die intime Atmosphäre einer ruhigen Abendstunde.

Ein Ölbild wie ein Schnappschuss aus der Hüfte — ein denkbar aufwändig hergestelltes Lomo aus dem 19. Jahrhundert. Schon klasse. Einmal gucken ein Euro, die Postkarte davon im Museumsshop kostet mehr (falls es die gibt). Für die eingesparten zehn Euro — man geht ja nicht allein hin — springt dann ein Käsekuchen im Museumscafé raus. Das in der Alten Pinakothek ist schöner, liegt aber mitten in dessen Eingeweiden, also zwei weitere Euro tiefer versteckt. Macht aber nix, soviel lässt man sich für den guten Zweck (Kunst! Essen! Nackte Weiber!) vom Lebendigen nehmen, mit wirklich “altem” Zeug wird man da drin auch nicht behelligt, weil sie erst gegen anno 1400 anfangen, und man nimmt noch die schönste aller Danaen mit, die von Mabuse 1527. Hach.

Zum Ausschneiden:

Alte Pinakothek:
Täglich außer Montag 10.00 bis 18.00 Uhr,
Dienstag 10.00 bis 20.00 Uhr

Neue Pinakothek:
Täglich außer Dienstag 10.00 bis 18.00 Uhr
Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr

Pinakothek der Moderne:
Täglich außer Montag 10.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr

Museum Brandhorst:
Täglich außer Montag 10.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr

Sammlung Schack:
Mittwoch bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr
Jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat Abendöffnung bis 20.00 Uhr

Buidl: Adolph von Menzel: Wohnzimmer mit Menzels Schwester 1847 via Neue Pinakothek München.

Soundtrack von kurz nach 1400: Mike Oldfield: Pictures in the Dark, 1985:

With your feet in the air and your head on the ground

Waun’st Vertraun host in di selber,
daun brauchst ka Versicherung,
weu wann du wüst,
bleibst immer jung.

Wolfgang Ambros: Für immer jung, 1983.

Dass einem das auch mal auffällt: Wir verfügen über zwei Haftpflichtversicherungen.

Über ein Jahrzehnt lang ist das unbemerkt geblieben, weil die einen immer am Jahresanfang abbuchen, wenn man froh ist, dass von den Überresten der Weihnachtsausgaben überhaupt noch ein paar Kröten für Wasser und Brot übrig sind, und die anderen um die Jahresmitte, wenn man mit keinen jährlich fälligen Abbuchungen mehr rechnet.

Cool. Heißt das jetzt, dass ich meine Schadensmeldungen immer gleich bei zwei Haftpflichtversicherungen einreichen kann, und ich krieg sie dann doppelt ersetzt? Außer mit den zwei Versicherungen sind wir ja auch mit zwei lebenslustigen, sprungkräftigen Katern mit scharfen Krallen und einer laxen Einstellung zu Eigentumsfragen gesegnet, da ist so ein Schadensfall ruckzuck eingetreten.

Die Kater sollen sowieso mehr raus. Ein kurzer Ausflug mit einem Kater und einem Laserpointer in die Glas- und Porzellanabteilung vom Kustermann, und wir sind gemachte Leute.

Soundtrack: Pixies: Where Is My Mind? aus: Surfer Rosa, 1988, für: Fight Club, 1999.

Das Haustier und das Nutztier und die schöne regionale Welt

Unser Umgang mit Tieren

Hier spricht mal wieder der Kater.
DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater. 17 und forever young.

Wenn der moderne Mensch die Tiere, deren er sich als Nahrung bedient, selbst töten müsste, würde die Anzahl der Pflanzenesser ins Ungemessene steigen. (Christian Morgenstern)

Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt. (Christian Morgenstern)

Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück. (Charles Darwin)

 

Moritz am Ende ihrer Tage

My sun sets to rise again. (Moritz,17, † 17. Mai 2015)

Es geht um Anzeigen gegen Schlachthöfe, die CO2-Gruben, abgebrühte Schweine im Todeskampf und den juristischen Kampf gegen uneinsichtige Betreiber und lahme Kommunen.

Der Staat gibt sich – fast wie immer  – hilflos.

Ich wiederhole der Einfachheit halber den Link dort unten zum Spenden:

Mit Ihrer Hilfe schalten wir für die Tiere die Justiz ein.

 

Man kann viel gegen PETA e. V. haben, aber hier spenden ist eine wirklich gute Sache!

Falls Interesse an Infos aus der unabhängigen, investigativen Presse besteht, der Schlachthof Landshut lässt es grade „tierisch“ krachen. Die SZ berichtet am 27. Juli 2016:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/verbraucherschutz-tierquaelerei-und-ungeziefer-auf-niederbayerischem-schlachthof-1.3097244

CO2-Begasung die nachgewiesen qualvoll ist (siehe auch Bundesfleischforschungsanstalt Kulmbach), Ü-Stunden bis oder über 10 Stunden/d der überlasteten Arbeiter (Akkord, nehme ich mal an), die den Tötungstich den nicht mehr sauber setzen und die Tiere im Brühgang erst qualvoll verecken.

Einfach nur kein Fleisch mehr essen reicht nicht, wenn sich was für die Tiere und wenn sich unser Umgang mit Tieren verändern soll.

Der Fleischkonsum in Deutschland sinkt stetig. Aber díe Fleischerzeugung steigt widersinnigerweise dennoch. Die Fleischerzeuger machen dann eben schwer auf massiven (Billig?-)Export. Und zerstören dann eben die heimischen Infrastrukturen eben dieser anderen Länder.

Am Ende auch noch EU-subventioniert ist anzunehmen. Aber auf den Webseiten der einschlägigen “Erzeugergemeinschaften” ein Werbe-Gesülze an Texten, dass man pfeilgrad fast glauben könnte, den Tieren und der heiligen regionalen Erzeugung würde ante und post Mortem ein rosarotes Himmelreich errichtet. Dass sogar ein Werber im Gesicht rot wird. Ob diese ungesunde Gesichtsfarbe von Scham oder vor Wut kommt, ist auch schon egal.

 

Gruß

der Kater

Hier bin ich Mensch hier kauf ich ein

Beim dm haben sie die hübschesten Kassiererinnen, wo immer sie die auch her haben.

Es fällt schwer, sich bei der Hübschesten anzustellen, darum nimmt man am besten die längste Schlange. Da ist es auch schon egal, dass vor mir eins der weltweit verbreiteten Business-Rollkoffermännchen ansteht. Doch, wirklich, man glaubt immer, es gibt nur das eine, das man ständig beobachten kann, aber wenn man sein Auge für Details geschult hat, ist das tatsächlich jedesmal ein anderes.

Das Exemplar vor mir hat bei dm anscheinend zur Konkurrenzbeobachtung allerlei Flaschen eingekauft, die möglichst viel Platz in einem Einkaufswagen und nachher in einer Einkaufstasche einnehmen: Badeschaum, Spülmittel, Allzweckreiniger. Die — falls noch nicht erwähnt: junge, blonde und vor allem hübsche — Kassiererin zieht mit versonnener Professionalität ein attraktives dm-Angebot nach dem anderen über ihren Scanner und lächelt stillvergnügt bei der Arbeit. Das durch die Eingangstür strömende Sonnenlicht spielt verliebt mit dem dünnen Flaumrand um ihre Wangen. Das Leben ist schön.

Nach der letzten Familien-Sparflasche Weichspüler nennt die Kassiererin freundlich den Preis und wartet. Das Rollkoffermännchen packt unbeirrt Produkte in seinen Rollkoffer.

“Wenn Sie erst bezahlen und dann einpacken”, sagt die Kassiererin, als sei es die beste Spielidee des ganzen Kindergeburtstags, “kann ich schon den nächsten Kunden drannehmen.” Damit bringt sie mich ins Spiel. Das wird böse enden. Bis vor fünf Sekunden hätte noch Rennen geholfen, seitdem kann man nur noch verlieren.

“Ich packe aber erst ein und bezahle dann”, ranzt das Männchen. Sie zuckt die Schultern, verkneift sich das auf der Hand liegende “Auch gut, Rindviech” und beschwichtigt stattdessen: “War ja nur ein Vorschlag.”

“Ihre Vorschläge können Sie sich sparen. Sie werden bestimmt nicht für Ihre Vorschläge bezahlt.” Die Kassiererin lächelt.

“Ich lass mir doch von Ihnen keine Vorschriften machen”, erklärt sich das Männchen genauer. Die Kassiererin lächelt immer noch, als sie nach längerem Zuschauen, das ihr viel Zeit zum Überlegen gelassen hat, sagt: “Und ich lass mich nicht von Kunden anpflaumen.”

“Wo nehmen die in dem Saftladen nur das Dienstleistungsmaterial her”, mault das Männchen, während es doch noch einen Hunderter vor der Kassiererin fallen lässt. Genau das, was ich mich auch bei jedem Besuch frage, darum ist jetzt meine Stunde. Außerdem bin ich sonst wieder tagelang blockiert.

Es muss aber sitzen. Es darf keine Einmischung sein, es darf nicht paternalistisch sein, und ich will nicht dafür als erster auf Maul kriegen. Gar nicht so einfach, aber das lebenslange Studium sämtlicher Geisteswissenschaften einschließlich Beziehungsführung und Menschenkenntnis darf auch nicht für die Katz gewesen sein.

“Was brauchst denn du Grattler die junge Lady jetzt gar so saudumm anreden? Die hat grad versucht, gleich zwei Kunden auf einmal zu helfen”, sag ich zu dem Männchen, “erst dir und dann mir. Das ist das glatte Gegenteil von einem Saftladen.”

“Was mischen Sie sich hier ein”, ranzt es, ohne mich anzuschauen. “Haben Sie was mit der oder sind Sie bloß blutsverwandt oder beides?”

“So”, sag ich, “jetzt langt’s”, und einmal mehr macht es sich bezahlt, große Teile seiner Jugend damit verbracht zu haben, vor dem Spiegel wie Clint Eastwood zu gucken. “Jetzt schleichst dich.”

“Ach so” sagt er, fortfahrend, nach seinen Einkäufen eine Handvoll Wechselgeld zu verstauen, “das sieht diesem Saftladen ja ähnlich, dass die Zwangsgestörten hier das Hausrecht ausüben.”

“Du hast mich schon verstanden”, sag ich. Der Trick hat funktioniert, wenn der Gegner ganz selbstverständlich daran glaubt, dass man Gewalt anwenden wird.

Immerhin schaut er mich jetzt an. “Loser”, sagt er und zieht ab.

Ich bin dran. Taschentücher, Lakritzbonbons, Glasreiniger, das kann ich fliegend im Stoffbeutel verstauen, noch während die — übrigens durchaus hübsche — Kassiererin kassiert, und zahle passend.

Loser hat der zu mir gesagt. Das höre ich öfter, offenbar war ich also doch zu paternalistisch. Um meinen Respekt vor ihrer Arbeit zu äußern, sage ich zur Kassiererin: “Also, ich würd jederzeit gern Vorschläge von Ihnen annehmen.”

“Leck mich, Arschloch”, zischt sie.

Schon eine tolle Rasse, die Rollkoffermännchen. Gewinnen einfach immer.

Soundtrack: Die Ärzte: Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist; es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt, aus: Geräusch, 2003.

Weltgeist ab 1 Cent

Die Zeit hab ich lange gelesen. Die einzige Zeitung, die ich jemals abonniert hab; ein halbes Leben ist das her.

Nun wäre weder damals noch heute ein nachlässig recherchierter Zeitungartikel ein Grund, gleich die ganze Zeitung zu kündigen, und bestimmt war der Herr Allmaier auch nur emotional aufgewühlt, schließlich sollte es keine knallharte Reportage, sondern nur ein besonders persönlich gefärbter Erlebnisaufsatz werden oder wie sie heute auf der Hamburger Journalistenschule dazu sagen, und er spricht es ja sogar selber aus, dass er kein Trottel ist:

Heute kommt der Büchermann und bringt meine Freunde weg. Manche von ihnen begleiteten mich über vierzig Jahre. Sie schenkten mir Einsichten und munterten mich auf. Wenn ich heute kein Trottel bin, dann ist das ihr Verdienst.

Ich habe den Büchermann selbst bestellt; sein Zettel lag im Postkasten. Im Grunde ist er Entrümpler. Töpfe, Schuhe, kaputte Uhren … all das nimmt er kostenlos mit, aber seine Spezialität sind Bücher.

Wer da noch recherchieren könnte, wenn in Deutschland wieder die nächsten Freunde abgeholt werden. Wir lesen gerade — online — Bücher: Weg damit. Unsere Bücher sind nichts mehr wert. Warum trennen wir uns nicht einfach von ihnen? Michael Allmaier bestellt den Entrümpler.. So etwas wie

Ich habe versucht, sie zu verkaufen. Mit einem Rucksack voller Kunstbände zog ich ins nächste Antiquariat. Der Antiquar war ein müder Mann hinter einem Rechner. Seufzend tippte er eine ISBN nach der anderen in sein Bewertungsprogramm ein. Ich sah ihm über die Schulter: 85 Cent, 1,10 Euro, 4 Cent, so ging das in einem fort. Dann sagte er: “Ich gebe Ihnen 12 Euro – für das hier und das und das.” In meiner Frustration habe ich ihm die Übrigen geschenkt. Er war taktvoll genug, sie nicht schon vor meinen Augen wegzuwerfen.

Sie glauben, das lag an meinen Büchern? Probieren Sie es aus. Sie müssen nur die App Momox aufs Smartphone laden und damit den Barcode scannen, dann bekommen Sie ein Angebot für jedes Ihrer Bücher. Oder zumindest die Gewissheit, dass es nicht einmal seine Transportkosten einspielen würde. Nicht, dass Literatur jemals eine gute Geldanlage war. Aber vor zehn Jahren zahlten Antiquariate einem vielleicht ein Viertel des Neupreises; und selbst auf dem Flohmarkt waren noch ein, zwei Euro pro Band drin. Heute stehen neben den Hausmülltonnen “Bitte mitnehmen”-Schachteln, aber niemand greift zu.

hätte trotzdem nicht kommen dürfen. Offenbar kann Herr Allmaier seit über vierzig Jahren lesen, da hat er bestimmt auch nicht erst vorletzte Woche seine Schultüte für die Journalistenschule geköpft, kann vielmehr auf dem Stand vom Donnerstag, dem 11. Februar 2016 satte 303 Einträge allein bei der Zeit vorweisen. Ein richtig gescheiter Bub ist er da. Und dann kann er nicht den Wert von Büchern einschätzen — nicht derer, die er kaufen will, nicht derer, die er verkaufen will.

Warum fällt das Ausmisten so schwer? Weil jedes Buch eine Seele hat, sage ich mir. Es bewahrt die Gedanken eines Menschen, vielleicht sein Lebenswerk. Ich hüte es nicht nur für mich, sondern für uns alle.

Das wäre eine noble Gesinnung gewesen in der Ära vor dem Offsetdruck oder im Kambodscha der Roten Khmer. Im Deutschland von 2016 ist es schlichter Quatsch. Bei uns wird jedes halbwegs erfolgreiche Werk so oft gedruckt, gesammelt, erfasst und geteilt, dass selbst Verbote oder Verbrennungen seine Spur nicht tilgen könnten. Forschen Sie doch mal im Internet nach dem rarsten Werk Ihrer Sammlung. Wahrscheinlich finden Sie es günstig bei Amazon.

Ja, zu solchen Schlüssen gelangt man wohl, wenn man “unsere” Bücher nach dem Preis auf Amazon beurteilt. Dabei muss man es nicht einmal so ideell sehen, dass jedes Buch gleich den Weltgeist persönlich symbolisiert.

Das Leben ist einfach zu kurz für Texte, die nicht von jemanden erschlossen werden mussten. Nicht trotzdem, sondern deswegen muss auch bei mir ein Buch raus, wenn eins reinkommt. Das ist meine Lösung, eine von einer Million möglichen; dass keine davon etwas mit Geldanlage oder Reichtum zu tun hat, weiß man vorher. Wenn es die anständigen Ausgaben, die leider alle als “Klassiker” laufen, mit nachgewiesenen Kommentaren endlich als eBook oder iBook oder wenigstens zuverlässigen Online-Volltext gibt, reden wir nochmal. Von wegen

Ein paar Passworte öffnen ihnen den Zugang zu allem, was sie lesen wollen, schneller, als ich meinen Hocker an die Regalwand schiebe.

Wenn das so wäre, hätte ich ein sehr flaches Telefon in der Hemdtasche und läse den lieben Tag aktuelle Bestseller. Mancher weiß sich nichts Schöneres, und die Katze frisst die Mäuse roh.

Moment mal – Fleckhaus? Ich schalte viel zu spät. Nelly ist tatsächlich die Tochter des berühmten Buchgestalters Willy Fleckhaus. Sie nimmt mir nicht krumm, dass auf meinem Ramschhaufen etliche Suhrkamp-Bände liegen, alle mit seinem Design. Sie kennt das ja aus Kindertagen, den Überfluss an Büchern. “Die kamen gebindeweise an und wurden meist nicht mal ausgepackt.”

Vielleicht entürmpelt dann, wenn “wir” endlich “unsere” Bücher ausmisten, die Urenkelin vom Gutenberg (mit 1 t).

Bibliothek deutscher Knauserer

Als Kathrin Passig, die grande vieille dame des Webloggens (ich darf das sagen, ich bin der Ältere) noch cool war, was nach ihrem Bachmannpreis nachgelassen hat und sich deshalb auf 2006 festlegen lässt, konnte sie außer Entbehrlichem wie One-Rope-Bondage, Fußfetischismus oder dem Beschriften von Backup-CDs immerhin auch Bücher als Geldanlage empfehlen.

Gut, das war 2001, da wurden Gegenstände und Dienstleistungen sowieso noch gegen Geld gehandelt. Seit das meiste Geld dem Umlauf entzogen wurde, ist mit Büchern das passiert, was Frau Passig 2001 dem Elektroschrott bescheinigt hat: Da muss man sogar die — selbstverständlich ehrenamtlich ihre Tagesfreizeit hinbringenden — Hausfrauen bei Oxfam anbetteln, dass sie einem das ganze Altpapier als “Bücherspende” abnehmen.

Seit 1985, als das Ding erschienen ist, spare ich auf die erste und einzige vollständige — und vor allem: anständig kommentierte — Ausgabe Phantasus von Ludwig Tieck. Vor 31 Jahren hat dieser sechste von zwölf Einzelbänden der Gesamtausgabe 198 D-Mark gekostet, seit dem Zusammenbruch der europäischen Währungen 2002 kostet er 102 Euro; man kann also gar nicht sagen, dass er in über einer Generation wesentlich teurer geworden wäre. Leider ist die Leinenausgabe in einen durchsichtigen, dennoch hässlichen Plastikeinband gewandet, was dem geschätzten Erdölaufwand einer Fahrt mit einem VW durch die Euro-Zone entspricht, und dann am Ende noch bei dem verführerisch naheliegenden Amazon.de, also überhaupt nicht zu verantworten ist.

Es muss deshalb heutzutage die streichelweiche Lederausgabe sein, für 164 Euro. Dafür kriegen Sie den in literaturwissenschaftlicher Pionierarbeit erschlossenen zuverlässigen, maßgeblichen Text, “nach Erstdrucken ediert, die wichtigen Abweichungen von den Handschriften und der von Tieck selbst veranstalteten Gesamtausgabe werden im Kommentar ausgewiesen. Erstmals werden die Texte durch grundlegende Kommentare erschlossen”, auf über 1500 Seiten alleredelsten, bei Schoeller & Hoesch eigens für die Bibliothek entwickelten alterungsbeständigen Dünndruckpapiers, in rotes Leder gebunden (man korrigiere mich, aber es müsste Schaf sein) und im vertrauenerweckend stabilen Schuber, und bei der einzuschätzenden Drehzahl sollte es mich nicht wundern, wenn Sie bis heute bei Verlagsbestellung aus der Erstauflage bedient werden. In dieser Art ist jeder Band der Bibliothek Deutscher Klassiker: leider. Jeden. Cent. Wert.

Die 164 sind der Neupreis. Sollte ich Sie also gerade zu einer mittelgroßen Geldanlage animieren, dann möglichst nicht ausgerechnet bei Amazon.de: Wenn Sie das Ding ohne Aufpreis und diskutierwürdigen Premium-Status auf den nächsten Tag in einem kuschligen Buchlädchen bestellen, kriegen Sie wahlweise vom Inhaber oder der hübschesten Azubine auf den Mund geschmatzt oder wenigstens die Tür aufgehalten. Was die 164 vormals in D-Mark waren, hat mich anno 1985 gar nicht groß interessiert: Damals wäre ich mir sogar vermessen dabei vorgekommen, die Bierdosen mit 0,33 statt der im im Literpreis effizienteren 0,5 Liter wegzulitern.

Gebraucht gibt’s die Lederausgabe schon mal um 95 Euro, die im Laufe des Klimawandels indiskutabel gewordene Leinenausgabe für 65. Für einen 47-Jährigen wie einen ehemals 17-Jährigen immer noch ein Haufen Holz für 1500 Seiten angehendes Altpapier, das ich bei meinem Lebenswandel vielleicht noch 20 bis 30 Jahre ausnutzen kann, wofern weder meine Sehkraft noch mein Auffassungsvermögen wesentlich nachlässt, und auf das meine mir persönlich bekannten Erben garantiert keinen Wert legen werden.

PS: Der Diels/Kranz ist genauso theoretisch erhältlich: alle drei Bände, zweisprachig, in halbwegs ordentlichem Zustand bei Amazon.de ab 182 Euro, bei anständigen Leuten für 200 aufwärts. Noch theoretischer gibt’s Die Gelehrtenrepublik von Klopstock: als abkopierten Nachdruck eines nicht näher ausgewiesenen Fraktur-Schinkens von einer amerikanischen Klitsche, die einen für ihr bisschen Bindearbeit ganz schön aufkommen lässt, und für den man sich lieber selber ein Stündchen an den Münzkopierer der Unibibliothek stellt und den Stapel dann zum Copyshop trägt. Mitnichten erhältlich sind Der Geheimnisvolle von E.T.A. Hoffmann, Isle of the Cross von Herman Melville, Das Kind und die Stadt von Franz Kafka und Clemens von Thomas Mann, wofür aber kein heutiger Verlag etwas kann. Das Trauerspiel dabei ist ja: Wenn einem nach hundert Jahren endlich doch noch die Abflussrohre unter dem Kellerboden wegrosten, müssen auch auf einmal ein paar Tausend für nix da sein.

So hätte das bestimmt Kathrin Passig als Studentin gehalten, als sie noch Bücher gekauft hat, statt ihnen als überzähliges Material, das sich gerade noch bedingt zur Wanddämmung eignet, zugunsten unkopierbarer Textdateien, die auf einem Fernsprechapparat gespeichert werden, Hausverbot zu erteilen. Und ich hätte Dosenbier gekauft — hab ich wahrscheinlich sogar, meine Erinnerung an diese Zeit verschwimmt vor allem in den Teilen, welche die Wochenenden anbelangen. Aber damals war sogar ich noch cool.

PPS: Gibt es eigentlich Buchhändlerwitze? “Ein Grossist heißt nicht Großist, weil er groß ist” oder so?

Atmest du gerne? (World Climate Conference Paris)

Was bis jetzt nur Anämiekranke mit gestörter Bildung von roten Blutkörperchen kennen, kann bittere Wahrheit für alle werden:

Wir werden alle nach Luft, um Sauerstoff ringen:

“As it currently stands, more than half of the planet’s oxygen is generated by phytoplankton in our oceans. Once the oceans become six degrees Celsius hotter – an event that some scientists think could happen as soon as 100 years from now – it will interrupt the process of photosynthesis by the phytoplankton. Without that atmospheric oxygen being produced, humans and animals alike will be struggling to find the oxygen necessary to breathe.”

(Quelle: http://www.care2.com/causes/climate-change-might-leave-us-without-enough-oxygen-to-breathe.html)

Kurzübersetzung:

Nur sechs Grad wärmer, dann wird die Produktion des Sauerstoff erzeugenden Phytoplankton (und damit die Photosynthese) auf den Weltmeeren geringer werden.

 

Im Moment stehen wir kurz vor 2 Grad wärmer. Wo ein Wissenschaftler auch schon nicht mehr weiß, ob mit dieser nach erträglich klingender Temperaturänderung nicht schon einige Prozesse plötzlich kippen werden.

Also holt nochmal kräftig Luft!

Bis dahin die Hollies mit  “All I Need Is The Air That I Breathe”

If I could make a wish
I think Id pass
Cant think of anything I need
No cigarettes, no sleep, no light, no sound
Nothing to eat, no books to read …

Kater Mor sieht das auch so.

Und jetzt zu etwas komplett Anderem …

 

 

Neue Ernte

Vorher:

Kiwistrauch

Nachher:

Kiwischüssel

Bilder: So selbergemacht wie das Kiwijogurt (nicht im Bild): Man braucht immer was dazu, was jemand anders gemacht hat, behält aber das Copyright daran und darf was davon abgeben.

Dieses Dokument wird das römische Reich bis in seine Grundfesten erschüttern!

Die schlechte Nachricht zuerst: Die ganze Woche ist nichts Gescheites passiert. Die gute Nachricht ist: Sonst eigentlich auch nichts.

Etwas anderes zu behaupten hieße nach Ansicht einiger verwirrter Menschen (you know who you are), sich mit der “Lügenpresse” gemein zu machen, und wenn man noch andere Hobbys hat außer Bloggen, muss man ja aufpassen, von welcher Seite der — nennen wir es “Wind” — weht.

Greifen wir also zurück auf die wichtigste Nachricht der letzten Woche: Der neue Asterix ist da. Das wird noch viele Wochen bis Jahrzehnte wichtig bleiben, immerhin war seit 1959 noch keiner der insgesamt 36 Bände jemals vergriffen.

Und es will auch was heißen, dass zumindest die Süddeutsche Zeitung, die Welt und die Münchner tz am selben Tag (22. Oktober 2015) ihre Feuilletons damit so groß wie möglich aufgemacht haben: nämlich, dass Ehapa diesmal viel mehr in die PR investiert hat. So prominent wurde meiner Erinnerung nach weder der letzte Band “bei den Pikten” beworben, als Texter und Zeichner ausgewechselt wurden, noch die letzten paar, allerdings nicht besonders relevanten Heftchen, die Albert Uderzo noch allein gestemmt hat.

Vom angemieteten Jubel mal abgesehen, scheint sich die Anschaffung allerdings endlich mal wieder zu rentieren: Gut, der Plot ist nicht dermaßen tarantino-raffiniert wie der “Arvernerschild” und der Humor nicht so übermütig wie “als Legionär“, aber Ferri & Conrad schlagen sich langsam recht ordentlich (was ja in den meisten Heften bisher die Hauptsache war).

Endlich wieder ein Asterix mit dem Zeug zum Klassiker — gerade mit dem betont aktuellen Problem aus Datenschutz und Geschichtsklitterung. Das wird in zehn Jahren als Retro-Science-Fiction durchgehen, so wie heute die Comics von 1975, in denen im Jahr 2000 alle bunte Taucheranzüge anhaben, mit dem Ein-Mann-Raumschiffchen unter Glaskuppeln umherfliegen, sich gegenseitig mit Laserpistolen ausknipsen und es hoffnungsfroh “die Zukunft” nennen.

Die genannten Feuilletons verkünden als Ladenpreis 12 Euro. Das gilt fürs Hardcover — braucht kein Mensch. Unvorsichtigerweise hat der Verlag fürs Softcover noch nie bei der Papier- und der Druckqualität was nachgelassen, damit kommen Sie mit 6,50 weg. Ich warte wie immer, bis das Softcover ein Lutschbonbon kostet (woher ich dann alles über die Handlung weiß, wenn ich’s noch gar nicht gekauft hab? — Mein Gott, 1979 haben sie beim Hugendubel “Leseinseln” eingerichtet). Ab einem gewissen Grad der Zerlesenheit sehen sie sowieso viel authentischer aus: “Pro captu lectoris habent sua fata libelli.”

Könnte das nicht mal der alte Pirat sagen?

Der Papyrus des Cäsar in der Süddeutschen, der Welt und der tz vom 22. Oktober 2015

Bild unter Verwendung hoffentlich genügend verfremdeten, aus Gründen des Urheberrechtsschutzes nur sekundär und extra mies wiedergegebenen Bildmaterials des Ehapa Verlags: Meins. Für jede weitere Verwendung von Asterixbildern, die über verschwommenes Erinnern hinausgeht, müssen Sie den Ehapa Verlag fragen.

Bei- und Nachträge zur Kritik der reinen und praktischen Unvernunft

Und ich hab gedacht, damit wäre im Lauf der Achtziger Schluss gewesen: dass Werbung so offensichtlich ihre Zielgruppe zum Besten haben kann. Die zynische Abwertung “Zielgruppe” wird sich wohl so schnell keiner mehr abgewöhnen, aber wurde “Reklame” nicht mit dem Wechsel in die Neunziger in “Werbung”, also etwas Altfränkisch-Deutsches, und noch fürnehmer in “Verbraucherinformationen” umbenannt? Damit wurde doch ein gewisser Respekt vor dem Melkvieh zumindest nach außen hin behauptet — so wie heute auch kein Landwirt mehr damit prahlt, wie viele Stück Vieh er hinter wie wenig Stallfenster stopfen kann; egal wie er daheim wirtschaftet, wenn die PETA nicht hinschaut.

In der Werbung kann man’s noch machen, ist ja bloß Reklame. Seit Lidl nicht mehr durch Arbeitsbedingungen wie in der Legebatterie, sondern richtig entspannte, fröhliche Angestellte auffällt, müssen sie ihre “Ich Chef, du nix”-Allüren wohl an irgendwem anders auslassen und hängen in ihre Filialen und mitten in den öffentlichen Raum Plakate, auf denen sie fragen: “Woran erkennt man gutes Brot?”, “Woran erkennt man gute Wurst?” und was eben sonst noch so weg muss. In einer Art Parodie auf Verbraucherinformationen geben sie auch gleich die Antworten in drei Unterpunkten; der vierte zählt nicht, der heißt immer: “Und an einem guten Preis.” Und was soll ich sagen: Woran man guten Kaffee erkennt? — Am guten Kaffee! Ja scheiß doch die Wand an.

Hab ich gedacht. Bevor ich nachgedacht hab.

Wenn heute aufgeklärte Kreise der, Obacht: Zielgruppe statt Kaffee lieber gleich die Tränen der kolumbianischen Plantagensklavinnen trinken würden, wenn da bloß genug Koffein drin wäre, muss man solche Wackelkonsumenten wieder daran erinnern, dass billiger eben doch besser ist, nicht andersrum. Fast schon liebhaben könnte man in seiner Abkehr von allem, was das 21. und 20 Jahrhundert ausmacht, die Verbraucherinformation für den wahren Genießer: “Woran erkennt man guten Wein?”

Jaja, klar, am “guten Preis”, wie alles andere auch, aber an erster Stelle? Soll ich’s sagen oder wollen Sie selber zum Lidl? Okay, ich bin ja gar nicht so. Die schonungslose Enthüllung lautet: “An seinen Eigenschaften”!

Ist das nicht schnulli? Ist es nicht wunder-wunderschön? Wein ist gut, wenn er im dreidimensionalen Raum eine bestimmte Zeitlang in Beziehung zu seiner Außenwelt, dem Nicht-Wein, existiert — und nix kostet. Und das von einem marktorientierten Unternehmen. Kant wäre begeistert.

Nun ist ja Kant tiefes achtzehntes Jahrhundert, dagegen sind die Gepflogenheiten der Achtziger des 20. Jahrhunderts Avantgarde. Und seit Einstein nachgewiesen hat, dass Zeit und Raum gar keine reinen Kategorien des unzulänglichen Menschengeistes sind, sondern dass es die womöglich in echt gibt, lässt sich guter oder schlechter Wein durch nichts treffender beschreiben als durch seine Quantität, Qualität, Relation und Modalität, schon wahr.

Woran würde man gutes Marzipan erkennen? — Es wäre nicht saisonal verknappt, sondern im dreidimensionalen Raum einer Lidl-Filiale Montag bis Samstag, 7 bis 20 Uhr ganzjährig da.

Cot almahtico

DER HERR hat mich gehabt im anfang seiner wege / Ehe er was machet / war ich da. Jch bin eingesetzt von ewigkeit / von anfang vor der Erden. Da die Tieffen noch nicht waren / da war ich schon bereit / Da die Brunne noch nicht mit wasser quollen. Ehe denn die Berge eingesenckt waren / vor den Hügeln war ich bereit. Er hatte die Erden noch nicht gemacht / vnd was dran ist / noch die Berge des Erdbodens. Da er die Himel bereitet / war ich daselbs / da er die Tieffen mit seim ziel verfasset. Da er die Wolcken droben festet / da er festiget die Brünnen der tieffen. Da er dem Meer das ziel setzet / vnd den Wassern / das sie nicht vbergehen seinen Befelh. Da er den grund der Erden legt / da war ich der Werckmeister bey jm / vnd hatte meine lust teglich / vnd spielet fur jm allezeit. Vnd spielet auff seinem Erdboden / Vnd meine lust ist bey den Menschenkindern. SO gehorcht mir nu meine Kinder / Wol denen / die meine wege behalten. Höret die Zucht vnd werdet Weise / vnd lasset sie nicht faren.

Sprüche Salomo, 8,22–33.

Das ist Wessobrunn.

Ortsmitte Wessobrunn

Wasserwerk Wessobrunn

Das ist der Weg nach Wessobrunn.

Gates of Wessobrunn

Gates of Wessobrunn

Gates of Wessobrunn

Gates of Wessobrunn

Gates of Wessobrunn

Gates of Wessobrunn

Das sind die Wessobrunnerinnen.

Wessobrunnerinnen Kühe

Das ist das Kloster Wessobrunn.

Kloster Wessobrunn mit Grauem Herzog

Und das, das ist das Wessobrunner Gebet. Neuhochdeutsch, kann man ja noch lesen.

Klosterkirche Wessobrunn, Gebet

Und das ist das Wessobrunner Gebet nochmal in Älter. Althochdeutsch, kann man ja gar nicht lesen. Saualt. So weit von unserer Sprache weg, dass man Holländisch, Plattdeutsch oder das Gegrummel aus dem Landkreis Nürnberger Land besser versteht. So alt ist das Gebet.

Wessobrunner Gebet, Gebtetsstein unter der Gebetslinde auf dem Lindenfleck

Eine von den Wurzeln der deutschen Literatur, kann man ruhig so sagen.

Wessobrunner Gebet, Gebetsstein unter der Gebetslinde am Lindenfleck

Muss man unbedingt mal hin, ist ja ein Geschenk, sowas, dass sich das so erhalten hat. Der Zettel, wo das Wessobrunner Gebet draufsteht, liegt heute ja schon in München, in der Stabi, Clm 22053, 65v und 66r, aber erst seit 1806 oder so, seit dem Napoleon. Haben also sogar die Säkularisierung überlebt, das Kloster und das Gebet, und sehen heute noch gut aus und können einwandfrei benutzt werden.

Und dann kommt da so’ne Frau.

Die Missions-Benediktinerinnen von Tutzing verkaufen das Kloster Wessobrunn an Martina Gebhardt

Nach 99 Jahren haben sich die Missions-Benediktinerinnen von Tutzing entschlossen, das Kloster Wessobrunn zu verkaufen.

Martina Gebhardt, Inhaberin der Firma Martina Gebhardt Naturkosmetik GmbH und MG Naturkosmetik Produktions GmbH, wird mit Ihren Gesellschaften in das 7 km entfernte Kloster Wessobrunn ziehen und dort Produktion, Heilpflanzenanbau, Vertrieb und Tagungshotel einrichten.

Im Weiteren sind Räume für Kunst, Manufakturen und Ausstellungen geplant.

Klingt komisch, ist aber so. Wo die freundlichen Schwestern seit eineinviertel Jahrtausenden auf die Quelle der deutschen Literatur aufgepasst haben, da darf jetzt eine neue Schwester kommen und ihre freizeitayurvedischen Duftseifen zusammenkochen, neben ihrem Tagungshotel mit Aufenthaltsraum, Tischtennis und Beamer. Haben sich eben doch ein paar Wertsetzungen verschoben seit der Zeit vor Karl dem Großen.

Eingang Klosterbücherei Wessobrunn

Klosterführung Bücherei Wessobrunn

Da muss man nämlich ganz gut aufpassen, liebe Kinder, wie es auf dem Zettel, auf dem das Wessobrunner Gebet draufsteht, drunter noch weitergeht. Diesmal lateinisch, also noch ältere Sprache, und gehört deswegen schon nicht mehr richtig zum Gebet dazu. Da steht nämlich:

Qui non vult peccata sua penitere | ille venit iterum ubi iam amplius | illum non penitebunt | nec illorum | se ultra erubescit.

Das heißt auf Neuhochdeutsch, damit es die Frau Gebhardt auch versteht:

Wer seine Sünden nicht bereuen will, kommt dereinst dorthin, wo sie ihn nicht mehr reuen können und er sich ihrer nicht mehr schämen kann.

Und so kommt man übrigens aus Wessobrunn wieder weg.

Bushaltestelle Wessobrunn Kloster, SOS

Bushaltestelle Wessobrunn Kloster

Take the Fruktoseintoleranz Away From Me o Lord

Give me cornbread when I’m hungry,
give me corn liquor when I’m dry.
Give me wine and women while I’m living
and sweet salvation when I die.

John Fahey: The Dance of Death
and Other Plantation Favorites
, 1964 ff.

Allgemeinmenschliche Verhaltensweisen wie das Gucken von YouTube-Videos, Zigarettenrauchen und Alkoholismus sind heute gut behandelbar, weil Betroffene ihre Umgebung meist ausführlich an ihrem Krankheitsverlauf teilhaben lassen.

Schwieriger liegt der Fall bei intestinaler Fruktoseintoleranz, weil die Umgebung das Wort nie für die Bezeichnung einer Krankheit hält, sondern für ein Lied von Funny van Dannen. Erst wenn man Betroffenen ihre gewohnten zwei bis sieben Nutellabrote zum Frühstück wegnimmt und sie durch Obst und Gemüse (was auch immer der Unterschied dazwischen sein soll) ersetzt, zeigen sich die Symptome, die bei Hunger anfangen und bei Reizbarkeit noch lange nicht aufhören, und die sich erst bei Aufnahme von Nahrung unmittelbar legen.

Auch der sozial zuträgliche Alkoholismus kann hier lindernd wirken, weil in Verbindung mit genügend Schnaps die schädliche Fruktose nicht zu lange im Körper verbleibt. Hätten Adam und Eva nicht den ersten und schädlichsten aller Äpfel vom Baum der Erkenntnis zu sich genommen, sondern vielmehr die Schlange, die auf vielen glaubwürdigen Darstellungen (außer bei Dürer) vom Baum des Lebens gleich daneben herübergekrochen kommt, wären wir heute alle wohlig umnachtet und unsterblich und würden uns von Reptilien ernähren. Und Nutellabrot, Whisky und Zigaretten.

Gegen die Macht des Digitalen (2)
Für mehr Achtsamkeit

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Albert Einstein

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Ohne Bienen sehen wir alt aus. Zwar gibt es auch bei einigen Pflanzen Windbestäubung, aber eben nicht bei allen. Hier noch ein paar Honigbienen-Exemplare zur nostalgischen Erinnerung. Alle Aufnahmen wurden im Rosengarten München gemacht. Rechts der Isar.

Viele Bienen auf Allium Giganteum, dem Riesen-Zierlauch
Riesenzierlauch, Allium Giganteum

Wer jetzt allmählich Musik aus dem Off hört, hat keine Hallus, sodern das ist der Video-Beitrag einen Beitrag weiter unten über einen wunderbaren Kalligrafen mit seiner bewundernswerten Handfertigkeit. Absolut sehenswert!

Einzelne Biene auf Allium Giganteum beim Pollensammeln, Nahaufnahme
Riesenzierlauch, Allium Giganteum, close up

Keine einzige Biene auf Allium Christophii, dem Sternkugelllauch, zu finden
Sternkugellauch, Allium Christophii, close up

 

Gruß
Der Kater

 

Neulich in der Schnapsabteilung

“Und du bist sicher, dass du eine Sauferei mitbringen willst? Blumen tun’s nicht?”

“Wir können ruhig was beitragen.”

“Gibt’s nix bei denen?”

“Schnittblumen sind von vornherein tot. Vom Schnaps haben sie länger was.”

“Mindestens bis zum übernächsten Mittag.”

“Sie sollen ihn ja nicht exen.”

“Wenn’s der richtige ist …”

“Schau lieber mit. Du schaust doch sonst gern Schnaps an.”

“Aber ohne die surrealen Preisschilder.”

“49,99? Find ich ziemlich reell.”

“Umso schlimmer.”

“Ein Schnäppchen.”

“Nein, ein Schnäpschen. Billiger als die Entgiftung hinterher.”

“Die sind nicht mal in Facebook. Ich sag doch, dass die den schon nicht exen.”

“Sondern was? Das Waschbecken putzen?”

“Mit dem Plempel für 21,99 vielleicht.”

“Was aus der Gegend, wie wär’s?”

“Zwetschgenwasser, Bärwurz oder so?”

“Sehr witzig.”

“Da ist was. Bayerischer Whisky.”

“Wird man von dem weißblau?”

“Und so viel davon.”

“Slyrs, Coillmór, Stonewood … Jeder davon der einzige bayerische Whisky.”

“Das behaupten die gar nicht. Du wirst nochmal verrecken an einem Kalauer.”

“Oder an einem Whisky, der Speyburn heißt.”

“Genau das mein ich. Der ist schottisch.”

“Hab ich dir mal erzählt von dem schottischen Bier, das Brunswicks heißt?”

“Ja, etwa wöchentlich.”

“Feiner Stoff.”

“Außer wenn man ihn bestellen will.”

“Schottland ist gut. Schottland ist cool. Besser als England.

“Machen die Whisky? British Blend?”

“Der da ist aus Sauf-Wales.”

“Gehört Wales zu Britannien?”

“Geographisch vielleicht. Zum Saufen gehören sie alle.”

“Vor allem der Whisky.”

“Welchen nehmen wir jetzt? Die werden ja alle sechs Jahre einen Zwanziger teurer.”

“Da haben wir ja noch Chancen auf dem Markt.”

“Wenn wir Whisky werden.”

“0,7 Liter auf 89 Euro runtergesetzt?! Ham dien Sprung?”

“Dafür 48,5 PS.”

“Komm, wir gehn Blumen kaufen.”

“Dann nehmen wir doch den.”

“Four Roses?”

“Ja, der is gut.”

Soundtrack: Marius Müller-Westernhagen Johnny W. aus: Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz, 1978. Platten kann man ja heute nicht mehr schenken.

Ältere Beiträge

© 2018 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑