With your feet in the air and your head on the ground

Waun’st Vertraun host in di selber,
daun brauchst ka Versicherung,
weu wann du wüst,
bleibst immer jung.

Wolfgang Ambros: Für immer jung, 1983.

Dass einem das auch mal auffällt: Wir verfügen über zwei Haftpflichtversicherungen.

Über ein Jahrzehnt lang ist das unbemerkt geblieben, weil die einen immer am Jahresanfang abbuchen, wenn man froh ist, dass von den Überresten der Weihnachtsausgaben überhaupt noch ein paar Kröten für Wasser und Brot übrig sind, und die anderen um die Jahresmitte, wenn man mit keinen jährlich fälligen Abbuchungen mehr rechnet.

Cool. Heißt das jetzt, dass ich meine Schadensmeldungen immer gleich bei zwei Haftpflichtversicherungen einreichen kann, und ich krieg sie dann doppelt ersetzt? Außer mit den zwei Versicherungen sind wir ja auch mit zwei lebenslustigen, sprungkräftigen Katern mit scharfen Krallen und einer laxen Einstellung zu Eigentumsfragen gesegnet, da ist so ein Schadensfall ruckzuck eingetreten.

Die Kater sollen sowieso mehr raus. Ein kurzer Ausflug mit einem Kater und einem Laserpointer in die Glas- und Porzellanabteilung vom Kustermann, und wir sind gemachte Leute.

Soundtrack: Pixies: Where Is My Mind? aus: Surfer Rosa, 1988, für: Fight Club, 1999.

Adam Smith für Arme

Wenn es möglichst vielen möglichst beschissen geht, geht es allen gut.

Nein, das ist nicht der Feudalismus, der zur Französischen Revolution geführt hat, das ist der Neoliberalismus, der die gegenwärtige Form des Wohlstands ermöglicht.

So wie die Welt nur die beste aller möglichen Welten sein kann, springt nun mal nicht mehr raus mit Utilitariers größtem Glück der größten Zahl, das eben immer nur das größtmögliche ist. Da geht’s nicht um Gleichmacherei und Pöbelherrschaft, da geht’s um die Möglichkeit von Einzelexistenzen.

Logischerweise siebt sich da immer ein bestimmter Prozentsatz aus. Solange eine Gesellschaft sich entscheidet, die Demokratie nominell noch mitzuschleppen, muss man sich mit Sachen wie Meinungsfreiheit und einer gewissen Entlohnung der dienenden Klassen herumschlagen.

Jetzt sollen in einer Hochburg des Feudalismus, ganz buchstäblich einer ihrer allerhöchsten Burgen, nämlich Schloss Neuschwanstein, laut “Bild-Zeitung” gleich mehrere “schwarze Party-Kassen” aufgeflogen sein. Woandersher verlautet etwas aufgeschlüsselter, es sollen nach Ladenschluss, wenn es Nacht ward über Füssen, noch Fremdenführungen stattgefunden haben – der Japaner schläft nicht –, bei Mondschein und so, wie beim alten Ludwig — dem Zweiten, dem von Bayern, nicht dem Vierzehnten von Frankreich, dem aber sein untergebenes Kroppzeug genauso auf den parfümierten Seidensenkel gegangen ist.

Die Sonderführungen wurden mit zwanzig Euro entlohnt. In bar. An den Fremdenführer. Ausdrücklich gegen Quittung. Zwanzig Euro. In bar. An den Fremdenführer, die korrupte Sau.

Falls da nicht noch mehr auffliegt, was ich nicht verstanden hab, halte ich einen wöchentlichen Extrazwanziger für Überstunden nicht für “Untreue und Betrug in besonders schweren Fällen”, sondern für einen besonders frechen Vorschlag für ein Trinkgeld. Aber ich hab ja bloß nicht verstanden, was da noch alles auffliegen wird, und wenn ich nicht selber so ein Bauernopfer wäre, sondern eine “Rarität im Allgäu mit unverbaubarem Traumblick auf Hohenschwangau” zu unterhalten hätte, würde ich bestimmt auch ganz anders reden.

Ungemein spätromantisch: das Bild, wie ein abgeschuftetes, leergequasseltes, für heute wieder ausreichend gedemütigtes Fremdenführermauserl noch im Uniformröckchen nach getaner Tagesabrechnung nach Mitternacht endlich auf ihrem antiken Damenrad den Berg nach Füssen runterklappern darf, den sie zum Dienst in fünfeinhalb Stunden wieder rauf muss. Gewissenlos bereichert um zwei speckige, in der Mitte mit Tesafilm geklebte Zehner, gegen Quittung. (“Mein Gott, wenn Ihn’ die Rechnungsadresse zu schwierich is, lassenses ebmt wech, wir wolln hier nich die Nacht verbring’, nich wah, ha, ha, ha…”)

Seit Jahren soll das so gegangen sein, früher wären das 39 Mark 12 gewesen. Nächste Woche an dieser Stelle berichten wir dann, worin der Skandal eigentlich liegt. Vielleicht.

Haben und Nichthaben

Ich kann so nicht arbeiten. Meine – und wahrscheinlich auch Ihre – Krankenkasse gedenkt ihre Beiträge zu erhöhen. Nicht alle. Nur die für Raucher und Übergewichtige. Sie begründet es mit verlegenen Gratisargumenten über eine Solidargemeinschaft, in der jeder einzelne soziale Verantwortung trägt und für seine selbstverschuldeten Krankheiten möglichst alleine aufzukommen hat.

Kann schon sein. Mich stört nur die hinterkünftige Vorgehensweise. Wenn sie mein Geld haben wollen, sollen sie gefälligst das Kreuz aufbringen, es zu sagen. Nicht so schleichend immer noch ein Kreuzerchen mehr abknöpfen, als nur gerechte, ja unverdient milde Strafe für etwas, an dem ich mir auch noch schuldig vorkommen soll, und glauben, ich merk das nicht. Aber dann hätten wir ja eine Diktatur, in der die Obrigkeit schuld an der Misere ist, und keine Demokratie, in der jeder schön selbst sein Glück schmieden darf, gell? Das geht bis jetzt nur mit dem ganzen leistungsscheuen Gelichter, das jeden Tag die ansonsten high performenden Agenturen mit Hartz-IV-Anträgen von der Arbeit abhält.

Offensichtlich besteht soziale Verantwortung in einer Hatz gegen politisch unerwünschte Sozialversager. Oder haben Sie schon mal von erhöhten Krankenkassenbeiträgen für Autobesitzer und Schifahrer gehört? Geht ja gar nicht: Wenn ich mit meinem “Jahreswagen” schon mühsam bis “Kitz” geblockert bin, will ich doch das Hotel nicht mit einem Zigaretten qualmendem Speckknödel teilen. Ist man denn nirgends mehr unter sich?

Wenn der Grund selbstverschuldete Krankheiten wären, ginge noch einiges: Wer zieht endlich die Mietpenner zur Verantwortung, die sich in ihrer Gedankenlosigkeit für einen Wohnsitz im Einzugsbereich eines Handymasten entschieden haben? Wer die Süchtlinge, die trotz aller Ermahnungen und jedermann zugänglicher Information nicht von eierhaltiger Ernährung lassen können? Wenn die darauf bestehen, dass sie mit ihrem Lebenswandel weder sich noch ihre Volksgemeinschaft schädigen, sollen sie halt rüber in den Osten, da düngen sie ihre Wassermelonen mit der Strahlung aus Atomkraftwerken und mampfen das Dioxin mit dem Kochlöffel als Nationalgericht.

Solidargemeinschaft, jawohl. Und der freundliche Herr Sparkassendirektor zahlt mir Zinsen, weil er sich so über meine Sparsamkeit freut.

Hey buddy, got a match?: To Have And Have Not, 1944.

Featuring Great Cat Content 2

Gummikaetzchen  

Liebes Finanzamt, bin ja schon drüber.
Leider hast du mir immer noch nicht gesagt, ob man als Kreativer seine Gummibärchen-Miezen als Betriebsausgabe absetzen kann, weil Standard-Nahrung zur Kreativaufrechterhaltung. Meine Anfrage, ob unsere Betriebskatze Moritz als festangestellter Mitarbeiter "Einsatzgebiet Motivation und Blutdrucksenkung" oder eher als Mouselancer einzustufen ist, hast du auch noch nicht beantwortet.
Also wie jetzt.

Was das Finanzminsterium mit einem Hamster zu tun hat

Ähm,
hier hamstert es (Link):

Und zwar vom Finanzministerium bezahlt. Agentur: fischerAppelt.
Kann mir einer sagen, was mir der Spot sagen soll? Ich versteh ihn nicht.
Wer in so einer Falle ist, der wird doch immer dünner und dünner.
Aber nicht fetter.

Da fällt mir ein kleiner Dada-Dialog ein, den sich mein Textermann in einer Dada-Laune ausgedacht hat:

Urgent call from space: "Houston! Got a problem!"
Houston: "What kinda…
From space: "W’ve got a hamster!"
Houston "Whaaaattt??
From space: He’s dead!"
Houston:"… ? … +*#’~… Digg it!"

Kann man Katzen von der Steuer absetzen?

Es gibt Stimmen, die sagen, Katzen sind as useful as a chocolate teapot. Blödsinn!

Das sehe ich anders. Unsere Katze sollte den Status einer Betriebskatze bekommen, und zwar unter dem Buchungskonto: "Betriebsfähig halten von Betriebsräumen". Sie ist wertvoller als ein IT-Support, denn sie fängt die Puschelöhrchen, be_vor sie mir am Ethernet-Kabel oder an Netzwerkverbindungen herumnagen. Was das Kosten spart, brauche ich nicht zu erklären. Weiß man doch, dass der Support einen sowieso für blöd hält und kostenpflichtig fragt: Prüfen Sie alle Kabel, ob sie dran sind, … ist Ihr Gerät auch wirklich eingeschaltet? [brodel…] Und derartige Demütigungen mehr. Vorbei.

Jetzt geht ein stolzes Leben los mit einem fähigen, verbeamteten vierpfotigen Mitarbeiter, der einen in seinen Betriebspausen sogar noch im Schlaf inspiriert. Welcher schlafende Mitarbeiter schafft das. Und für Wellness der Bossin sorgt, denn sein seidiges, pelziges Äußeres sorgt für niedrigeren Blutdruck.

Selbstverständlich verrat’ ich dem Finanzamt nicht alles. Muss nicht sein, dass raus kommt, dass der begabte Ringeltiger zuvor für anständige Arbeitsbeschaffung (ABM) sorgte und die Mäuse vorsorglich reinschleppte. Mein Mann hat die Kunst, die noch lebenden Mäuse vor der metzelnden Katze mit einem Töpfchen wegzufangen, zur Hochform gebracht.