With his spectacles off, the near-sighted photographer can’t focus

Summoning his cosmic powers,
And glowing slightly from his clothes,
His psychic emanations flowed.

Pink Floyd, 1968.

Heute keine Bilder.

Ich wollte selber eins machen, mit zwei Büchern drauf, im Zusammenhang mit den zwei Brillen, die ich derzeit benutze. Es hätte aber draußen sein müssen, auf hellem Hintergrund bei Tageslicht, weil die zwei Bücher eher dunkel sind: Wieland, antiquarisch von A. D. 1853, die zwei von 18 Bänden mit dem Aristipp.

Leider ist mir typischerweise nicht nur die Sonne davon-, sondern die Bewölkung hinterhergelaufen, und der Idee einer verschwommenen Brille konnte ich seit der Cover-Art von Hipgnosis für die Nice Pair-Compilation von Pink Floyd 1973 nichts mehr hinzufügen:

Out-of-focus spectacles — With his spectacles off, the near-sighted photographer can’t focus.

Ich beklage mich nicht, es werden ja so viele Bilder gemacht, was soll da ein dermaßen stilles Motiv noch reißen. Grund zu klagen gibt’s erst, wenn ich’s nicht mehr selber kann.

Soundtrack ist natürlich Let There Be More Light aus: A Saucerful of Secrets, 1968:

These Schlappen are made for Öl und Fett standhalting (I knew all the rules but the rules did not know me)

Noch gar nicht erzählt: Dieser Wochen hab ich mir ein neues Paar Birkenstocks gekauft.

Das Besondere daran: Es war in einem Laden. Einem Geschäft. Einem Schuhgeschäft. Einem Birkenstock-Schuhfachgeschäft oder wie solche Bauten sonst noch heißen. Ich musste hingehen, Grüß Gott sagen, mich überzeugen, ob das Warenlager tatsächlich bis Größe 47 geht, und Bargeld aus einem Geldbeutel abzählen. Nix da wischwisch, Glückwunsch-Sie-haben-erfolgreich-in-Kürze-erhalten-Sie und zwei Wochen warten, bis sich ein DHL-Inder erbarmt, einen neuen, noch missmutigeren “Wunschnachbarn” zwei Hausnummern weiter ausfindig zu machen, bei dem er das Paket mit irgendeiner Kindergröße verstecken kann.

Noch besonderer: Es war mein erstes Paar neuer Birkenstocks seit dreißig Jahren. So lange halten die nämlich. Wenn man sie regelmäßig putzt, jedenfalls die ersten zwei, drei Jahre, hüstel.

Birkenstocks are back, Wantering BlogBei meinem ersten Paar war ich 18. Was seitdem nicht alles passiert ist! Heidi Klum durfte Glitzerkram auf bis dahin einwandfreie Birkenstockschuhe kleben, um sich mal wie eine richtige Designerin zu fühlen. Kate Moss durfte ganz ordentlich darin aussehen, auch wenn sie das vollkommen unbrauchbare, weil offenzehige Modell Arizona benutzte, aber die darf eh alles. 1993, lange nach meinem Kauf, trat zutage, dass die damalige Führung des Hauses Birkenstock, offenbar widerwärtige Klischeekapitalisten mit Zylinder und Zigarre allesamt, dem Konzept des Betriebsrates mit Unverständnis begegnete. Noch später wurde das Internet erfunden, sonst hätte man das vorher googeln und dann womöglich von einer weiteren Bereicherung der Kapitalistenbande absehen müssen. Zweimal musste ich mein eigenes Paar immer noch einwandfreie, weil fast regelmäßig geputzte Birkenstockschuhe aus einem Müllcontainer befreien, wohin es das erste Mal meine Mutter und das zweite Mal meine Frau heimlich versteckt hatte.

Noch später wurde, diesmal vom Hause Birkenstock selbst, das Modell Professional Kay SL erfunden, denn “wer in einem anspruchsvollen Umfeld arbeitet, ist auf zuverlässiges Schuhwerk angewiesen. Das gibt es von BIRKENSTOCK: Die Professional Linie überzeugt mit rutschhemmenden Sohlen, die Öl und Fett standhalten, und vielen weiteren Details wie z.B. Schutzkappen [und rundumlaufenden roten Rallyestreifen! Und vor allem: ungelogen zuschaltbaren Fersenriemen! Anm. d. Red.]. Alle Modelle sind TÜV – geprüft und sind teilweise mit einem auswechselbaren Fußbett ausgestattet – das perfekte Schuhwerk für den professionellen Einsatz.” Cit. a. a. O. Im Laden hieß es: für OP-Krankenschwestern, Bauarbeiter, Köche und alle, die lange stehen und weite Strecken zurücklegen müssen. Ich möchte ergänzen: Und Stubenhocker, die höchstens mal zum Rauchen vor die Tür kommen, weil solche ohne zuverlässig bereitstehendes anständiges Schuhwerk überhaupt keinen Arschbacken mehr aus dem Bett heben.

Wenn die Dinger wieder dreißig Jahre halten, womit ich fest rechne, brauch ich mein nächstes Paar, wenn ich 78 bin. Da kann ich jeden Tag für 0,82 Cent Birkenstockschlappen anhaben — gar nicht so teuer eigentlich. So gegen 2031 müsste meine Frau meine hoffentlich regelmäßig geputzten Professional Kay SL zum ersten Mal heimlich im Müllcontainer versenken, das zweite Mal gegen 2041 meine Zugehkrankenschwester. Aber die kann was erleben.

Selbstlaufendes Bild: Wantering Blog, zu cool für ein Datum;
Soundtrack: Eddie Vedder: Guaranteed, aus: Into the Wild, 2007.

Cross gesellt ‒ aus dem Marketing-Zyklus “Heiter durch den Tag”

Wer als hoffnungsloser Katzenidiot (ich) seinen Katzen Bananen-Bandanas kauft (weil sie in einer Bananenkiste vor die Türe gelegt wurden …), kauft seinem Mann auch das:

Latz

 

Und seinem Kunden das da  …  oder umgekehrt … flickr.com

Eulen-Rassel, gehäkelt

(Eulen)Rassel; Baby; Kleinkind; Spielzeug.

 

Und das  …  der Hahn auf dem Mist … für Gockel egal welchen Alters … etsy.com

Hahnenmütze, gehäkelt

 

Und das  …etsy.com

Raubtierpfoten-Schuhe häkeln

Raubtier-Pfoten häkeln

Das Letzte ist Hammer. Ob ich dem Daniel welche häkeln soll?

 

Lalala

Guerilla heißt ja, dass alle dürfen, ob sie können oder nicht.

Guerillapoesie Instagram

Ich bin nichts und doch soviel denn ich kann sein was immer ich will!

16. April 2016, keine Ahnung mehr, wo, riecht aber nach Schwabing. Hohenzollernstraße, wetten?

Graffiti Unterführung

Eine Seele ohne Licht. Wie ein Tag ohne Nacht. Macht, keine Kraft. Der Funke entfacht. Der Schatten daneben. (Traurig, gell.)

17. März 2014, verspinnwebte Unterführung im strukturschwachen Niemandsland zwischen Leutstettener Moos und der A 95, wahrscheinlich sogar unter der letzteren.

Raiffeisenbank Isar-Loisachtal für den Prälatengarten Kloster Schäftlarn

Da wo das Geld zuhause ist,
man auch das Schenken nicht vergißt!

1. September 2015 von der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal für den Prälatengarten Kloster Schäftlarn. Wenigstens die kennt man.

Staffelknipsen

Auf solche Projekte steh ich ja heillos: Daily Portrait IV Berlin 2015–2016 ist mal wieder so eine Fusion aus Fotografie und Happening. Warum gedeiht so was wieder nur in Berlin (gemeint ist der Dörferhaufen bei Polen) und nie in München? — Die Projektbeschreibung:

One camera and 365 Berliners. I photographed Elle in her apartment. I gave her my camera and she did take a photo of M in her apartment next day. M photographed Jonathan and Jonathan photographed Carise and Carise photographed Christoph and Christoph photographed Joanna and Joanna photographed Terka and Terka photographed Stephan… Until 365 photos will be made. If you would like to be photographed by Berliner you don’t know and take a photo of another Berliner you don’t know next day, please email me to: portraitdaily@gmail.com The photo shoot takes place at the model’s homes. The whole body is captured on the photo. Those who want can be naked, otherwise in underwear. Photographing is for free. In order to take part you have to be over 18. All 365 photos will be exhibited in a gallery and a book will be published. Project is non-profit.

Überhaupt ist alles sehr berlinerisch: Die Selbstdarstellung gibt’s gar nicht auf Deutsch, der Bonus ist, dass man für eine behauptete Dienstleistung nicht auch noch zahlen muss, keiner verdient was dabei, keiner kennt den anderen, die Teilnahme ist nicht jugendfrei und alle sind nackig.

Jeden Tag einen fremden Berliner in allen Farben und Formen mehr angucken kann man auf Facebook, Flickr, Instagram und Twitter. Ich empfehle die vermutliche Hauptseite auf Tumblr, weil die unter den sozialen Netzwerken am wenigsten mit stark frontal nudity rumzicken und nicht gleich von der Tatsache offended — das heißt tatsächlich: beleidigt — sind, dass eine schöpfende Kraft einst an Frauen Brüste befestigt hat.

Der Pornofaktor ist gering: Mit keinem der freundlichen, aufgeschlossenen und kulturell interessierten Berliner — und Berlinerinnen — ist etwas geschehen, an dem er oder sie nicht selbst ungefähr die halbe Regie geführt hätte. Nackte in ihrer Wohnung anzuschauen hat zwangsläufig etwas Voyeuristisches, aber alle waren offensichtlich einverstanden damit: Niemand wurde zu einem Objekt degradiert, man erblickt lauter lustige, stolze, oft ansehnliche, aber allesamt respektable Leute.

Bin jetzt ich der einzige, dem auffällt, wie gleichbleibend hochwertig das Projekt läuft? Alles high-end, alles high-key, alles highly sophisticated. Penibel gezählt hab ich nicht, aber mit Stand von Anfang April 2016 müsste ungefähr die Hälfte der 365 Fotos durch sein. Bis jetzt stelle ich keinen Flüsterpost-Effekt fest. Sollte nicht längst jeder zweite aus der Rolle fallen? Lücken in der Kontinuität entstehen, weil jemand zu einer anderen Entscheidung als stinkbesoffen und verkokst heute früh um drei im Sankt Oberholz gelangt ist oder weil ein anderer doch kein so nettes, urbanes, zuverlässiges Haus war?

Ich meine, hey: Es ist Berlin — und jeder, wirklich jeder wohnt in einem vorbildlich aufgeräumten, professionell ausgeleuchteten Loft, hat den erlesensten Kunstgeschmack an der Wand hängen und hupft nackicht für einen Wildfremden durch sein Schlafzimmer, nur weil er a) einen Fotoapparat und b) gestern in der Schlange vor der Smoothie-Manufaktur blöd gefragt hat?

Wie darf sich ein Münchner Bergbauernbub das vorstellen? Da fragt heute jeder sofort den nächsten und kriegt auch gleich für morgen einen Nackig-im-Schlafzimmer-rumhupf-Termin? Bei Tageslicht? Hält die heikle Etikette der Amateur-Aktsitzung ein, vergisst das Briefing und besonders das einheitliche Querformat nicht und verwackelt nie? Gibt die Hand, sagt artig: “Dankeschön, hat mir jefreut, bis ürjendwann ma”, verkneift sich höflich das “und wennde ma nüscht for deine urst schnieke Wassermatratze hast, meine Nummer unne Addy haste ja, wa”, geht heim, photoshoppt seine Ausbeute auf genau 350 dpi und mailt sie schnurstracks brav an portraitdaily@gmail.com? Jeden lieben Tag? Alle drei Hunderte, fünf und nochmal sechzig? — Boah, Berlin muss ja echt rocken.

Und das soll die Mami glauben? Oder ist das kleinlich, in einer einwandfreien, wunderschönen bunten Menschensammlung mit gar nicht so wenigen tollen Bildideen als erstes ein Fake zu vermuten? Sollte mich hier jemand für dumm verkaufen, dann wenigstens nicht unter Preis. Filme guck ich auch gern, und die sind auch nicht wahr. Aber sie stimmen.

Als Auswahl folgen dem großen Thema des Weblogs entsprechend die sechs bisherigen Bilder, auf denen mir Katzen aufgefallen sind. Wie sich das gehört, ist das letzte das beste.

Daily Portrait IV Berlin 2015-2016, Tumblr

Daily Portrait IV Berlin 2015-2016, Tumblr

Daily Portrait IV Berlin 2015-2016, Tumblr

Daily Portrait IV Berlin 2015-2016, Tumblr

Daily Portrait IV Berlin 2015-2016, Tumblr

Daily Portrait IV Berlin 2015-2016, Tumblr

Bilder: Daily Portrait IV Berlin 2015–2016.

Das Herz eines Boxers

Update zu Familiärer Hardcore:

Tired of being fat and ugly, just be ugly, Boxschule KnochWenn bloß alle solche Werbung machen wollten wie manche, die ganz was anderes gelernt haben, aber halt ihr Ding sagen wollen wie alle anderen anständigen Leute auch.

Eine der zahllosen Definitionen von Anstand ist ja, nicht mehr zu versprechen, als man halten kann. Irgendwie, was selbst gelernte Werber nie garantieren können, kriegt die Boxschule Knoch (Boxen für alle: ab 16 Jahren bis Urgestein) es hin, dass ich mir zum flockigen Spruch sogar die Firma gemerkt hab. Und endlich mal nicht solche Sissy-Kampfkünste wie Capoeira und Tai Chi.

Zum ersten Mal im Leben hab ich erwogen, Boxen zu lernen, die Gegend (Flößergasse 8, der 1. Stock in einem Mittersendlinger Rückgebäude) sieht recht authentisch danach aus, als ob man da ein paar Boxstunden gebrauchen könnte — aber nicht sehr lange. Das Konzept ist nämlich gar nicht so schlecht, wie ich schulsportgebranntes Kind jeder Sportschule automatisch unterstellt hätte:

„ Float like a butterfly, sting like a bee “
(Drew Bundini Brown)

Die Boxschule Knoch bietet Dir ein hochquallifiziertes Boxtraining…von der Pike über den Breitensport bis zum Leistungsträger.

Du selbst entscheidest, Deinen Ansprüchen und Deiner Verfassung entsprechend, über Deine persönliche Trainingsintensität.

Wichtig: Das Duell im Ring (bedingtes, begleitetes oder freies Sparring) ist FREIWILLIG !, und stellt nur einen Teil des komplexen Trainingsinhaltes dar.

Für dieses hochwertige, vielseitige Trainingsprogramm stehe ich mit meinem Namen, und wünsche Euch vor allem viel, viel Spaß.

Euer Rainer Knoch

Wenn ich jetzt in dem Laden nachfrage, ob und wie das 1993er Album Krieg & Spiele von den Abstürzenden Brieftauben, auf dem das Lied Fett & häßlich drauf ist, mit deren 1994er Single Das Herz eines Boxers, die gar nirgends drauf ist, und beide mit dem Geschäftskonzept und der Außenkommunikation der Boxschule Knoch zusammenhängen, handle ich mir dann einen rechten Schwinger ein?

Der Berufsidiot

Ein wenig Leidenschaft beflügelt den Geist,
zu viel löscht ihn aus.
Henri Stendhal

 

Als Designer jetzt:
Ich habe von Anfang an nicht verstanden, was daran gut sein soll, zu sagen, dass man Design “mit Herzblut” mache. Da hat man doch nur den Effekt, dass man von den beauftragenden Geschäftsleuten für einen kleinen Idioten gehalten wird.

Zusätzlich zum Effekt, dass sie dann umso stärker glauben, der kleine schmalzig lügende Idiot würde sie eh nur um ihr Geld behumsen wollen. Ich hasse das alles aufrichtig.

 

Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht.
Konfuzius

 

Eine der zehn besten Partys der Welt

Es ist eindeutig eine gewinnorientierte Werbung, keine Leistungsschau von und für Praktikanten. Normalerweise steckt man denen nämlich als erstes, dass der Text etwas anderes sagen soll als das Bild zeigt; siehe auch: “Neger vor Hütte” (Ausdruck von Erik Spiekermann, ca. 1950, als Menschen in der Pigmentierung bayerischer Restaurantaushilfsköche noch “Neger” hießen).

Die Münchner City-Lights halten das derzeit vorbildlich durch. Der Plakattext geht:

Gewinne mit Beck’s die Nacht deines Lebens.

Reise mit 3 Freunden zu einer der 10 besten Partys der Welt.
Einfach Gewinncode im Deckel checken.

Beck’s
Folge deinem inneren Kompass

Dagegen auf dem Bild hat dann offensichtlich ein ungewaschener jugendlicher Alkoholiker eine nackte Hütchenspielerbande zusammengetrommelt, damit er auf drei Freunde kommt, und steht mit ihnen in einem überschwemmten Keller umher. Social Awareness — kann man machen, ist aber selten an Münchner Bushaltestellen, wo man die Werbefläche ohne weiteres in Schwabinger Wohnfläche umrechnen kann. Vor allem mit diesem Zynismus, mit dem der soziale Härtefall nicht als Opfer dargestellt wird, sondern vielmehr seine Misere als “Nacht [s]eines Lebens” betrachtet.

Gewinne mit Beck's die Nacht deines Lebens, Plakat Sendlinger-Tor-Platz

Wenn das eine der zehn besten Partys der Welt ist, will ich lieber nicht die Top 100 sehen. Eine soziale Mission strahlt es nicht aus, sonst wären den aktuellen Bedürfnissen folgend eher Flüchtliche aus restaurantaushilfsköcheliefernden Ländern abgebildet, sondern allein durch seinen Premiumplatz am Sendlinger Tor schon die ganze Verzweiflung einer hohen Gewinnorientierung. Dann wird es wohl so ein Hipster-Ding sein: ein- bis dreifach gebrochene Ironie und so.

Demnach sind wir jetzt von Firmenseite gewarnt: So kann’s gehen, wenn man Beck’s kauft. Das Gute ist, dass man fürs gleiche Geld schon einen Kasten Bier haben kann.

Bild: Meins, schenk ich Ihnen aber.

Die echten Modernisierungsverlierer

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater. 17 und forever young.

Greise glauben alles. Männer bezweifeln alles. Junge wissen alles besser. Oscar Wilde

Wolf ist grade mal 47. Und kriegt diesen Brief:

Ab ins Pflegeheim mit dem rüstigen 46er

Du hinfällig, du alt, du Pflegeheim!

Und das ist drin:

Bestelltext des unglaublichen Seniorenmarketing

Die Erlösung, die Rettung!! Das Versprechen!! … und Katzenfutter kriegste auch! … Die Superbestellung für Hinfällige. Alles an edlem 80er-Jahre-Marketingwissen ist da vereint …

Ob ein Mann, der 70 ist, dieses unglaublich dreiste Stück Angst-Marketing super findet, ist dem immer noch teils herumglucksenden, teils erschütterten Hause Gräbel nicht bekannt. Wohl nicht.

Ob Moritz oder ob die unsterblichen Tjorvens, Pelles, Stinas, Malins und Melcher Melchersons, alle for ever young. Man wird diese trottelhafte Beleidigung der schieren Existenz dahin tun, wo sie hingehört: als Klimawandel-bewusster Bürger mit “Ich trenne – also bin ich!”-Mindset vollkorrekt in die Mülltrennung. Bringt zwar dem Klima und meinem Fell nix, aber macht Spaß.

 

Gruß,

Moritz, for ever young

 

 

¡La ciudad unida jamás será vencida!

Update zum Anarchistischen Glaubensbekenntnis:

Werden wir gefährlich, Thalkirchener Straße

Die Stadt in der wir leben befindet sich in einem permanenten Zustand der Modernisierung bzw. Umstrukturierung. Es wird saniert, aufgewertet, abgerissen und teure Neubauten werden errichtet.

Wir sollen die Veränderungen in unserer Umgebung als passive Zuschauer wahrnehmen (also hinnehmen), um den gewinnbringenden Projekten der Zukunft nicht gefährlich zu werden, sondern sie als beschlossen und unabwendbar zu akzeptieren. Doch genau wir sind es, die die Folgen dieser Vorgänge zu spüren bekommen, sei es in Form von unbezahlbaren Mieten, die immer mehr Leute aus der Stadt verdrängen, da sie nicht mehr in der Lage sind, diese zu bezahlen oder in Form von der Ausweitung repressiver Strukturen, die dafür sorgen, dass alles, was dem reibungslosen Fortschreiten dieser Prozesse gefährlich werden könnte aus dem Weg geschafft wird. Durch einen technologischen Überwachungsapparat, erhöhte Polizeipräsenz und private Security-Firmen wird der Reichtum und das Eigentum der Einen geschützt, während die Anderen durch die Androhung von Strafe im Zaum gehalten werden. Die Politik versucht uns mit leeren Versprechungen für ihre Vorhaben zu vereinnahmen und jeden Konflikt im Keim zu ersticken. Lassen wir uns nicht blenden! Solange wir die für vorgesehene Rolle des folgsamen und unterwürfigen demokratischen Bürgers nicht endlich hinter uns lassen, werden wir weiterhin dem Bild des passiven Zuschauers gerecht, der sein Leben in die Hände anderer legt und sich deren Entscheidungen fügt.

Doch was, wenn wir das Leben wieder an uns reißen und anfangen, selbst Entscheidungen zu treffen?

Wenn wir eigenständig denken und die Konsequenz aus unserem Denken das direkte Handeln ist, sind wir in der Lage, fernab des politischen Spektakels auf unsere Realität und somit auch unmittelbar auf unsere Umgebung einzuwirken.

Wenn das Leben in dieser Stadt für viele unmöglich wird, ist das kein Schicksal sondern das Ergebnis der kapitalistischen Gleichung, bei der unterm Strich der Profit zählt.

Wer von der Umstrukturierung und Aufwertung der Stadt profitiert und sich somit für diese verantwortlich macht, liegt auf der Hand. Vom Vermieter und Architekten, über die Immobilienfirma, Makler und Baufirmen bis zur Stadtverwaltung und Politik, befinden sich die, die unseren Lebensraum als handelbare Ware betrachten überall um uns herum und sind somit auch überall angreifbar.

Machen wir ein für alle Mal klar, was wir von ihnen halten. Mit eigenen Ideen, Worten und Taten!

Ich referier das bloß. So ein Deutsch und so eine Logik in der Argumentation pflegen also diejenigen, mit denen man eigentlich zur Not ganz gern ein paar Überschneidungen in der Meinung hätte. Als erklärte Münchner Einwohner sind es vermutlich Deutsche, auch wenn sie das Wort “München” sorgsam umgehen, aber vielleicht verwenden sie ja für anderen Städte den gleichen Text; das politische Spektakel tobt ja überall. Wer braucht schon Argumente, wenn er eine Meinung haben kann.

Unser Versuch seit Jahren ist, unsere eigene Wohnung aufzuwerten. “Wer von der Umstrukturierung und Aufwertung der Stadt profitiert und sich somit für diese verantwortlich macht, liegt auf der Hand”: nicht etwa “Vermieter und Architekten, über die Immobilienfirma, Makler und Baufirmen bis zur Stadtverwaltung und Politik” (cit. a. a. O.), sondern ausschließlich wir selber. Wenn jetzt das Sondereigentum unseres Kelleranteils zum Wohle der Eigentümergemeinschaft wenn schon nicht komplett enteignet, so doch verkleinert und in seiner Nutzbarkeit eingeschränkt wird, so ist das demokratisch hinzunehmen, weil wir schließlich alle Opfer bringen müssen: Wo soll die Hausgemeinschaft nach einer Sanierung des Abwassersystems mit komplizierter neuer Rohrverlegung denn sonst hinscheißen, wenn nicht mitten durch unseren Keller, am Regal mit den Einweckgläsern vorbei, vorausgesetzt, dass die hinterher noch reinpassen? Dem hab ich keine anderslautenden Vorschläge entgegenzusetzen, weil ich dazu wie immer das Falsche studiert hab. Sollte in einer folgenden Eigentümerversammlung, sei sie ordentlich oder außerordentlich, beschlossen werden, dass ich in meinem Wohnzimmer, weil wir grade so schön dabei sind, auf Kosten des Bücherregals ein Klärbecken einzurichten habe, könnte eventuell sogar ich überlegen, mal gefährlich zu werden; man kann ja durch nichts so verstören wie durch korrekte Kommasetzung. Meine Befürchtung ist allein, dass niemand sie bemerken wird.

Bild mit Zitat: am Tröpferlbad in der Thalkirchener Straße selber gemacht, keine Rechte vorbehalten, aber bitte mit Quellenangabe. Bitte Vorsicht mit dem Text, auch wenn er von jungen, betont gemeinschaftlich orientierten Antifa-Recken stammt: Enteignet werden ist unlustig. Venceremos.

Soundtrack: Roxette: Dangerous aus: Look Sharp!, 1989.