Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Das Internet ist eh‘ nicht das, was es noch nie gewesen war. (Seite 1 von 4)

Altes Ego

Ich bin nicht
zu alt um
alles zu tun
was man mir
sagt ich bin
nur zu jung
um damit aufzuhören.

Soundtrack: Iris DeMent: Leaning on the Everlasting Arms, 1887, aus: True Grit, 2010:

https://youtu.be/UVuAqLTmvFY

40 winzige Aufgaben

Update zu Saufspiele für Bücher-Geeks:

Es ergeht Empfehlung für die Unternehmung und die Website Book Riot — zusammen mit der Frage, warum sowas wieder nur auf Englisch wächst.

Hierzuland mag einem nicht einmal eine halbwegs würdevolle Entsprechung für das allfällige englische bookish einfallen, das im Bookweb („Im was??“) ständig und für alles gebraucht wird. Hätten Sie gewusst, was ein TBR ist? Soll ich’s sagen, während Sie sich von Trockenblutreaktion zu Total Business Return hangeln? Das heißt to be read und bezeichnet den Stapel ungelesener und angefangener Bücher, der sich neben Ihrem Sofa türmt. — Ach, da türmt sich gar nix mehr, seit Sie Ihre unvollständige Harry-Potter-Sammlung der Stadtbücherei auf die Theke gekippt und noch ein Dankeschön dafür erwartet haben? Na, dann wundert mich auch nix. Dichter und Denker my ass.

Deshalb kommt wohl auch kein deutschsprachiger Kulturverbraucher auf den Gedanken, dass er ein Reading Life (übersetze: Leseleben?) führen, geschweige denn es bereichern könnte. Mir fällt ja selber schwer, die Tiny Tasks aus der Überschrift zu übersetzen („Warum ist das Katzenklo nicht gereinigt? Du kennst doch deine Aufgaben!“), aber ich übersetze aus dem Book Riot („Buchtumult“?) mal die 40 Tiny Tasks For a Richer Reading Life. Schaden wird’s schon nicht.

Ein paar von den 40 will man umgehend schon längst gleich ein paarmal mitgemacht haben, ein paar sind nur im englischsprachigen Umgang möglich (aber offensichtlich haben Sie ja Zugang zum Internet), ein paar kosten Überwindung, und ein paar will ich kopfschüttelnd beiseite lassen. Üblicherweise entspricht das aber dem Geist solcher Anleitungen: Man darf immer guten Gewissens weglassen, womit man sich unwohl fühlt.

1. Lass dich eine Viertelstunde früher wecken als sonst. Das reicht, um in Ruhe ein Gedicht zu lesen. ((Eine von den guten Ideen.))

2. Geh in deine zuständige Bücherei und lass dir von der Bibliothekarin etwas empfehlen — vor allem wenn das letzte Mal schon länger her ist.

3. Setz dich über ein Vorurteil übers Bücherlesen hinweg und denk absichtlich darüber nach.

4. Lies ein Buch aus einer Richtung, die du verachtest. ((Gibt’s eigentlich noch die Landserheftchen?))

5. Frag jemanden, vor dem du Respekt hast, was du lesen sollst, und fang sofort damit an.

6. Verschenk das Buch, das am längsten auf deinem TBR-Stapel liegt ((siehe oben)).

7. Melde dich freiwillig zu einer öffentlichen Einrichtung, die Lesefreude und Lesekompetenz fördert. ((In Deutschland bleibt’s damit wohl bei der Stiftung Lesen.))

8. Lies ein Buch, das von außen verstörend auf dich wirkt.

9. Lass dich auf eine Reading Challenge ein.

10. Entnimm deinem Bestand zehn Bücher und spende sie, ohne neue Bücher dafür einzutauschen. ((In München empfehle ich die Oxfam-Läden.))

11. Lies einem Lieblingsmenschen laut vor. ((Aber frag ihn vorher.))

12. Schreib eine Liste mit deinen eigenen Schnittstellen von Bücherlesen und Liebe.

13. Beschaff dir das Hörbuch zu einem Buch, das du vor Jahren nicht zu Ende gelesen hast — und hör es auch an. ((Vorsicht mit Hörspielbearbeitungen. Romane aller Richtungen und Längen sind gerne gekürzt. Mach dich schlau über den Grad der Verstümmelung, aber lass dich nicht abhalten: Jemand, der hoffentlich dafür bezahlt wurde, hat über dein Hörbuch so und nicht anders entschieden, und er konnte es begründen.))

14. Lies das Lieblingsbuch von deinem besten Freund — egal was für eins.

15. Mach ein Eselsohr.

16. Schreib an den Rand.

17. Frag deinen ältesten Verwandten oder Freund nach seinem Lieblingsbuch. Lies es sofort und erzähl ihm davon.

18. Lies im Freien.

19. Lass bei der Hausarbeit ein Hörbuch laufen. ((Beim Staubsaugen empfehlen sich die Hörspielfassungen, um die ist’s nicht so schade. Nachteil: die Stimme von Iris Berben; Vorteil: gebügelte Unterhosen und Handtücher.))

20. Lies ein Theaterstück. Nimm dir die Zeit für die bildliche Vorstellung, wie du es inszenieren würdest.

21. Lies ein Buch wieder, das du in der Schule zum Kotzen fandest. Und gleich nochmal! ((Ist das noch SM oder schon Rebirthing?))

22. Entschuldige dich bei jemandem, mit dem du überheblich oder abfällig über Bücher geredet hast. ((Von wegen, ich war noch viel zu nett!))

23. Lies ein Buch aus einem Land, in das du noch nie wolltest. ((Südamerika müsste einiges hergeben.))

24. Lies eine Gedichtsammlung von einem einzigen Autor. Von vorne bis hinten. Zweimal. ((Empfehlung der Woche: Jan Wagner: Regentonnenvariationen, Hanser Berlin, 2014.))

25. Verschenk das Lieblingsbuch aus deiner Kindheit auf deiner nächsten Babyparty. ((Das soll mittlerweile auch im deutschen Sprachraum gehen.))

26. Verschenk das Lieblingsbuch aus deinen Zwanzigern an deinen Lieblingsstudenten. ((Persönlich würde ich ja eine Studentin nehmen, aber wahrscheinlich wäre das in meinem Fall zu anzüglich.))

27. Lies ein Buch von jemandem, der ganz anders als du aussieht. ((Toni Morrison soll trotz Nobelpreis ganz gut sein, aber Alice Walker guckt auf ihren Bildern freundlicher.))

28. Lies ein Buch von jemandem, der dich in Jahrmillionen nicht verstehen würde. ((Aber ohne Geld für den Sarrazin auszugeben. Für Mein Kampf gibt’s seit 2016 Ausreden. Glaubwürdige.))

29. Lies eine Seite aus der heiligen Schrift einer Religion, in der du nicht erzogen bist.

30. Hör einen Podcast über Bücher.

31. Geh zur nächsten Autorenlesung in deiner Stadt, auch wenn du den Autor nicht kennst. Vor allem wenn du den Autor nicht kennst.

32. Schreib von Hand einen Brief an einen lebenden Schriftsteller, den du bewunderst. ((Aber bitte jetzt nicht alle auf einmal mit Fee Katrin Kanzler anbandeln, gell.))

33. Besuch das Grab eines toten Schriftstellers, den du bewunderst. ((Wer in <u<Wien oder Paris wohnt, ist im Vorteil. München geht noch.))

34. Fahr irgendwohin, das du nur aus Büchern kennst.

35. Brich einem Buch das Kreuz. Mach schon! Du kannst es!

36. Lies einen Superhelden-Comic. Vor allem nach einer Ewigkeit wieder oder zum allerersten Mal. ((Ich fürchte leider, der Sandman zählt hier nicht.))

37. Schau die Verfilmung von einem Buch an, das dir gefallen hat, und versuch sie um ihrer selbst willen zu mögen.

38. Lern ein Gedicht auswendig.

39. Lies das Buch wieder, das mit 16 dein Leben über den Haufen geworfen hat.

40. Rede mit jemandem über Bücher, mit dem du noch nie über Bücher geredet hast.

Soundtrack: Tracey Ullman: Kindle Killed The Library Book, 2016:

Anständige Hörbücher

Anständige Hörbücher sind nicht gekürzt. Auf anständigen Hörbüchern steht hinten ausdrücklich drauf: „Ungekürzte Lesung“. Ich traue keinem Leser außer mir selber, schon gar keinem Verleger, und erst recht keiner Hörbuchmacherei, die darauf angewiesen ist, ihre Textmengen in Längeneinheiten zu pressen, die vor Jahrzehnten auf die Beethoven-Neunte zurechtgequetscht wurde. Ich merk das schon selber, wenn eine Landschafts- oder Bumsbeschreibung zum Weiterblättern kommt.

Anständige Hörbücher sind Lesungen, keine Hörspiele. Die Luft wird dünn, seit Gert Westphal 2002 und dann 2015 auch noch Harry Rowohlt gestorben sind, weil Rufus Beck auch nicht alles alleine machen kann, aber Hörspiele sind was für Pumuckl-Fans, und das meine ich keineswegs so abfällig, wie es klingt. Dennoch sollten Hörspiele weiterhin produziert werden, weil sie dafür gut sind, in zwanzig, dreißig Jahren „Kult“ zu werden. So wie jetzt im Moment die Kompaktkassetten über zweimal 45 Minuten, die über Monate aus Radioprogrammen zusammengestückelt wurden, um 9,95 D-Mark für Langspielplatten zu sparen, am besten noch mit Fragmenten von Fritz Egners Dazwischengequassel auf Bayern 3. Diese zwanzig, dreißig Jahre braucht es, um zu bemerken, dass früher mitnichten alles besser war, da sind Hörbücher kein allzu schmerzlicher Verlust, und irgendwem gefallen sogar die Mischkassetten von 1975.

In Zeiten, wo solche Kassetten „wegen des Siegeszuges der digitalen Audiotechnik in Industrieländern nur noch geringe Bedeutung“ (Wikipedia) haben, aber die digitalen Siegeszöglinge, die sich als erwerbsmäßige „Youtuber“ verstehen, in den Fernseh-Tagesthemen über Zuschauerschwund klagen, ist es auch wieder angebracht zu fordern: Anständige Hörbücher sind auf CDs, nicht auf Kassetten. Diese Ankunft von Problemen im Mainstream hat bestimmt wieder einen phatt poshen Namen, dafür hab ich das Hörbuch zum Aristipp mit immerhin Jan Philipp Reemtsma, jedenfalls so lange, bis es fällig wird. Aus einer Bücherei. Kennt heute auch keiner mehr, gell. Huch, wir schreiben 2017.

Bonus Track: Doch, ja, es gibt Philosophinnen. Und sie referieren über Katzenphilosophen:

Die fünf traurigsten Stellen im Internet

5.: Aufgenommen ca. 1995, 0 Favs, 0 Kommentare.

4.: Deine Änderungen konnten nicht übernommen werden.

3.: Versuche es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.

2.: Finde heute noch sexy girlfriend in Deiner region bis 300 km.

1.: Sei die erste Person, der das gefällt.

Soundtrack: Handsome Family: Far From Any Road, from: Singing Bones, 2003.

Weltgeist ab 1 Cent

Die Zeit hab ich lange gelesen. Die einzige Zeitung, die ich jemals abonniert hab; ein halbes Leben ist das her.

Nun wäre weder damals noch heute ein nachlässig recherchierter Zeitungartikel ein Grund, gleich die ganze Zeitung zu kündigen, und bestimmt war der Herr Allmaier auch nur emotional aufgewühlt, schließlich sollte es keine knallharte Reportage, sondern nur ein besonders persönlich gefärbter Erlebnisaufsatz werden oder wie sie heute auf der Hamburger Journalistenschule dazu sagen, und er spricht es ja sogar selber aus, dass er kein Trottel ist:

Heute kommt der Büchermann und bringt meine Freunde weg. Manche von ihnen begleiteten mich über vierzig Jahre. Sie schenkten mir Einsichten und munterten mich auf. Wenn ich heute kein Trottel bin, dann ist das ihr Verdienst.

Ich habe den Büchermann selbst bestellt; sein Zettel lag im Postkasten. Im Grunde ist er Entrümpler. Töpfe, Schuhe, kaputte Uhren … all das nimmt er kostenlos mit, aber seine Spezialität sind Bücher.

Wer da noch recherchieren könnte, wenn in Deutschland wieder die nächsten Freunde abgeholt werden. Wir lesen gerade — online — Bücher: Weg damit. Unsere Bücher sind nichts mehr wert. Warum trennen wir uns nicht einfach von ihnen? Michael Allmaier bestellt den Entrümpler.. So etwas wie

Ich habe versucht, sie zu verkaufen. Mit einem Rucksack voller Kunstbände zog ich ins nächste Antiquariat. Der Antiquar war ein müder Mann hinter einem Rechner. Seufzend tippte er eine ISBN nach der anderen in sein Bewertungsprogramm ein. Ich sah ihm über die Schulter: 85 Cent, 1,10 Euro, 4 Cent, so ging das in einem fort. Dann sagte er: „Ich gebe Ihnen 12 Euro – für das hier und das und das.“ In meiner Frustration habe ich ihm die Übrigen geschenkt. Er war taktvoll genug, sie nicht schon vor meinen Augen wegzuwerfen.

Sie glauben, das lag an meinen Büchern? Probieren Sie es aus. Sie müssen nur die App Momox aufs Smartphone laden und damit den Barcode scannen, dann bekommen Sie ein Angebot für jedes Ihrer Bücher. Oder zumindest die Gewissheit, dass es nicht einmal seine Transportkosten einspielen würde. Nicht, dass Literatur jemals eine gute Geldanlage war. Aber vor zehn Jahren zahlten Antiquariate einem vielleicht ein Viertel des Neupreises; und selbst auf dem Flohmarkt waren noch ein, zwei Euro pro Band drin. Heute stehen neben den Hausmülltonnen „Bitte mitnehmen“-Schachteln, aber niemand greift zu.

hätte trotzdem nicht kommen dürfen. Offenbar kann Herr Allmaier seit über vierzig Jahren lesen, da hat er bestimmt auch nicht erst vorletzte Woche seine Schultüte für die Journalistenschule geköpft, kann vielmehr auf dem Stand vom Donnerstag, dem 11. Februar 2016 satte 303 Einträge allein bei der Zeit vorweisen. Ein richtig gescheiter Bub ist er da. Und dann kann er nicht den Wert von Büchern einschätzen — nicht derer, die er kaufen will, nicht derer, die er verkaufen will.

Warum fällt das Ausmisten so schwer? Weil jedes Buch eine Seele hat, sage ich mir. Es bewahrt die Gedanken eines Menschen, vielleicht sein Lebenswerk. Ich hüte es nicht nur für mich, sondern für uns alle.

Das wäre eine noble Gesinnung gewesen in der Ära vor dem Offsetdruck oder im Kambodscha der Roten Khmer. Im Deutschland von 2016 ist es schlichter Quatsch. Bei uns wird jedes halbwegs erfolgreiche Werk so oft gedruckt, gesammelt, erfasst und geteilt, dass selbst Verbote oder Verbrennungen seine Spur nicht tilgen könnten. Forschen Sie doch mal im Internet nach dem rarsten Werk Ihrer Sammlung. Wahrscheinlich finden Sie es günstig bei Amazon.

Ja, zu solchen Schlüssen gelangt man wohl, wenn man „unsere“ Bücher nach dem Preis auf Amazon beurteilt. Dabei muss man es nicht einmal so ideell sehen, dass jedes Buch gleich den Weltgeist persönlich symbolisiert.

Das Leben ist einfach zu kurz für Texte, die nicht von jemanden erschlossen werden mussten. Nicht trotzdem, sondern deswegen muss auch bei mir ein Buch raus, wenn eins reinkommt. Das ist meine Lösung, eine von einer Million möglichen; dass keine davon etwas mit Geldanlage oder Reichtum zu tun hat, weiß man vorher. Wenn es die anständigen Ausgaben, die leider alle als „Klassiker“ laufen, mit nachgewiesenen Kommentaren endlich als eBook oder iBook oder wenigstens zuverlässigen Online-Volltext gibt, reden wir nochmal. Von wegen

Ein paar Passworte öffnen ihnen den Zugang zu allem, was sie lesen wollen, schneller, als ich meinen Hocker an die Regalwand schiebe.

Wenn das so wäre, hätte ich ein sehr flaches Telefon in der Hemdtasche und läse den lieben Tag aktuelle Bestseller. Mancher weiß sich nichts Schöneres, und die Katze frisst die Mäuse roh.

Moment mal – Fleckhaus? Ich schalte viel zu spät. Nelly ist tatsächlich die Tochter des berühmten Buchgestalters Willy Fleckhaus. Sie nimmt mir nicht krumm, dass auf meinem Ramschhaufen etliche Suhrkamp-Bände liegen, alle mit seinem Design. Sie kennt das ja aus Kindertagen, den Überfluss an Büchern. „Die kamen gebindeweise an und wurden meist nicht mal ausgepackt.“

Vielleicht entürmpelt dann, wenn „wir“ endlich „unsere“ Bücher ausmisten, die Urenkelin vom Gutenberg (mit 1 t).

Real Amateur Goes YouTube (Alright)

Nein, wir sind nicht mit dem Internet aufgewachsen, sondern das Internet mit uns.

Uns ist durchaus bewusst, dass heutige Kochtöpfe mit so leistungsfähigem WLAN kochen können, dass die Essensbilder sich praktisch von selbst auf Facebook veröffentlichen, aber als ich 1997 eine der ersten — die Älteren können mir noch folgen — Homepages auf Geocities aus handgeschriebenem HTML aufgebaut hab, bin ich sogar ohne animierte GIFs von tanzenden Tomaten mit Sonnenbrillen ausgekommen. Man nimmt dergleichen wahr, aber wozu ständig ein Mäusekino mit einer einzelnen Fingerkuppe putzen, wenn man eine Tastatur beherrscht?

Bis zu einem gewissen Alter ist das Schwimmen mit Hilfe von Schwimmflügeln okay, manch junger Mann, der neu in Deutschland ist, muss noch die wichtigsten Redewendungen wie „Große Brüste“, „Ich will dich küssen“, „Ich töte Sie“ oder „Ich will ficken“ mit der Übersetzung auf einem Merkzettel bei sich tragen, und wenn’s nicht mehr so gehen will mit dem Facebooken, hält sich mancher Angeschlagene nicht nur vorm WLAN, sondern auch vorm Kochtopf fern, weil sich der Herzschrittmacher nicht mit dem Induktionsherd verträgt. Das sind so Sachen, mit denen muss man halt umgehen lernen.

Wir bloggen ja sogar noch. Übrigens tun wir das, um uns ein- für allemal selbst zu loben, mit einer beispielhaften Pünktlichkeit, die es in Zeiten der weltumspannenden Echtzeit-Kommunikation gar nicht mehr gibt. Twittern ist nicht so unser Ding, weil, wer der Visual-Maske von WordPress misstraut und sein HTML bis heute auswendig von Hand eintippt, darüber hinaus Herr über einen gewissen hypotaktischen Satzbau bleiben will, 140 Anschläge vielleicht für die Überschrift veranschlagt, nicht aber für den gesamten Inhalt.

Damit sind wir nicht allein. Als ab 2005 in einer fruchtbaren Blogosphäre haufenweise Mama-Blogs erblühten und umgehend einer Lächerlichkeit anheimfielen, der sie wegen der folgenden Nichtbeachtung nie wieder entkamen, war ihr dokumentarischer Wert überhaupt noch nicht abzusehen. Angefangen wurden diese platzsparenden Schwangerschaftstagebücher und Baby-Fotoalben für einen fest umrissenen Verwandtenkreis der bloggenden Frauen und werdenden Mütter mit Kundgebungen darüber, „was da in meinem Bauch Wunderbares heranwächst“. Dokumentarisch wertvoll wird das Zeug beim erneuten Blick nach zehn Jahren, wenn das Wunderbare auf eine weiterführende Schule gewechselt hat.

Das Wunderbarste ist ja, dass solche Blogs überhaupt immer noch geführt werden, samt ständig aktuellem Bildmaterial und Hypotaxen. Deren mehr oder weniger wunderbarer Inhalt hält sich für Digital Native, weil er seitdem mit dem Internet aufwächst. Dort plant er seine zukünftige, reichlich zur Verfügung stehende Tagesfreizeit anhand Videobeispielen wie „i was bored lol“ (Quelle: YouTube) und erforscht seine eigene Geschichte, bevor Mama Mama-Bloggerin wurde, anhand Videobeispielen wie „REAL Amateur German Hairy Milf Comes Hard Until She Screams And Squirts (20+ min.)“ (Quelle: RedTube).

Nachdem in den Altersheimen der Umbau von Raucher- und Nichtraucher- auf Beatles- und Stones-Aufenthaltsräume abgeschlossen ist und gerade die striktere Trennung von Oasis- und Blur-Playlisten ansteht, bleibt den unverdrossenen Mama-Bloggerinnen genug Zeit, auf Oma-Blog umzustellen: Solange noch Bargeld in legalem Umlauf bleibt, gibt es keinen echten Grund, seine Tastatur für ein Ein-Finger-Telefon dranzugeben, und sie behalten die Kontrolle über ihre Fotos von veganen Mahlzeiten (ohne Gluten und Lactose) und wunderbaren Kindern (ohne ödipale Traumatisierungen).

Woran wiederum man endgültig erkennt, was für ein alter Sack ich bin: Facebook ist gar nicht mehr das soziale Natzwerk der coolen Wahl, sondern YouTube. Mir war ja nicht mal klar, dass die Kommentare dort von denkenden Menschen verfasst werden.

Soundtrack: The Who: The Kids Are Alright aus: My Generation, 1965.

Rumschnurren

„die scheinasylanten können doch nur kinder machen und rumschnurren. (Pegida- und Fratzenbuchdeppen)

 

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater. 17 und forever young:

Moritz am Ende ihrer Tage

My sun sets to rise again. (Moritz,17, † 17. Mai 2015)

Wann’st euch net endlich schleicht’s, ihr Bratz’n, ihr Nichtintegrierten, ihr Sprachverhunzer, ihr strukturellen Analphabeten, ihr Hohlraumbenutzer, ihr Brettergymnasiasten, wenn ihr so lang wär’t wie ihr dumm seid, dann könntet ihr den Mond mit Sidolin putzen. Rumschnurren, das tun nur wir!!einself!!!!!!!

 

 

 

Es ist, ist es nicht.

 

 

 

Analyse, ach Analyse

Twitter-Profilbild Naina, 17, dauerhungrig, selbsternannte Prinzessin von allem, 2014Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen.

Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.

Das hat am Samstag, den 10. Januar 2015 Naina aus Köln getwittert, was einem egal sein könnte, wenn es nicht so viele andere interessieren würde — und wenn sie nicht so recht hätte und gleichzeitig unrecht. Internet halt: Interessant ist, was alle anderen interessiert, und was stimmt, weiß erst recht keiner.

Den Vorwurf, den Naina sich selbst und implizit dem nordrhein-westfälischen Schulsystem macht, machen meine Eltern mir explizit seit 30 Jahren. Ich bin nämlich fast 47 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen, und ich wäre glücklicher mit meiner längst abgeschüttelten Ausbildung, wenn ich meine Gedichtanalysen viersprachig abfassen könnte.

Dabei hat Naina wahrscheinlich selbst gar nicht gemerkt, worin ihr eigentlicher Vorwurf besteht: Offensichtlich hat ihr Deutschunterricht versagt, indem er Naina vorenthalten hat, worin der Sinn davon liegt, Gedichte zu analysieren: um wenigstens um die nächsten zwei Ecken herum zu denken.

Uli Hoeneß — ja, warum nicht zum Beispiel der — ist gerade 63 geworden, gilt gerade wegen einer rechtswirksamen Gefängnisstrafe als erfolgreich, und sein Erfolg bestand jahrzehntelang darin, keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherung zu haben. „’ne Gedichtsanalyse“ hält er wahrscheinlich für ein Bierzeltlied, und was soll man denn in einer oder gar in vier Sprachen sagen, wenn man Bratwürste verkaufen kann? „Senf?“

Angeblich konnte Uli Hoeneß vor einigen Generationen mal ganz ordentlich Fußball spielen; Naina ist leuchtend hübsch, jung und dazu noch rothaarig. Sind das nicht die Qualifikationen, auf die es in einer postkonsumkapitalistischen Gesellschaft ankommt? Was sollten diese Schoßkinder des Glücks ihre Lebenszeit an Steuern, Miete oder Versicherungen verschwenden?

Angenommen, das nordrhein-westfälische Schulsystem verfolge einen gewissen Bildungsanspruch, soll es mal die ohnehin viel zu kritisch hinterfragende Naina vom Schadwissen der Gedichtanalyse fernhalten: Berühmt ist sie bereits für die nächste Woche, hübsch bleibt sie locker noch zwanzig Jahre, und noch weiter plant kein Mensch.

Ein gnädiges Schicksal bewahre uns vor einem Gemeinwesen, in dem sich alle mit nichts als dem auskennen, was Naina als „Steuern, Miete oder Versicherungen“ verherrlicht. Dann ist, so wundersam das inzwischen klingt, sogar Platz für das, was sie als „’ne Gedichtsanalyse“ anprangert.

Die Naina, die hat doch zu ihrem öffentlich missbilligten Deutsch bestimmt Englischfranzlatein dazugenommen, oder bei neusprachlichem Zweig Spanisch, weil Latein doch sowas von Nineties ist und damit sie auf vier Sprachen kommt und später mal nach dem FSJ in Nicaragua Wasmitmedien machen kann, wetten? Dann auf nach Irland. Da fällt man als Rotschopf nicht so auf, und wie man hört, halten sie da sogar noch was von Gedichten. Steuern, Miete oder Versicherungen? Ja, nee, is klar, ne.

Moment.

Update: Ich hab jetzt ’ne Ahnung von Miete, Steuern und Versicherungen und kann Gedichtanalysen ohne S schreiben. Immer noch auf 4 Sprachen.

Das hat Naina am 14. Januar 2015 getwittert. Steile Lernkure, alle Achtung.

Bild: Naina aus Köln, 17, dauerhungrig, selbsternannte Prinzessin von allem, 2014.

Herr, verzeih‘ ihnen nicht, denn sie wissen sehr wohl, was sie tun.

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Trust and belief are two prime considerations. You must not allow yourself to be opinionated.

Only the gentle are ever really strong.

James Dean

Ex-BW-Ministerpräsident und Atomnutte Oettinger, die überhaupt nichts von Internet versteht, wird EU-Kommissar für das Internet.

Heiliger Strohsack. Das war diesmal jetzt wirklich kein Versehen. Deutlicher als mit dieser Lobbyistentrickser-Personalie kann man als digitaler Bürger nicht mehr übergebraten kriegen, dass das alles Absicht ist: Wir werden verarscht. Bei vollem Bewusstsein.

Baboon buttocks
Fotografie: Prakhar Amba from Agra, Gandhinagar

 

Ein wahrhaft großer Mann wird weder einen Wurm zertreten noch vor dem Kaiser kriechen.

Sagte Benjamin Franklin.

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Der Kater kann dem diesmal nichts hinzufügen. Frank Schirrmacher ist tot. Zu früh, zu schnell. Man hätte ihn, den Nicht-Furchtsamen noch eine Zeitlang gebraucht.

In tiefstem Respekt.

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Der Tod lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann ist zurücklächeln!

Marcus Aurelius

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Die Wahrheit über narzisstische Gründer. Geht pleite! Schnell!

Narzissten als Gründer: eine Katastrophe.

Narzissten als Gründer: eine Katastrophe. (Bild: Caravaggio, WikipediaCommons)

Der gemeine Gründer:

„So haben selbstverliebte Persönlichkeiten eine höhere Neigung Unternehmen zu gründen. Hochwertige Businesspläne stammen dagegen eher aus der Feder von Machiavellisten.“

(Sagt jedenfalls Uni Hohenheim: https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?&tx_ttnews[tt_news]=11030&cHash=63a29a21c77f34ab2ad21cf99d313e4e )

Und weiter darin:

„Narzissten und subklinische Psychopathen verfolgen wohl eher Geschäftsideen, da sie einerseits stärker nach Geld, Macht und Status streben als andere Menschen, und sie andererseits ihr stark übersteigertes Selbstbewusstsein an eigene, scheinbar überragende Fähigkeiten und Erfolg bei der Unternehmung glauben lässt.

Problematisch ist das deshalb, weil diese Fähigkeiten in der Realität nicht unbedingt immer vorhanden sind, warnen die Wissenschaftler. Vergleicht man die Leistungen von Narzissten und subklinischen Psychopathen etwa bei der Erstellung eines umfassenden Businessplans nämlich mit Machiavellisten, den „manipulativen Machtmenschen“, dann schneiden Narzissten signifikant schlechter ab. Während sich Machiavellisten durch eine eher realistische Weltsicht auszeichnen und sich auf ihr Ziel fokussieren, geben sich Narzissten keine sonderlich große Mühe, denn sie halten sich ohnehin für die Besten und meinen, im Wettbewerb keine großen Anstrengungen aufbringen zu müssen.“

So ist es.

 

80% der Gründer, die bei uns anrufen, sind:

1. SmartPhone-Bürscherl. Alle Geschäfte werden hochwichtig und nervtötend auf diesem Ding nach dem Motto „Don`t call us back, we call you“ abgewickelt. Man hebt nie ab, alles geht auf AB. Die Rufnummer ist zu 50% unterdrückt, voll seriös Alter.

2. Businessplan zu 99% nicht vorhanden, wenn vorhanden: schlampig, dünn. Darin Abgeschriebenes aus uralten Sinus Milieues. Die Krönung war mal, dass einer aufschlug, da war nur seine Adresse drin. Sonst nichts. Den Rest sollte ich machen. Alter Schwede!

3. Sie und ihre Produkte sind dermaßen großkotzigartig, dass man sich wundert, warum sie überhaupt Werbung wollen. („Der „beste Gin der Welt“, der „beste Wodka der Welt“ … Keine Erfindung, genauso erlebt.)

4. Ein zusammengebasteltes Logo, Marke Hipsterstyle Neger im Tunnel ähm Schwarz auf schwarzem Grund hat man aber schon. Todalgeil nach der eigenen Bude bei euren Eltern, die ihr stolz voll stylisch in Schwarz-Weiß eingerichtet habt. Ihr habts einfach drauf!

5. Sie schlagen dann bei uns auf, zu versuchen, sich kostenlose Beratung zusammenzuhamstern. Auf die sie dann grundsätzlich nicht hören wollen. Und die sie zum Anlass nehmen, den Auftrag, den sie noch gar nicht erteilt haben, todbeleidigt zu entziehen.

6. Wenn doch nicht, dann versuchen sie, gefängnisreif, kriminell, uns aufzudrängen, ein astreines Duplikat einer bereits existierenden Marke zu herzustellen. Die hat so eine tollen Schmetterling im Kreis, mussmanunbedingtauchsohaben. Das me-too-Produkt ist ein Ding mit vollmundigen, unseriösen Versprechungen, die höflich ausgedrückt, vermutlich nicht recht EU-Healthclaim-gemäß sind und haben den geklauten Namen eines Produkts einer US-Kaffeehaus-Kette. Feudale Zeiten: der Grafiker als euer Domestike. Als Copycat-Ausführ-Schweinchen. Wie war das nochmal mit der Einzigartigkeit eures Produkts?

Leute, ihr seid dermaßen ahnungslose, hirnrissige, dumme, arrogante und selbstverliebte Zeit- und Nervenfresser. Schleichts euch ihr subklinischen Psychopathen mit eurem Gehabe und eurem Made-in-China-Phone-Geraffel. Geht pleite! Schnell!

Ich steh auf Leute, die Festnetznummern haben und in der Lage sind, sich anständig zu benehmen.

 

Wieviel?

Da hat’s uns die OECD aber wieder gegeben. Vor Jahren haben sie sich an wehrlosen Schulkindern auf der ganzen Welt vergriffen, jetzt trauen sie sich endlich was und halten den mündigen Bürgern ihre Blödheit vor.

Schon schlau: Diesmal kann man nicht so schön mit einem „PISA-Schock“ beschreiben, dass da etwas schief steht, „PIAAC“ kann überhaupt noch niemand aussprechen. Falls er lesen kann.

Und perfide dazu: Wer doof ist, verdient weniger Geld, und ist deshalb weniger wert und deshalb weniger glücklich, so unterstellt mir die OECD. Mir persönlich hätte man ruhig verschweigen dürfen, dass ich dümmer bin als ein durchschnittlich begabtes Grundschulmädchen von einer finnischen Stechmückenfarm. Das ist doch bloß wieder so eine von den Gewissheiten, die einen weder reicher noch wertvoller noch glücklicher machen. Und klüger schon gleich gar nicht.

Zum Beispiel verstehe ich nicht, wieso die OECD wieviel Abermillionen raushaut, um die Leute einen Deppen zu heißen. Wenn sie so einen Haufen Geld haben, wieso spendieren sie nicht ein bissel öffentliche Bildung? — Ach so, weil Schule Ländersache ist, ich vergaß. Logisch, ich kann ja auch keine Celsius auf Fahrenheit umrechnen.

Bleibt der Trost, dass in einem gescheiten Weblog Bilderchen drin sind. Besser weiß es ein hochbegabter Japaner zwischen 24 und 35 nämlich auch nicht, ätsch.

Soundtrack: Lisa Fitz: I bin bläd, 1972.

Auch schöne E-Mail:

Im Moment müssen Sie auf meine mündliche Zusage vertrauen. Ihr Vertrag wird Ende xx erstellt und wird voraussichtlich in der ersten xx-woche bei Ihnen im Briefkasten sein.

Wenn das nicht grad eine schriftliche Zusage war.

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Immer wieder schön, dass das Internet und allem voran die E-Mail immer noch nicht als schriftlich verstanden wird, sondern nur das Papier im Briefkasten.

Briefkasten der Post

 

Nachgelegt – Snowden revisited

Oh, ich denke, Snowden WIRD nachlegen.

Dem Geraune nach wird genau um das Thema „wahres Ausmaß der privaten Datenschnüffelei“ nachgelegt. Ich bin gespannt.

Schon lange wusste man als satirehaft gescheitelte Existenz und als semi-gebildeter halb-IT-ler, dass ein „W-LAN ein mächtiges Instrument ist, die Festplatte ins Internet zu verlegen“ (Hohn der Titanic schon vor Jahren).

Marienplatz München

Weiter mit Satire:
Eine Cloud ist auch nicht irgendeine diffuse Wolke, sondern eine Ansammlung von vielen schwarzen brummenden Kästen, call it Server. Die Datensammler müssen endlich nicht mehr alles mühsam zusammensuchen, sondern haben es schön ordentlich beisammen :-)

Bin vom Typ her nicht paranoid (eher unbeschwert so: „rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“), doch das was gerade abgeht – und wir wissen noch nicht alles, macht mich wahlweise renitent oder überwachsam, und beides gleichzeitig.

Die Endwirkung bei den Bürgern wird sein: Keinen Respekt mehr vor gar nix, die einen – und wurschtegal, Ducken, die anderen. Die Möglichkeit einer demokratischen Pesönlichkeitsentwicklung ist somit im Verpuppungsstadium gestoppt.

Sehe das als Gefahr für demokratisch verfasste Länder. Deren Regierungen genießen bereits wegen der Bankenkrise nicht mehr das Vertrauen. Jetzt wird es noch schlimmer mit dem Misstrauen und deren Bürger haben auch noch Recht.

 

Filzeierwärmer

Kein Mensch braucht eine einzige andere Website außer Wikipedia, von mir aus sogar die große Lösung in allen Sprachen. Flickr und Vimeo sind schon Luxus. — Ja, Vimeo. Was denn sonst? Der feinste Zug von dem Dilettantenkonstrukt YouTube ist, dass es sich filmchenweise selber zusperrt. Hochgerechnet sind in zehn Jahren endlich alle YouTube-Videos „für dein Land nicht zugelassen. Das tut uns leid.“

Das Wirtschaftsleben bröselt so flächendeckend in sich zusammen, seit jeder eine eigene Website haben musste. Wahrscheinlich erinnert sich niemand mehr daran, weil die Dinger da noch Homepage hießen und seitdem der Soundtrack der Welt sowieso wie die letzte Spur auf The Wall klingt. Ohne dass eine Korrelation notwendigerweise eine Kausalität ist: Wenn niemand eine Website hat, dann braucht auch niemand anders eine. Dann kann endlich jeder seiner ehrbaren Arbeit nachgehen.

Sehe ich da den Herrn mit schwarzem Zwirn und Fassonschnitt nachsichtig grinsen? Höre ich ihn, wenn er heute sehr milde drauf ist (Brückentage!), mich herablassend belehren, dass man das „dem Markt“ ja wohl sich selbst überlassen müsse, weil der bis jetzt noch alles allein geregelt habe?

Hat er eben nicht. Und wer von uns beiden der Zyniker ist, will ich nicht ausgerechnet mit ihm diskutieren. Das geht nämlich von meiner ehrbaren Arbeitszeit ab.

Wovor hast du eigentlich Angst? Du hast kein Problem, wenn du ein Reihenhaus mit Filzeierwärmern, ein Auto mit Kiesauffahrt und einen eingefahrenen Job hast. Du hast ein Problem, wenn du kein Reihenhaus mit Filzeierwärmern, kein Auto mit Kiesauffahrt und keinen eingefahrenen Job hast.

Was davon hast du mit Hilfe einer Website bekommen? — Na gut, die Eierwärmer. Aber das war über die Website des Herrn im Zwirn.

Q.e.d., und jetzt muss ich erst Facebook abfragen und dann Websites texten.

Dances with Models

Zwei Stunden auf Flickr herumgeklickt, und man kann getrost seine Zweifel beiseite legen, ob in der zeitgenössischen Kunst noch Qualität geschaffen werde: alles voller sehr junger, sehr schöner und sehr kluger Mädchen, die sich als Fotografinnen verstehen oder laut ihren Profilangaben so schnell wie möglich welche werden wollen.

Dafür empfehlen sie sich durch Portfolios, die für nicht weniger als professionell zu halten sind. Gerne bedient wird dabei das Genre des Selbstportraits, weil bessere Fotomotive als die eigene Person um den gleichen Preis für junge, schöne, kluge Mädchen nicht zu haben sind; gerne dokumentiert wird eine Neigung zu den traditionellen Freizeitbeschäftigungen Hoher Töchter (Lesen alter Bücher, Zeichnen von jungen, schönen, klugen Mädchen, Barfußlaufen nicht aus Armut, sondern aus innerer Verbundenheit zu märchenhaften Wäldern und landwirtschaflichen Nutzflächen, feengleiches Schweben im Raum pp.); die technische Qualität entsteht durch den Einsatz leistungsstarker Kameras, deren Preise praktisch mit jeder Stunde mehr verfallen, und Photoshop, dessen ältere Versionen es zumindest am Rande der Legalität für nix gibt.

Vor ein paar Jahren, als Myspace noch ein Thema war, gaben sich aufstrebende Schönheiten mit solchen öffentlichen Selbstdarstellungen noch Spott und Häme preis. Meist standen sie leicht oder gar nicht bekleidet im elterlichen Badezimmer und richteten am ausgestreckten Arm ein mobiles Telefon mit Fotofunktion auf sich. Das fanden sie möglicherweise cool oder erotisch oder jedenfalls geeignet als Ausdruck ihrer pubertären Gefühlslage, was man nachträglich gar nicht so gehässig niedermachen muss. In dieser kurzen Zeit hat sich nämlich ihre Professionalität auf eine Ebene erhoben, die man nicht mehr ignorieren kann.

Ob in Photoshop oder einer analogen Installation, finden die jungen Damen genügend Zeit, Energie und Sachkenntnis, Bilder von sich zu veröffentlichen, für die man in den 1990er Jahren noch ausgewiesener, weltweit gefeierter Starfotograf und Model Whisperer geworden wäre. Theoretisch kann sich heute jedes Lifestyle- oder Modemagazin aus privaten Flickr-Accounts bestücken, ohne sich zu blamieren. Dieses atemberaubend hochwertige Bildmaterial hat in der Herstellung nahe null gekostet, wird von Privatpersonen ohne Geschäftsinteressen (oft sogar ohne Geschäftsfähigkeit) bereitgestellt und kann deshalb nicht weit über null kosten.

Die Künstlerinnen erinnern allesamt an Existenzen wie die Figur von Scarlett Johansson in „Lost in Translation“. Der Film ist von 2003, da war Myspace eine große Halde für schnell dahingeknipste Handyfotos, die man nicht mehr beim Schlecker für Geld entwickeln lassen musste, und Scarlett Johansson war neunzehn.

2003 fand es Scarlett Johansson — jedenfalls im Film — so erstrebenswert wie Heranwachsende der Jahre 1913 oder 2013, einen „kreativen“ Beruf zu ergreifen — zum Beispiel Fotografin. Frauen wie die Johansson oder Alexis Mire, Brooke Shaden oder Laura Zalenga und wie sie alle heißen sehen einfach gut genug aus, um aus dem Handgelenk ihre Füße zu fotografieren und dafür Lob und Ermutigung zu erfahren. Wollen wir es ihnen gönnen, selbst Frau Johansson wird bald dreißig.

Dem entgegen steht die Preisentwicklung für künstlerische Arbeit. Wer erst so einen „kreativen“ Beruf ergriffen hat, versteht das in einem Maße wie die Preisentwicklung für künstlerische Arbeitsgeräte: stündlich weniger. Deswegen sehen kostenpflichtige kreative Arbeiten aus, wie sie aussehen: Es ist leicht, es ist billig, es ist Bettjäckchen wie Spitzenunterhose, wer sie — und bitte selbstverständlich immer „bis vorgestern“ — dahingeknipst oder eingetippt hat.

Sind die Kameras heute dermaßen gut? Oder die Mädchen dermaßen hübsch? Oder die Arbeitsqualität dermaßen wurschtegal?

„Mach den Mund zu“, sagt meine Frau zu mir, „die Tastatur wird nass.“

Beckah, Love My Geek Glassesm 8. September 2011

Junges schönes kluges Mädchen dancing with herself:
beckah:): <3 my geek glasses!, 8. September 2011.

Besser als Porno

Aus unserer locker fortgesetzten Reihe: Ikonen des Web 1.0:

UbuWeb Film Header

Ist eine Zeit ohne YouTube heute noch vorstellbar? Und damit meine ich nicht eine Zeitspanne, in der man mal zufällig woanders hinsurft als zu Telefonaufnahmen, die „i was bored lol“ heißen, sondern eine ganze Epoche — eine Zeit vor YouTube?

Vorstellbar vielleicht nicht, erinnerlich schon; YouTube ist keine sechs Jahre alt. Noch anno 2005 war es ein Ereignis fürs ganze Internet, wenn mal irgendwo ein Musikvideo zugänglich war, die liefen da noch auf MTV, im Fernsehen, wenn sich jemand erinnert . Dabei besteht das nicht genug zu lobende UbuWeb seit einer Zeit, in der außer ein paar ausgewählten, sehr wichtigen Angestellten der NASA kaum jemand wusste, was denn ein Internet sein soll.

In UbuWeb heißen die Filme höchstens aus dokumentarischen Erwägungen „I was bored lol“; Aufnahmekriterium ist seit jeher: Es muss entweder avantgardistische Kunst sein oder auf einer theoretischen Ebene von ihr handeln — egal ob es ein Film mit oder ohne Ton ist, eine Tonaufnahme mit oder ohne Bild oder ein geschriebener Text. Oft genug verschwimmt die Unterscheidung oder wird gar nicht erst getroffen. Wozu auch, ist ja Avantgarde.

Eine bestimmte — oder besser: ziemlich unbestimmte Klientel konnte sich dort schon immer (in Internetkategorien ist seit 1996 sehr wohl „schon immer“) nächtelang herumtreiben, um festzustellen: Herrschaftzeiten, in diesem Internetdings gibt’s ja wirklich alles. Ein Eindruck, den man bis heute in jeder langen Nacht mit dem UbuWeb aufs neue gewinnt. Allein der eine ungekürzte Orson-Welles-Film, den es bis heute nicht auf DVD gibt, dauert abendfüllend, da fühlt sich eine durchglotzte Nacht an wie einmal Ein- und Ausatmen.

Wie sie das machen, da beim UbuWeb? Sehr einfach: Sie machen es. Nehmen, was da ist und was reinkommt, digital einrichten, verlinken, fertig. Nichts anderes, als was YouTube auch macht, abzüglich das heil- und endlose Kindergartengezänk um das Recht, vorhandenes legales und einwandfrei zugängliches Kulturgut anzuschauen.

Die interessantere Frage wäre demnach: Wie sie das machen, da beim UbuWeb: dass sie unbehelligt Fime veröffentlichen, ohne jemals dafür belangt zu werden? Braucht doch, wer regelmäßig Fime auf YouTube hochladen will, die etwas anderes als bored sein und auch so aussehen sollen, eine Kriegskasse, die einem seiner Monatsgehälter entspricht.

Der UbuWeb-Betreiber, der berufsmäßige Lyriker Kenneth Goldsmith, zahlt rund 50 Dollar im Jahr: für die Domain-Miete. Nebenkosten: sein privater Internetanschluss. UbuWeb, das muss man sich mal geben, war von seinem Anfang an eine One-Man-Show, ist immer die unangefochtene Autorität in seiner Long-Tail-Nische geblieben, kostet kein Geld, trägt keins ein und wird 2014 volljährig. Dafür muss Goldsmith sich auch keine Werbeeinnahmen antun, denn was sollte er gegen den Aufwand der Kundenakquise und -pflege wohl finanzieren wollen — aller zehn Jahre eine neue Maus für drei fünfundneunzig? So viel zahlt meine Oma auch, und die kauft ihre Kartoffeln einzeln, muss vor über zwanzig Jahren wegen Unergiebigkeit aus den Karteien sämtlicher Adressenhändler rausgeflogen sein und glaubt, Amazon ist ein Fluss in Afrika.

Wer so fragt, fährt am besten, indem er nachschaut, wer daran verdient. Komplizierter wird es nie. Und an UbuWeb verdient exakt: niemand. Deswegen lässt man Herrn Goldsmith machen. Jedenfalls erklärt er sich das in Interviews so, warum sollte jemand noch misstrauischer nachfragen. Avantgarde ist froh, wenn sich überhaupt jemand für sie interessiert. Sie ist da, um wahrgenommen zu werden, bella gerant alii.

Zum UbuWeb fällt mir nur ein einziges vergleichbares Online-Projekt ein; und wenn Sie mir versprechen, nicht gar zu lange sarkastisch zu grinsen, verrate ich Ihnen, dass ich da an YouPorn denke. In dem soziologischen Interesse, das man dieser von Anfang an polarisierenden Plattform entgegenbringen kann, ist sie durchaus avantgardistisch: Da haben Scharen von Zielgruppen, um nicht zu sagen: erwachsenen, geschäftsfähigen, wahlberechtigten Menschen in großem, ja weltumspannendem Stil angefangen, sich selbst und gegenseitig bei ihren intimsten Beschäftigungen zu filmen und vor aller Welt sichtbar zu machen, und zwar in einem Rahmen, den ein nicht steuerbares, weil kaum wahrnehmbares Publikum benutzen kann oder nicht, wofür es will, und von dem vice versa niemand je erfahren wird, nach einem Gusto, das es kaum selbst willentlich steuert. Das ist innerhalb weniger Monate geschehen, aus dem alleinigen Grund, dass es technisch kinderleicht wurde — was man nicht gutheißen, aber als Tatsache hinnehmen muss.

Die Vorteile von UbuWeb gegenüber YouPorn sind: Niemand will sich dort an seiner Exfreundin rächen, niemand will dort „Angebote“ hineinjubeln, die Bezahlung für undurchsichtige Gegenleistungen begehren, und jugendgefährdende Inhalte sind mir auch noch nicht aufgefallen — außer dem fiesen „chien andalou“ von Buñuel und Dalí, das ist der mit dem Auge, igitt. (Übrigens ist die Grausigkeit „Un chien andalou“ sogar auf YouTube erlaubt, was ja schon einiges heißen will, und Pornos mit Minderjährigen sind auf YouPorn verboten, wie immer und überall woanders auch, und beides ist gut so.)

Und vor allem: UbuWeb bleibt für alle Beteiligten wirtschaftlich neutral, weil man es so sein lässt. Der geistige Gewinn entsteht genauso: indem man ihn entstehen lässt. So geht’s also auch.

Wenn die Nacht mal wieder lang und die Internetverbindung flott ist, empfehle ich seit über einem biblischen Jahrzehnt UbuWeb. So toll kann ein Porno gar nicht sein.

Bild: UbuWeb Film & Video aus Un chien andalou, 1929.

Artgerechte Haltung

Kapuzinerkloster Isarvorstadt, Innenhof

Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) ist in einem ehemaligen Kapuzinerkloster mitten in München beheimatet. Quelle Wikipedia Creative Commons, Author Ulla Schmitz

Kapuzinerkloster Isarvorstadt, Innenhof

Irgendwo in den Tiefen der Blogosphäre

hat es mir mal den Vorwurf „Heuchlerin“ eingetragen, als ich auf einem fremden Blog fand, dass es eine gute Sache sei, ob man jetzt Veganer sei oder nicht, sich zusätzlich für Animal’s Angels einzusetzen. Weil ich fand: Alleine vor sich hin vegetarisch oder vegan zu leben reicht nicht ganz aus, wenn man wirklich das Leid der Tiere verringern will.

Denn das vegetarische Dasein eines Teils der Bevölkerung kratzt trotzdem nicht die, die mies mit den Tieren per Massentierhaltung und Massentransport umgehen. Das kratzt trotzdem nicht die homines oeconimici, die den wachsenden Fleischhunger außerhalb unserer Landesgrenzen mit möglichst minimalen Kosten = maximalem Erlös brutal und ohne Gefühle ausnützen.

Weltfrust versus Achtsamkeit

Egal, woher der Forist sich das Recht nahm, persönlich zu diffamieren: Empathie, Mitfühlen mit den Wesen auf dem Erdball war es wohl nicht. Persönlich diffamieren ist eher die Lust, sich ein Ventil im Internet zu schaffen, um seinen allgemeinen oder persönlichen Lebensfrust loszuwerden.

Artgerechte Haltung sollte doch eigentlich beim Menschen beginnen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn man sich selbst nicht mag, wer gar voller Selbsthass ist, kann seinen Nächsten auch nicht leiden. Wie man mit sich selbst umgeht, lässt demnach auf ebensolchen entweder respektvollen oder schlimmen Umgang mit Menschen und Tieren schließen.

Es hat sich zwar einiges geändert seit der vorletzten Jahrhundertwende, wenn man an die miesen Produktionsbedingungen für die Arbeiter in der Gründerzeit denkt.

Doch ganz ist es aus den Arbeitsleben nicht verschwunden, dass Menschen unter unzumutbaren Umständen arbeiten müssen. Großraumbüros mit üblem Neonlicht, die allein schon deswegen stressen, sind noch das Wenigste. Ein Luxusproblem – verglichen mit den Zuständen in globalisierten Produktionsstätten.

Es muss um die Zeit der New Economy gewesen sein

Mir hat  – erneut Luxusproblem natürlich – die Art des Umgangs meiner letzten Ex-Cheffin mit ihren Mitarbeitern nicht gefallen. Sie hat ihre eigenen Leute vor ihren Kunden in die Pfanne gehauen. Alle. Sie hat nach erschöpfenden Pitches, wo die Arbeit unter Zeitdruck jedesmal bis in die Nacht ging, an den Tagen danach keine Freistunden erlaubt. Sie hat Zusagen nicht eingehalten. Sie hat nachts um elf den für den Pitch eingekauften Freelancern vorgeworfen, sie würden unnütze Zeiten schinden. Dabei warteten sie auf sie, auf ihre Textlieferungen, mit denen sie sich ganz schön Zeit ließ. Damit sie endlich in die Layouts eingefügt werden können, die am nächsten Tag frühmorgens präsentiert werden sollen.

Das volle Programm. Die Lady war eine Pest. Wenn schon Neonröhren, dachte ich mir, dann doch wenigstens mit Menschen, mit denn man vereint an einem Strang ziehen kann. Und nicht mit Menschen, die einem auch das noch vorwerfen.

Jeden Tag sehen müssen, wie es anders geht

Mit sehnsuchtsvollen Gedanken nach Ruhe, Einkehr und gutem statt stressigem Umgang miteinander fuhr ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an einem Kapuzinerkloster vorbei. Da wäre ich jetzt gerne, dachte ich. So weit war ich schon als aus der Kirche Ausgetretener, mich in ein Kloster zu wünschen, um der Pest zu entgehen.

Ich wünschte mir dringend artgerechtere Haltung.

Umsetzung

Wenig später kündigte ich. Ich versuchte anschließend, mich selbst artgerecht zu halten. Mein eigenes Büro hat einen schönen Kamin und keine Neonröhren. Wenn ich mal nachts bis früh um fünf durcharbeite, gönne ich mir das Ausschlafen. Ich gönne mir freundliche Kunden. Miesepeter, misstrauische 200%-Optimierer und Indien-IT-Outsourcer not welcome. Ja, und Tiere im Büro sind unabdingbar. Moritz ist Betriebsklima pur.

Katze Moritz auf dem Bett

Grüß Gott, ich bin das Internet und hätt da mal eine Frage.

Du musst nur die Laufrichtung ändern, sagte die Katze zur Maus und fraß sie. (Franz Kafka)

 

Aber gern.

Internet:
Welche Angebote/Leistungen
möchten Sie denn im Internet gerne besser verkaufen/anbieten?

Ich:
Keine.

Internet:
Wie jetzt.

Internet-Kunden sind untreue Jäger, die Jagd am iPad ruft.

Moritz, der Mausejäger, schaut misstrauisch

Sie wollen eiligst nur eine einzige Sache: Mäuse. Mäuse verdienen, oder Mäuse sparen. Obwohl die hektische Jagd sich oft in Luft auflöst. Weil die Hälfte der Räuber dazu neigt, mitten in der Jagd zu vergessen, was sie eigentlich wollten und es sich am Schluss mit dem Bezahlen richtig gemütlich machen.

Ihre E-Mails, in denen sie vorher ihre Anfragen fehlerhaft reinwischen (an die sich sich nur 1 Tag später kaum erinnern, katzoide General-Amnesie), um sich was zu krallen, sind kryptisch und von einem Analphabeten geschrieben. Unterzeichnet mit dem 80er-Jahre-Schnörkel ‚mfg‘. Auf dem iPhone immerhin, gewischt und nicht getippt. Soviel Angeberei muss sein.

Du Internet, bist eine Katze im Morgenmantel vor dem Rechner. And cats are queer articles.

Internet:
das ist super ferruckt LOL hahaha
mfg.
send from my i-phone

Ich:
Typisch.

 

Der Tanz der Tinte, der speckige Glanz des Wischfingers – Gottes Werk und Teufels Beitrag.

The worst thing you write is better than the best thing you didn’t write.
-Unknown

Baumstamm ohne Krone_dunkler

Schreibst du noch oder wischst du schon? Das trifft es fast zu kurz, denn wir gehen um unserer condition humaine willen noch einen weiteren Schritt zurück, ach, eigentlich vorwärts: Wir schreiben mal wieder was frei mit der Hand.

Was es da zu entdecken gibt.

Kimonofrau und Spirale

Dann darf auch gerne statt zur Breitfeder zum Pinsel gegriffen werden und ein Kimono dabei herauskommen oder ein Drachenwind.

Ach, man ist doch versucht, das Smartphone wegzuwerfen, denn es ist kaum so kommunikativ und ausdrucksvoll. Und ästhetisch ist das (Weg-)Wischen auf den rundgelutschten hochglänzenden Fliegenklatschen auch nicht wirklich, eher die Reflexbewegung von Burnout-Sklaven – Ex und Hopp, das Gegenteil von Zen. Was meint der Leser.

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