5–7–5 (7–7)

Immer noch nicht raus ist ja, ob Dialektlyrik jetzt wirklich ausdrucksvoller als Lyrik in “hochdeutscher” Standardsprache ist. Ich versuch mal einen Vergleich, vorsichtshalber angefangen mit der hochdeutschen Version, zum Wohle unserer Leser nördlich der Pegnitzlinie. Und südlich davon eigentlich auch.

Tattoo

Die zwei Buchstaben
am dritten Halswirbel werd
ich noch vermissen.

Inhalt erfasst? Dann nochmal den gleichen Silbenfall mit so vielen Informationseinheiten, wie reinpassen:

Dadduu

Di zwaa Bouchschdoom am
driddn Groongwirbl wer i
nu schwer vermissn.

Sieg nach Punkten für die Dialektversion, die noch das “schwer” unterbringt. Inhaltlich sind beides keine Haiku, es lappt eher ins Senryu. Und überhaupt:

Wenn man mit seiner
Frau ein Tanka schreibt, ist das
dann schon ein Renga?

Zähl Silben, soviel du willst,
schreib einfach bloß kein Hentai.

Soundtrack: Justin Johnson: Ace of Spades, solo auf dreisaitiger Gartenschaufel, (“Ace of Shovels”?) aus: Motörhead: Ace of Spades, 1980:

Manic Street Preacher

Schubs mich nicht Querformat

Schubs mich nicht wenn ich am Abgrund
Ich frühstücke in der Apotheke

Vroni meint: “Du wieder mit deinem dunkelschwärzlichen Zeug zur Verherrlichung der Gemütskrankheit.”

“Kaum schreiben die Leute gleich zwei halbwegs zusammenhängende deutsche Sätze an die Laterne, sind sie schon behandlungswürdig depressiv.”

“Wahrscheinlich eher umgekehrt: Kaum muss man die Leute unter verschreibungspflichtige Substanzen stellen, brechen sie schon in Vandalismus aus.”

“Alles eine Frage der Einstellung.”

“Harr harr.”

Buidl: Selber gemacht im Münchner Rosental vorm Jokers, 3. März 2018.

Soundtrack: Manic Street Preachers: The Second Great Depression,
aus: Send Away the Tigers, 2007, was sonst:

Das erste Frühlingsgedicht 2018

Wie, wenn über diese Wiese
eine sachte Brise bliese?

Macbeth's Hillock, Wikimedia Commons

“Erster!” sag ich.

“Wieso eigentlich nicht: ‘fiese Brise bliese’?” sagt Vroni.

“Weil’s dann das erste Herbstgedicht 2018 wäre.”

“Das damit ich geschrieben hätte.”

“D’oh.”

Bild: Macbeth’s Hillock (2.5 km from Brodie Castle) (49 m), traditionally identified as the “blasted heath” where Macbeth and Banquo first met the “weird sisters”, lies between an area known as the Hardmuir and the A96 (Inverness to Aberdeen trunk road), about 2.5 km south-west of Brodie Castle and 250 m east of the Nairn(shire)-Moray(shire) boundary, 23. September 2006.

Zwischen dem Hof- und E-Garten links durch den Schmiedeeisenzaun, den steileren Weg auf den zweiten Hügel

Arm sein und nicht murren ist schwer. Reich sein und nicht hochmütig werden ist im Vergleich damit leicht.

Konfuzius.

In München ist der Dichtergarten ein versteckter und schwer zugänglicher Teil des Finanzgartens. Heine sitzt bei Wasser ohne Brot hinter Gittern. Die größte Statue ist die von Konfuzius, geboren 551 vor Christus in Qufu, Provinz Shandong. Die Anlage gilt seit 1984 als Geheimtipp.

Was sie in Müchen halt so für das Schreibervolk angemessen halten.

Das Ende der Kunst

“Wieso spielst du eigentlich gar nicht mehr auf deiner Gitarre?”

“Meiner was?”

“G-i-t-a-r-r-e. Der Holzscheit unter der Staubschicht da an der Wand.”

“Wann denn?”

“In deiner Freizeit.”

“Meiner was?”

“F-r-e-i- … Ach komm. Ich hab einen Mann mit Gitarre geheiratet.”

“Das war sehr mitfühlend, aber nicht sehr umsichtig von dir.”

“Gedichte und so was alles schreibst du auch nicht mehr.”

“Vertonst du mir eins?”

“Machst keine Fotos mehr.”

“Ich bin nicht mal sicher, ob ich noch aufladbare Akkus hab, die in die Kamera passen.”

“Zeichnest nicht mehr.”

“Ich sauf ja auch nicht mehr.”

“Willst du sagen, dass du ohne Alkohol nicht fröhlich und kreativ sein kannst?”

“Doch, aber nicht besoffen.”

“Wieso eigentlich nicht? Du kannst doch auch beim Essen mehr schwitzen als beim Arbeiten.”

“Weil ich nicht mal das Wort kreativ nüchtern aushalt.”

“So wird das freilich nix mit einem kreativen Zustand.”

“Was aussagt, dass meine künstlerischen Bemühungen nichts sind, das in der Welt sein sollte, sondern etwas, das eine faule, besoffene Sau ausschwitzt.”

“Das hast du gesagt.”

“Einer muss es tun.”

“Das war sehr kreativ, aber nicht sehr umsichtig von dir.”

“Gern geschehen.”

Soundtrack: Keni Lee Burgess und Schwager: Sweet Home Chicago auf zwei Cigar-Box-Klampfen, 5. Dezember 2009:

With his spectacles off, the near-sighted photographer can’t focus

Summoning his cosmic powers,
And glowing slightly from his clothes,
His psychic emanations flowed.

Pink Floyd, 1968.

Heute keine Bilder.

Ich wollte selber eins machen, mit zwei Büchern drauf, im Zusammenhang mit den zwei Brillen, die ich derzeit benutze. Es hätte aber draußen sein müssen, auf hellem Hintergrund bei Tageslicht, weil die zwei Bücher eher dunkel sind: Wieland, antiquarisch von A. D. 1853, die zwei von 18 Bänden mit dem Aristipp.

Leider ist mir typischerweise nicht nur die Sonne davon-, sondern die Bewölkung hinterhergelaufen, und der Idee einer verschwommenen Brille konnte ich seit der Cover-Art von Hipgnosis für die Nice Pair-Compilation von Pink Floyd 1973 nichts mehr hinzufügen:

Out-of-focus spectacles — With his spectacles off, the near-sighted photographer can’t focus.

Ich beklage mich nicht, es werden ja so viele Bilder gemacht, was soll da ein dermaßen stilles Motiv noch reißen. Grund zu klagen gibt’s erst, wenn ich’s nicht mehr selber kann.

Soundtrack ist natürlich Let There Be More Light aus: A Saucerful of Secrets, 1968:

I’d been a girl and one dream frequented my late afternoons

Girl
where did you stay so long
Girl
where did you stay so long
I feel strong
the answer she gave
simply was
I’ll show you where the lilies grow

Die gute Nachricht ist: Sibylle Baier sitzt an einem zweiten Studioalbum. Dem zweiten seit 1973.

Keine Schande, das erste nicht zu kennen. Es hieß Colour Green und wurde von der Künstlerin höchstselbst im Alleingang spätnachts in ihrem Wohnzimmer mit einem Kassettenrekorder und einer beneidenswert gut gestimmten Wanderklampfe aufgenommen. Das war zwischen 1970 und 1973.

Sibylle Baier und Sohn Robby, sibyllebaier.comIn diesen drei Jahren hat Frau Baier 14 Lieder eingespielt, die zusammen nicht ganz 37 Minuten dauern. Im weiteren Verlauf ist sie nach Amerika ausgewandert, hat Kinder aufgezogen und getan, was man so tut im Leben — zum Beispiel einmal für Jochen Richter den Soundtrack geschrieben und einmal für Wim Wenders mitgespielt. Viel mehr weiß man nicht über sie. Offenbar legt sie keinen gesteigerten Wert auf großen Rummel um ihre Person. Eine amerikanische Hausfrau, die als junges Mädchen in Deutschland mal ein paar selbstgeschriebene Liedchen gezupft hat, wird nicht gerade dauerhaft von Paprazzi umlagert, und wozu auch?

Ungefähr 2003 war ihr Sohn Robby schon groß und seinerseits Musiker und konnte aus Mamas alten Kassetten eine CD zusammenbrennen. Wie dieselbe an J Mascis von den Dinosaur Jr geriet, fällt schon unter die feineren Verästelungen im Unterholz des Musikgeschehens. Jedenfalls kam die CD von den Dinosaur Jr ans Label Orange Twin Records und war ab 2006 eine Zeitlang verkäuflich. Amazon.de weiß noch davon, und der wohlgeratene Robby pflegt ihr bis heute die Website.

Anscheinend hat die junge Frau Baier um 1970 viel Pink Floyd gehört, inhaltlich erinnern ihre Lieder stark an die Zeit zwischen Syd Barrett und der Dark Side of the Moon. Die Gitarrenarbeit ist ordentliches Lagerfeuerniveau. Jedes Jahr Warten seit 1973 und jeden Cent wert ist aber ihre Stimme: ungefähr Nico Päffgen, ebenfalls Exildeutsche, von den Velvet Underground, jedenfalls genauso unbeirrbar modulationsfrei. Aber schöner.

Und die schlechte Nachricht? Wer auf eine besteht, kann ja egal wohin anders surfen als zur Playlist von Colour Green, aber davon rate ich ab.

Wenigstens eine mittelgute: Wir müssen jetzt nicht alle gefrustet unsere im Gefolge von Janis Joplin und Hannes Wader vollgesungenen Kassetten vorschriftsmäßig im Plastikmüll entsorgen, es hat nämlich nicht gleich jeder Wim Wenders zum Freund des Hauses. Soviel Trost muss uns unentdeckt Bleibenden reichen.

Bild: Sibylle und Robby Baier gegen 1973.

40 winzige Aufgaben

Update zu Saufspiele für Bücher-Geeks:

Es ergeht Empfehlung für die Unternehmung und die Website Book Riot — zusammen mit der Frage, warum sowas wieder nur auf Englisch wächst.

Hierzuland mag einem nicht einmal eine halbwegs würdevolle Entsprechung für das allfällige englische bookish einfallen, das im Bookweb (“Im was??”) ständig und für alles gebraucht wird. Hätten Sie gewusst, was ein TBR ist? Soll ich’s sagen, während Sie sich von Trockenblutreaktion zu Total Business Return hangeln? Das heißt to be read und bezeichnet den Stapel ungelesener und angefangener Bücher, der sich neben Ihrem Sofa türmt. — Ach, da türmt sich gar nix mehr, seit Sie Ihre unvollständige Harry-Potter-Sammlung der Stadtbücherei auf die Theke gekippt und noch ein Dankeschön dafür erwartet haben? Na, dann wundert mich auch nix. Dichter und Denker my ass.

Deshalb kommt wohl auch kein deutschsprachiger Kulturverbraucher auf den Gedanken, dass er ein Reading Life (übersetze: Leseleben?) führen, geschweige denn es bereichern könnte. Mir fällt ja selber schwer, die Tiny Tasks aus der Überschrift zu übersetzen (“Warum ist das Katzenklo nicht gereinigt? Du kennst doch deine Aufgaben!”), aber ich übersetze aus dem Book Riot (“Buchtumult”?) mal die 40 Tiny Tasks For a Richer Reading Life. Schaden wird’s schon nicht.

Ein paar von den 40 will man umgehend schon längst gleich ein paarmal mitgemacht haben, ein paar sind nur im englischsprachigen Umgang möglich (aber offensichtlich haben Sie ja Zugang zum Internet), ein paar kosten Überwindung, und ein paar will ich kopfschüttelnd beiseite lassen. Üblicherweise entspricht das aber dem Geist solcher Anleitungen: Man darf immer guten Gewissens weglassen, womit man sich unwohl fühlt.

1. Lass dich eine Viertelstunde früher wecken als sonst. Das reicht, um in Ruhe ein Gedicht zu lesen. ((Eine von den guten Ideen.))

2. Geh in deine zuständige Bücherei und lass dir von der Bibliothekarin etwas empfehlen — vor allem wenn das letzte Mal schon länger her ist.

3. Setz dich über ein Vorurteil übers Bücherlesen hinweg und denk absichtlich darüber nach.

4. Lies ein Buch aus einer Richtung, die du verachtest. ((Gibt’s eigentlich noch die Landserheftchen?))

5. Frag jemanden, vor dem du Respekt hast, was du lesen sollst, und fang sofort damit an.

6. Verschenk das Buch, das am längsten auf deinem TBR-Stapel liegt ((siehe oben)).

7. Melde dich freiwillig zu einer öffentlichen Einrichtung, die Lesefreude und Lesekompetenz fördert. ((In Deutschland bleibt’s damit wohl bei der Stiftung Lesen.))

8. Lies ein Buch, das von außen verstörend auf dich wirkt.

9. Lass dich auf eine Reading Challenge ein.

10. Entnimm deinem Bestand zehn Bücher und spende sie, ohne neue Bücher dafür einzutauschen. ((In München empfehle ich die Oxfam-Läden.))

11. Lies einem Lieblingsmenschen laut vor. ((Aber frag ihn vorher.))

12. Schreib eine Liste mit deinen eigenen Schnittstellen von Bücherlesen und Liebe.

13. Beschaff dir das Hörbuch zu einem Buch, das du vor Jahren nicht zu Ende gelesen hast — und hör es auch an. ((Vorsicht mit Hörspielbearbeitungen. Romane aller Richtungen und Längen sind gerne gekürzt. Mach dich schlau über den Grad der Verstümmelung, aber lass dich nicht abhalten: Jemand, der hoffentlich dafür bezahlt wurde, hat über dein Hörbuch so und nicht anders entschieden, und er konnte es begründen.))

14. Lies das Lieblingsbuch von deinem besten Freund — egal was für eins.

15. Mach ein Eselsohr.

16. Schreib an den Rand.

17. Frag deinen ältesten Verwandten oder Freund nach seinem Lieblingsbuch. Lies es sofort und erzähl ihm davon.

18. Lies im Freien.

19. Lass bei der Hausarbeit ein Hörbuch laufen. ((Beim Staubsaugen empfehlen sich die Hörspielfassungen, um die ist’s nicht so schade. Nachteil: die Stimme von Iris Berben; Vorteil: gebügelte Unterhosen und Handtücher.))

20. Lies ein Theaterstück. Nimm dir die Zeit für die bildliche Vorstellung, wie du es inszenieren würdest.

21. Lies ein Buch wieder, das du in der Schule zum Kotzen fandest. Und gleich nochmal! ((Ist das noch SM oder schon Rebirthing?))

22. Entschuldige dich bei jemandem, mit dem du überheblich oder abfällig über Bücher geredet hast. ((Von wegen, ich war noch viel zu nett!))

23. Lies ein Buch aus einem Land, in das du noch nie wolltest. ((Südamerika müsste einiges hergeben.))

24. Lies eine Gedichtsammlung von einem einzigen Autor. Von vorne bis hinten. Zweimal. ((Empfehlung der Woche: Jan Wagner: Regentonnenvariationen, Hanser Berlin, 2014.))

25. Verschenk das Lieblingsbuch aus deiner Kindheit auf deiner nächsten Babyparty. ((Das soll mittlerweile auch im deutschen Sprachraum gehen.))

26. Verschenk das Lieblingsbuch aus deinen Zwanzigern an deinen Lieblingsstudenten. ((Persönlich würde ich ja eine Studentin nehmen, aber wahrscheinlich wäre das in meinem Fall zu anzüglich.))

27. Lies ein Buch von jemandem, der ganz anders als du aussieht. ((Toni Morrison soll trotz Nobelpreis ganz gut sein, aber Alice Walker guckt auf ihren Bildern freundlicher.))

28. Lies ein Buch von jemandem, der dich in Jahrmillionen nicht verstehen würde. ((Aber ohne Geld für den Sarrazin auszugeben. Für Mein Kampf gibt’s seit 2016 Ausreden. Glaubwürdige.))

29. Lies eine Seite aus der heiligen Schrift einer Religion, in der du nicht erzogen bist.

30. Hör einen Podcast über Bücher.

31. Geh zur nächsten Autorenlesung in deiner Stadt, auch wenn du den Autor nicht kennst. Vor allem wenn du den Autor nicht kennst.

32. Schreib von Hand einen Brief an einen lebenden Schriftsteller, den du bewunderst. ((Aber bitte jetzt nicht alle auf einmal mit Fee Katrin Kanzler anbandeln, gell.))

33. Besuch das Grab eines toten Schriftstellers, den du bewunderst. ((Wer in <u<Wien oder Paris wohnt, ist im Vorteil. München geht noch.))

34. Fahr irgendwohin, das du nur aus Büchern kennst.

35. Brich einem Buch das Kreuz. Mach schon! Du kannst es!

36. Lies einen Superhelden-Comic. Vor allem nach einer Ewigkeit wieder oder zum allerersten Mal. ((Ich fürchte leider, der Sandman zählt hier nicht.))

37. Schau die Verfilmung von einem Buch an, das dir gefallen hat, und versuch sie um ihrer selbst willen zu mögen.

38. Lern ein Gedicht auswendig.

39. Lies das Buch wieder, das mit 16 dein Leben über den Haufen geworfen hat.

40. Rede mit jemandem über Bücher, mit dem du noch nie über Bücher geredet hast.

Soundtrack: Tracey Ullman: Kindle Killed The Library Book, 2016:

These Schlappen are made for Öl und Fett standhalting (I knew all the rules but the rules did not know me)

Noch gar nicht erzählt: Dieser Wochen hab ich mir ein neues Paar Birkenstocks gekauft.

Das Besondere daran: Es war in einem Laden. Einem Geschäft. Einem Schuhgeschäft. Einem Birkenstock-Schuhfachgeschäft oder wie solche Bauten sonst noch heißen. Ich musste hingehen, Grüß Gott sagen, mich überzeugen, ob das Warenlager tatsächlich bis Größe 47 geht, und Bargeld aus einem Geldbeutel abzählen. Nix da wischwisch, Glückwunsch-Sie-haben-erfolgreich-in-Kürze-erhalten-Sie und zwei Wochen warten, bis sich ein DHL-Inder erbarmt, einen neuen, noch missmutigeren “Wunschnachbarn” zwei Hausnummern weiter ausfindig zu machen, bei dem er das Paket mit irgendeiner Kindergröße verstecken kann.

Noch besonderer: Es war mein erstes Paar neuer Birkenstocks seit dreißig Jahren. So lange halten die nämlich. Wenn man sie regelmäßig putzt, jedenfalls die ersten zwei, drei Jahre, hüstel.

Birkenstocks are back, Wantering BlogBei meinem ersten Paar war ich 18. Was seitdem nicht alles passiert ist! Heidi Klum durfte Glitzerkram auf bis dahin einwandfreie Birkenstockschuhe kleben, um sich mal wie eine richtige Designerin zu fühlen. Kate Moss durfte ganz ordentlich darin aussehen, auch wenn sie das vollkommen unbrauchbare, weil offenzehige Modell Arizona benutzte, aber die darf eh alles. 1993, lange nach meinem Kauf, trat zutage, dass die damalige Führung des Hauses Birkenstock, offenbar widerwärtige Klischeekapitalisten mit Zylinder und Zigarre allesamt, dem Konzept des Betriebsrates mit Unverständnis begegnete. Noch später wurde das Internet erfunden, sonst hätte man das vorher googeln und dann womöglich von einer weiteren Bereicherung der Kapitalistenbande absehen müssen. Zweimal musste ich mein eigenes Paar immer noch einwandfreie, weil fast regelmäßig geputzte Birkenstockschuhe aus einem Müllcontainer befreien, wohin es das erste Mal meine Mutter und das zweite Mal meine Frau heimlich versteckt hatte.

Noch später wurde, diesmal vom Hause Birkenstock selbst, das Modell Professional Kay SL erfunden, denn “wer in einem anspruchsvollen Umfeld arbeitet, ist auf zuverlässiges Schuhwerk angewiesen. Das gibt es von BIRKENSTOCK: Die Professional Linie überzeugt mit rutschhemmenden Sohlen, die Öl und Fett standhalten, und vielen weiteren Details wie z.B. Schutzkappen [und rundumlaufenden roten Rallyestreifen! Und vor allem: ungelogen zuschaltbaren Fersenriemen! Anm. d. Red.]. Alle Modelle sind TÜV – geprüft und sind teilweise mit einem auswechselbaren Fußbett ausgestattet – das perfekte Schuhwerk für den professionellen Einsatz.” Cit. a. a. O. Im Laden hieß es: für OP-Krankenschwestern, Bauarbeiter, Köche und alle, die lange stehen und weite Strecken zurücklegen müssen. Ich möchte ergänzen: Und Stubenhocker, die höchstens mal zum Rauchen vor die Tür kommen, weil solche ohne zuverlässig bereitstehendes anständiges Schuhwerk überhaupt keinen Arschbacken mehr aus dem Bett heben.

Wenn die Dinger wieder dreißig Jahre halten, womit ich fest rechne, brauch ich mein nächstes Paar, wenn ich 78 bin. Da kann ich jeden Tag für 0,82 Cent Birkenstockschlappen anhaben — gar nicht so teuer eigentlich. So gegen 2031 müsste meine Frau meine hoffentlich regelmäßig geputzten Professional Kay SL zum ersten Mal heimlich im Müllcontainer versenken, das zweite Mal gegen 2041 meine Zugehkrankenschwester. Aber die kann was erleben.

Selbstlaufendes Bild: Wantering Blog, zu cool für ein Datum;
Soundtrack: Eddie Vedder: Guaranteed, aus: Into the Wild, 2007.

Cross gesellt ‒ aus dem Marketing-Zyklus “Heiter durch den Tag”

Wer als hoffnungsloser Katzenidiot (ich) seinen Katzen Bananen-Bandanas kauft (weil sie in einer Bananenkiste vor die Türe gelegt wurden …), kauft seinem Mann auch das:

Latz

 

Und seinem Kunden das da  …  oder umgekehrt … flickr.com

Eulen-Rassel, gehäkelt

(Eulen)Rassel; Baby; Kleinkind; Spielzeug.

 

Und das  …  der Hahn auf dem Mist … für Gockel egal welchen Alters … etsy.com

Hahnenmütze, gehäkelt

 

Und das  …etsy.com

Raubtierpfoten-Schuhe häkeln

Raubtier-Pfoten häkeln

Das Letzte ist Hammer. Ob ich dem Daniel welche häkeln soll?