Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Aktuelles (Seite 1 von 6)

Daniel in der Kinderstube

Solange James Bond noch ein Fall fürs Kino und nicht für die Kinderstunde war, haben wir gesagt: Alt sind wir dann, wenn wir älter sind als der aktuelle Bond. Dann war Daniel Craig. Der Mann ist zwei Monate und vier Tage älter als ich, aber der zählt eh nicht als Bond. Beim nächsten werden wir uns wohl eine neue Faustregel ausdenken müssen. Vielleicht den Gandalf.

Neuerdings soll Daniel Craig gleich gar “entmännlicht” (emasculated) sein, indem er fotografiert wurde, wie er ein kleines Kind mit Hilfe einer Babytrage (papoose) mit sich führte. Hat er das verdient?

Zur Einordnung: Das Kind ist sein eigenes, soll allem Vernehmen nach ganz frisch im September 2018 geboren sein und ist sein zweites, nach dem ersten von 1992 — und zwar von Rachel Weisz. Dazwischen war er mal, Bond oder nicht, mit Heike Makatsch zusammen.

Es mag eher bedingt hierher gehören, aber kurz nach diesen Bildungsanstrengungen in der zeitgenössischen Schauspielkunst hab ich gefunden:

Not all pricks have pricks, not all pussies have pussies, but all assholes have assholes.

Wenn man es von vorne und hinten betrachtet, findet sich schon noch was, das man sich merken sollte, gell. Wenn mich wer sucht: Nägel lackieren, und zwar meine eigenen und ohne erst herumzugreinen, ob ich dann schwul oder ein Mädchen sein könnte.

Soundtrack: Johnny Cash featuring Oscar the Grouch:
Nasty Dan, aus: The Johnny Cash Children’s Album, 1975,
in: Sesame Street, Season 5, 1973:

Liebe Mitbürger in Bayern:

Am Sonntag ist Landtagswahl. Die AfD unterrstützt Rente ab 72. Ich sag’s bloß.

Auf den Dreh, es mal so schlicht zu formulieren, bin ich ganz alleine gekommen: Vielleicht dass das endlich ein Argument wäre, jemanden, der ohnehin zum Missbrauch seiner einzigen Stimme pro Wahlzettel neigt, von der Verirrung seines Kreuzleins abzuhalten: Wenn es unversehens an sein eigenes Leder statt das irgend eines “Flüchtlings”, den er noch nie gesehen hat, geht und klar wird, dass er da jemanden wählt, der offen damit droht, gegen seine Person vorzugehen. — Wo es danach ins Philosophische lappt: Vielleicht ist Ehrlichkeit doch überschätzt.

Was jeder denkende und fühlende Mensch damit anfangen kann: selber weiterverbreiten — betont beiläufiges Fallenlassen der Bemerkung sollte reichen. Es muss kurz vor dem Wahlvorgang kommen und mit dem Rückenmark verständlich sein. Die Sprache, die sie verstehn.

So genau, wie es schon gar keiner mehr erklärt haben will, wäre: Die AfD unterstützt Rente nach 45 Arbeitsjahren. In meinem unmaßgeblichen, anekdotischen Fall wäre das schon gar nicht mehr mit 72, sondern angefangen mit einem Arbeitsleben ab 27 — die 15 Monate staatlich eingeforderter Dienst am Vaterland waren nicht anrechnungsfähig — und drei arbeitslosen Jahren (lange her…) ein Renteneintritt mit 75 — falls nix mehr dazwischenkommt; suchen Sie mal mit über 50 noch eine Dönerbude, bei der noch kein Roboterchen die Zwiebeln schnippelt. Momentan steht mein Rentenanspruch ohne AfD-Eingriffe auf irgendwas um 490 Euro, also pro Monat jetzt.

Wenn also nicht bald das Flaschenpfand wesentlich erhöht wird, zieh ich halt auf meine alten Tage, die jeden Moment anfangen können, ins Hinternürnberger Flachland, da hat die Tafel, wie man hört, wenigstens Unterstützer statt einer Security am Eingang, und ich hab einen schönen Bildband über essbare Wildpflanzen.

Irgendwen AfD-Verdächtigen trifft man ja immer mal. Stellen wir ihn uns einfach vor, wie er mit Mitte 70 im Shared Workspace von seinem Altersheim hockt und sich wg. Life-Long Learning fürs Web 5.0 fit macht, nachdem er für heute schon wieder eine fast geldwerte App optimiert hat, die Apps optimieren kann (der Job ist leider bloß auf Freelance-Basis, also wieder nix mit Rente), während ihm eine illegal eingewanderte, lesbische, autistische, alleinerziehende jüdische Negerin unterm Arsch den Nachttopf leert. Auch auf Freelance-Basis, “das wird man wohl noch sagen dürfen.”

Bitte wählen gehen, Briefwahl wirft schon keinen Schatten mhr.

Soundtrack: Natalie Merchant: Which Side Are You On?, 1931,
aus: The House Carpenter’s Daughter, 2003:

Buchstaben-WTF

Man sagt doch noch YOLO?

Frau Schnabelstedt, in: Fack ju Göhte, 2013.

Also, ich erfinde nix, nicht dass es wieder heißt, ich erfinde was, und sag gar nix dazu, nicht dass es wieder heißt, ich hätt was gesagt.

DREH’ DEN SWAG AUF!

NACH 70 JAHREN BLEIBT ALLES NEU.

Das neue Buchstaben-YOLO bietet jetzt noch mehr Spaß — für die Fam, für die Gang und für alle Fans von lässiger Jugendsprache! Einfach mal wieder anlegen: Crossed die vorhanden Wörter der anderen, packt neue Buchstaben auf’s Board und zeigt, wer rasiert! Sammelt Props und Punkte durch smartes Ausnutzen von Powerfeldern!

Wer die besten Wörter fetzt, bekommt den Fame im Game!

Cool, darf ich die Turnierregeln angleichen, ich hab einen Myspace-Account? Das Deppenleerzeichen im Corporate Naming ist inkonsequent eingehalten. Außerdem heißt das Abiturensohn-Battle, ihr Opfah.

Und Trivial Pursuit heißt dann bis Weihnachten LMGTFY und die Siedler von Catan die Hasenjagd vong Chemnitz her? Wow, heißt das, beim Scrabble zählen jetzt auch Akronyme? Englische Akronyme? YOLO mit dreifachem Wortwert kann ja kein Mensch im Kopf ausrechnen.

Das sind die Sachen, die einen ins Antiquariat treiben. Aber ich wollt ja nix sagen.

Soundrack: Bloodhound Gang: Foxtrot Uniform Charlie Kilo,
aus: Hefty Fine, 2005:

Doofer Witz

Treffen sich ein Mexikaner, ein Däne, ein Ungar, ein Engländer, ein Araber, ein Inder, ein Franzose, ein Österreicher, ein Chinese, ein Bulgare, ein Finne und ein Deutscher.

Sagt der Mexikaner: “Die Deutschen sind voll die Altersrassisten.”

Sagt der Däne: “Schmarrn, die Deutschen sind ganz allgemein Rassisten.”

Sagt der Ungar: “Schmarrn, die Deutschen sind voll die linken Bazillen.”

Sagt der Engländer: “Schmarrn, die Deutschen machen bloß den Amis alles nach.”

Sagt der Araber: “Schmarrn, die Deutschen sind halt ungläubige Schweinefresser.”

Sagt der Inder: “Schmarrn, die Deutschen fressen Kühe.”

Sagt der Franzose: “Schmarrn, die Deutschen fressen praktisch gar nix mehr.”

Sagt der Österreicher: “Schmarrn, die Deutschen trauen sich bloß nicht mehr rauchen.”

Sagt der Chinese: “Schmarrn, die Deutschen schreiben das bloß dauernd ins Internet.”

Sagt der Bulgare: “Schmarrn, die Deutschen haben doch noch gar kein Internet.”

Sagt der Finne: “Schmarrn, die Deutschen lernen bloß in der Schule nicht lesen.”

Sagt der Deutsche: “Schmarrn, wir sind voll das Volk der Dichter und Denker.”

Alternatives Ende: Sagt Vroni: “Keine Umstände bitte. Sag einfach, was der Russe sagt.”

Soundtrack: Los Colorados: Du Hast (Official Rammstein Cover),
aus: Move It!, 2012:

Der nächste Meter bedruckter Seiten

Jetzt endlich auch bei Ikea: keine Bücher!

Beim buchreport haben sie offenbar schon am 29. August den Ikea-Katalog für 2019 gekriegt. Müssen wohl die Rezensionsexemplare sein; jedenfalls verreißen sie ihn sofort: Verdrängung im Bücherregal: Ikea inszeniert Wohnen mit wenig Buch:

Geht es dagegen nach dem in diesen Tagen an ca. 25 Mio deutsche Haushalte verteilten 300-Seiten-Katalog 2019, spielen Bücher nur noch eine marginale Rolle. Statt der bunten Bücherregale früherer Jahre finden sich meist nur noch in schwarzen oder weißen Umschlägen neutral gewandete Einzelstücke als marginale Accessoires. Zahlreiche der abgebildeten und explizit als “Bücherregal” bezeichneten Möbel enthalten Wollknäuel, Geschirr und andere Haushaltsgegenstände, aber kein einziges Buch.

Schön auch zu erfahren: Bei der FAZ lesen sie sowohl den Ikea-Katalog als auch den buchreport, jedenfalls deren Feuilleton-Redakteurin Elena Witzeck, die beobachtet: Klassiker für Katzen. Neuer Ikea-Katalog ohne Bücher, FAZ, 30. August 2018:

In seinem neuen Katalog hat Ikea die Bücher aus den Regalen verbannt. Ist das die Lehre aus dem Vormarsch des Digitalen – oder ein Plädoyer für den Müßiggang?

[…] Sicher, jeder hat schon einmal einen Bücherschrank zweckentfremdet. Man denke nur an die regalfüllenden DVD-Sammlungen lesefauler Lebenspartner, die jede nach Autoren und Stilformen geordnete Buchkollektion durcheinander brachten. Oder an die Hauskatzenangewohnheit, tote Mäuse in ungenutzt gelassenen Fächern zu verstauen. Aber ein Blick in alte, akribisch im Buchregal gesammelte Ikea-Kataloge zeigt, dass “Billy” früher immer voller Bücher stand, sogar im Kaufhaus selbst, was ja einer von vielen Gründen war, warum man beim Gang durch die Möbelabteilung immer so lange brauchte. Und wenn das erstandene Regal noch so langweilig war und auch beim spießigen Nachbarn stand – zumindest die Auswahl der Titel darin konnte man selbst bestimmen.

Auf meinem eigenen letzten Müßiggang durch den Echinger Ikea ist mir aufgefallen, dass sie dort keineswegs eine verlockende Bibliothek in ihre Wohnlandschaften geordnet haben, sondern abertausendfache Pappdeckelmodelle der erst posthum öffentlich gemachten Coming-outs von — nein, nicht etwa Astrid Lindgren; wo dächte man hin? — Patricia Highsmith: Elsie’s Lebenslust, ‘Small g’ — eine Sommeridylle und Carol. Roman einer ungewöhnlichen Liebe, in späterer Übersetzung: Carol: Salz und sein Preis.

Attrappen von Lesben-Klassikern mit diskutierwürdigen Apostrophen einer Amerikanerin aus einem Schweizer Verlag am Stadtrand von Eching — das war noch praktizierte Weltoffenheit der Seefahrernation Schweden. Nachdem Ikea seinerseits sein ausgewiesenes Bücherregal Billy in einer Form neu auflegte, in der man seine eigenen Bohrlöcher nach Bedarf mit dem kleinen Finger ins Holz stechen konnte, soll mir mein geboosteter Vintage-Ivar reichen. Der aktuelle Produkttext für Billy handelt ausdrücklich über “Regale & Bücherregale”, aber eben:

Nicht nur für Bücher

Bei IKEA versuchen wir immer, neue Wege zu denken. Zum Beispiel, indem wir uns bei einem Bücherregal nicht auf Bücher als Aufbewahrungsgegenstände beschränken lassen. Regale eignen sich auch für Geschirr hervorragend. Oder für deine Sammlungen. Aber wenn du sie einfach nur für den nächsten Meter bedruckter Seiten brauchst, ist das selbstverständlich auch prima.

Sie raten von Büchern ab und biedern sich sogar mit einer als fortschrittlich eingestuften Zielgruppe an, indem sie sich gallig von analogen Medien distanzieren — das hätte wenigstens der investigativen FAZ ruhig auffallen können. Dem allzeit wachen und dem Buchhandel zuarbeitenden buchreport hätte ich vorgeschlagen: Meine Fresse, warum geht Ikea denn nicht endlich eine längst überfällige interdisziplinäre Kooperation mit dem Aufbau-Verlag ein?

Fortschrittlicher Soundtrack in Blau und Gelb:
Reinhold Limberg: Bau auf, bau auf, Freie Deutsche Jugend, bau auf!, 1951:

Blackbird singing in the dead of night (di amseln hamm zeid)

Update zu “Wir müssen davon ausgehen, dass sich der dramatische Insektenrückgang fortsetzt.”:

——— Fitzgerald Kusz:

lob der amseln

aus: seid mei uhr nachm mond gäihd.
der gesammelten gedichte dritter teil,
1. Abschnitt: di amseln hamm zeid,
verlag klaus g. renner, München 1984:

I

die amseln könnä ihrn gelbm
schnobl ned vullgräing:
sie hubfm im gros rum
und bickn allers auf wos finnä
sie hubfm aff di balkong nauf
und hulln si schnell
ä boä bräisälä
und wenn anns kummd
nou verschwindens widdä
sie hubfm sugoä
in di babiäkörb nei
weils wissn
wous di goudn bißlä gibd

II

di amseln senn di schdaddschreichä
undä di vögl, däi loun si su
schnell nix gfalln vo di laid
däi senn hard im nehmä:
wenns di kleingärdnä dävoojoong
weils ihre saloodbflänzlä zamfressn
dann kummers widdä
wenn di kleingärdnä widdä fodd senn
däi könnä nu suviel
silbäbabiälä in ihre beede neihängä:
di amseln juckd des ned!<

III

di amseln is des worschd
wos grood fürä brogramm läffd:
sie hockn aff di fernsehandennä
und singä weils
hald einfach singä mäin

IV

di amseln hamm zeid
und die zeid errberrd für sie

Neufassung in: Nämberch-Blues,
ars vivendi verlag, Cadolzburg 2017:

lob der amseln

woui aa hiikumm, di amseln senn scho dou
däi wibbm und dribbln, däi hubfm rum
däi fläing ned wech, däi hamm ka angsd
däibleim wous senn, däi loun si ned vädreim
däi biggn jeds körnlä auf, däi finnä immä wos
woui aa hiikumm, di amseln senn scho dou
di weiblä braun, di männlä schwazz
iberoll amseln! däi senn hard im nehmä
däi loun si nix gfalln, däi loun si ned väjoong
däi kumma widdä, däi ferchdn si ned
däi fläing aff di wibfl vo di baim
däi fläing aff di schbidz vo di dächä
däi fläing aff di saddeliddnschissln
däi soung si immä di häichsde schdell
und fanga oo zu singä
und hörn nimmä auf
weils hald einfach singä mäin:
di amseln hamm zeid
und di zeid errberrd für sie

——— Wikipedia:

Usutu-Virus. Verbreitung in Europa, 2018

Das Virus wurde 2018 nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) auch bei toten Vögeln (vorwiegend Amseln) in Bremen, Hamburg und Bayern (Region Nürnberg) nachgewiesen. Dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) wurden bisher rund 1500 Verdachtsfälle gemeldet. Der NABU ruft zusammen mit dem BNITM dazu auf, kranke und tote Vögel mit Usutu-Verdacht online zu melden und gegebenenfalls einzusenden. Untersuchungen nehmen das BNITM, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) sowie Veterinär-Untersuchungsämter vor. Bisher wurden über 200 Vögel an das BNITM geschickt, von denen bisher 132 Vögel untersucht wurden. Bei 43 (33 %) der 132 untersuchten Vögel, darunter auch ein Kleiber und ein Bartkauz, wurde das Usutu-Virus nachgewiesen.

——— Lennon/MacCartney:

Blackbird

aus: The Beatles, 1968:

Blackbird singing in the dead of night,
Take these broken wings and learn to fly.
All your life
You were only waiting for this moment to arise.

Das Beatles-Lied 1968 geht klar, aber die korrekte “Landnürnberger” (Fitzgerald Kusz) Schreibweise von “Die Amseln haben Zeit” wäre aus meiner qua muttersprachlicher Kompetenz sehr wohl maßgeblichen Sicht mitnichten “di amseln hamm zeid”, sondern “di amsln hom zeid”. Was bitte soll man gegen ein Amselsterben 2018 ausrichten, wenn noch nicht mal die Probleme von 1984 behoben sind?

Ich und mein Lauf

Bratpfannenwetter. Ausnahmsweise hab ich nichts Besseres zu tun, als die Jeans aufzukrempeln und meine Hobbitlatschen in den Stadtbrunnen zu baden (ich bin Künstler, für mich ist Kontemplation Arbeit). Da springt mich von rechts hinten ein Mikrophon an:

“Was halten Sie bei dieser Hitze von Sex?”

Das Mikrophon trägt eine Manschette mit dem Logo eines berüchtigten Lokalradiosenders. Die dahinter kauernde unbezahlte Praktikantin ist blond, aber zum Ausgleich mit Brille, die “was mit Medien” ausdrücken soll. Knapp unterm Hintern handabgeschnittene Jeans, das Glitzer-Top gibt die Aussicht auf gut entwickelte Brüste ohne BH frei, ihre güldenen Riemchensandalen folgen der modischen Unsitte, eine zu dünne Sohle mit Zehenstengel und Fersenriemen zu verankern, damit das Opfer möglichst schwer rein- und rauskommt. Grellrosa lackierte Zehennägel, aber in ihrem Alter ist eine gewisse stilistische Unbeholfenheit entschuldbar. Kurz: Die vorgesetzten Schweine vom Radio haben ihre Jüngste von Oberföhring in die Innenstadt gejagt, “ein paar O-Töne einsammeln”.

“Wie war das?” Die Frage ist sie gewohnt, ich bin ja nicht ihr erster O-Ton.

“Was halten Sie bei dieser Hitze von Sex?” wippt das Mikrophon.

“Pass mal auf”, sag ich, “siehst du das Café da drüben?”

Ihr Blick folgt meinem ausgestreckten Arm: “Jaaaaa …?”

“Die haben ein Behindertenklo. Richtig groß, damit man auch mit dem Rollstuhl reinkann.”

How to confuse a unbezahlte Praktikantin. Eigentlich kann das Hascherl ja nix dafür, aber jetzt hab ich meinen Lauf:

“Das ist vom Gastraum aus nicht einsehbar, es kriegt also keiner mit, wenn du dich im Eingang irrst. Du gehst links an der Theke vorbei ums Eck, das Behindertenklo ist die erste Tür. Sperr besser zu. Ich zähl hier bis hundertfünfzig und komm dann nach. Mein Klopfzeichen ist: einmal kurz, zweimal lang. Das ist das Morsezeichen für W, weil ich Wolf heiß, aber das weißt du ja als alte Funktechnikerin.”

“Hä?”

“Inzwischen hast du Zeit, dich aus deiner kaum vorhandenen Kluft zu schälen und im Schritt frisch zu machen. Wenn ich da bin, können wir meine Klamotten auf den Fliesen unterlegen, damit du dir nicht sonstwas an die Eierstöcke zuziehst. Keine Angst, meine eigenen Gummis hab ich immer dabei, weil’s in den Automaten nie die XXL gibt.”

“Hören Sie …”

“Kein perverser Schweinkram, keine Rollen- und Fesselspiele, keine Lippenstiftringe um die Eichel oder so, wenn ich bitten darf, aber Cunnilingus geht klar, wenn du vor nicht länger als sieben Tagen rasiert bist. Ich kann dreimal, also kannst du zweimal Nachschlag bestellen. Und dein schickes Tonband kannst du ruhig anlassen dabei, irgendeinen Antörner brauchen wir ja.”

“Jetzt mal langsam.”

“Übrigens schätze ich phantasievolle Beinarbeit und eine straff trainierte Vaginalmuskulatur, dafür küsse ich wie eine gesengte Sau. Wenn du so ab der mittleren Phase schön was hören lässt, kann’s leicht sein, dass ich dir einen Zwanziger draufleg. Fragen, Einwände, Sonderwünsche?”

“Es geht ist nicht das Thema”, bewahrt sie Fassung, “ob ich Sie … ähm … küssen will …”

“Ach, nicht? Na, wenn Küssen kein Thema ist, kann ich auch am Bahnhof fragen.”

Sie rafft ihr Mikrophon nebst Aufnahmegerät zusammen, stemmt sich auf ihre bebenden Fohlenstelzen in die Höhe und verschwindet ohne ein weiteres Wort in der Menge. Hoffentlich kann sie das O-Tonmaterial verwenden, wenn sie sich mal um ein bezahltes Volontariat bewirbt.

Auf meiner anderen Seite hat sich eine hübsche junge Dame niedergelassen und planscht mit, wie alle am Brunnenrand. Strohhut auf naturroten Locken, dessen Krempe ein changierendes Schattengitter über ihre sommersprossige Himmelfahrtsnase breitet, hellblau geblümtes Sommerkleid. Sie wässert ihre adelig blassen Elfenbeine, darunter in geschmackvollem Dunkelrot abgesetzter Zehennagellack, Sommersprossen sogar auf dem Spann.

Ihre strahlenden Grünaugen hinter dem Schattengitter gucken streng. Sie versucht nicht zu lächeln, beim Sprechen erscheinen ihre Perlenzähne:

“Das hätt’s nicht gebraucht”, rügt sie mich.

“Die hat doch angefangen”, sag ich.

Sie prustet los.

36 Grad und es wird noch heißer: 2raumwohnung: 36 Grad,
aus: 36 Grad, 2007:

Klimawandelbonus

Update zu Das erste Frühlingsgedicht 2018:

Herr, es ist
Zeit. Der Sommer
war so mittel.
Inzwischen prasseln mir

an der Bushaltestelle
die Kastanien aufs
Haupt, die Zeitung
lamentiert über den

Bierpreis auf der
Wiesn, aus den
Läden sind die

Kirschen weg, und
ich erwarte täglich
Lebkuchen und Marzipan.

Soundtrack. Hubert von Goisern: da summa is aussi,
aus: TRAD, 1998:

Siegesdonner, erklinge!

“Kasan” steht ab sofort in einer Reihe mit “Cordoba” und “Gijón”: als Chiffre für eine dieser finstersten Stunden, die auch jenen Kindern einmal etwas sagen wird, deren Eltern sich noch nicht mal kennen.

Christof Kneer: Löw hat die Lässigkeit vorgelebt,
in: Süddeutsche Zeitung, 27. Juni 2018, 19.06 Uhr.

Das war knapp. Letzte Woche konnte man am hellichten Samstagnachmittag unbehelligt den Marienplatz passieren, ohne von schwarz-rot-gold bemalten Anwärtern auf sozialpädagogische Maßnahmen mit Ländernamen angebrüllt zu werden. Das war in vorangegangenen geraden Jahren schon anders.

Endlich ergibt sich die Gelegenheit, sich mal mit der tatarstanischen Geschichte auseinanderzusetzen: Wenn man sich die sinnlose Arena (Eröffnung 2013, 465 Millionen Euro, weltgrößte LED-Fassade an einem Fußballstadion) mal wegdenkt, scheint Kasan nämlich eine richtig schöne Stadt mit einem Deutschen Haus, einer Städtepartnerschaft mit Braunschweig und zahlreichen großen Töchtern und Söhnen, darunter Gawriil Romanowitsch Derschawin, dem größten russischen Dichter, bis Puschkin auftrat, mit der inoffiziellen russischen Nationalhymne von 1791 bis 1833 und seiner großen Ode, in der er beschreibt, wie er Flöhe in den Haaren seiner Frau sucht, und seine eigenen Gedichte mit Limonade vergleicht.

Schon klasse. Soll noch einer sagen, Fußball wäre kulturfern.

——— Rainer Maria Rilke:

Der Ball

aus: Neue Gedichte, 31. Juli 1907, Paris:

Du Runder, der das Warme aus zwei Händen
im Fliegen, oben, fortgiebt, sorglos wie
sein Eigenes; was in den Gegenständen
nicht bleiben kann, zu unbeschwert für sie,

zu wenig Ding und doch noch Ding genug,
um nicht aus allem draußen Aufgereihten
unsichtbar plötzlich in uns einzugleiten:
das glitt in dich, du zwischen Fall und Flug

noch Unentschlossener: der, wenn er steigt,
als hätte er ihn mit hinaufgehoben,
den Wurf entführt und freilässt –, und sich neigt
und einhält und den Spielenden von oben
auf einmal eine neue Stelle zeigt,
sie ordnend wie zu einer Tanzfigur,

um dann, erwartet und erwünscht von allen,
rasch, einfach, kunstlos, ganz Natur,
dem Becher hoher Hände zuzufallen.

Soundtrack. Gawriil Derschawin & Osip Kozlovsky: Grom Pobedy, Rasdawaisja! (i. e. Siegesdonner, erklinge!), 1791:

Der Ton macht die Musik.

1. Nicht arbeiten müssender Edel-A-Blogger zieht um in ein neues Medium, in dem er auch wieder bezahlt wird.

2. Dass das gewählte Medium sein erklärter Oberfeind war: geschenkt. Passiert im Netz andauernd, dass das Gerede von gestern nicht mehr interessiert. Mir wär’s nicht wurst, aber bitte was solls!

3. Als selbsternannt erlesen vorbildlicher Gentleman der Oberschicht wird er im Ton sehr ruppig, als eine Dame ihn daran erinnert, dass er Weiterlesen

Faust in your face

Zwei Seelen, ach, in meiner Brust!
Zwei Brüste, ach, in meiner Seele!

Kathrin Bach, Buchhändlerin und Lyrikerin, Berlin, 4. Oktober 2017.

Da schau her, zu was für Themen wir auf einmal tagesaktuell werden können: Ab heute schmeißen die Münchner Kunsthalle und der Gasteig ein Faust-Festival. Ganz recht gehört: Faust, der von Goethe:

München steht 2018 fünf Monate lang im Zeichen von Goethes berühmtestem Drama. Vom 23. Februar bis 29. Juli 2018 präsentieren mehr als 200 Partner und Institutionen überall in der Stadt ihre Projekte zum Thema “Faust”.

Soweit die Eigenbeschreibung, mit weiteren Küchenhandtuchstickereien wie:

Weiterlesen

Ende der Allee

Fassen wir also endlich zusammen: Das Gedicht von Eugen Gomringer geht:

avenidas
avenidas y flores
flores
flores y mujeres
avenidas
avenidas y mujeres
avenidas y flores y mujeres y
un admirador

Alleen
Alleen und Blumen
Blumen
Blumen und Frauen
Alleen
Alleen und Frauen
Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer

Auch wenn man für das absichtsvoll schlichte Spanisch mit dem kleinen Latinum auskommt, gibt die deutsche Übersetzung anzuführen besonders viel Sinn, weil Gomringer als bolivianisch-schweizerischer Dichter geführt wird, aber ab 1954 die Konkrete Poesie mitbegründet hat, die sich wesentlich im deutschen Sprachraum – ja, auch in anderssprachigen – äußerte. Avenidas fällt formal und historisch unter die Vorformen der Konkreten Poesie und vermittelt als solche

Weiterlesen

Der Geschenktipp des Jahres (doch, echt jetzt)

Der Advent liegt heuer skurril. Zum praktischen Gebrauch stehen nur drei Adventssonntage zur Verfügung, der vierte ist schon Heiligabend, worüber sich der Einzelhandel nicht genug zerfleischen kann, als ob es heute noch Angestelltenverhältnisse gäbe, in denen man nur das bisschen arbeiten muss, das in den Arbeitsverträgen aus dem Abreißblock vom Kaufhof steht.

Silvester ist quasi fünfter Advent. Und wo wir gerade beim Einzelhandel sind: Liebe Kinder, es werden mir keine Gegenstände gekauft, Weiterlesen

Der Retter der 62

Für die Buslinie 62 innerhalb der Isarvorstadt ergeht vorläufige Entwarnung: Die nervige Umleitung zwischen Kapuzinerstraße und Zenettistraße ist aufgehoben.

Nicht dass bisher eine Haltestelle ausgefallen wäre. Nur eben, dass man von der Kapuziner- zur Zenettistraße unverstärkt hinüberschreien kann, dass der Bus schnell warten soll — was die Klientel des Tröpferlbades, das sich akkurat zwischen den zwei Haltestellen erstreckt, nächtens bestimmt auch öfter so handhabt — der Bus aber seit Anfang Oktober ständig am Penny abgebogen und über den Umweg über Tumblinger- und Zenettistraße weiter ist. In der Gegenrichtung übrigens nicht, weil sie wieder nur die halbe Straße saniert haben. Die Längshälfte.

Um sein Viertel kennenzulernen, war’s ganz praktisch. Oder wer kennt denn das Eck ums Arbeitsamt herum, wo es ein so inniges wie sinniges Ensemble mit dem Schlachthof bildet, Weiterlesen

Wenn man dazwischen was arbeitet

Zweimal zwei freie
Tage pro Woche sind gar
nicht übertrieben.

Soundtrack: Beth Gibbons & Rustin Man: Mysteries, aus: Out Of Season, 2002:

Frankfurtreich

Es folgt mein alljährliches Geläster über die Frankfurter Buchmesse.

Longtemps je me suis couché de bonne heure.

Das französische Autobahnnetz ist so lang wie ein Satz von Marcel Proust, aber sehr viel langweiliger und obendrein gebührenpflichtig.

Catherine Meurisse, Süddeutsche Zeitung Nr. 233,
Literatur-Teil, Dienstag, 10. Oktober 2017, Seite 1.

Man fasst es ja nicht, was in einem Jahr, in dem Frankreich Gastland auf der Herbstbuchmesse ist, ein dahinsiechender Literaturbetrieb noch aus einem 104 Jahre alten Buch rausholen kann: Die 1953er Übersetzung — zum 40-jährigen Erscheinen — von Eva Rechel-Mertens, die Generationen hypersensibler Sozialphobiker zu dem gemacht hat, was sie sind, hat endlich einen Anmerkungsteil — und ist bereinigt von angeblichen Übersetzungsfehlern, weil keinem mehr klar ist, dass eine “Person” vorwiegend weiblich, aber etwas anderes als ein “Mädel” ist — dabei war Dr. Rechel-Mertens Brandenburgerin und wusste wahrscheinlich selber nicht einmal, wann es “das Mensch” heißt.

Und die 2013er Übersetzung — zum 100-jährigen Erscheinen — von Bernd-Jürgen Fischer ist in einem stark zeitversetzten Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Rechelin ebenfalls nach vier Jahren fertig und schon als Taschenbuch-Gesamtklotz lieferbar — dafür mit noch mehr Anmerkungen und einem zusätzlichen Handbuch, das — wenn schon, dann richtig — gleich den dicksten von 8 Bänden abgibt. — Ein 104-jähriges Buch wohlgemerkt, in dem es 5000 (jawoll: fünftausend) Seiten lang hauptsächlich darum geht, dass vor einem Menschenalter ein kleiner Bub mal einen Keks in Tee getunkt hat. In Lindenblütentee!

Im Direktvergleich hat Fischer den sprichwörtlich gewordenen ersten Satz “Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen” dem Buben gelassen, dafür “schloss” er jetzt die Augen, statt dass sie ihm, übrigens gleich im ersten Absatz, “zufielen”, weil das wegen fermer wörtlich richtiger sein soll, obwohl es um den Schlaf und nicht seinen großen Bruder geht. Solche Skandale häufen sich auf den folgenden 4999 Seiten.

Weil es Buchmesse heißen und deshalb immer um harte Kosten-Nutzen-Rechnungen gehen muss: Der ICE von München nach Frankfurt ist länger als ein Satz von Marcel Proust, aber seit dem Unwesen mit den Schallschutzwänden sehr viel langweiliger und praktisch nicht unter 89,90 zu haben, die anderen Versionen kosten 125,90 und brauchen länger — und zwar einfache Fahrt. Pro Sitz-, wenn nicht gar Stehplatz. Das macht zu zweit 503,60, falls Sie jemals wieder nach München wollen. Ach ja: plus vier ICE-Zuschläge, gell? — Den Rechel-Mertens-Proust gibt’s momentan ab 42,48 und in jeder — wirklich jeder — Stadtbücherei dauerhaft umsonst. Von dem haben Sie länger als sechs Stunden was, und Sie dürfen sich dazu hinlegen, ohne dass ein Großraumwaggon voller rasierwassergetränkter Rollkoffermännchen blöd herschaut.

Und Weihnachten ist auch gleich wieder, genau deswegen ist ja Buchmesse. Für mich bitte einmal die revidierte Rechel-Mertens: Suhrkamp 49,95 statt Reclam 148.

Bookporn: Bookshot, 20. September 2017:

Bonus Track: Carla Bruni: Quelqu’un m’a dit, aus: Quelqu’un m’a dit, 2002:

Wahlunrat

Fatal ist mir das Lumpenpack,
Das, um die Herzen zu rühren,
Den Patriotismus trägt zur Schau,
Mit allen seinen Geschwüren.

Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen,
Caput XXIV, 1844.

War was? Was für ein Wal? Ach so, die Waaahl. Ach, letzte Woche war das?

Was man so hört, scheint’s ja gar nicht so schlecht ausgegangen: 83 Prozent haben nicht AfD gewählt, obwohl nur 76 Prozent überhaupt irgendwas gewählt haben, das muss man auch erst mal schaffen. 83 minus 76 gleich 7: Heißt das dann bei einem Parlament von etwa 1000 Insassen, dass ungefähr 70 AfD-Angehörige des Landes verwiesen werden? Im Rausrennen sind sie ja groß.

Das wäre der Moment, öffentlich zu bitten, dass die ganzen Hackfressenbilder von mir aus jetzt bitte sofort entfernt werden dürfen, danke. Ab Montag war schon jemand schneller und konstruktiver und hat ketzereigelb über die Wahlplakate plaktiert, ob man jetzt Jesus oder den Tod wählt, fertig mit Kästchen zum Ankreuzen. Einer unrepräsentativen Zählung nach liegt die Wahlbeteiligung derer, die mit dem Edding den Tod wählen, weit über 76 Prozent. Die Schnittmenge zur AfD hätte mich interessiert — irgendwas unter null oder über 100 wahrscheinlich.

Und die ganzen Hackfressen dürfen von mir aus jetzt bitte endlich sofort weg, danke.

Soundtrack: Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, 1787, in kleiner Besetzung: Streichquartett in St. Ottilie, Möschenfeld, Karfreitag 1985:

Hauptsache Miez

Die Nachkommen von Ernest Hemingways Lieblingskater Snowball heißen Hemingway-Katzen. Snowball trug an den Vorderpfoten je 6 statt normalerweise 5 Zehen; ob er hinten 5 statt normalerweise 4 trug, ist nicht überliefert. Heute wird im Andenken an Snowball der Begriff Hemingway-Katze für alle polydaktylen Katzen benutzt. Polydaktylie vererbt sich autosomal-dominant, manifestiert sich also nicht bei allen Genträgern, die Merkmalsträger sind nicht gesundheitlich beeinträchtigt: Menschliche Zwölfender leben — bis auf eine gewisse Abneigung gegen das Tragen von Flip-Flops — vergnügt unter uns, bei Katzen sehen die extrabreiten Pfoten sogar ausgesprochen putzig aus.

Hemingway bekam Snowball 1935 auf seinem Alterssitz in Kuba geschenkt. Katzen waren in Hemingways Weltbild so ziemlich die einzigen Lebewesen, die sich weder zum Abschießen noch zum Flachlegen eigneten. Vielmehr versammelte er diese perfekt durchgestalteten, liebenswertesten Tiere aus Gottes Portfolio um sich — “One cat just leads to another” — und versorgte etwa 35 davon. Die kannte er mit Namen und Stammbaum auseinander und ließ sie bei sich zu Tische speisen. Begeisterter Snowball.

Im weiteren Verlauf zeugte Snowball 60 Nachkommen, etwa 30 davon mit einer Zehe pro Pfote zuviel, manche auch nur an den Vorderpfoten, das macht bis zu 22 Zehen pro Katze. Nach Hemingways Selbstmord wurden alle überlebenden Katzen ins heutige Ernest Hemingway Home and Museum in Key West, Florida überführt.

2003 war die Katzenpopulation im Hemingway-Museum, einem Bau im spanischen Kolonialstil mit halbverwildertem Grundstück über ein Hektar, optimales Mausgebiet, auf etwa 50 angewachsen. Dann kam das United States Department of Agriculture dahinter, dass Katzen dort nicht leben dürfen. Nicht in dieser Ballung, nicht ohne Zoolizenz, nicht ohne Zaun drumrum.

Nach fünf Jahren harten Verhandlungen zwischen Museum und USDA hat man sich endlich darauf geeinigt, dass die Katzen, zumal sie allesamt wohlgenährt, gesund und zufrieden wirkten, nicht nur hier wohnen bleiben dürfen, sondern auch ein Taschengeld von 200 Dollar erhalten — pro Tag und pro Katze.

Haben Sie mitgerechnet? Das sind zehntausend Dollar täglich. Kann man gerne mitnehmen, statt obdachlos oder eingesperrt zu werden. Die Katzen stehen nicht zum Verkauf.

Aktuell verlautet über die inzwischen 54 Katzen, die es heutzutage gern schon mal auf sieben Vorderzehen bringen (also 26 insgesamt), über Martha Ross: Ernest Hemingway’s Key West home, cats safe after making it through Hurricane Irma, 8. September 2017:

UPDATE SUNDAY 5 p.m. PST: Ernest Hemingway’s historic home on Key West, its employees and its famous 54 cats are all safe after Hurricane Irma passed through the Florida Keys early Sunday morning, the home’s executive director told MSNBC.

Man muss sich im hiesigen Leben sehr, sehr gut benehmen, um im nächsten eventuell Katze zu werden.

Sonst schafft die das

Martin Schulz, schon mal gehört in letzter Zeit, der war mal in der Zeitung, wer die noch liest. Martin Schulz hat keinen demütigenden zweiten Vornamen, dafür mal Buchhändler gelernt. Bis 1980 hat er gesoffen, danach einen Buchladen aufgemacht, den es noch gibt, Kaiserstraße 78. Die neue Chefin konnte das Logo beibehalten, weil sie die gleichen Initialen hat wie der alte Chef. Heute hat die Buchhandlung Schillings M. eine Google-Bewertung von 4,7 auf der Grundlage von 7 Einzelbewertungen, darunter “Die freundlichste Buchhandlung in Würselen” von Volker Göbbels, sehr aktuell von Anfang 2017 (übrigens hat Würselen zwei Buchhandlungen). Martin Schulz hat seit 3. Juli 2003 einen eigenen Wikipedia-Artikel, der immer noch nicht wegen Irrelevanz gelöscht wurde.

Und das Beste: Martin Schulz ist nicht identisch mit Angela Merkel, die Dorothea heißt und bis jetzt noch überhaupt nix aufgemacht hat außer ab und zu ihrer Klappe oder einer Packung Suppenwürfel.

Um nicht selber daran mitschuldig zu werden, dass ab dem Tag der Wiesn-Halbzeit zum ersten Mal seit 1945 die Nazis ins deutsche Parlament einziehen, kann jeder Wahlberechtigte Briefwahl beantragen, das geht heute per Fingerwisch wie’s Tindern. Ich sag’s bloß.

Soundtrack: Element of Crime: Michaela sagt, aus: Psycho, 1999:

Die Königin der Nacht (eulen)

Der Mensch ist doch wie ein Nachtgänger, ersteigt die gefährlichsten Kanten im Schlafe.
Johann Wolfgang von Goethe

 

Heiße Sommernächte bringen einen um den Schlaf.
Also bleibt man lieber gleich wach.
 

Gestern um Mitternacht blühte C.s Epiphyllum. Ich also mehrmals die Treppen in den 4. Stock hoch und zurück und wieder hoch mit dem Equipment. Die erste Blüte vor zwei Tagen fotografierte ich mit abgedimmtem Blitz. Gefiel mir nicht so, wirkte wie Plastik. Die von gestern Nacht aber hey duftig mit indirektem Licht und mehr von hinten. Und mit C.s Hilfe bei den Ausleucht-Tests:

Wir prüfen die Position, wie die Beleuchtung am besten kommt.

C. hilft beim Ausleuchten. Uhrzeit 0:30.

Die Königin der Nacht - nachts um eins, Treppenhaus 4. Stock

Ort: Treppenhaus 4. Stock. Uhrzeit 0:45. Name der Schönen: Königin der Nacht, Epiphyllum. Herkunft: Montenegro

 

Nachteulen wie der Kater wissen: Es lohnt sich, wach zu bleiben.

 

Ältere Beiträge

© 2018 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑