Und — was war? — Wieso, war was? — Ach so, Weihnachten.

Früher, liebe Kinder, als die Menschen sich noch auf Weihnachten freuten, statt es als Endspurt einer Etappe von etwas Ungeliebtem zu betrachten, früher, da bekamen die Menschen um Weihnachten herum — man wusste nie ganz genau, wann — Besuch von der autoexec.bat und der config.sys.

Natürlich waren die beiden das ganze Jahr über da und wirkten und woben im Verborgenen, wie das Christkind auch, nur eben um Weihnachten herum machten sie sich den Menschen bemerkbar und erschreckten die Kinder, die keinen Plan davon hatten, wie sie sich auf der MS-DOS-Ebene zu verhalten haben. Heute treten autoexec.bat und config.sys nicht mal mehr so häufig auf wie der Krampus, die Kinder erschreckt heute die svchost.exe.

Jedenfalls erzählen einem das die Schoßkinder des Glücks, die noch in die Registry eingreifen können. Ich muss leider derweil in der Küche den Weihnachtswichtel machen und Grünkohl kochen — auch so ein Relikt aus den Tagen der Christtagsfreude.

Mit Verlaub, mir ist das zu körperlich. Man sieht es so einem Grünkohl nicht an, wenn er einem Christbaum nicht unähnlich ins Haus kommt, was er einem antun kann, bis er in einem Kochtopf Platz genommen hat. Setzen Sie gerne an dieser Stelle Ihre Lieblingsglosse über „die Tücke des Objekts“ ein und tauschen Sie dabei „Liegestuhl“ mit „Grünkohl“ aus, Tatsache bleibt: Wer so ein Ungetüm bis zur Verzehrfertigkeit bändigen will, kann auch das zugehörige Wildtier einfangen, mit bloßen Händen erwürgen, ihm das Fell abziehen und aus seinen Reißzähnen und Sehnen eine Halskettte basteln.

Man kann auch mit echter Holzkohle zeichnen, auf einer hundert Jahre alten Zither „Stille Nacht“ zupfen, Geschlechtsverkehr „mit Dritten“ ausüben oder auf einem 286er ein typographisch gestaltetes Gedicht ausdrucken: Es wird schon irgendwie gehen und ist vermutlich schon mal jemandem gelungen, aber man darf sich halt nicht wundern. Man hantiert mit archaischen Materialien, die Widerstand leisten und überzeugt, wenn nicht gar bezwungen werden müssen, an denen man sich dreckig machen und weh tun kann. Nix da wischiwischitipptadaa, nix für Weicheier. Wer Weihnachten Grünkohl haben will, kann auch gleich vögeln und soll froh sein, wenn er nicht seinerseits von seinem selbst gewählten Gegner gefressen wird.

Mehr haben wir heuer nicht gelernt? — Doch, zwei Sachen noch: Die Don-Giovanni-Aufnahme, die wirklich zählt, wäre zum Horchen schon immer die unter Carlo Maria Giulini 1959 und zum Angucken die unter Wilhlem Furtwängler in Salzburg 1954 gewesen, und: Bei antiquarischen Büchern soll man nicht sparen.

In diesem Sinne: Gesegnete Feiertage.