Dem glänzt noch das Abendrot, der am Morgen wollt’ verzagen

Man konnte es seit über 17 Jahren ahnen und hat es seit etwas weniger befürchtet: Irgendwann müssen wir Moritz, den besten Miez der Welt und den Sonnenschein unserer Tage, begraben. Das Loch dafür auszuheben war vermutlich die schwerste Arbeit, die ich je verrichten musste — nicht so sehr wegen des widerspenstigen Lehmbodens unter der Hecke meiner Schwiegermutter, eher wegen der Aussicht, dass, wenn ich damit fertig bin, nichts Schönes und nichts Sinnhaltiges in der Welt übrigbleibt.

Von solchen Aussichten werden ganz die freudigen verstellt: In den frühen Morgenstunden des 1. Mai ist die Tochter des Hauses nach bewegter Walpurgisnacht zusätzlich zu ihren Titeln als Doktor und Professor auch noch Mutter geworden. Wie die Doktorarbeit und Habilitationsschrift heißen, hab ich vergessen, aber der Bub heißt Daniel.

Damit wäre nicht nur geregelt, wer mal unsere Wohnung, die wir einst um drei Katzen herumgekauft haben und die immer noch nicht abgezahlt ist, und — zum Beispiel — meine Bibliothek, die niemals vollständig sein wird, erbt, sondern sogar, an wen die ihrerseits sie weitervererben werden. Mithin lässt sich ab sofort absehen, wann die Wohnung von den Überlebenden als Schutthaufen in der falschen Gegend und die Bibliothek als ein paar Zentner Altpapier angesehen werden. Kreise schließen sich nicht, wenn sie Abwärtsspiralen sind.

Und was unternimmt Stiefopa? Spart seit 1985 auf nichts Bedeutenderes als die große durchkommentierte Ausgabe “Phantasus” von Ludwig Tieck, die für 102 Euro im Deutschen Klassiker Verlag, 1-, 2- und 5-centweise in drei Kaffeetassen, als ob er damit den Wohnwert steigern könnte. Vroni meint: “Na, wenn’s texten hilft.”

Erwachsensein ist kein Gewinn; Erwachsensein heißt dreißig Jahre lang auf ein Buch zu sparen und dann nach einer Entscheidung von drei Sekunden den Betrag knapp zu verdoppeln, um davon seinen besten Freund einschläfern zu lassen. Wahrscheinlich hatte Moritz auch damit recht, vor seinem Achtzehnten abzutreten — was allerdings nicht mehr für die neue Hoffnung namens Daniel gelten kann, der gar nicht mehr zu vermitteln sein wird, wer oder was mal ein “Ludwig Tieck” war.

Moritz hätte gesagt: “Ihr Dosenöffner habt manchmal echt nicht alle Haare an der Schnurrn.”

Soundtrack: Reinhard Mey: Menschenjunges aus: Menschenjunges, 1977.

Moritz war ein Mädchen

Nicht erfaßt der bleiche Tod,
Die im Herzen Liebe tragen;
Dem glänzt noch das Abendrot,
Der am Morgen wollt’ verzagen.
Bald kann dir die Stunde schlagen,
Die entreißt dich aller Not;
Zu vollbringen magst du wagen,
Was die ew’ge Macht gebot.

Kater Murr, 1821.

Wir trauern um Moritz (* Juli 1997 in Königstein; † 17. Mai 2015 in Haar bei München).

Wir wissen nicht viel über ihn, er alles über uns. Äußerlich war er eine “kluge, wohlunterrichtete, philosophische, dichterische” (Hoffmann, a.a.O.) Katze, und selbst da haben wir ihn 1997 vom Sterilisieren zurückbekommen, als wir ihn zum Kastrieren gegeben haben. In Wirklichkeit war er am wahrscheinlichsten ein Engel, der jetzt zu einem anderen Einsatz zurückberufen wurde. Auf alle Fälle waren die Jahre mit ihm ein Geschenk.

Natürlich ist ein Leben ohne Katzen “möglich, aber sinnlos” (Loriot über Möpse). Dass alles Leben sinnlos ist, liegt auf der Hand, bis jetzt ist aber nicht raus, ob eins ohne Moritz möglich ist. Er hat uns viel hinterlassen, nur keine eindeutigen Instruktionen dafür. Immerhin müssen wir uns nicht vorwerfen, wir hätten zu wenig für ihn getan, es war nämlich alles — und eben am Ende doch nicht genug. Wenn artgerechte Haltung bedeutet, dass ein Tier freiwillig bleibt und zurückkommt, sind wir Moritz gerecht gerecht geworden. Man kann zuversichtlich annehmen, dass er uns gemocht hat.

Am schlimmsten war es, ihm nicht mehr gerecht zu werden, egal was wir noch tun konnten; drei Krankheiten gleichzeitig hat er noch geschafft, nur nicht mehr die bösartige Sau von lymphatischem Tumor an der Wirbelsäule, die sich feige hinter den dreien versteckt hielt. Moritz hat alles verdient, aber das bestimmt nicht. Niemand auf der Welt, und am wenigsten der. Nicht der, nicht Moritz, der beste Miez von allen.

Er war so gern auf der Welt, das Vorbild für ein selbstverständliches, lebenstüchtiges, freudiges Da-Sein. Er war so stark.

In der Nacht vom [17. bis zum 18. Mai] d.J. entschlief, um zu einem beßern Dasein zu erwachen, [unser] theurer geliebter Zögling [die Katze Moritz] im [siebzehnten] Jahre [ihres] hoffnungsvollen Lebens. Wer den verewigten Jüngling kannte, wer ihn wandeln sah auf der Bahn der Tugend und des Rechts, mißt [unseren] Schmerz und ehrt ihn durch Schweigen. München d. 17. Mai 2015 – Vroni & Wolf

E.T.A. Hoffmann: Lithographierte Traueranzeige an seine Freunde, 1821.

Er spukt noch. Wir passen auf, ihm nirgends auf den Zapfenschwanz zu treten. Wenn man lange genug nicht hingeschaut hat, fehlt in seinen weiterhin frisch gefüllten Futternäpfen sein Tagesquantum, in den Wassernäpfen schnapsglasgenau mehr, als in der gleichen Zeitspanne verdunsten könnte. Über Nacht bleibt das Fenster zur Straße offen, damit seine zarte Seele, die bestimmt durch keine Glasscheibe kann, zu seinen Mauszeiten raus und rein kommt. Wenn man am wenigsten dran denkt, das Geräusch, wie er vom Fensterbrett auf den Boden ploppt; Pfotentapser; wie sein Halsglöckchen mit dem Adressanhänger beim Kontrollgang an die Näpfe klingelt; Krallenkratzen am Bett — und hops. Und dann seine Schnurrstimme wie aus dem Inneren des eigenen Kopfes:

“Na? Kommt ihr zurecht?”

“Moritz? Bist du das?”

“Nein, hier spricht die Telefonseelsorge, du Wunderkind. Klar bin ich’s. Wie geht’s euch ohne mich?”

“Willst du gar nicht wissen.”

“Ich weiß es trotzdem.”

“Du hast es immer gewusst.”

“Ihr seid leicht durchschaubar. Und jetzt müsst ihr tapfer sein, mein Großer.”

“Aufrecht gehen können wir ja.”

“Ja, das beruhigt mich. Und ihr müsst jetzt existieren.”

“Sonst nichts?”

“Das wird euch schwer genug fallen. Aber mehr ist da nicht. Und es ist schon das Wichtigste.”

“Existieren als Tätigkeit?”

“Genau. Oder was hab ich euch die letzten siebzehndreiviertel Jahre beigebracht und vorgelebt?”

“Wie man die Schnurrhaare immer fein sauber und genau in der Mitte zusammenhält.”

“So gefällst du mir. Und hört auf zu flennen, alle zwei. Es ist ja nicht mitanzusehen. So kann ich euch nicht allein lassen.”

“Mörchen, mein Mörchen. Du fehlst.”

“Tu ich doch gar nicht. Ich bin da, solang ihr mich braucht und lasst. Oder hab ich mich tot angefühlt in dem Karton, in dem ihr mich begraben habt?”

“Von wegen. Dein Fell hat geglänzt. Wie immer, wenn du geschlafen hast.”

“Das muss ich jetzt auch. Der Krebs schlaucht, sag ich euch.”

“Du hattest den schönsten Pelz der Welt, hab ich dir das mal gesagt?”

“Jeden Tag seit 1997. So viele Komplimente wie mir machst du mal besser deiner Frau, ihr braucht euch jetzt.”

“Als ob wir’s nicht wüssten …”

“Ihr wisst alles Wichtige. Jetzt lebt.”

“Machen wir. Sonst hätten wir nichts von dir gelernt. Nasenstüber, Moritz.”

“Nasenstüber, Wölfchen. Gute Nacht, ihr zwei.”

“Gute Nacht, Moritz.”

Moritz, 6. Mai 2015

Soundtrack, weil Besitz, Abspielung und Kenntnis von Johnny Cash: I Corinthians 15:55 aus American VI: Ain’t No Grave, 2010 praktisch untersagt sind:
Alela Diane: The Rifle aus: The Pirate’s Gospel, 2008
und weil’s so schön war, noch die beste Live-Version von Flogging Molly:
If I Ever Leave This World Alive, aus: Drunken Lullabies, 2002.

Bilder: Vroni, 6. Mai 2015;
E.T.A. Hoffmann via Kater Paul, 18. Januar 2011.

Krank is ned Gsund

Wenn du nicht reparieren kannst, was kaputt ist, wirst du verrückt. Hoffnung ist ein Fehler.

Furiosa in: Mad Max: Fury Road, 2015.

Das bayerisch-bairische Volksgut kennt ein ganz und gar durchtriebenes Gstanzl, das geht:

Oans, zwoa, drei,
Oid is ned Nei,
Nei is ned Oid
und Warm is ned Koid,
Koid is ned Warm
und Reich is ned Arm,
Arm is ned Reich —
und olle san ned gleich.

Oans, zwoa, drei,
Boid is ned Glei,
Glei is ned Boid
und Jung is ned Oid,
Oid is ned Jung
und Gscheit is ned Dumm,
Dumm is net Gscheit —
aber des huift ned weit.

Das geht über das übliche, spontan produzierbare Gstanzl hinaus, erweitert aber erkennbar dessen Form und bleibt außerdem ohne echten B-Teil hinter einem voll ausgebildeten Tanzlied zurück. Erst Haindling haben durch ein Instrumental die Gstanzl-Form überwunden, aber das war 1993 und will erst noch Volksgut werden.

Mein innerer Lyriker war immer begeistert, dass so eine abwechselnd semantische und phonetische Engführung — einmal als Antonym, danach versübergreifend als Reimentsprechung — überhaupt auf gleich zwei Wegen funktioniert, die in ein loses, dafür pointiertes Ende hinauslaufen und dabei einer Walzermelodie gehorchen. Nur wer will, kann eine Moral entnehmen, wer kann, hört ein Lachen unter Tränen heraus. Das sind immer die besten Lieder.

Die zweite Strophe nimmt ihre Abzweigung bei allererster Gelegenheit im zweiten Vers — um den Preis, dass “Oid” ein zweites Mal verwendet werden muss, als semantische Variante zu einem anderen Gegensatz: “Jung” statt “Nei”.

Man kann das überstrapaziert heißen, man kann auch daraus lernen: Wörter haben verschiedene Antonyme: Gesund ist nicht Krank — und Krank einfach noch nicht Tot. Ist Krank dann das Gegenteil von Gesund oder von Tot, und vor allem: Gesund von Tot oder von Krank?

Wie weit beeinflusst Sprache die äußere Wirklichkeit oder funktioniert das ausschließlich umgekehrt? Gerade in der Auswahl Gesund, Krank oder Tot gewinnen solche Fragen ein scheußlich virulentes Interesse. Vor allem wenn man seiner besten, flauschigsten, klügsten, liebsten und knapp volljährigen Katze dabei zuschaut, wie sie kaum mehr die Kraft aufbringt, einem im Bett auf den Bauch zu klimmen. Gesund sieht anders aus — “aber des huift ned weit”.

Soundtrack: Übertreiben muss es mal wieder die Biermösl Blosn.

Carpe Mörchen

Es ist klar, wie in dieser Familie die Hierarchien verteilt sind: Ich hab Geburtstag, und Moritz — zugegeben die allerbeste Katze auf der Welt — kriegt was geschenkt.

“Ein Katzengeschirr”, schnuppert Moritz. “Das Pepitamuster kleidet mich bestimmt vortrefflich zu meinen Streifen.”

“Kein Zweifel, mein Mörchen. Hast du das überhaupt verdient?”

“Verdient? Wölfchen, ich bin Katze.”

“Ich vergaß. Überhaupt vergisst sich das so leicht. Aber du hast es doch sonst nicht so mit weiteren Ausflügen.”

“Wölfchen? Hast du schon mal die Berge gesehen?”

“Schon länger her.”

“Aber du hast. Und hast du sie gesehen, bevor du siebzehndreiviertel Jahre alt warst?”

“Ja, schon …”

“Siehst du. Und ich bin umgerechnet nicht siebzehndreiviertel, sondern Mitte achtzig.”

“Moritz, mein Moritz, rede nicht solche Sachen. Du bist jung und willst Spaß.”

“Ja, das auch. Deswegen hab ich mir das Katzengeschirr von dir gewünscht: damit wir mal rauskommen. Ich auf einem Berghang, neuen Mäusesorten hinterherspürend, frische gesunde Gräser anknabbernd, einen Galopp über die hohe bunte Wiese wagend, gern auch an deiner fachkundigen Leine, auf das Rundherum der Bergesgipfel hinaufstaunend, einen Zipfel Bauernwurscht abstaubend — sag selber, das freut dich doch nicht weniger als mich.”

“Ich sag ja nix anderes. Aber warum fangen wir erst jetzt damit an?”

“Warum? Warum kommt ihr Senkrechtläufer erst als Rentner drauf, dass ihr euren Motorradführerschein machen könntet? Warum träumt ihr von einer Kreuzfahrt, bis eure Grundsicherung nicht mal mehr eine Monatskarte hergibt? Warum verschiebt ihr eure Harzwanderung, bis ihr vor Knie- und Bandscheibenschäden nicht mehr die Treppe raufkommt? Warum sagt ihr euren Liebsten, dass sie eure Liebsten sind, wenn sie auf und davon oder am besten schon gestorben sind? Warum kosten eure Grabsteine mehr als eine ganze Jahresration ordentliches Essen? — Weil ihr die plötzlich bezahlt!”

“Jaja, auf einmal geht’s. Ist gut, ich hab verstanden.”

“Und ich musste achtzig werden, zweieinhalb Arten Krebs, einen Nierenschaden, Hämobartonellen und Diabetes entwickeln und die Bahn muss streiken, bis du endlich Anstalten triffst, mir noch in diesem Leben die Berge zu zeigen. Und sechs von meinen sieben Leben sind schon weg.”

“Die Zeit rast …”

“Nicht wahr? Ich werf dir ja gar nix vor. Ihr seid vielseitig interessierte Leute und ich ein vielseitig interessierter Miez. Es war immer schön bei euch. Ihr habt mir das Futter gebracht, das ich bestellt hab, ihr kommt schmusen oder lasst mich in Ruhe, wenn es Zeit dafür ist. Ich hab lauter gute Filme mit euch angeschaut, ich hab viel dreckiges Wasser aus abgestandenen Pfützen gesoffen, ich konnte euch oft eine Freude bereiten, indem ich Mäuse bringe, ich hab viele Laserpointer und Schnürsenkel gejagt, ich hab meine Straße bei Nacht und bei Regen erforscht und für meine werte Heimkehr anständig Tunfisch inhaliert, ich hab mir überall genug Schlafplätze erobert und Beobachtungsposten eingerichtet. Ich bin die Katze und ihr habt mich so flauschig sein lassen, wie ich will. Das war schon okay.”

“Hör auf, in der Vergangenheit von dir zu reden, Mörchen. Und jetzt noch die Berge.”

“Eben drum. Das müsstest gerade du am besten verstehen.”

“Sicher. Wir können noch viel zusammen machen.”

“Das wollen wir, mein Wölfchen.”

“Und seit wann sagst du überhaupt Wölfchen zu mir?”

“Seit ich Mitte achtzig bin und Spaß will. Komm mal her.”

Damit baut er sich ein Bett aus mir, bohrt mir anteilnehmend mit dem Kopf im Gesicht herum und schläft ein. Wie tief er atmet.

Fachliteratur: F.K. Waechter: Wir können noch viel zusammen machen,
Diogenes 1978/2006;
Soundtrack: Flogging Molly: If I Ever Leave This World Alive,
aus: Drunken Lullabies, 2002.

Nächster Halt Völuspa

Man nennt mich einen Narren. Wird Gott, wenn er mich einst zu sich ruft, mich ebenso nennen?

Ludwig römisch Zwo

Auf den Spuren König Ludwig II.

Welche Bauten ließ Märchenprinz König Ludwig II. errichten? Wo hielt er sich in München am liebsten auf? Und wo findet man auch heute noch Denkmäler, die an den Regenten erinnern? Auf der Tour König Ludwig II. in München entdecken geht es kreuz und quer durch die Isarmetropole. Vom Hofgarten, wo der kleine Ludwig spielte, führt die Tour bis zu seiner letzten Ruhestätte in St. Michael. Dazwischen liegen Museen, Schlösser, Parkanlagen, Friedhöfe und Denkmäler — Orte in München, die auch heute noch im Glanz des Monarchen erstrahlen. Alles was man dafür braucht ist ein gültiges MVG Ticket. Wann es wohin geht, entscheidet jeder selbst.

König-Ludwig-Denkmal Bogenhausen, Maximiliansanlagen… und wann er wo welches Satzzeichen unterbringt, offenbar auch, o liberalitas Bavarica. Die MVG, die sich ansonsten eher bitten lässt, einen überhaupt irgendwo hinzutragen, gestaltet gelegentlich sogar Stadttouren, die man mit Hilfe seiner selbst bewältigen kann. Unter seinen MVG Freizeittipps schlägt er einen neuen König-Ludwig-Weg vor, der sich allein deswegen nicht durchsetzen wird, weil man ihn nicht hintereinander weg abklappern kann. Im zugehörigen Folder, der gerne zurzeit mal gratis ausliegt, kann man die notorischen Ludwigsorte so trickreich verbinden, wie man will, es ergibt weder eine Linie noch einen Rundkurs. Macht aber nix, ist ja für Leute aus dem MVG-Bereich, die können öfter los.

Was die Tour verschweigt: In München gibt es aktuell gerade mal zwei Denkmäler für König Ludwig II., den Märchenkönig, den Kini, den erfolgreichsten Touristenakquisiteur für Gesamtbayern noch vor seinem Namensvetter Ganghofer. Eins steht auf dem schon länger eingeführten König-Ludwig-Weg über der Isar (Blick verbaut) zwischen Bogenhausen und den Maximiliansanlagen, vom anderen ist nur noch der Kopf übrig, aber sie arbeiten schon wieder dran.

Was einem angesichts des Tourenfolders erst richtig auffällt: Die Schönheitengalerie von König Ludwig Römisch Eins, erst unlängst an dieser Stelle angenehm aufgefallen, verstand unter Schönheit noch die Schönheit von Frauen. Die Schönheitengalerie von seinem fraglichen Enkel Römisch Zwei, ebenfalls in Schloss Nymphenburg im Marstallmuseum nebendran, versteht darunter die Schönheit seiner eigenen Lieblingspferde.

Besonders gruselig daran: Der märchenkönigliche Leibapfelschimmel hieß Völuspa. Das bedeutet: Weissagung der Seherin. Der Prachtgaul wurde vom beauftragten Maler Friedrich Wilhelm Pfeiffer am Würmsee, heute: Starnberger See in der Nähe von Schloss Berg dargestellt. Das ist dort, wo Ludwig II. am Pfingstsonntag 1886 erschossen wurde, aber nix Genaues weiß man nie.

Der Vorteil ist: Wenn man nur die Münchner Ludwig-II.-Denkmäler mitnehmen will, hat man eine schön thematisch vollständige Stadtbesichtigung unternommen, zu der man sich mit dem MVG ziemlich eindeutig von A nach B auf den Weg machen kann. Oder andersrum.

Willhalm Veronika, Ein Denkmal für König Ludwig II., Stadtportal München 2009

Buidln: Selbergemacht, März 2014;
Willhalm Veronika: Ein Denkmal für König Ludwig II., 2009.
Soundtrack: Bally Prell: Isarmärchen, ca. 1953.