In et ex cathedra

Irgendwie, solange wir keine Katzenbilder anfertigen oder über Restmünchen ablästern (was sich trefflich verbinden lässt), sind wir ja auch eine Agentur. Und müssen deshalb “was zum Oktoberfest” machen.

Das beste, was man zum Oktoberfest machen kann, ist: ganz weit wegrennen.

Freising ist gut. Der Freisinger Dom steht von unserer Haustür aus ziemlich genau 42,195 Kilometer weit entfernt, einmal die Marathonstrecke, noch weiter sollte niemand wegrennen müssen. Und den sieht man immer von der S1 aus. Warum waren wir da noch nie?

In unserer grenzenlosen Gnade, Rücksichtnahme und User-Freundlichkeit ersparen wir Ihnen die 42,195 Kilometer, in denen man sowieso nur einfach an der Isar entlanglatschen muss. Isar, das ist hundert Meter von unserer Haustür weg, einmal Sprintstrecke. Und mit Freising und dem Dom ist das auch wieder nicht anders. Okay, der Dom liegt höher. Muss er ganz schön schnaufen jeden Früh, der Bischof.

Der Dom macht aber wirklich was her, alles was recht ist. Sieht man dem Bunker von außen gar nicht an, dem Klotz aus rohweißem Waschbeton. Aber wenn man erst mal durch das Portal aus Adneter Marmor durchkommt, ist es wie in “Spiel mir das Lied vom Tod”, wo die Kneipe in der Wüste innen größer ist als außen. Ebenen, Seitenschiffe, Treppen, Sichtachsen, der volle Fuchsbau. Da drin wurden inzwischen, angefangen mit dem Frühmittelalter, sieben Architekturepochen verbaut, und schauen wir mal, was im Lauf der Jahrhunderte noch kommt. Mir war ja gar nicht klar, dass es so viele Epochen gibt. Ganz im Ernst: Da bekreuzigt sich sogar jeder ausgetretene Heide.

Ad vocem Austreten: Das architektonische Highlight des Dom St. Maria und St. Korbinian zu Freising ist unzweifelhaft das Klo. Nicht weil es in so tollen hochstrebenden gotischen Bögen erbaut wäre, bewahre. Da drin streben auch bloß die Wasserrohre in die Höhe, wie man’s kennt. Es ist mehr der stille Ort, an dem es erbaut wurde — wieder, wie man’s aus der Architektur kennt: Lage, Lage, Lage.

Das Klo zweigt nämlich einfach so von einem Seitengang ab, unversperrt und sogar geputzt. Da bekommt das Wort “Seitenschiff” einen ganz neuen Geruch, wenn sich dem Bischof seine Predigt mal wieder recht hinzieht. Jetzt hab ich vor lauter Andacht ganz vergessen, im Kirchenführer nachuzuschlagen, ob die Spülung mit Weihwasser geht.

Im anderen Seitenschiff: eine Apollonia. Die mag ich, die lacht so ansteckend. Und als Paraphernalien eine Beißzange und die Märtyererpalme, die wie eine Schreibfeder aussieht. Könnte demnach fast eine Vroni sein. Ist aber die Schutzpatronin der Zahnärzte.

Was ich sag: Eigentlich alles nicht viel anders als daheim. Für die 42,195 Kilometer zurück hab ich dann doch lieber die S1 genommen.

Apollonia im Freisinger Dom

Apollonia von Alexandria: Selber gemacht. Fotografiert, mein ich, nicht geschnitzt. Das Bild wurde mit Hilfe veralteter Technik zu privaten Zwecken aufgenommen: seine Qualität entspricht daher weder in technischer noch ästhetischer Hinsicht den Auffassungen des Unternehmens the missing link.