Ludwig Tieck is coming home

Vorher: Aus dem Antiquariat Stefan Küpper, Duisburg. Wölfchen-Anhänger aus Thoddys Wolf-Kinderclub, ca. 1999:

Briefkasten

Nachher: Ludwig Tieck: Frühe Erzählungen und Romane, Winkler-Verlag München, 1963: Franz Sternbalds Wanderungen, Waldlied, 1798:

Ludwig Tieck, Franz Sternbald, Doppelseite

     Waldnacht! Jagdlust!
Leis und ferner
Klingen Hörner,
Hebt sich, jauchzt die freie Brust!
Töne, töne nieder zum Tal,
Freun sich, freun sich allzumal
Baum und Strauch beim muntern Schall.

     Kling nur Bergquell!
Efeuranken
Dich umschwanken,
Riesle durch die Klüfte schnell!
Fliehet, flieht das Leben so fort,
Wandelt hier, dann ist es dort –
Hallt, zerschmilzt, ein luftig Wort.

     Waldnacht! Jagdlust!
Daß die Liebe
Bei uns bliebe,
Wohnen blieb’ in treuer Brust!
Wandelt, wandelt sich allzumal,
Fliehet gleich dem Hörnerschall: –
Einsam, einsam grünes Tal.

     Kling nur Bergquell!
Ach betrogen –
Wasserwogen
Rauschen abwärts nicht so schnell!
Liebe, Leben, sie eilen hin,
Keins von beiden trägt Gewinn: –
Ach, daß ich geboren bin!

Der moderne Hofnarr

 

Die moderne Jobwelt ist alternativlos:

Ermüdende Sandwich-Positionen für das strebsame Akademikervolk.
Null Erbauung.
Immerwährender Stress.
Mäßige Bezahlung.

Sie wissen schon: diese pseudo-Managertitel für die Daueroptimierer-Sandwiches der mittleren Ebene. Um die tragen zu dürfen, gibt es gnadenlos blaue Flecken von oben und von unten. Daher der Begriff Sandwich, mittendrin. Aber man muss nehmen, was man kriegen kann.

Eine Hotelcheffin aus Österreich weiß die Sehnsucht nach ganzheitlicher Berufung, in der man ganz man selbst sein darf, für ihr Hotel zu nutzen:

Sie vergibt jetzt den Job eines Hofnarren für ihr feudales Hotel. Und lässt den EulenSPIEGEL Online berichten.

Ihre Jobbeschreibung (so sagt jedenfalls die Hoteldame):

Den Gästen Fragen beantworten.

Sie auf das einstimmen, was sie erwartet.

Über das Angebot informieren (wann die Palatschinkenstunde anfängt)

Orientierungslosen Gästen das Gelände erklären.

Die Gäste leiten.

Aha.

Weiß sie denn nicht, dass die echten Hofnarren ganz andere Sachen gemacht haben: dem König und seinem Hofstaat Kritik an den bestehenden Verhältnissen auf philsosophische oder närrisch-künstlerische Art darzubieten.

Dass sich bereits ein Manager närrischerweise auf diesen Job, der nicht nur Unemüdlichkeit und kaum Freizeit anbietet plus mit kläglichen 1.400,00 EUR brutto dotiert^^ ist, meldete, ist ein Hinweis darauf, dass darüber, was ein Hofnarr wirklich ist, zarte Missverständnise herrschen.

Hofnarr Prangerl

Prangerl am Karlstor, München (Bildquelle: Wikipedia Commons http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMuenchen_Karlstor_Hofnarr_03062009.JPG)

Der letzte bairische Hofnarr Hofnarr Prangerl http://bar.wikipedia.org/wiki/Hofnarr_Prangerl wusste noch darum, was ein Hofnarr an kulturellen Kompetenzen haben muss. Eine seiner höfischen “Missetaten” war, sich bei einem Konzert als den extra eingeladenen französischen Geigenkünstler auszugeben und keiner hats gemerkt. Erst am Schluss lüftete er seine Identität. Er konnte Geige. Anscheinend anständig genug, dass es nicht aufflog.

Ich glaube, da müssen Manager noch nachlegen.

Sonst wird es nix mit dem Job. Und es muss ein extra Hofnarren-Hartz-4 geschaffen werden (fordern und fördern), damit sie nicht in der faulen sozialen Hängematte herumdämmern, und sie wieder in vernünftige kulturelle Kontexte eingegliedert werden können.

Und ja, natürlich weiß der geneigte Leser, dass es lediglich um mehr oder weniger gekonnte Hotel-PR auf http://www.spiegel.de/reise/europa/hofnarr-gesucht-ungewoehnliche-stellenanzeige-eines-hotels-a-906080.html des SPIEGELs ging.

“Die Direktorin selbst hält die Position für die wichtigste ihres Hauses.”

Ein Narr, wer Arges dabei denkt wer glaubt, dass sich Unverständnis über das echte Narrentum zumindest mit Verständnis über wertschätzende Bezahlung ausgleichen muss. It won’t.

Kein Ding draus

1.: Die Realität:

Die Chefin: “Wolf?”

Der Chef: “O je …”

Die Chefin: “Bist du beschäftigt?”

Der Chef: “Und wenn nicht, dann bin ich’s jetzt?”

Die Chefin: “Najaa …”

Der Chef: “Schwer beschäftigt!”

Die Chefin: “Deine YouTübchen haben einen Pause-Button. Brot ist alle. Obst, Tomaten, Waschpulver, Frühstückssachen, dein Deo, Klopapier.”

Der Chef: “War’s das?”

Die Chefin: “Von deinen Widerworten kommen die Sachen auch nicht von selber dahergelaufen.”

Der Chef: “Ich kann so nicht arbeiten.”

Die Chefin: “Indem du dir die Einkaufsbeutel schnappst und da rausgehst, schon. Bis später, Beutelwolf.”

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2.: Die Filmvorlage:

Aus: P.S. I Love You, 2007:

Als Leprechaun verkleideter Briefbote mit Luftballons an der Haustür: “Sind Sie Holly Kennedy?”

Holly Kennedy: “Singen Sie mir dann was vor?”

Briefbote: “Ja!”

Holly: (aalglatte Wendung) “Nein, die bin ich nicht.”

Briefbote: “Machen Sie jetzt bitte kein Ding draus. Ich soll singen und einen Brief abgeben.”

Holly: “Einen Brief? Was sollen Sie singen?”

Briefbote: “‘Yah Mo B There‘.”

Holly: (versucht eine Win-win-Situation) “Ohh, bitte nicht. Geben Sie den Brief her.”

Briefbote: (händigt den Brief aus) “Wenn das jemand petzt, dann …”

Holly: “Wer — die Koboldgewerkschaft?”

Briefbote: (langsam ernstlich genervt) “Ich hab zusammen mit Al Pacino in einem Off-Broadway-Stück gespielt, ich hab das hier nicht nötig. — (Zeigt auf seine Luftballons) Wollen Sie die?”

Holly: “Nein.”

Briefbote: (grob) “Auch gut!” (Verschwindet hinter der zugeknallten Tür.)

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3.: Das Original:

Aus dokumentarischen Gründen, damit wir für diese Woche wieder was Kulturelles geleistet haben, folgt derselbe Dialog im Originalwortlaut. Die eigentliche Leistung ist, dass ich das dahingenuschelte Lied dingfest machen konnte. Einer muss es machen:

Leprechaun: “Are you Holly Kennedy?”

Holly Kennedy: “If I am, will you sing at me?”

Leprechaun: “Yes.”

Holly: “No, I’m not.”

Leprechaun: “Please, don’t make this an issue. I gotta sing and deliver a letter.”

Holly: “A letter? What’s the song?”

Leprechaun: “‘Yah Mo B There‘.”

Holly: “Oh, please don’t, just give me the letter.”

Leprechaun: “I could get reported!”

Holly: “By who? The leprechaun union?”

Leprechaun: “You know, I was in an off-Broadway play with Al goddamn Pacino, I don’t need this shit. — Want the balloons?”

Holly: “No.”

Leprechaun: “Fine!”

Der Soundtrack zu einem Dialog aus diesem Film fällt leicht: Die denkbar hanebüchene Rom-Com wird zu einem guten Teil von den ganzen Pogues-Liedern gerettet. Die Handlung läuft ohnehin auf nichts anderes als den Moment zu, wo schon mal das Nachspannlied einsetzt und punktgenau synchron zu einem besonders romantischen Moment endlich das Schlagzeug um die Ecke biegt: Flogging Molly: If I Ever Leave This World Alive, ach.

Mystik, Maria, Basketball

München rockt. Schon irgendwie. Da haben die Buchhandlungen Abteilungen, die “Mystik, Maria, Päpste” heißen. Rockt das nicht? Also, ich finde, sowas rockt.

Dombuchhandlung München, Mystik Maria Päpste

Auch nicht ganz rockfrei: Sportliche Betätigung ist erschwert. Das ist ja der Sinn, dass man sich für Sport extra anstrengen muss, und recht lange kann das auch nicht gut gehen. Das ist in der Barerstraße im Kunstareal, da ist das bestimmt Absicht.

Dombuchhandlung München, Mystik Maria Päpste

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