Happy Hallohochzeitsween, Part 11

Update zu Hochzeitstag (’cause There’s Nothing Else to Do) #10:

Heute war bei Tisch von den Frauen die Rede, und Goethe äußerte sich darüber sehr schön. »Die Frauen, sagte er, sind silberne Schalen, in die wir goldene Äpfel legen. Meine Idee von den Frauen ist nicht von den Erscheinungen der Wirklichkeit abstrahiert, sondern sie ist mir angeboren, oder in mir entstanden, Gott weiß wie. Meine dargestellten Frauen-Charaktere sind daher auch alle gut weggekommen, sie sind alle besser, als sie in der Wirklichkeit anzutreffen sind.«

Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens, 2. Theil (1836), , Mittwoch, den 22. Oktober 1828, cit. n. Deutscher Klassiker Verlag.

Frauen sind gefährlich! Sie sind oft intelligenter als du glaubst!

“Na, Wölfchen? Wieder feministische Inhalte ausbreiten, um dich für den Hochzeitstag einzuschleimen?”

“Seit wann erachtest du Goethen als feministisch?”

“Dein Eckermann ist gar kein richtiger Goethe.”

Und die Lustigen Taschenbücher sind keine richtigen Entenhausener Berichte.

“Is recht, Wolf. Ich such dann schon mal meine blauen und grünen Nagellackflaschen raus. Wir treffen uns in einer Stunde am Küchentisch, wenn meine Zehen getrocknet sind.”

“Meine liebste Frau, Partnerin und Gespielin. Ich liebe dich, wenn du dich so um deine schönsten Teile kümmerst.”

“Meine Zehen?”

“Und mich.”

“Pff. Sonst nicht?”

“Aber doch. Ich lieb dich. Ewig. Ganz feste.”

“Das wollen wir in einer Stunde doch mal sehen. Und bis dahin rasier dich bitte.”

“Du auch.”

“Du bist ein alter Saubär.”

“Rwarrrrr.”

My body’s broken, yours is bent: Placebo: Every You, Every Me, aus: Without You I’m Nothing, 1998.

Ein Sack voller Glückskekse

Und ich dachte schon in den 1990er Jahren, dass dieses Jahrzehnt nie revived werden könnte, weil 1989 bis 2001, solange “die 90er” dauerten, alle Welt mit Revivals vorausgehender Jahrzehnte beschäftigt war und deshalb nichts für anstehende Revivals übrig lassen konnte.

Und jetzt, im ausgehenden 2011, kriegt man von Menschen mit Abitur kindergläubige Kettenmails geschickt wie 1998, als kaum die NASA fassen konnte, wie leicht sich die Leute verarschen lassen.

Das Neue daran ist, dass es jetzt um China geht statt um die keltischen Nachbarn von Stonehenge. Gleich geblieben ist die Qualität der Übersetzung wie aus dem weiland Altavista-Babelfish. Ich entzerre das Layout aus der HTML-Mail (dachten Sie etwa, Retro funktioniert authentisch über Facebook? Nächstes Jahr vielleicht) und belasse die Rechtschreibung:

Die Chinesen nennen dieses Phänomen “ein Sack voller Geld”: Dieses Jahr haben wir vier außergewöhnliche Daten: 1.1.11 / 1.11.11 /11.1.11 / 11.11.11. Zudem hat der Monat Oktober dieses Jahr 5 Sonntage, 5 Montage und 5 Samstage – Das ist nur alle 823 Jahre der Fall. Wenn Du die letzten beiden Zahlen Deines Geburtsjahres mit dem Alter, welches Du dieses Jahr geworden bist zusammenzählst, erhältst Du die Zahl 111. Diese Zahl ist dieses Jahr für alle gleich und das bedeutet das Jahr des Geldes!!! Diese Jahre sind hauptsächlich als “Besitz von Geld” bekannt. Dieses chinesische Sprichwort sagt, dass du dies 8 guten Freunden weitersagen musst und das Geld kommt in den nächsten 4 Tagen, wie es durch das Feng-Shui erklärt ist. Diejenigen, die es nicht weiterleiten, erhalten auch kein Geld. Testet das mal – es ist zwar unglaublich, aber warte ab.

Um die letzte Jahrtausendwende verbreiteten sich die C++-Programmierer und Star-Trek-Fans darüber, wie viele Tage es anno 2000 doch geben würde, die aus Nullen und Einsen bestehen, was erst in 101010 Jahren oder so erst wieder der Fall wäre. Man versammelte sich im Englischen Garten zur letzten Sonnenfinsternis des Millenniums und musste immer erst ein bisschen überlegen, mit wie vielen l und n man “Millennium” schreibt.

Hätten Sie je geahnt, dass unser aller Vergangenheit sage und schreibe birnenförmig ist?

Immobilienangebot in München Glockenbach Dreimühlenviertel

Die Stadt München ist uns lieb und teuer. Man sieht es an einem VIP-Oberbürgermeister, der zwar rot ist, eigenartig überakzentuiert wie ein Oberlehrer spricht, einen Schnurri trägt, aber demnächst Ministerpräsident werden will (Yes we can, auf bairisch: „Mia Ruaden könna des aa!“).

 

Man sieht es auch an den tollen, italienisch wirkenden Plätzen.

Nein, ich meine nicht den Gärtnerplatz der hochgeschoppten Sonnenbrillen, sondern den Odeonplatz und den Platz vor der Oper. Die haben was.

Man sieht es daran, dass in begehrten Vierteln wie dem Glockenbach, der Ludwigsvorstadt oder unserem isarnahen Dreimühlenviertel auch wirklich jeder hin will.

Zum Beispiel ans äußerste östliche Ende des Dreimühlenviertels, der Reifenstuelstraße, die an das Glasscherbenviertel des Schlachthofs grenzt.

Kaputte Bierflaschen auf den Radwegen der Thalkirchner Straße, mit Tequila-Schlieren vermischte Kotzfladen vom Los Bandidos auf dem Gehweg, viele Hundebomben. Wir hatten auch schon eine in die Doppel-Scheibe hineingehämmerten Krautskopf als Attraktion. Nachts grölende Jugendliche, vermutlich Berufsschüler aus Erding, die zuhause nicht grölen dürfen, weil man aus gutem Elternhaus stammt. Die Nazikneipe Burg Trauschnitz lag auch in der Nähe. Nein nicht von Erding, sondern in der Nähe des Dreimühlenviertels.

 

Erding ist ein ordentliches Städtchen, wo kämen wir da hin …

Ehemals war auch da: eine Villa Caribe gegenüber: eine angebliche „Musikkneipe“, die bis um 7 Uhr früh geöffnet hielt und wo sich ältliche Zuhältertypen, die wie Waffen- und Kokshändler im Nebenjob aussahen, zusammen mit ältlichen Bordsteinschwalben trafen. Die davor auf einem Bänkchen saßen und mit der Bierflasche in der Hand und verrucht-prolligem Aussehen das Münchner St. Pauli gaben.

Gut, die hat die Polizei jetzt ausgehoben nach einer Razzia. Das Caribe gibts nicht mehr. Denn ein wie Jean Reno von den “Purpurnen Flüssen” aussehender fescher, aber grimmer Kommisar hat Wochen vorher Zugang verlangt in unser Haus. Zwecks Observierung von gegenüber. Ich habe da zum ersten Mal in meinem Leben eine Polizeimarke der Kripo in echt gesehen, weil ich das Hascherl war, das ihm mit weichen Knien (So ein Mann, so ein Mann, zieht mich unwahrscheinlich an, dieser Wust, diese Kraft …) aufmachen durfte. Der Vronibär vom Lande in Kontakt mit dem internationalen Verbrechen …

 

Das Phänomen

Es hängen seit Jahren an Regenrohren und Straßenlampen immer wieder neue wunderschön gestaltete Handzettel. Von hoffnungsvollen jungen Pärchen oder Jungfamilien, die unbedingt hier wohnen wollen und auf sehr kreative Weise – oft mit selbstgemalten Bildern ihrer Süßen – ihr Begehr schildern.

Sie wollen unbedingt HIER wohnen und zahlen fast jeden Preis. Kopfkratz.

Die Immobilienfuzzies sind dann auch nicht blöd und preisen uns als In-Viertel an und neuerdings auch als verkehrsberuhigte 30er-Lage.

Es stimmt auch: Man darf nur noch mit 30 mit seinem schicken Mini die Katze überfahren.

Und muss jetzt aus Automaten mühselig Parkscheine ziehen für seine Rostlaube mit der Feinstaub-4-Plakette. Sonst nixe hier parken. Und eine hinterhältige Politesse, meist ist es jedoch ein Politesserich (immer da, wenn man denkt, sie sind nicht da), prüfen das akribisch. Es ist, was den Straßenlärm und die Parksituation selbst betrifft, um einiges ruhiger geworden hier, gottseidank. Vielen Dank nochmal an den feschen Kommissar. Und an die Stadt München, die das mit der Verkehrsberuhigung prima hingekriegt hat. No kidding und ich liebe den Ude dafür aufrichtig.

 

Italienische, weltoffene Lebensart der „Weltstadt mit Herz“

Es stimmt auch, dass wir das totale In-Viertel sind. Der Tatsache, dass es jetzt angeblich ein verkehrsberuhigtes Viertel erster geschäftsfördernder Immobilienklasse ist, muss jedoch dringend entgegnet werden mit dröhnenden Balkonparties. Ja wo kämen wir sonst hin? Und mindestens mit 2-3 mal in der Woche rücksichtslosem, lautstarkem Lärm im Innenhof wie in einer Kneipe. Entschuldigung: das ist selbstverständlich nur die kulturelle Pflege des Mediterranischen im Innenhof. Mediterranisch heißt: Wir gehen noch lange nicht ins Bett und sind laut wann wir wollen, auch wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Präpotentes Dolce Vita, auch wenn Spießer ihre Ruhe fordern. Ohne Bier, viel Wein und Wodka geht da nix.

Jeder Sonnenbrillen-In-Fuzzie, dem es noch nicht reicht, 16 Stunden in seiner Werbeagentur zu fronen, wird hier nach seiner Afterwork-Party heimkehrend angeduselt sein natürliches Habitat finden.

 

Seine Erholung in der knappen Freizeit

Seine einzig wahre Wohnstatt. Er muss dringend hierher ziehen, unbedingt. So nah wird er wahrhaft italienischen Verhältnissen nie mehr sein (außer im chaotisch-prolligen Berlin vielleicht)! Um von seiner gehaltsverzehrenden Luxus-Maisonette-Wohnung aus nach unten blickend den lautstarken Wortbeiträgen angeschickerter prolliger Hofbewohner zu lauschen. Er muss als Marketeer ja Tag und Nacht wissen, wie das Volk so drauf ist.

 

Als Ambiente verkleidete Rücksichtslosigkeit

Jung v. Matt hat seinen Mitarbeitern für dieses hochexklusive Erlebnis der zoologischen Lebensnähe extra für teuer Geld das Durchschnitts-Wohnzimmer in die Agentur gebaut. Hier bei uns hat der wohnungssuchende Werber es für lau und mit der Akustik der Open-Air-Version. Ob er bei diesem nächtlichen Volks-Radau der gentrifizierten „Nichtspießer“ seine Werber-Nerven für den nächsten chaotischen Arbeitstag, ohne Burn-out zu kriegen, hier stählen kann? Wir wissen es nicht und wollen es auch nicht mehr wissen.

Ich wohne jetzt 10 Jahre hier und denke über Change nach. Mir jedenfalls wurde von Nachbarn gedroht, meine Scheiben einzuwerfen, weil ich verlangte, dass man leiser ist.

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