The Missing Jahresrückblick

Manche Jahre gleichen einem sonnengeküssten, wohltemperierten, sardinendurchfluteten Ozean, den Palmenstrand voller Kokosnüsse und frischem Steckerlfisch immer in Sichtweite, in dem sich zu tummeln ein fragloses Vergnügen mit unabsehbarem Ausgang ist. Das sind in den meisten Fällen westlich-industrieller Lebensläufe die Jahre nach der Geburt, in denen Werte wie Verantwortung, Schuld, das Streben nach Lebensunterhalt und Sexualität den Stellenwert einnehmen, der ihnen zukommt: gar keinen.

Andere Jahre dagegen gleichen einer riesigen Petrischale mit anaeroben Fäulnisbakterien, die es mit einem Bowiemesser zwischen den Zähnen zu durchschwimmen gilt. Das sind die folgenden.

Ein Gutes hatte 2009: Wenn Sie das hier lesen können, sind Sie offensichtlich nicht gestorben, und Sie haben weder Ihr Augenlicht noch ein hoffentlich beheiztes Zimmer mit Internetanschluss eingebüßt. Außer Sie haben statt dessen einen Dummen gefunden, der Ihnen vorliest, und auch das muss man erst mal leisten. Und was, Herz, begehrst du mehr? Bislang sprechen alle Anzeichen dafür, dass auch 2010 irgendwie rumgehn wird.

Dann mal fröhliche Weihnachten und sehr viel Glück im neuen Jahr; wir werden es alle brauchen können.

Soundtrack: Get Well Soon: Christmas in Adventure Parks, aus: Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon, 2008.

Mutter, du hier?

Update zu 60+2:

Mal nachrechnen: Die Digital Ist Besser, eine der verdienstreichsten und auf entwaffnende Weise besten Platten deutscher Provenienz, selbst wenn man dem Musikexpress nicht jede auf einem Bierfilz zusammengestoppelte Liste glauben mag, ist von 1995. Auch schon wieder gleich 15 Jahre alt.

Vor 15 Jahren hat da jemand genölt und gejammert, und wir fanden es schaurig schön: “Ich Möchte Teil Einer Jugendbewegung Sein”; das Demo geht sogar schon hart auf die 16.

Wenn wir annehmen, dass ein zorniger junger Mensch 1995 etwa 15-jährig in der finanziellen und seelischen Verfassung war, sich die erste CD von Tocotronic anzuschaffen, wäre er heute im besten Alter, eigene Ableger zu treiben. Die sind heute irgendwas zwischen 2 (Akademikereltern) und 12 (bildungsferne Kindergeldjäger) und feste im Internet unterwegs — und singen das Lied von der digitalen Abnabelung: My Mom’s On Facebook.

Ein oft erlebtes Weihnachtsphänomen: Mama ante portas. Dieser Frühwarnservice kostet Sie nichts und ist umsonst.

We want you to werb

Beherzte Kollegen, ein eindeutiges Versprechen und ein ansprechender Font — wenn ich bloß wüsste, was mich eigentlich noch stört…?

Soundtrack: Ween: Buenos Tardes Amigo, aus: Chocolate and Cheese, 1994.

PS: Leider muss ich aus juristischen Gründen an dieser Stelle vermerken, dass das Bildmaterial meinem eigenen Copyright unterliegt, weil ich keine 8000 Euro zuviel hab. Die Bilder sind zur Gaudi auf meinem Flickr-Account, die schenk ich Ihnen.