Cooles Essen

 

[Disclaimer: Die Bilder für diesen Eintrag wurden mit minimalem technischen und konzeptionellen Aufwand von einem Laien erstellt. Sie verfolgen satirische Zwecke und spiegeln in keiner Weise die Qualitätsauffassung des Design-Unternehmens the missing link wider.]

 

Was man so von Fernsehen hört, ist dort heute alles voller Wettbewerbe im Schönsein und Kochen. Ist doch gut? Da sagen die Leute immer, Fernsehen wäre so schlecht? Eins der Themen, über die wir gar nicht “mitreden” wollen;  man muss nicht zu allem eine Meinung haben, zu dem schon so viele eine haben, und DVDs sind oft ganz okay. Wir sind das Heiraten gewöhnt, darum verheiraten wir beides.

Am liebsten kauf ich in der Münchner Goethestraße ein, Little Instanbul, da ist das Gemüse nicht graduell, sondern kategorial besser als in den Supermärkten für Bleichgesichter. Manchmal kauf ich was, wo ich gar nicht richtig weiß, was es ist. Die positiven Überraschungen bei dieser Praxis überwiegen.

Der Wettbewerb läuft jetzt doch unter dem Namen “Cooles Essen” statt “Lustiges Essen”, weil ich unter Coolness eine zeitgemäßere Spielart der Weisheit verstehe, und Essen aus dem 19. Jahrhundert… nee.

Es folgt eine Liste meiner erhaltenen Erwerbungen, in aufsteigender Schönheit. Deutschland sucht die Supersuppe. Auf diese Weise komme ich einmal in die Lage, Models zu vernaschen. Essen soll ja irgendwie auch Spaß machen.

Platz 7: Campbell’s Tomato Soup

Campbell's Tomato Soup

Seit 1962 in der Hochkunst bekannt. Sachen, die älter sind als ich, sollen revolutionär sein? Soll vielleicht helfen, dass der erste Künstler Velvet Underground unterstützt hat? Verfallsdatum: “APR 99”. Himmel, das ist revolutionär von hinten rein. Guter Siebter, das ist unter den Tausenden von Suppen, die wir die letzten Jahrzehnte verzehrt haben, gar nicht so schlecht.

Platz 6: La Comtesse Thunfisch Stücke in Wasser

La Comtesse Thunfisch Stücke in Wasser

Das Shooting musste leider mit availbale light stattfinden, die frische Meeresfarbe dieser Packung geht deshalb im Regen verloren. Das Produkt selbst ist die Auswahl unseres Mitarbeiters Moritz.

Platz 5: Suchoj Kvass Chlebij

Kvass Chlebij

Bier aus der Packung zum Selberanrühren, die Russen haben’s voll drauf. 350 Gramm für 69 Cent ergeben 8 Liter. Zubereitung etwa 3 Stunden.

Platz 4: Namli Bittere Orangen Konfitüre

Namli Bittere Orangen Konfitüre

Das britischste aller Frühstücke aus der Türkei: Turunç Reçeli, was immer das heißt. Ein Vorbild an Crossover-Küche.

Platz 3: Sesampaste

Sesampaste

Crossover 2: Den Eiffenturm erkennt man zur Not, lesen konnte ich außer dem Preisschild (€ 2,49) nichts. Da ist aber eine Art Zahnpasta aus Sesam drin, die nach Erdnüssen schmeckt. Eignet sich als Sauce zu… naja, zum Essen halt.

Platz 2: Sebahat Sesambrei Tahin

Sesambrei Tahin

Ähnlich wie Platz 3 irgendwas aus Sesam, allerdings öliger. Bonus in der A-Note für den wirklich sehr praktischen Ausgießer und Eignung zu Sauce und Bratfett. Und Brotaufstrich!

Platz 1: Sera Mesir Macunu

Sera Mesir Macunu

Die Gesundheit selbst in einem handlichen Glas für 3,59 Euro. Lassen wir das Produkt selbst sprechen: Rechts steht’s auch auf Deutsch. Die meisten Zutaten kommen nicht mal in Tausendundeine Nacht vor, geschweige denn im Internet. Rechtschreibung vom Hersteller:

Wirkung: Mesir Paste staerkt der Körper und ds Herz. Beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Hilft bei Ermüdung und Stress. Hilft bei Atmungsproblemen und bei Husten. Entschleimt die Atemorgane. Blutreinigend. Hilft bei Magenübersaeuerung und Blaehungen. Strafft Bindegewebe in der Bauchpartie. Lindert naechtliche Bettnaesse bei Kindern. Hilft bei altersbedingten Problemen.

ZUTATEN: Senf, Kokosnuss, Zimt, Ingwer, Pfeffergemisch, Nelke, Kümmel, Zimtblüte, Tchöpchini, Kamille, Kokosblüte, Rhabarber, Glanga, Krem Tatar, Pfefferminze, Galagent, Misrafi, Kalemi Barit, Safran, Schwarze Helile, Feigen, Sinamaki, Elixir, Kebabe, Koriander, schwarzer Pfeffer, Orangenschale, Tiryak, Fenchel, Lindenblüten, Mastix, Hryarschembe, Udil Kahr, Darülfülfül, Zerdetschup, Zitronensaeure, Zucker.

Vor Gebrauch gut verrühren. Kein Medikament.

Ich hab’s mir noch gar nicht anzubrechen getraut, trotzdem klarer erster Platz. Eignet sich bestimmt als besonders nachhaltiger Brotaufstrich und Zerdetschup.

PS: Leider muss ich aus juristischen Gründen an dieser Stelle vermerken, dass das Bildmaterial meinem eigenen Copyright unterliegt, weil ich keine 8000 Euro zuviel hab. Die Bilder sind zur Gaudi auf meinem Flickr-Account, die schenk ich Ihnen.

The Good, the Bad and the Ugly


Ich überlege mir schon lange, ob ich nicht in regelmäßigen Abständen so etwas Ähnliches mache wie auf dem Designtagebuch:

Logos zeigen, die gut sind. Sagen, warum sie gut sind.
Sie in den side-by-side-Vergleich stellen zu Logos, die eindeutig schlecht sind (the bad ones).

Und auch da sagen, warum (auch in der Gefahr, dass man mal daneben liegt). Denn der Mensch braucht Orientierung. Nur noch das Ding mit den Rechten muss ich klären: ob ich überhaupt fremde Logos auf dem Blog zeigen darf.

The ugly Logos werden ein dritter nasty Strang zum lustigen maßvollen Ablästern. Weil sie jenseits von gut und böse sein werden. Allein schon als Honneurs an die Glorreichen Halunken, oder

Buono, il brutto, il cattivo.

. :-)

Ha! daß wir nicht unmittelbar mit den Augen malen!

Ha! daß wir nicht unmittelbar mit den Augen malen! Auf dem langen Wege, aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel, wie viel geht da
verloren! – Aber, wie ich sage, daß ich es weiß, was hier verloren
gegangen, und wie es verloren gegangen, und warum es hat verloren gehen
müssen: darauf bin ich ebenso stolz, und stolzer, als ich auf alles das
bin, was ich nicht habe verloren gehen lassen.

Aus Lessings Emilia Galotti

Auf dem langen Wege, aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel, wie viel geht da
verloren! 
Dieser Satz  ist wunderschön: ich fühle mich verstanden. Wer jemals versucht hat, eine Idee, die er doch glasklar vor Augen hatte, festzuhalten und genau so wiederzugeben, weiß was ich meine.

Emilia Galotti war zwar ein politisches Stück, es prangerte damals die Unfähigkeit des Bürgertums an, sich gegen den Adel zu emanzipieren und beschrieb die Käuflichkeit der Macht.

Aber dieser emotionale Ausbruch Ha! mit dem dran hängenden Satz ist ganz modern: Werden doch schon "Gedankenhelme" gebaut (z. B. bei den Australiern von Emotiv ), mit denen man durch reines Denken, Fühlen oder durch Mimik PCs oder Geräte steuern kann.

Warum nicht auch ein Graphic Tablet ganz ohne Pen?

Augenmalen1 

Augenmalen2

Ein Logo wird wohl mit dieser reinen Kraft der Gedanken vorerst nicht entstehen.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: “In der Krise, da ist Kreativität gefragt”

(Quelle: SPON)



Findet   the missing link auch. Dumm nur: kreative Buchhaltung und kreative Produkte erfinden (zum Beispiel Finanzprodukte, die keiner versteht und beherrscht), hatten wir schon.

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Aus dem Zyklus "Echte Politiker-Volksreden im Lichte verschiedener Banalitätstheorien". Spaß-Kategorie: Alle sind kreativ oder was.

Das Cottbus Marketing- und Touristenverband Logo: Der schillernde Darmdurchbruch ist weg.

Mein Beitrag im Fontblog zu “Das Cottbus-Logo ist vom Tisch”:

Man kann das http://www.fontblog.de/das-cottbus-logo-ist-vom-tisch#comment-104006 auf http://www.fontblog.de/das-cottbus-logo-ist-vom-tisch gerne als Entertainment sehen.

Für Designer ist das http://the-missinglink.blogs.com/logisches/2009/01/stadtmarketing-und-tourismusverband-cottbus-ev-und-sein-neues-logo.html auch ein wenig traurig.

Die Tendenz zu Ramsch-Design und Überladenheit in den Logos und
Auftritten gibt es ja nicht nur bei Cottbus, Den Haag oder Posemuckel.

Ich sehe sie überall. Typisch für diese Tendenz auch die Web 2.0
Logos mit ihren Farborgien und ihren Spiegelungen und Schättelchen.
(Ja, ich sehe letztere ebenfalls als entfernte Verwandte von
schillernden Cottbus-Aliens und -Darmdurchbrüchen, möge man mich
steinigen…)

Ich denke auch an eine Aussage, vom Cottbusser Marketingverband
selber kommend, wenn ich mich nicht irre (memoriert): “Wir wollten mal
etwas anderes, nicht so etwas Langweiliges, Steifes, das alle haben.”

Dann passiert so etwas…

Zu solchen Aussagen sollten Designer etwas zu sagen haben. Brüll und
LOL ist mir da zu wenig.

Ist das so? Logos, die auf einer single-minded
(sorry für das Englisch, auf Deutsch klingt es bescheuert) Grundidee
bestehen und planvoll durchstilisiert sind, sind steif? Langweilig? Was
meinen Logodesigner dazu? Wie geht Ihr als Designer mit Kunden oder
Auftraggebern um, die so argumentieren?

Ist die Reduktion ausgereizt? Will man keine Regeln – und implizit
– keine Bevormundung mehr? Auffallen ist alles? Wird nicht mehr
erkannt, dass sich nur Einfachheit gut merken lässt? Sind die
Designerzünfte zu wenig in der Öffentlichkeit an solchen Themen dran?

Oder ist das nicht eher ein gordischer Knoten von Schule und
ungenügender kultureller Ausbildung (Achtsamkeit, Wahrnehmung, Schule
des Sehens), die Designer in öffentlicher Diskussion und mit Appellen
gar nicht lösen können.

Ich denke, das ist ein wichtiges Thema. Auch für den Fontblog, der Positionen für gute Typografie und klares Design vertritt.

+++.de (Logos ab 49,00 Euro) und wundersame Versprechungen. UPDATE.

UPDATE:

Ich
wurde dieser Tage vom Geschäftsführer des Unternehmens +++.de angerufen
und bin gebeten worden, den ganzen Artikel (den Komplett-Beitrag) 
über seine Logo-Fabrik rauszunehmen, aka ihn ganz zu löschen*. Wegen insgesamt
geschäftsschädigender Äußerungen. Ihn störte vor allem die Passage, wo
ich davon rede, dass es Betrug wäre, ein Logo in so rascher Zeit und
vermutlich baukastenmäßig als individuell anzubieten. Diese Passage
habe ich jetzt so abgeändert, dass ich jetzt von fachlich nicht in Ordnung
rede, denn Einzigartigkeit ist in der Regel in so schneller
Herstellungszeit nicht erreicht. Normalerweise ist ein Grafiker im
Schnitt mind. eine Woche über einem Logo – und nicht weil er zu langsam
ist, sondern weil ein vernünftiges Logo (das nicht nur technisch in Ordnung ist, sondern auch die restlichen Forderungen an ein Logo in den größten Teilen erfüllt  und wirklich für das Unternehmen einzigartig ist) das nach meiner unmaßgeblichen
Meinung braucht. Die Logos von +++.de sind in den meisten Fällen grafisch überladen. Was für eine Vignette sehr nett sein kann, aber für ein Logo nicht funktioniert. Das hat mit  überforderter Wahrnehmung zu tun auf Märkten, die vor solchen Logos wimmeln. Das hat zur Folge, dass sie derart überladen nicht gut merkfähig und erinnerbar sind, dazu müssten sie wesentlich reduzierter sein UND gleichzeitig auf ihre Art unique. Das Gehirn merkt sich so viele Gestaltungselemente auf einen Schlag nicht.  Dazu aber ein ander Mal.

*Ich
möchte den Komplett-Beitrag nicht löschen, da ich die Meinungsfreiheit
angetastet sehe. Ich habe ihm angeboten, seinerseits ein Dementi zu
schreiben, das ich gern veröffentliche, wenn es da ist. Habe aber dafür
den Originalnamen seines Unternehmens  in +++.de geändert. So wird es
in den Suchergebnissen nicht direkt unter oder gar über  von +++.de auf
Google Seite 1 gelistet (wie derzeit und wie er beklagte).

Memoriert
wiedergegeben: Gleichzeitig wurde von ihm inkriminiert, wie ich denn derart
gegen +++.de argumentieren könne, wenn ich doch gleichzeitig selber ein
Shopmodell plane mit ähnlicher Ausrichtung. Ich möchte dazu sagen, dass
mein geplantes Shopmodell auf alle Fälle anders ist: Ich werde bereits fertige
Produkte
verkaufen, die nicht  billig erst nach Auftrag, sondern frei vorher und ausschließlich von mir hergestellt sind. Ich vertrete die Ansicht, dass eine vernünftige Logo-Auftragsarbeit auf günstigem Massenniveau nicht funktioniert. Für die Logo-Fabrik schon, aber nicht für den Auftraggeber.  Und ich
beschäftige keine Grafiker wie +++.de, die nach Auftragseingang
geschätzt pro Nase ca. 3-5 Logos am Tag herstellen. Insofern sind für
mich diese beiden Geschäftsmodelle nicht vergleichbar. Ich verspreche in meinem Shop keine hohe zugeschnittene Individualität und Einzigartigkeit,  denn das können meine  fertigen Produkte grundsätzlich nicht leisten.

Ich
vermute, dass der feine Unterschied zwischen einer wirklich
unverwechselbaren Logoerstellung (Logo nach Maß), einem Logo von der Stange (ein bereits fertiges) und einem Logo im
Stundentakt  nicht nur potenziellen Kunden schwer vermittelbar ist.
Sondern auch Anwälten oder Richtern, denn ich denke da an die
Empfehlung eines früheren Chefs von mir, der mal eine langwierige
Gerichtsauseinandersetzung hatte wg. eines Auftrags, bzw. einer
Rechnung: Richter wissen wenig über das Fachliche in dieser Branche. Um
sich einen Überblick zu verschaffen sind meist Gutachter notwendig
(Sachen wie Schöpfungshöhe, etc.). Und das wird teuer.

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Der alte Eintrag:


Und die gehen so [edit: Die wundersamen Versprechungen, siehe Headline, d. S.]:

(Auszug):

Sie möchten von Design-Profis Ihr Logo erstellen lassen, ohne dafür ein Vermögen zu bezahlen? 

Interessanter kompetitiver, aber leider unwahrer und sehr unfairer Konkurrenz-Ansatz gegenüber Einzel-Designern und Designbüros, die vernünftige Logos bauen (die eine Aussage und einen Sinn ergeben und nicht nur gefällig sind) und vernünftig kalkulieren müssen, da sie Familie haben, Steuern bezahlen müssen und Leute beschäftigen.

Klartext und die Wahrheit: Ein Vermögen ist relativ, es kann sein
das, was die Erbtante hat, geht für Hungerleider aber schon ab 300,00
Euro los und für Erbschleicher langsam ab dem Preis für einen SUV.
Die Logos dieser normale Stundensätze kalkulierenden und seriös arbeitenden Designer mit Semiotik-Expertise kosten im Gegenteil kein wie auch immer geartetetes Vermögen, sondern Netto vor späterer Verwendung und etwaigen Nutzungsrechten bei kleinen Designbüros etwa zwischen 800,00 und ca. 2000,00 Euro. Wenn das bereits für einen hoffnungsfrohen Gründer, der seinen BMW-Geschäftsführerwagen schon eingepreist hat, aber die Kosten für die Putzfrau vergisst^^ ein Vermögen sein soll, möge er bitte seine komplette Geschäftsidee überprüfen, ob er für sie überhaupt irgendwelche Marketingkosten eingeplant hat und sich leisten kann. Er wird sie sich leisten können müssen, denn sonst wird es hinten am dicken Ende teuer. Ein schöner englischer Claim bringt das gut zum Ausdruck: "Can you afford not to afford it?"

Nur für kluge Rechner und Leute, die wissen, was ROI ist, die anderen sollen sich besser jetzt ein Youtube-Filmchen reinziehen: Logo- und Folgemarketingkosten sind rasch wieder refinanziert und drüber hinaus, wenn die Logos zusammen mit der Geschäftsidee stimmig sind, sitzen, und von der angepeilten Zielgruppe klar erfasst, verstanden und erinnert werden -  also merkfähig und nicht nur gefällig sind.

So gesehen ist +++.de die ideale Geschäftsidee. Für Nachfrager, die in ihrem Marketing (wie muss ich was draußen anbieten, damit es nachgefragt wird) vermutlich nicht nachgedacht haben, sondern augenscheinlich autistisch ihren eigenen Geschmack als Maß aller Dinge wähnen. Auch hier Glückwunsch an +++.de, der Nachfrage-Markt diesbezüglich ist riesig, denn es gibt ihrer viele. www.+++.de hat, was das betrifft, seine BWL-Hausaufgaben sehr wohl gemacht, Hutzieh, seine Kundschaft aber macht meist keine, das ist der Trick, der funktioniert.

                                                   * * *


Ein bisschen Kopfzerbrechen – aber nur ein bisschen -  macht mir nur, was denn die Grafiker kriegen, die von +++.de und ähnlichen Plattformen bezahlt werden. Mehr als ein Hungerlohn kann es nach meiner Einschätzung nicht sein, also auch hier: +++.de hat wohl seinen Lieferantenmarkt gut erkannt: die sich gegenseitig auf die Füße trampelnden Grafiker. Die meisten Grafiker und künstlerischen Berufe können nach meinem Dafürhalten entweder nicht rechnen, buchhalten, kalkulieren und gezielt akqirieren (das konnten sie noch nie, das weiß ich seit dem Studium) oder stecken vermutlich eh schon tief in der Krisen-Defensive – oder meist alles auf einmal.

Weitere werbliche Argumentation von +++.de:
(Auszug)

Dann sind Sie hier richtig, denn wir entwerfen preiswerte Logos für über 1.500 Kunden pro Jahr! Firmenlogos, Produktlogos, Vereinslogos, Schullogos, Bandlogos, Privatlogos u.v.m. Individuell, exklusiv und kreativ – das ist professionelles Logodesign!

Werbeblabla: Ein sauberer Zirkelschluss mit vagen Adjektiven, der nicht stimmt. Professionelles Logodesign ist nicht "individuell" (geschmäcklerisch-eitel, wie ein Armband mit Gravur es sein könnte), sondern es muss sein: wiedererkennbar, merkfähig. Dazu braucht es über die vorhanden sein sollende Kreativität hinaus (Kardinaltugend, muss eh sein) Erfahrung, Expertise vom Designer über bewusste und unbewusste Wahrnehmung von Information, ihre Prinzipien und Expertise über die Semiotik (die Bedeutung von Zeichen, Zeichensprache und Zeichenprozessen).

"Exklusiv" ist es auch nicht bei +++.de. Was bitte an 49,00 €  ist exklusiv. Nach meiner unmaßgeblichen Einschätzung haben die Grafiker, die das machen, im Vorfeld vermutlich zig Raster im Kopf und vielleicht auch Blankomuster in der geistigen oder echten Schublade (wie der Fernsehkoch den ruhen gelassenen Teig, die feingehackten Zwiebeln, die vorgeschnittenen feinen Julienne-Streifen: "Da habe ich ein klein wenig für Sie vorbereitet, …" und schwupps ist sein Menue fertig, das der Hausfrau locker 1 Stunde mehr kostet als geguckt. Ein Menue ist aber das eine, nach fertigem Rezept gekocht, ein Logo aber muss eine Innovation sein). Sonst zeitlich in einer Stunde (im Vergleich: Gesellenpreis im Handwerk: 1 Stunde à 45,00 Euro) unattraktiv und wirtschaftlich kaum zu schaffen. Den Rest der "Individualität" erledigen mit allergrößter Vermutung modifizierte Farbgebung, leicht geänderte Anordnung der Elemente, ein fertiger Katalog von trendigen Schriften, egal ob sie passen oder  nicht und diverse Illustrator-Plugins und Filter. Hauptsache, netter Effekt. Den neuen Firmennamen eingesetzt, einen hübschen Bogen drunter oder drüber, fertig. Wollen wir wetten?


Wenn das so ist, ist das aber nicht exklusiv, sondern oberflächlich, pseudo-exklusiv nach Fertigbaukasten (wird beim Webdesign genauso gemacht, da kann ich aus dem Nähkästchen berichten), billig und austauschbar: Ich kann Ihnen aus dem Stand und ohne jegliches Briefing viele solcher netten Logos machen, sind in einer Stunde fertig. Ich tue es aber nicht, weil ich das für fachlich nicht in Ordnung halte. Gegenüber dem Kunden, denn ich plündere damit nur meine formalen Sammlungen für einen Appel, ein Ei und Beliebigkeit. Geschäftlich geholfen ist dem Kunden leider mit so etwas nicht, meist geschadet, da undurchdacht: Den Dingern fehlt einfach die echte Einzigartigkeit, die inhaltliche Substanz und die Relevanz zum Zielmarkt.

Fazit:
Für ein Privatlogo fürs Blogtagebuch, die Privatkorrespondenz, für den Verein für graue Tauben im Sinkflug e.V., oder ein kleines Standard-Handwerksunternehmen von mir aus. Tun Sie, was Sie nicht lassen können :-).

Meine Empfehlung: Für ein neues Firmenlogo, ein Produktlogo: Hände weg!

Disclosure:
Nein, ich bin nicht futterneidig auf +++.de. Die Firmenauftraggeber/Gründer, die sich für clever halten und solche wie +++.de beauftragen, muss man als kluger Designer dem Mitbewerb (euphemistisch-neudeutsch für Konkurrenz) überlassen. Denn dieser Mitbewerb und diese Kunden, sie werden sich gegenseitig in feinster Schluderarbeit unprofessionell selber erledigen.

Man nennt das exitorientiert.
:-D

Wer nicht exitorientiert ist, sondern aus Fehlern anderer lernen möchte:
Warum Startups scheitern

Die häufigsten Fehler im Businessplan