Adventsrätsel im Konjunktiv

Kaum ist der letzte Totensonntag durchtrauert, droht schon der liebe Advent. In den Endspurt des Weihnachtsgeschäfts wäre the missing link, Ihre Lieblingsagentur für unermüdliches Schaffen und ausgefallene Feiertage, deshalb gern mit einem Adventsrätsel gegangen. Angesichts der Bedenken, dass Bloggen sowieso ja sowas von Web zweinull ist und Preisverleihungen im besonderen von minderem wirtschaftlichen Interesse, verraten wir nur, was Sie hätten erraten müssen und was Sie hätten gewinnen können.

Die Frage wäre gewesen: Wofür wirbt eine Firmen-Site, die unter großem Flash-Aufwand Leute darstellt, die sich gegenseitig über die Möbel querlegen?

  1. Möbel
  2. Youporn
  3. iPods zur ehetechnischen Untermalung

Richtig wäre selbstverständlich Antwort 1. Ob die verantwortliche Firma Love Your Mouse, Tok & Stok oder Cannes Lions 2005 heißt, wollen wir gar nicht wissen, weil wir unsere eigenen Werbebotschaften immerhin eindeutig genug zu formulieren pflegen, dass man den Firmennamen unseres Kunden erkennt.

Was es für diese einfache Multiple-Choice-Aufgabe zu gewinnen gegeben hätte? Nun, der derzeit grassierende Gratis-Bildschirmreiniger hätte genügen müssen.

Und damit zum Ausklang noch was Besinnliches: Die Biermösl Blosn featuring die Toten Hosen, Campino am Triangel.

Gangsta Texta

<SWAT> gibtsn prog um hiphop in musik umzuwandeln?
German Bash, 7. November 2007

Nicht dass ich einen einzigen Krächzer verstünde, aber da komm ich her.

Da bin ich sogar in dem Bahnhof aufgewachsen, der bei Sekunde 41 zuerst auftaucht. Von der Rampe der dazugehörigen Güterhalle, um die sich diese freundlichen jungen Männer mit mutmaßlich morgenländischem Migrationshintergrund tummeln, hab ich mit meinem Vater im Auftrag des Bundesbahn-Sozialwerks zwölf Sorten Limonaden kistenweise verkauft. Das hat mich sehr schnelles Kopfrechnen, schwer tragen und (eigenes) Geld zählen gelehrt.

Bei Sekunde 51 und Minute 2:42 geht der Blick nach Westen. Heute verkehrt da die S-Bahn bis Lauf links der Pegnitz; als ich da wohnte, war das noch die Ostbahn Nürnberg—Lauf—Hersbruck—Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg—Amberg—Schwandorf, und hier sieht man bei dem Bahnhofsgebäude im Hintergrund ins Fenster unserer Nachbarn. Anscheinend hatten sie im Juni 2007, als das Video hochgeladen wurde, endlich Gardinen.

Zu dem Stellwerk, an dem der Fratz bei Minute 1:06 seine Fluppe durchzieht, durfte ich nie, weil man über die Gleise muss, und wenn meine Eltern mich im Internet beim Rauchen gesehen hätten — uiuiui… Den geraden Gleiskörper bei Minute 1:41 halte ich für die Strecke nach Schwaig, wo meine Eltern heute wohnen, was wiederum damals Gegenstand anhaltenden regionalrassistischen Spottes gewesen wäre, und wohin sich offensichtlich bis heute kein zweites Gleis rentiert.

Ihren Firmennamen werden diese lobenswerten Jungunternehmer wohl selbst an meinen alten Arbeitsplatz, die Güterhalle, gesprüht haben. Da hätten sie sich mal von den damaligen Fahrdienstleitern erwischen lassen sollen, die sehr schnell mit Ausdrücken wie Sachbeschädigung und ethnischen Bezeichnungen, die nicht hierher gehören, zur Hand waren.

Wo haben die Jungs überhaupt ihre Requisiten her? Schusswaffen aus Röthenbach? Sollten Diehl Munitionssysteme GmbH & Co. KG und Conradty ihre Produktpaletten erweitert haben? Oder läuft heute im JuZ an der Hauptschule ein Handel, von dem ich vorsichtshalber nichts wissen will? Und tut man den Buben mit solchen Unterstellungen Unrecht, wenn sie schon schätzungsweise zwölfjährig ihre eigenen Firmen eröffnen?

Aber was erzählt das Wrack wieder von kurz nach dem Krieg, nur weil mir einer von deren Vätern mal auf offener Straße im Vorbeigehen dermaßen eine geschallert hat, nur weil das Gesicht von dem Milchknaben, der ich mal gewesen sein muss, gerade so in Reichweite war. Nach Hause kam ich mit fünf Fingerspuren auf dem Backen und dann vor meinen Eltern in Erklärungsnot, was ich angestellt hätte ("Nix?! Da hast’ noch eine!"). Von der Gesamtheit der Erinnerungen im Direktvergleich mit den jüngeren Youtube-Aufnahmen bleibt, dass dort wegzuziehen eine weise Entscheidung war.

Nicht dass es viel geholfen hätte: Röthenbach ist überall. Die Leute sagen auch anderswo den Satz: "Du, da kenn ich aber wen, der macht mir das in fünf Minuten und umsonst." Ich wünsche den Diamand Records viel Erfolg auf ihren weiteren Lebensweg.

Ananas/Banane: And you still can hear me singin’ to the people who don’t listen

Update zu Mach das Logo größer!:

Leicht wird es nicht, hat auch keiner versprochen. Jede Woche genau 1 Blog-Eintrag, und dann auch noch pünktlich zum Freitag, wie schnell kann das entweder zu viel oder zu wenig werden. Zu viel, wenn man den Freitag in allzu weiter Ferne gewähnt und plötzlich zwei Stunden vor der Nase liegen hat; zu wenig, wenn einem die Weisheiten nur so aus den zehn Fingern borden möchten, denn was scheren meine Leser die Blog-Einträge von gestern. Es wird für diesen ersten Versuch, die harte Blogwoche mit einem einzigen Wurf aufzuarbeiten, auf eine Sammlung der saftigsten Lesefrüchte hinauslaufen müssen, oder wahlweise eine einzige Frucht, die unsere Leser eine ganze Woche lang nährt. Falls sich eine findet. — Ende des Meta-Teils.

Die Obstplatte von heute bietet zwei Lesefrüchte. Die etwas stachelige Ananas davon ist der viral gemeinte Werbefilm im Stil einer ausgewachsenen Shopping-TV-Sendung, die bitte alle jene nutzen mögen, die sich angesprochen fühlen. Ich verlinke das gerne. Unser Angebot ist das nämlich nicht, aber Shopping-TV hat immer so einen angenehm grusligen Charme.

Wieso nicht? Gibt es keine Logos aus dem Hause the missing link? — Doch, die besten. Sogar in allen Größen. Aber nur nach Absprache. Das dürfen Sie  sich so lange vorstellen wie bei den österreichischen Kollegen Demner, Merlicek und Bergmann, die ich ebenfalls ganz gern verlinke, weil business local ist, bis Sie bei uns sehr viel freundlichere Erfahrungen gemacht haben.

Frucht 2 will ich mit einer Banane vergleichen: überaus männlich, muss mit einem kleinen Aufwand an Mühe geschält werden, damit man an die Hauptsache kommt, wie es Isnogud in einem alten Comicheftchen formulierte: "Könnt’ saftiger sein, dafür hat’s keine Kerne", und schmeckt am süßesten, wenn sie schon ganz leicht angebräunt ist.

Mein entfernter Kollege Kris Kristofferson, schon fast der Inbegriff des coolen Knochens, hat auf seiner ersten Platte Kristofferson 1970 das romantische Klischee des Armen Poeten auf eine Art Country-Minnesänger angewandt: Sein Lied To Beat the Devil erzählt, wie er dürstend und ausgehungert in eine Kneipe kommt, sich von einem frühen Neoliberalen sagen lassen muss, wie brot- und nutzlos seine Kunst doch sei, ihm aber ein Bier abluchst und in seiner Überzeugung, das Richtige zu tun, gestärkt, das Lokal verlässt.

If you waste your time a-talkin’ to the people who don’t listen
To the things that you are sayin’, who do you think’s gonna hear?
And if you should die explainin’ how the things that they complain about
Are things they could be changin’, who do you think’s gonna care?

Das Original ist eine sehr zurückgenommene Ballade als Talking Blues, in dem man kaum den Übergang von der Strophe zum Refrain bemerkt, der Schlagzeuger saß offenbar im Studio nebenan. Die wichtige Stelle ist:

I ain’t sayin’ I beat the devil, but I drank his beer for nothing.

Das alte Texterproblem: Immer muss man die Leute mühsam überzeugen, und manche glauben einem erst, wenn sie zahlen müssen. Wo es so einfach sein könnte, auf die Leute zu hören, die ihren Lebensinhalt sowieso darin sehen, sich mitzuteilen. Nicht jeder von denen muss gleich der Devil sein, nur dass es Beratung gratis gibt, ist heute ein romantisches Konzept.

Ergreifende Melodien mit so hochintelligenten Texten hat man schon gern; Kristofferson ist Anglist. Verlinkt wird die energischere Version von Johnny Cash. Es sollte ja eine Früchteplatte werden, und da können Sie ihr sogar beim Drehen zuschauen, der Platte.

Nächste Woche: The incredible Vroni on Lead Vocals. Howdy, folks.

Immer wieder Freitags…

… gibt es jetzt unser LOGBUCH mit einem frischen Eintrag. Es ist kein alltägliches Daily mehr, es ist ein Weekly geworden.

Unser Beitrag zur Entschleunigung.

Mit besonders ausgesuchten Geschichten von hoher Qualität (statt hastig heruntergeschriebenen Sachen). Manchmal mit einer langen poetischen Geschichte vom Textwolf, die man sich am Wochenende gemütlich neben Katze und Rotwein zum Lesen am Kamin vornehmen kann.

Was, Sie haben keinen?

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Bild: Betriebsmiez Moritz in ihren zwei beneidenswerten Basis Work Flow Positionen (1. kurz hochgespitzt, 2. wieder ermattet) vor dem dänischen Bürokamin von the missing link

Entschleunigte und gemütliche Grüße in die stade Zeit hinein,
heute nochmal am Sonntag und mit Hinweis auf den ersten Freitags-Eintrag von Wolf, dem dänischen Sturmglas (übrigens eine perfekte Geschenkidee für Wetterfrosch- und Barometerfreaks zu Weihnachten).

Eure Vroni Gräbel

the-missinglink.de
gute-worte.de

Errungenschaft von Dänen und denen, denen Dänen nahestehen

Dänisches SturmglasWomit Darwin die Stürme rund um die Galápagos-Inseln witterte, könnte sich the missing link, Ihre Lieblingsagentur für wissenschaftliches Wohnen und Deep Thought Blogging, ab Weihnachten an die Wand nageln.

Das dänische Sturmglas wird seit 1750 auf Segelschiffen für die Sturmwarnung verwendet. […] Das in dänischer Manufaktur hergestellte Glas ist heute noch ein zuverlässiges Instrument für die Wettervorhersage. Und sicher auch das geheimnisvollste.

Es besteht aus einer hermetisch abgeschlossenen Glasröhre mit einer gesättigten, farblosen Kupfersulfat- oder Campher-Alkohol-Lösung. In dieser Lösung wachsen bei Wetteränderung Kristalle. Anhand der Größe und der Form können Sie das Wetter bestimmen. Bis heute gibt es keine genaue Erklärung für die Funktionsweise. Der Wissenschaftler Hans Baumer konnte Temperatur und Druck als wesentliche Einflussfaktoren ausschließen: Er zeigte, dass die Größe der Kristalle mit dem Auftreten elektromagnetischer Längstwellen, die in Tiefdruckgebieten entstehen, zusammenhängen. Ungeachtet der Erklärung, gibt es keinen Zweifel, dass es funktioniert.

"Bis heute gibt es keine genaue Erklärung für die Funktionsweise": Für die 139 Steinchen kann man wenigstens verlangen, einen Moment lang in Ehrfurcht vor der Schönheit solcher Grenzerscheinungen zwischen Natur und Technik verharren zu dürfen. — Auch haben?

Bild und Beschreibung: Bild der Wissenschaft.

Der Weg ist nicht das Ziel

Zumindest nicht, wenn man Kommunikationsarbeiter und damit auch zwangsläufig Stratege ist.

Neulich fragte man auf dem Werbeblogger, ob Werbeagenturen nicht endlich ein neues Geschäftsmodell brauchen. Das löste unter den Werbern erstaunlich wenig Resonanz aus. Vielleicht braucht der Werber kein neues Geschäftsmodell, denn alles läuft easy (?). Vielleicht fällt ihm aber auch nur kein neues ein. Oder er will nicht darüber reden. Ich vermute: letzteres.

Eine Agentur, selbst unsere kleine am Rande der Stadt, kann jedoch doch etwas tun. Und ich red’ mal einfach drüber, statt mich in Wolken zu hüllen: Unternehmen rate ich, ihre Agenturen endlich anders zu briefen. Und eine Agentur sollte das selbstbewusst einfordern.

Mein Tipp: Geben Sie grundsätzlich keine Werbemaßnahmen in Auftrag, sondern Ziele. Zum Beispiel:

Sorgen Sie bis November für 100 Erstbesteller im Onlineshop zu einem maximalen Preis von … pro Besteller.

Generieren Sie 20 Angebotsanfragen unter bestehenden Kunden zu einem Preis von…

Generieren Sie 100 Probefahrttermine zu einem maximalen Preis von…

Und solche Ziele gefallen dem Unternehmen. Es weiß sie, es sollte nur nicht vergessen, sie dem Werber, dem Kommunikationsmensch, Designer auch klar  mitzuteilen. Sonst weiß der nicht, was er für teuer Geld dem Endkunden sagen soll. Sonst kann der Unternehmer die Arbeit des Kommunikationsmenschen nicht messen, nicht beurteilen.

In der Werbung geht es um Business und nicht um hübsch kreativ bemalte Pappen und Selbstverwirklichung (oft verwirklicht sich dann auch noch der auftraggebende Kunde oder der Werbeleiter^^^…).

Kreativ ist schön, kostet viel Arbeit, aber ist nur Grundbedingung und reicht allein nicht. Fordern sie Ihren Kreativen mit einem Briefing, das sich gewaschen hat.

Vroni Gräbel

the-missinglink.de
gute-worte.de

Die machen ihr Ding, und ich mach mein Ding

Anschauen bitte. Dann machen wir nach den in doppelter Hinsicht erschöpfenden 55 Sekunden erst mal eine Luftholpause und schieben dann die wohlfeile Häme beiseite, die sich aufdrängen will. Das Video von 2005 steht in Youtube als "Dumme Schülerin" — aber think twice.

Diese attraktive junge Dame, machen wir uns nichts vor, wird ihren Weg gehen, und zwar keinen schlechten. Sie sieht nicht vollends verschreckend aus, kann Augenkontakt halten und vertritt eine eindeutige Meinung über Menschen mit missbilligten Lebensentwürfen, von der sie nur in einem nicht ohne weiteres konstruierbaren Notfall abweichen wird. Im Fernsehen und auf Youtube war sie auch schon: Referenzen! Blond, kein Dialekt, der sich nicht ausmerzen ließe, ein Ziel vor Augen: arbeitslos, als Plan B Schauspielerin — das sind Gottesgaben, die Stefan Raab hier vergeblich vorzuführen versuchte. Alle anderen menschlichen Qualitäten waren für die wirklich erstaunlichen Karrieren der jüngeren Vergangenheit bestenfalls: kein Hindernis.

Falls es fürs erste nicht so hinhaut mit dem Megastar-Werden, wird sie Frisöse lernen, weil ihr nichts Besseres einfällt und die Chantal, die seit der ersten Fünften neben ihr sitzt, Visagistin macht. Noch im ersten Lehrjahr wird sie eine Allergie gegen allerlei Chemikalien entwickeln, woraufhin sie bei Lidl Regale einräumen geht, aber bis dahin wird sie auf die ganzen Omas herabblicken, die sich von ihr die Haare lila dauerwellen lassen, und es für ein unheimlich wichtiges soziales Engagement halten, wenn sie ihre Kundinnen extra unhöflich behandelt. Fortan erzählt sie jedem, dass sie fürs Leben ja ihr Jahr Frisörlehre hat, das kann ihr keiner nehmen.

Mit 18 lässt sie sich eine Familie gründen, von einem subalternen Drogendealer, der nicht sehr viel jünger als ihr Vater ist, falls sie eine Erinnerung an ihn hat. Wenn ja, dann keine gute, nur die verschwommene, wie er zwei-, dreimal die Woche zu ihr ins Zimmer kam, "zum Zudecken", um ihr "kleines Geheimnis" zu erneuern.

Zuerst hausen sie in einer untapezierten Höhle mit einem Fleischfliegenstamm zusammen und leeren Getränkekisten als Sitzmöbel, aber ich komm bald ganz groß raus, dann hol ich dich hier raus, Baby.

Noch bevor Leon-Marvin in den Kindergarten kommt, wird der Vater wegen einer größeren Ansammlung kleinerer Verstöße gegen Eigentums- und Betäubungsmittelgesetze eingebuchtet, in seiner Frau hat er zuletzt sowieso nur noch eine Art bösen Geist gesehen, weil eine normale Frau keine drei Tage so viel ertragen könnte, wie er ihr die letzten Jahre zugemutet hat, ich weiß, ich bin so ein Schwein, Baby, ich hab immer gewusst, du bist für was Höheres bestimmt, vielleicht bist du doch einfach zu gut für mich.

Endlich kriegt sie die Scheidung durch, offiziell damit er sich nicht weiter an seinem Sohn vergreifen kann, wie es ihr früher passiert ist, und an dem er neuerdings die Vaterschaft bestreitet, aber aus ihrer Sicht: weil Sex ja doch irgendwie dazugehört. Da ist sie immer noch weit unter 30 und lässt sich von einem noch Älteren einwickeln, der das alles schon hinter sich hat. Der bietet ihr das Reihenhaus, das sie sich schon lange erträumt und nach der ganzen Scheiße ja auch verdient hat.

Falls sie mit 40 noch nicht auf einer Bahnhofstoilette aufgefunden wurde, lässt sie sich von ihrem Derzeitigen etwas wie Jacqeline’s Woll’läd’le als Abschreibungsobjekt anmieten und einrichten. Die creative Arbeit liegt ihr, das wollte sie ja schon damals als Frisöse: sich selbstverwirklichen. Aus ihr hätte richtig was werden können, wenn diese bescheuerte Allergie nicht dazwischen gekommen wäre, daran glaubt sie fest ein Leben lang.

Um vor ihren Kundinnen repräsentativ dazustehen, lässt sie sich selbst die Haare lila dauerwellen und pflaumt entschieden zurück, wenn die jungen Gänse von Frisösenazubis ihr nicht devot genug kommen, schließlich hat sie es geschafft und ist jemand.

Einen Internet-Auftritt braucht sie selbstverständlich auch, hat man ja seit dem letzten Jahrhundert. Weil sie bisher immer nur gechattet hat, und zwar in Abkürzungen, hat sie das selber nicht so drauf und muss leider so einen studierten Loser von Webdesigner anheuern, der ihr mal schnell was auf so ein Serverding drauflädt. Und wehe, die Kundschaft kommt dann nicht in ihre umgebaute Eckkneipe in der Vorstadt geströmt, dann macht sie ihn fertig, den arroganten Sack, der dauernd nur von Strategie und Marketingzielen labert, statt ihr Geschäft nach vorne zu bringen, obwohl sie ihm fast so viel zahlen wollte wie dem Nerd von ihrem Nachbarn, der sich mal von Limewire Photoshop gesaugt hat.

Alt wird sie nicht, aber hey, nur die Besten sterben jung, und sie hat schon immer gesagt, sie wünscht sich lieber ein erfülltes Leben als sechzig, siebzig Jahre vor sich hinzudämmern.

Leon-Marvin hat mit zehn angefangen zu ritzen, wird wahrscheinlich schwul und fängt ein paar, wenn er das erste Mal mit rußschwarz gefärbten Haaren nach Hause kommt. Um die Veilchen zu vertuschen, schminkt er sich das Gesicht kalkweiß und betrachtet sich als Gothic.

Man kann immer schlimmer enden, und als Held, erst recht nicht als Heldin, wird man nicht geboren, Held ist man jeden verdammten Tag aufs neue, und ist das vielleicht nichts, einen Strickladen in der spießigen Wüste der Vorstadt wenigstens versucht zu haben? Gut, wenn man eine Ahnung von diesem "Marketing" mitgekriegt hätte statt dieser verdammten Allergie…

Film: TV total, 1995.

Wir könne alles –


– außer kochen.

Oder was soll mir dieser brandneue TV-Spot über Badem-Württemberg von Scholz & Friends jetzt sagen? "Wir können alles – außer Hochdeutsch" – Dieser ironische Bezug zur Sprache sitzt meiner Meinung nach jetzt nur noch leer im Claim, zahlt nicht mehr auf die Kompetenz ein und hängt hilflos in der Luft. Anderer Meinung?

Bedenken Sie bei Ihrer Replik: Spaghetti sind alles andere als ein Bild oder Gegenbild für Deutsch. Funktioniert nicht, da italiano. Rumrascheln mit Spätzle, das wärs gewesen!

Ihre
Köchin von the missing link

Vroni Gräbel

the-missinglink.de
gute-worte.de

 

Prekäres Handwerkerbairisch

Gedächtnisprotokoll des Briefings für unsere Badezimmerrenovierung. Memo an mich: Argumentationsführung gegenüber eigenen Kunden möglichst unverändert übernehmen.

Des konn i Eahna scho maaha.

Ois konn i Eahna maaha, wann Sie des zoin woin. I konn Eahna aa Ihr Bodwanna vagoidn, vastengens, wanns ma foing kenna? Bloß ob Sie mir des zoin, des is halt des andere.

Etz schau ma hoit a moi, naaha seng ma scho, gä?

O mei…

Au wäh zwick…

Omeiomei…

Å, å, å-å-å…

Wer hot Eahna na des do eibaut?

Ham Sie des so abgnomma?

Naja, iatztn schau ma hoit amoi, ob ma do no wos rettn kinna…

Wos? Wos stäin Sie Eahna do für? Und des glaam Sie, dass des a so geht?

Jaaaaa…

Wissns wos, i schreib Eahna dahoam des Angebot, weil iatz woaß i wia des ausschaugt bei Eahna, und Sie entscheidn des nachat in Ruhe. Gä? Mach ma des a so?

Weil so wia des ausschaut, konn i natürli fir nix garantiern, verstengens scho. Aber wenn ma do ois rausreißn miassn, dann ham halt Sie den ganzn Haffa Dreeck rumlieng, des gäht iatz amoi net anders.

Jaja, di Fürkehrungen miass ma scho eihoitn, da kemmans ned drumrum. Säiwa maaha derfas do nix. Des is ja a ganz… a ganz a hinterkümpftige Sach, gä? Sie ham ja die Ausbuidung gor net, da derfa ja Sie gor net hiiglanga.

Jaaaaa, aa wenn des in andre Länder zuaglassn is, des huift Eahna ja nix. Des Zeigl geht bei die andern Länder genauso ind Luft wia do, des huift ja nix.

Jaja, und af Rechnung miassmas scho aa maaha. Weil wenn Eahna hinterher wos is und des kummt raus, wos soongsn dene dann!

Und säiwa maaha… Ja mei, wia xagt, gä: Säiwa hiilanga derfas net. Do branungma mir inser zuaglassne Budschaare.

Ja und sejbst wann Ihr Nachber des vor zwanzg Johr gmacht hot, des huift Eahna ja nix. Des machma iatz gscheit, und dann fliagt Eahna aa nachant net des ganz Zeigl um d’Ohrn.

Jajaaa, des griang ma scho. Gä? Und Sie riahrn Eahna dann. Und wamma dann amoi a Woch Zeit hom, dees Monat no oda des näxte, na kemma oofanga.

Nanaaa, des is koa Broblem! A Broblem is wos anders! Aba büllig kimmt Eahna des ned, so vui konn i Eahna glei song.

Allllles klar, Herr! I schreibs Eahna ois zam, und Sie riahrn si dann, ob ma des a so maaha. Weil geh – geh duad ois. Nent?


Siehe auch: Ludwig Thoma: Ein Münchner im Himmel.