Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Monat: Oktober 2007

Every You Every Me">Every You Every Me

Wer zum Teufel heiratet an Halloween?

The Crow

Zu Halloween, zugleich Samhain, Weltspartag, Reformationstag und Namenstag des Texters, begeht the missing link, Ihre Lieblingsagentur für scary spooky awesome Werbung und Kürbissuppe mit viel Muskat, die Fusion einer marktwirtschaftlich versierten Eine-Frau-Designschmiede mit einem populärwissenschaftlich universalgebildeten Stubengelehrten. Das verbindende Mandatory Element war die Liebe — und zwar zu Werbekunden, die sich ungern verarschen lassen.

Wolf meint: "Das verflixte Siebte hätten wir dann auch weg."

Vroni meint: "Unerheblich. Mich interessiert, wie lange wir noch müssen."

Lieder: Placebo: Every You Every Me und Without You I’m Nothing
aus: Without You I’m Nothing, 1998.

Le lait fait des hommes fatigués gaillards

Schade, dass Hamlet Hamster die ergiebigsten Kalauer dazu schon verschossen hat.

Verwandte Fachliteratur: Eugen Egner: Androiden auf Milchbasis, Haffmans 1999.

Die Sprache, die sie verstehen

Warum bau ich nicht mal selber sowas, was sich die Leute ins Blog embedden?

Moritz meint: "Weil ich wegen viralem Marketing von Anfang an nicht hinterm Ofen vorgekrabbelt wäre."

Die dunkle Seite stark in dir ist

Kostenpflichtiger Bildschirmschoner!

Kult seit 2005. Sujet: Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith. Stummschaltung z.B. innerhalb Windows Media Player oder PowerDVD. Neustart nach 134 Minuten erforderlich. 41 Angebote ab 12,35 Euro.

»München ist eine Stadt für Schweinebauchagenturen«

"Als Jung von Matt ihre Dependance an der Isar dicht gemacht hatten, hat
mir eine ihrer quirligen Art Direktorinnen nach dem dritten Glas Wein
kichernd den Grund des Weggangs verraten:

München ist eine Stadt für Schweinebauchagenturen."

Quelle und Zitat: Atelier Beinert, München, Berlin. Sehr lesbarer Beitrag, guter Mann und ebenso wie ich Fan von KMS-Team.

Weitere Seite von Beinert: Hans Herrmann Wetcke über den Zustand des Designs in München. Eine Standortbestimmung. Hochaktuelles Fazit und Schlusskommentar von Beinert (Zitat):


[1] Anmerkung aus der Sicht des Jahres 2007: Das
Design Zentrum München (DZM) existiert in dieser Form nicht mehr, Herr
Wetcke hat seine Funktion als GF aufgegeben, die »bayern design« hat
München verlassen und residiert jetzt in Nürnberg, die überteuerte »Strukturanalyse von Roland Berger« stellte sich als unhaltbar und unbrauchbar heraus, Rolf Müller und Pierre Mendell haben inzwischen ihre Designstudios aufgegeben, Wolfgang Beinert hat München 2006 fluchtartig in Richtung Berlin verlassen,
die Ausbildungssituation ist noch katastrophaler geworden, z.B. wurde
die Fotoakademie aufgelöst und die FHM hat bis heute aufgrund fehlender
Qualifikation keinen Master-Studiengang (Design), das Modemuseum wurde
aufgelöst, die Kulturreferentin wurde gefeuert, angekündigte und
beschworene »Designprojekte« der »bayern design« erwiesen sich als
Placebos und diverse private Initiativen, beispielsweise das Design-Kulturzentrum oder der Designcenter München, sind aufgrund mangelnder Unterstützung und vehementen Widerstands kläglich gescheitert. München die Hauptstadt des Designs?

Hach, residiert in Nürnberg… (= Hat leider nicht viel Geld für große Sprünge, so ist das im Hightech-Bayern.)

the missing link kommt aus Franken (Fachhochschule für Gestaltung, Nürnberg). Den Schweinebauch* überlassen wir unserem Münchner Stadtteilmetzger ums Eck, Richtung Zenetti, der kann das besser. Sein Name ist Bauch, Magnus Bauch.

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* Zur Information für Nichtschweinebaucher und andere Gestalten:

"Schweinebauch" means:

1. Schlechte Gestaltung

2. Alle Anzeigenelemente eng und unlesbar auf einen Raum, möglichst dicht zupflastern

3. Konkret: die  berühmten (optisch sehr grauslichen) Anzeigenfriedhöfe & Donnerstaganzeigen des Einzelhandels von Supermarkt- bis Metzger-Sonderpreisen in 60 Punkt. Donnerstag, weil die Hausfrau dann ihre Wochenendkäufe zusammenstellt und die Beilagen studiert. Ob sie es heute noch macht, weiß ich allerdings nicht.

Vroni Gräbel

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Und wer sind Sie? Das Wochenendrätsel für Leute, die auch am Wochenende nur ans Büro denken können.

Möglichkeit 1:
Autonom agierende Einheit (AAE)
Kollege, der sich
nicht mit Kollegen abspricht und alleine vor sich hinwurstelt, Sonderform des
Büro-Autisten (Nikolaus Bernhardt)

Möglichkeit 2:

Clownfrühstücker
nervt beim 8-Uhr-Meeting mit seiner
überschwänglichen Witzigkeit den müden Kollegenrest (Peter Kahler)

Möglichkeit 3:

Frolic-Stanzer
ist zu nichts anderem zu gebrauchen,
als das Loch in die Frolic-Ringe Hundefutter) zu stanzen (Michael
Schmidl)


Und noch:
Mister Crocodile
auftauchen, Maul aufreißen, abtauchen
(Hans-Jürgen Teßnow)

aka
Hubschrauber
fliegt ein, wirbelt Staub auf, fliegt
wieder ab – zum Beispiel CEO zu Besuch bei der Tochterfirma (Bernd
Wachtendorf)


Management by Champignon

Sobald ein Mitarbeiter den Kopf aus dem Dreck streckt, wird er geköpft (Brigitte Falk)

Gleitzeitökonom
ab 17 Uhr daheim (Frank Simon)

Käserei
Strategieabteilung, Marketingabteilung
(Norbert Gülk)

Unfallflucht
Urlaub gleich nach Projektende
(Norbert Gülk)


                                                          Have fun!


(Quelle: Die Besten aus der SPON-Typologie, der Rest ist Müll. Dort nennen Sie es Büroschimpfwörter, the missing link findet es beängstigend real.)

Vroni Gräbel

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Geschmäcklerisch und Geschmack

Eine neue Seuche ist auf dem Vormarsch. Das Geschmäcklerische.

Klinik (wissenschaftlicher Ausdruck für Symptomatik, evidente Krankheitssymptome):

Kurzatmigkeit ("Wir brauchen binnen kürzester Zeit ein neues Logo, denn der Branchenkatalog wird im November gedruckt".)

Hyperventilation (Überall anfragen, auch Billigheimer inklusive Blümchendesigner und Konzeptions-Trottel)

Herzrhythmusstörungen ("Unser Unternehmen soll umgebaut werden, aber wir wissen nicht, in welche Richtung.")

Diffuse Magenbeschwerden (Der veranschlagte Preis – höher als geplant, da echt Schwerarbeit – zu dem als Ergebnis wirren Briefing schmeckt nicht und verursacht Kneifen unterm Solar Plexus)

Depression und Flucht aufs Seidenkissen, Beantragung von Hausbesuchen ("Wer das Haus besichtigt, kann sich doch irgendwie ein besseres Bild vom Unternehmen machen.")

Endstadium Katatonie. Starre. Mangelnder  Mut zur Unterscheidung. ("Eigentlich ist ein Weinblatt (eine Reblaus, oder weitere ausgelutschte Allerweltssymbole nach Belieben einsetzen, etc.) doch recht schön, wenn man es gefällig umsetzt." Ursprünglich geplant war aber ein hoher Wiedererkennungswert, der von anderen unterscheidet.

Geschmack ist, wenn man Stil und Uniqueness hat.
Gechmäcklerisch sein ist: keinen Geschmack haben. Dafür Ängstlichkeit. Nach verstaubt-modischer Gefälligkeit schielen und möglichst keine inhaltlichen Aussagen treffen.

Wer Geschmack hat und sicher ist, fällt auf. Gelegentlich sogar spektakulär, aber immer angenehm. Wer geschmäcklerisch ist, fällt nicht auf. Er ist und bleibt Durchschnitt.

Krankheitsentstehung/Ursachen:
Erreger unbekannt. Es wird eine genetische, aber auch gesellschaftliche Disposition diskutiert, die den Ausbruch des sich ständig wandelnden Virus fördert.

Analyse:
Mängel in der Medienkompetenz, der musischen und kulturellen Ausbildung von Aisthesis (Wahrnehmung) und folgerichtigem logischem, aber auch prozessualem Denken seitens der Schulen und der Elternhäuser stehen als Hauptkatalysator des Geschmäcklerischen im Vordergrund

Früherkennung:
Signa Minima: Unsicherheit.

Therapie:
Keine. Besteht derzeit nur in der teueren* Linderung der Symptome.
Da fast alle befallen sind, fällt die Krankheit nicht weiter mehr auf.

* Gut zureden, beraten, gut zureden,  beraten, gut zureden, beraten, gut zureden, beraten, gut zureden, beraten, gut zureden, vorexerzieren, zeigen, belegen, vorexerzieren, zeigen, belegen, vorexerzieren, zeigen, belegen, vorexerzieren, zeigen, belegen, wieder gut zureden,  beraten, gut zureden, beraten, gut zureden, mit viel List Entscheidungen herbeiführen. Rechnung stellen.

* So. Da ist, was es so teuer macht: der unglaubliche Energie- und Missionierungsaufwand, unzählige Telefonate, Besuche, Präsentationen beim bestehenden Kunden. Damit etwas herauskommt, dessen man sich als Designer und als Kunde halbwegs nicht schämen muss. Betriebswirtschaftliche Anmerkung: Irgendwo muss sich der Aufwand in der Rechnung wiederfinden. Aber manche Kunden glauben, wir machen das so aus Spass, weil wir so gerne reden. Liebe Kunden, ihr könntet es preiswerter haben.

Vroni Gräbel

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Stilfragen: Ente oder Badebiber.

Als Gestalter befummeln gestalten wir nicht nur Papierenes und schubsen nicht nur Pixel, sondern nehmen intensiv Anteil an der übrigen dinglichen Welt. (Richtig erkannt, es ist wieder Geschenkezeit so langsam.)

Was die dingliche Welt betrifft, gehöre ich eher zu den Klassik-Liebhabern unter den Designern, die nicht unbedingt Lavalampen oder poppige Kuhflecken-Styles haben mussten, als sie noch in waren. Ich bevorzuge die Urform der Dinge und bin ein typischer Manufaktum-Kunde. Das ist mit der Kindheit zu erklären, die Eltern sind an allem schuld.

Jetzt habe ich ein ein klares Defizit entdeckt, das meine blinden Wahrnehmungsflecken erklärt: meine Kindheit musste ohne Badebiber auskommen, obwohl der ganz klar zur kindlichen Standardausrüstung gehört:

Badebiberbaby

Ich hatte nur die klassische gelbe Ente in der Wanne und musste die auch noch mit den Geschwistern teilen. Am Schluss malte ich sie mit einem Filzstift liebevoll nach, als ihre Augen anfingen, wegen der ständigen Baderei vom Lack zu fallen.

Aber sowas, nein sowas habe ich einfach nicht gemacht, das verbot mir der Respekt vor der Essenz der Dinge. Ich weiß auch nicht, wie diese Ente ihre Ganzkörpertätowierung seelisch verkraftet:

Schottenente

Diese und noch viel mehr Designerenten – von der Flowerpowerente bis zur Leolilly oder der BlackAdder-Ente oder Diamond-Ente – zu je 19 Schweizer Fränchchchli das Stück gesehen auf http://www.la-casa.ch

Zum Abschluss noch mal zur Erinnerung (ich will bei Ihnen die Kindheit triggern, jawohl) die hypnotische  Farbe Badeentengelb, so muss das gehen unter uns Klosterschwestern Puristen.

Yellow

Vroni Gräbel

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Doris Lessing kriegt den Nobelpreis.

Erster Gedanke: „Wie — hat’n die nicht längst?“

Zweiter Gedanke: „Wieso bei den Longlist-Zahlen noch mit 87?“

Dritter Gedanke: „Hat das die dpa aufgebracht, dass ihre größte Leistung anscheinend darin besteht, die Tante vom Gysi zu sein?“

Vierter Gedanke: „Na so schlimm, wie der Ranickel tut, is es nu auch wieder nicht.“

the missing link, Ihre Lieblingsagentur für engagierte Longseller und späte Anerkennung, gratuliert Doris Lessing — und dann auch gleich Julia Franck zum Deutschen Buchpreis.

Doris Lessing Julia Franck

Bilder: Doris Lessing via Wikimedia Commons; Julia Franck via Die Zeit; Lizenz: Creative Commons.

Dem Unaufgeregten mit Interesse lauschen

Buchmesse! Mehr books per minute als selbst, sagen wir, weiland Wieland in seinen achtzig Jahren gelesen und geschrieben hat (mein Gott, stellen Sie sich vor die Brauerei und fragen jammervoll, wer das alles trinken soll?)! Merchandising, das live in der Halle gekocht wird und die Konkurrenz in drei zusätzliche Mittagspausen drängt (und kriegen Sie heute mal Messemiezen, die kochen können, unter fuchzig am Tag)! Besoffene Verleger ab 14 Uhr (die ständigen Proseccoempfänge schaffen jede Leber)! Hübsche Buchhändlerinnen!

Vor allem Hörbücher sind ja seit 1995 kurz davor, in zu werden. Laut der Literaturbeilage der SZ vom 9. scheint es sich in einem Fall zu rentieren. Heinrich Böll (kennt den noch jemand?) hat selbst vorgesehen, dass seine Bücher vorgelesen werden, und bevor sich wieder irgendwelche Serienschauspieler zwischen zwei Engagements daran vergreifen, hat er das lieber selbst gemacht.

Heinrich Böll: Hörwerke. Originalaufnahmen 1952—1985 liegt jetzt auf 25 CDs vom Münchner Hörverlag, der Mutter der Hörverlage, für wohlfeile 99 Euro vor. Lieblingsstellen aus der Besprechung von einem gewissen jby in der Süddeutschen sind von mir hervorgehoben:

Böll spricht sie, als wolle er jede Gefühlsaufwallung beim Hörer vermeiden: nüchtern, in sich gekehrt, am Satzende die Stimme senkend. Das klingt, als rede er mit sich selbst. Nun, da die alte Bundesrepublik unserem Blick immer mehr entschwindet, lauscht man dem Unaufgeregten mit Interesse. Es war nicht alles schlecht.

Wo wir uns gerade so schön über Wieland und Weihnachten unterhalten: Jan Philipp Reemtsma hat soeben Aristipp und einige seiner Zeitgenossen auf 24 CDs eingelesen. Mjamm. Unaufgeregte Besonnenheit bekommt ein Publikum, ach was sag ich: eine Lobby.

Wenn ich alt und grau bin, bringe ich’s noch dahin, dass mir mal jemand ein Wort glaubt.

Pilotstudie beweist: Kreative Werbeansätze zahlen sich doch aus.

McKinsey hat es jetzt schwarz auf weiß:

"…besorgte sich McKinsey 100 Einreichungen beim GWA-Effizienzwettbewerb Effie 2005, von denen letztendlich aber nur etwa 30 verwendet werden konnten. Als Messgrößen für den psychologischen und ökonomischen Werbeerfolg zog das Forscherteam Erinnerungswerte (Recall) und Marktanteilsänderungen heran. Aus Gründen der Operationalisierbarkeit beschränkte es sich auf TV-Spots. Wichtig dabei: Alle hatten einen vergleichbaren Werbedruck."

(Quelle: W&V print)

Puristen, und davon gibt es viele Unternehmen, die zäh verteidigten, dass kreative Werbung nur der Eitelkeit der Werber diente, müssen in dieser Studie erfahren, dass dem nicht so ist.

"Grundsätzlich gilt: Je kreativer die Werbung, desto höher die Chance, dass sich das Produkt gut verkauft. Umgekehrt fand die Studie auch heraus: Nicht jede erfolgreiche Werbung ist kreativ."
[…]
"Die Analysen zeigen: "Je höher die Kreativität, desto höher die Werbeerinnerung", erläutert Wagener. Dagegen wirkt sich ein hoher Content-Fit signifikant negativ auf die Werbeerinnerung aus. Möglicherweise liegt dies an dem fehlenden Überraschungseffekt, interpretiert Wagener das Ergebnis. "Wer nur auf Content-Fit setzt, um Erinnerung zu erzielen, macht schlichtweg einen Fehler", ergänzt Perrey."

Aber auch reiner "Content-Fit" (sachbezogene, langweilige Werbung) kann es bringen. Aber nur, wenn er wirklich rüberbringt, um was es geht.

Und genau da hat der trockene, von manchen KMU-Unternehmern hochgepriesene "Sachbezug" seine entsetzlichen Macken: Weil das Produktprofil oft nicht sauber sitzt, das Ganze öd oder wirr getextet ist, schießt sich der sogenannte Sachkontent sauber ins Aus, merkfähig ist er dann schon gar nicht. Doppelgähn.

Ich halte schon immer am meisten davon, einfach zu differenzieren: stark kreative Ansätze da, wo es das Produkt – oder die Dienstleistung – braucht. Sachargumente da, wo man am ehesten ein Ohr beim Zielpublikum finden wird.  Und geschickt die jeweiligen Mediakanäle anzapfen.

Wie immer eben: Fingerspitzengefühl statt laut rumtönender Dogmatik.
Kreativität ist nicht tot, sie wurde nur in der letzten Zeit von der Übermacht der Sachpuristen in die Schmuddel-Ecke der Lumperkinder gestellt. Das dürfte nun vorbei sein.

Was nun tun? Wer braucht die kreativen Ansätze, wer sollte lieber brav und stimmig bleiben? Da gibt es tatsächlich Erkenntnisse über die zwei Enden des Schiebereglers: Schnelldrehende alltägliche Konsumgüter dürfen langweilig-stimmig-brav sein. Dann seien sie dennoch erfolgreich. Sagt man. Bei solchen Low-Interest-Produkten käme es darauf an und genüge, wenn der Produktnutzen glaubhaft kommuniziert wird. Bei den anderen Produkten und Branchen gilt: je emotional aufgeladener die Produktkategorie, desto kreativer dürften sie beworben werden: Autos, Fußball und weitere kleine Aufreger^^.

Unternehmensberatung und Diatpulver sind dann so mittel.

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Update:

Richtige BIG IDEAS hatten jedoch seit eh und je beides: Hoher Kreativer Ansatz UND Sachbezug stimmte.
Vielleicht sollten wir alle wieder zu der Kultur der BIG IDEA zurückkehren, dann muss man sich nicht entscheiden zwischen den beiden nie ganz zufriedenstellenden Alternativen "spinnert kreativ aber ohne Sinn und Verstand" und "so langweilig, dass es einen umbringt".

Dann ist man auf der ganz sicheren Seite, hat den größtmöglichen Erfolg und derartige Scheinstreitereien und Scheinalternativen just for the sake of PR wären beendet. Der einzige Grund, der mir einfällt ist, warum die BIG IDEA am Aussterben zu sein scheint, ist, dass Agenturen diese immer weniger hinkriegen: sie verlangt höchsten Einsatz an Kreativität, die Bereitschaft viele, viele, gute Ideen zu kreieren, nicht zu früh an den Mac gehen (weitverbreiteter Fehler in Agenturen), und nur eine dann leben zu lassen UND Schleifarbeit in höchstem Stress. Die letzten beiden Punkte sind nicht so beliebt. Aber Werbung und Kommunikation sind kein Ponyhof.

Vroni Gräbel

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innovativ preiswert kompetent

Mein Liebelingsmagazin PEARL lässt es auf Seite 10 wieder krachen (dafür mag ich es):

Fotopapier fast so günstig wie Klopapier

Und löst diese Headline so auf toppt das noch mit diesem Copy-Einstieg:

Für jeden Tag, aber alles andere als alltäglich. Dieses seidenmatte Papier ragt aufgrund seiner brillanten Druckeigenschaften deutlich aus der Masse heraus.

Ich habe nur eine Frage: Was raucht man so bei PEARL.


Shit in – shit out? CMS – für wen ist es gut.

Weil ich das oft gefragt werde, ob ein CMS (Content Management System) für die eigene Kunden-Website nicht gut wäre.

Zuerst und kurz zum technischen Unterschied: Bei statischen Seiten (Nicht-CMS) gibt
der Server sofort das HTML oder XHTML aus und bei CMS (oder über PHP, o.a. serverseitige
Skripte) generiert der Server erst das HTML-File.

CMS-Systeme wie Contenido oder Typo3 sind nur sinnvoll, wenn Sie Ihre Seiten täglich bis wöchentlich aktualisieren. Der ganze Aufwand ist sonst etwas überfrachtet, denn es belastet den Server, immer wieder die gleichen Seiten zu generieren, die zu 99 % gleich
bleiben. Ausnahme: Ihr CMS cached das HTML. Zu fragen ist doch, welcher Kunde editiert seine Seiten wirklich komplett und selbst. Oft sind es nur spärliche News, die anstehen. Dafür brauchen Sie kein CMS.

CMS ist in der Praxis für den Endanwender wider Erwarten nicht so einfach. Keines. Wenn man genau nachdenkt: Wer hier vorwiegend den Vorteil hat, ist der CMS-Anbieter, der meist gleichzeitig auch der Schulungsdienstleister ist. Durch das Honorar für Schulungen
und erforderliche Unterstützung beim Endkunden verdient er sein Geld. Der vielversprechende Kundennutzen des CMS, angeblich kinderleichte Bedienbarkeit ohne Html-Kenntnisse plus Zeit- und Geldersparnis bei hoher Aktualität der Inhalte, kommt so bei einem Großteil der Kunden nicht zum Tragen: Sie schaffen es auch danach einfach nicht, es problemlos anzuwenden. Ich meine damit nicht CMS-basierte Profisites wie die vom ZDF, sondern
typisch mittelständische Firmen-Sites im B2B.

Selbst eine, jungen uninahen Biotech-Startups nicht unbekannte, wirtschafts- und schnittstellenfördernde Website der bayerischen Staatsregierung (mit vielen Aktualisierungen) arbeitet mit einem zwar eigens dafür konzipierten CMS, das nicht billig war. Bei dem die Einträge von der CMS-Firma dann aber selber eingepflegt werden, nachdem ihr die Manuskripte von den zuständigen Mitarbeitern geschickt werden. :-) Soviel dazu.

Glauben Sie also nicht den Versprechungen von Einfachheit der unzähligen CMS-Anbieter von entweder extra zugeschnittenen opensource-CMS oder fertigen CMS-Paketen im Preisbereich von 299,00 € oder 799,00 € bis über 20.000,00 €. Die Praxis aus Sicht von zu CMS-Beiträgen "verurteilten" Mitarbeitern sieht haareraufend anders aus, habe da gewissen Einblick. Unser Blog ist zwar ebenfalls ein CMS, aber ich raufe mir nicht die Haare, da ich es täglich bediene und dazu noch HTML kann.

Das Wichtigste ist immer und immer wieder die
saubere technische Trennung von Design (CSS = Cascading Stylesheets) und Inhalt, egal ob CMS oder statisches XHTML. Nur dieses getrennte Vorgehen erspart im Grunde die Zeit beim Programmieren/Editieren. Genau das macht standardkonformes, W3c-valides XHTML, wie es the missing link anbietet: trennen und Zeit sparen.

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Die Frage, die einen aber noch mehr beschäftigten sollte, als die angebliche Einfachheit und Schnelligkeit von CMS, ist die, wer denn diese Inhalte rein stellt und was er/sie schreiberisch drauf hat. Das soll ja mal irgendwann ein Rezipient gerne lesen, das soll jemanden interessieren oder gar zu einer Tätigkeit auffordern. Zu was ist das Netz sonst da. Und da sehe ich einige Fallstricke und Fehlbesetzungen bei einer Überzahl von Websites: einfach wirr oder langweilig geschrieben, Ziel der Site nicht erreicht (Besucher, Bestellungen, Klicks). Aaaaber CMS!!!

Ein Beispiel (ob CMS oder statisch, egal):

 

Taste a difference
visit us at anuga

(Die Interpunktion ist übrigens genauso wie hier zitiert…)

Und geht gleich weiter unter dem sexy Menuetext "Industry Profile" :-( :

Overview

The South African agricultural sector
provides a host of investment and export opportunities in a number of
different sectors. As a country with different climatic regions, from
semi-arid to sub-tropical, a wide variety of crops, livestock and game
are to be found. A sound transport infrastructure, deep-water ports,
international airports, long-established cold-chain facilities, a
well-developed financial services sector, and a commitment on the part
of government to promoting and developing an efficient and innovative
industry complement these.

[…] und so geht es in einem fort, wobei ich mich frage, ob die Belehrungen über Südafrika einen Einkäufer, der einfach nur ein tolles südafrikanisches Produkt auf der Messe entdecken will, wirklich interessieren. Ihn interessiert doch eher, was es kann, was es von der Wertigkeit, dem Geschmack und dem Image für den Endverbraucher/Hotel/-Restaurantgast bedeutet. Und vielleicht noch die Liefermengen des Landes. Leider ist der ganze restliche Text so: Websitebetreibertypische Sicht-von-Innen und Erklärbär-Haltung, statt an den Benefit des Interessierten zu denken: Welche Informationen er wirklich braucht. Sowas destilliert ein Texter mühelos raus, schreibenden Kunden gelingt das erfahrungsgemäß weniger, wie wir hier auch sehen. 

Quelle: http://www.suedafrika-wirtschaft.org/anuga/industry.profile.html

 

Bei dieser Textwüste muss man den Leser an einen Stuhl fesseln, knebeln und drunter schreiben: "Zur unbedingten Sicherung der Aufnahme längerer Texte". Die abgeschriebene Geografiestunde endet so (letzter Satz –  Sie merken, ich will Sie schonen und es kurz machen…, liebe Südafrikaner, diesen sanddünenlangen, gepardfurztrockenen Text liest kein Mensch!):

South Africa is the world’s largest supplier of ostrich meat and leather, slaughtering more than 240000 birds per year.

… slaughtering more than 240000 birds per year.

Mit so einem merkwürdigen Infoknaller (vorher wenig Zahlen… dann diese) beendet man keine Textseite, weder im Print noch im Web. Außer man will einen Cliffhänger zu einer noch schrecklicheren Nachricht, die der unschuldige Leser auf der Folgeseite wähnt (SPIEGEL-Taktik?).

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Fazit:

CMS ist ein Tool für Leute, die keinen Bock auf Programmieren haben, aber Bock auf Training und laufende Übung mit dem Editor und diversen Funktionen haben müssen. Und wenn es geht täglich. Denn wer das Tool nur alle acht Wochen anfasst, muss leider wieder von Neuem überlegen: Sakra, wie ging das eigentlich? Das kostet nur Zeit und Nerven. Und schreiben müssen sie können und Inhalte so rüberbringen können, dass sie faszinieren. Können Sie es? Viele Leute glauben, sie können gut schreiben, aber sie tun es nicht.

Wenn Sie jetzt sagen, der monierte Text sei doch nur für die Einkäufer/Messe-Pressefritzen/Fachleute, die sich grob informieren wollen. Der müsse doch keinen Pulitzerpreis kriegen. Es reiche, wenn der Websitebetreiber so etwas selber schreibe, dann entgegne ich: Schlechte Texte sind auch im Internet schlechte Texte und schaden der Site und ihren Zielen. 1. Denken Sie an den Leser und treten Sie in einen Dialog statt einen Monolog. 2. Surfende Einkäufer sind auch nur Menschen. Sie haben wie Endkonsumenten ein Recht auf ansprechende Kommunikation, die interessant auf den Punkt kommt. Zweitens sind sie Menschen mit beruflich wenig Zeit, man sollte sie ihnen deshalb nicht stehlen.

Sind Sie jetzt immer noch der Meinung, dass CMS ganz toll ist, weil man sich damit den Gang zur Agentur spare? Ich zitiere hier mal einen Unternehmer (30 MA), der sich in einem Fachforum an zwei Fachkollegen so geäußert hat:

"… hat Ihnen schon mal jemand gesagt dass CMS nix weiter als "Shit in –
Shit out" ist…. und dass man es mit diesem wunderbaren Tool ganz
einfach hat…. man kann jede Menge Mist ganz schnell und einfach ins
Netz setzen… :-)" 

Ich hoffe aber, das war kein Mist, was ich Ihnen hier erzähle. Bleiben Sie mir gewogen, beim nächsten Mal wird es auch nicht mehr so lang. (Manche Themen scheinen es leider zu brauchen.)

The North American Indian bei Ikea

Was hätscheln eigentlich alle dauernd diese wohlfeile German angst, dass Amerika die Weltherrschaft anstrebe? Richten Sie den Blick mal nach Schweden, wie hinterkünftig die das machen. Robben jagen und Elche umsägen erfordert mehr Feingefühl, als einen Indianerstamm aus dem Fort zu ballern.

Unsere Kindheit ist möbliert mit Astrid Lindgren, meine zusätzlich mit Abba, unsere sterblichen Hüllen mit H&M und unsere Wohnungen mit… Erraten. Im Neuheitenkatalog zerrt Ikea ab sofort ganz unverhüllt die nordamerikanischen Ureinwohner herbei:

neu RIDÅ Wanddekoration 29.90 Sitting Bear — Arikara. Kann auch als Wandteiler oder Sichtschutz verwendet werden. 15×200 cm. 101.098.63

Sitting_bear

Bild: Edward S. Curtis 1908 für Old Pictures; Lizenz: Public Domain.

Vorahnung…

… auf den Herbst.

Wirkt ganz groß an der Plakatwand noch viel ausgefeilter und überraschender
(ein Unterschied wie zwischen Youtube-Flickerflacker und Kinogroßleinwand):

Premonition

Neukundengewinnung

Akquirieren von Neukunden über telefonische
Kalt-Akquise ist nicht jedermanns Sache, zumal man als Betroffener selber genervt ist von fremden Cold Calls.

Hier biete ich eine erprobte
und funktionierende Methode an, die Sie kostenlos von mir bekommen. Senden Sie mir einfach eine E-Mail an join@vroni-graebel.de

Keine Angst, ist nichts Unseriöses. Und Ihre Mailadresse wird auch nicht illegalerweise an Adresshändler verhökert (Datenschutzgesetz).

Logostern

Gestörte Körper- und Selbstwahrnehmung…

…beginnt früh.
Und Dove kümmert sich. Damit wir erleichtert… Dove kaufen.
Tolle Firma, oder?


Die Frage ist nur, ob UNILEVER – Dove ist von UNILEVER – in seinen restlichen Produkten mit seiner vorbildlichen Frauensicht auch so vorbildlich ist.

Als da sind u. a. :

LÄTTA

Magnum

Rexona

Viss

Das Frauenbild dieser letzteren UNILEVER-Produkte ist genau das, was wir aus der Werbung kennen und was der Dove-Film anschwärzt: Noch superer, noch schlankerer, noch schönerer, bewussterer, noch tüchtigerer. Eine unendliche Kette künstlicher Perfektion.

Ist es in Ordnung, wenn ein Unternehmen auf der einen Seite vorgibt, für eines seiner Produkte vorbildlich zu werben, aber auf der anderen Seite mit seinen anderen Produkten aber selbst mit der angeprangerte Verursacher ist? Nur, wenn der Verbraucher es nicht merkt…? Wer weiß schon aus dem Kopf, was alles zu UNILEVER gehört.

Feinschmecker-Ratten allesamt

Ab Morgen den 3. Oktober ist der Film Ratatouille bundesweit in den Kinos.
Es geht um eine kleine Ratte, die besser kochen kann als der Chefkoch. Hingehen! Hier der Link auf die offizielle Website:
http://disney.go.com/disneypictures/ratatouille/main.html

Natürlich ist das im geistigen Nebenplot auch wieder so ein elendes, plattes "Du-kannst-alles-schaffen-wenn-du-nur-willst"-Ding, doch der kleine bepelzte Hauptdarsteller und dass es so engagiert um gutes Essen geht, macht alles wett. Die einzigen Filme ohne Ratte, die mir da einfallen und mindestens genauso gut sind, sind "Bella Martha" mit Martina Gedeck und noch ein Gourmet & Crime (sehenswert), in dem intrigante Star-Köche einander wegen eines Wettbewerbs bis aufs Blut bekämpfen und am Schluss einer von denen glasiert in der Backröhre landet. Wer weiß, wie der heißt, bitte rühren.

Da ich selber  – oder besser gesagt meine Tochter – eine wunderhübsche Ratte namens Pepper plus ihrer noch putzigeren Kinder nebst den beiden Katzen, die das nicht schor -  beherbergt hatte und außerdem Ratatouille in allen Variationen für mein Leben gern koche, bin ich dabei. Nicht in der Backröhre, im Film. PIXAR rocks.

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