Dauerbrenner: Was ist eigentlich Kreativität? Folge 2

Die Chefin des Hauses the missing link, Ihrer Lieblingsagentur für Designtheorie und -praxis, hat ja schon das Richtige dazu gesagt, wie’s nicht geht. Konstruktiv, wie ich bin, was dazu zu kommentieren, musste geradezu zwangsläufig in einem gemäßigten Sarkasmus enden. Ja wie jetzt?

Ideen schreibt man eben doch am besten hin, erzählt sie dem Taxifahrer, der einen in die nächste Kneipe bringt, oder gibt sie, dort angekommen, schon mal per Mobiltelefon seiner Frau durch, und nimmt am nächsten Morgen die beste, das kann doch nicht so schwer sein. Wenn man sich das allerdings vornimmt, kann man auch jede Woche Lottomillionär werden, einfach indem man keinen Mist ankreuzt. Vorteil: Sie können sich jede Woche einen Neuen leisten, der für Sie kreativ wird. Nachteil: Vertauschung von Wirkung und Ursache, Perforation des Raum-Zeit-Kontinuums.

Nächster Versuch: Werden Sie sich klar über die Aussage, die Sie vermitteln wollen. So klar, dass Sie sich wundern müssen, wie jemals jemand etwas anderes vermitteln wollte. Damit es Ihre Aussage wird. Dann können Sie sprechen, wovon Sie wollen, und alles, was Ihnen entströmt, atmet Ihre Aussage. Das nennt man: seine Inhalte leben.

Nehmen wir Ralph Steadman. Jede Designstudentin, die "was mit Medien" machen wollte, hat mal ein Kinderbuch illustriert. In unterschiedlicher Qualität, mit unterschiedlichem Erfolg, mal veröffentlicht, mal für den Aktenschrank einer FH-Sekretärin, im ernüchterndsten Fall um sich die paar Semester bis zur Hochzeit mit was halbwegs Sinnvollem um die Ohren zu schlagen. Steadman dagegen: illustriert ständig Kinderbücher. Der Unterschied zu den Heiratsstudentinnen: Der Mann hat Stil, und zwar seinen, und er hat eine Message, und zwar seine.

Welche Message? Müßig, daran herumzuformulieren, sonst müsste er nicht seit Jahrzehnten die ganzen Kinderbücher illustrieren, sondern könnte sie in einen Weblog-Eintrag schreiben. Das Bestechende an seinem Stil, seiner Message bleibt aber, dass er den Aussagen der Bücher, die ihm durch die Finger gehen, immer noch eins draufsetzt. Meistens wird es dann eine Art Gothic-Horrorstory.

Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson kennen Sie, hat jeder als Kind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen. Piraten, Schiffbrüchige, Meuterer, Sonne, Palmen, Eskapismus. Eine handgreiflich beklemmende Pubertätsgeschichte von einem, der auszog, erwachsen zu werden, wurde erst 1985 mit Steadmans wilden Klecksereien daraus (vergriffen).

Selbst ein Steadman ist aber nicht vom Himmel gefallen, sondern sieht deutlich nach Jackson Pollock aus. Und für den Anfang können Sie auf dessen Seite schon mal das wilde Klecksen üben. Das macht Sie noch nicht zum Kreativen, aber es ist ja nicht mal ein Steadman etc. etc.

Edit: Was genau Jackson Pollock kunsthistorisch mit Steadmans so unterschiedlichen Arbeiten wie Schatzinsel, Alice in Wonderland, Fear and Loathing in Las Vegas und Gonzo im Unterschied zu Gerald Scarfes Artwork für The Wall verbindet, müssen Sie die Heiratsstudentin fragen; eigentlich ist die eine ganz Liebe.

Die BASF bloggt jetzt weltweit? Ob die Chemie stimmt?

Erfahrene Schüler wissen: Chemie ist, wenn’s stinkt und kracht.

Die schlaue FAZ wusste auch am 21. Juli anno domini 2007:

Die BASF (weltweit 95 000 Mitarbeiter) habe angeblich* vor wenigen Wochen ihr Onlinetagebuch gestartet, aber mit ihrem superneuen Corporate Blog keine noch ein bisschen Angst vor Krach und Gestank davor, sich durchsichtig zu machen. Daher sollen die Themen nur erfahrene Blogger setzen, die Mitarbeiter dürften dann ihren Senf dazu geben kommentieren. Das dürfe alles sein, was sie bewege: auch Kinder, Katzen… Wetten, die reden vor lauter Angst nur übers Wetter.

Moment mal. Katzen, Kinder. Heißt das, dass die Mitarbeiter auf einen hochwissenschaftlich aufregenden Themenbeitrag über sagen wir mal Transluzente Schäume

nur mit Banalitäten wie Anekdötchen und Erlebnisse von zu Hause antworten dürfen? Wer hat sich denn diesen Blödsinn ausgedacht. Auf diese Dialoge von oben herab bin ich denn mal gespannt.

Ich habe ja Verständnis, dass Sie als professionelle Kommunikatoren fürchten, Ihr Corporate Blog, das zum Austausch über Projekte gedacht ist, entgleite Ihnen, wenn es nicht stramm von oben geführt wird. Leider ist das aber nicht der Geist des authentischen Bloggens. Der Bloggeist sagt mir gerade deutlich, dass er in so einem Fall sich erst fad machen und dann transluzent entschwinden wolle. Falls es ihn überhaupt gibt.

Dann setzt lieber ein Lotus Notes Dickschiff auf und unterhaltet euch intravenösintranettig. Das hattet ihr eh vor, euch transparent zu verstecken, gebt es zu, denn ich finde euer neues Blog im Google nicht. Oder die FAZ ist im intellektuellen Zeit-Raum-Kontinuum steckengeblieben und empfindet Monate als wenige Wochen (traue ich ihr locker zu)*.

Wenn Sie BASF wirklich Offenheit und Dialog pflegen wollen, wie Sie beabsichtigen (ich weiß ja, dass ein Firmenblog oft unfreiwillige Steilvorlagen zaubert, doch viel schlimmer ist PR-Honigschleim), dann müssen Sie auch kontroverse Dinge Hundekontent zulassen können. Das werden Sie schon schaffen, selbst meine Kunden bloggen hier mit. (Neiiiin, die sind kein Hundekontent!!!…Mist, Fettnapf elendiger…)

Ihre den erfrischenden Dialog Tiere liebende
und sich seit über einem Jahr
um Kopf und Kragen bloggende
Miss Link.

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Interessantes und hochinformative Vorgeschichte zum Einlesen: http://kurpfalznotizen.de/die-basf-bloggt-die-rheinpfalz.html
http://www.basicthinking.de/blog/2007/01/18/basf-regional-blog-fuer-lokale-pr/

* Ich habe nur das da http://blog.rheinneckarweb.de/ gefunden. Dies gibt’s aber bereits seit 2006. Typisch old school: die online FAZ hat nicht das Mindeste geschafft: auf das Blog zu verlinken, das sie meinte.

 

Lebenseinstellung

Skizze_2

(Bild: flüchtige Ideenskizze für einen Header)

Das am meist missbrauchteste Wort neben "Kreativität" ist für mich heutzutage "Design". Der Unfug mit Design war nicht immer so, aber Jeder macht inzwischen "Design". Powerpointgestalten, Hausfrauen aus dem schmückenden Fach für ihr Ibsen-Puppenheim (zweitliebstes darstellendes Hobby neben Möbel Umstellen, was den heimkommenden Ehemann überzeugt in den Pub treibt: Im Pub ist der Tresen immer da wo der Tresen ist, und nicht plötzlich links, statt gestern rechts oder am Eingang statt hinten, stolper, aua).

Wieso zur Hecke habe ich Design studiert.
Keine Furcht, das wird kein Befindlichkeitsblog, auch bin ich nicht in einer Schaffenskrise. Mir geht es um Wortklauberei. Bin nur Lateiner – und designare sagt (be)zeichnen.

Ja, ich war und bin Zeichner, eigentlich. So habe ich angefangen und es war ein großer Teil meines Lebens, seit ich klein war. Ich war ein ruhiges Kind, betrachtete die Eisblumen am Fenster und den atemberaubenden Morgennebel am Fluß. Diese konnte ich noch nicht zeichnen, denn es war zu komplex, aber es war wunderschön. Mir fehlten mit vier dafür die Worte, daher wohl der Ehrgeiz, so etwas Schönes irgendwann doch ausdrücken und mitteilen zu können. Mir ging es ums (Mit-)Teilen von Schönem. Meine Schwestern waren da weniger kontemplativ und sharing unterwegs und so entging ihnen die Bedeutung des silbrigen Schimmers.

Fenster

(Quelle: http://www.szm.ch/beitraege/eisblumen.asp)

Ich habe mit sechs alles gezeichnet, was mir vor die Flinte kam: Eichhörnchen, Blumen, Menschen am Tisch. Und stolz den Eltern präsentiert. Das Echo war recht durchwachsen, vor allem wurde bemängelt, dass Tisch und Stühle unten am Papierrand klebten und die Männchen kubistisch herumschwebten. "Was soll denn das sein?" (Böser Erziehungsfehler. Moderne Eltern haben ihre Kinder für jeden Malausbruch zu loben.) Ich war empört, es war doch klar, was es ist. Ich hatte gleichzeitig wenig Bock, das umzuzeichnen (heute würde man sagen: Ich stand dazu) und Revolutionsgeist, also schrieb ich wütend dazu, was es verdammt noch mal war: Familie beim Abendbrot. Ging noch mal hin und legte energisch vor, die Hände verschränkt: "Da!!!"

Be-zeichnend. Seitdem ließ es mich nie wieder los, etwas auszudrücken, damit andere das verstehen. Und wenn es nicht ohne Worte ging #*~*^°’** dann eben mit Worten.

De-sign ist für mich mehr als "Entwurf" (engl. für design), es ist gezeichnete, bezeichnende Kommunikation. De-sign ist: Zeichen setzen. Es ist jedenfalls mehr als blanke Dekoration, mehr als Rüschen, mehr als transparente Hemdchen mit durchscheinenden Brustwarzen auf dem Catwalk. Mehr als einen Stein nett in eine Fassung einlegen. Design ist: etwas sagen. Verstehen Sie, was ich sagen will?

Der Rebell ist geblieben. Der kleine Layouter, frisch aus dem Studium geschlüpft, bekam seinen ersten ernstzunehmenden Job, nicht indem er Zeugnisse, Referenzen und Diplom vorlegte, sondern weil er nächtens während unterstützender figürlicher Copymarker-Layouts (schöne, sich im Schaufenster spiegelnde Damen) für einen Pitch die drei hochdekorierten Frankfurter Konzeptionstexter anmeckerte, sie sollten sich in ihren Headlines doch pidde auf ein gemeinsames Wort für ein- und denselben Sachverhalt einigen. Das würde den Leser durcheinander bringen, außerdem hielte ich diesen verwirrenden Textunfug selber nicht mehr aus. Mei, es 23 Uhr und ich wollte nur nach Hause zur Tochter und meinen Miezen.

2 Tage später war ich fest angestellt. Beworben hatte ich mich dort nie.

   

Zeit und Zaudern

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben,
sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
Lucius Annaeus Seneca

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.
Derselbige.

Erraten:
Ich sitze über Logodesign…
… und möchte Ihnen auch diese Muse schenken.
Indem ich heute keine wilden, hippen,
nervenzerfetzenden, polarisierenden, triggernden,
aufmerksamkeitsschindenden
Beiträge poste :-) 
Ich schenke Ihnen und mir Zeit.

Gehen Sie, gehen Sie! Spielen Sie mit Ihren Kindern!
Betrachten Sie aufmerksam ein Gemälde, hören
Sie konzentriert gute Musik, Sie Internetsüchtling,
und machen Sie sich und Ihren Lieben
was Feines zu Essen.

Hier gibt es heut und morgen wirklich   N   I   C   H   T   S .

Sie können sich zur Einstimmung das entspannende
Blumenwiesen-Musikvideo hier unten von 2raumwohnung
anhören, mehr nicht. Dann is aber wirklich gut.

Dauerbrenner: Was ist eigentlich Kreativität?

Eine lose Reihe. Aus dem Zyklus "Kreativität ist nicht: Papierblumen nach Anleitung falten. Oder: "Alle sind kreativ oder was."

Westaflex hat tatsächlich in Form von Westerbarkey junior bei the missing link angerufen und wir hatten ein nettes, entspanntes Gespräch. Es kam auch die Rede auf Kreativität, da es den Anschein hat, dass die Filmchen, die bei uns hier und dem Werbeblogger gar nicht gut ankamen, von der Westaflex-Führung in Brainstorming-Sitzungen entwickelt wurden.

Eine Streitschrift wider Brainstormings
und warum sie ein Feind wahrer Kreativität sind

Brainstormings, das sind grob gesagt Gruppensitzungen, in denen jeder, der dabei ist, Ideen äußern kann. Sie werden im ersten Durchgang nicht bewertet, Bewertung ist sogar streng verboten. Sie darf erst später, wenn alle fertig sind. Das verlangt viel Disziplin, auch spielen gruppendynamische Prozesse arg mit rein, je nachdem ob eine Idee, an der weitergesponnen wird, von jemandem kam, bei dem gerne auch sonst die Ohren nur zur Deko aufgesetzt werden, oder von jemandem, dem alle sowieso gerne zuhören. Plus die üblichen Nasenfaktoren.

Problematisch ist vor allem aber für echte überbordende Kreativität, dass im Brainstorming alle auf die Metaplanwand schielen, auf der dann so Sachen stehen wie: "Umsatz verdoppeln", "Lustig", "Ziele", "Image" und "Wir sind xy". Wie zur Hölle soll ein Gehirn auf wahre kreative, Grenzen sprengende "wild horses" kommen, wenn es optisch mit solchen Biederkeiten konfrontiert wird? Sehen Sie, geht nicht. Sollten Sie dennoch in ein solches Brainstorming eingeladen sein, dann machen Sie am besten:

a) die Augen richtig zu, weil sie sonst nur "Image", "Lustig" und "Ziele" sehen und damit denken. Da wird Ihnen nichts einfallen, denn diese Worte sind erstens abstrakt und behindern damit das dringend benötigte bildliche Denken und zweitens viel zu gewöhnlich, zu nah am Thema oder der Firma selbst. Dauernd auf solche zu nahen Worte zu starren, behindert das weite kreative Denken. Wirklich gute Ideen, die Big Ideas aber, sind möglichst weit weg, möglichst ungewöhnlich. Sie sind fröhliche "wild horses", wilde Mustangs, die meilenweit galoppieren.   

b) denken Sie um Gottes willen nicht daran, dass Sie mit der gegenüber sitzenden schmallippigen Sekretärin gerade seit zwei Wochen einen erbitterten Strauß ausfechten, weil sie Ihre letzte Reiseabrechnung nicht akzeptiert. Allein ihr Anblick wird Ihre Flügel stutzen. (Sie hatten: eine nicht genehmigte Safari in Südafrika zu 10.000,00 $ mit Kunden X. Grund: Auftrag in zweistelliger Millionenhöhe erfolgreich herangezogen.)

c) Wenn Sie das trotzdem können: stumpf die Metaplanwand anglotzen und stupide die Sekretärin fixieren und gleichzeitig ein Wahnsinns-Ideenquell sind, sind Sie ein unempfindlicher Übermensch. Ein Gott. Leider gehört zur Kreativität auch eine gewisse ungöttliche fehlerbehaftetete Menschlichkeit, eine hohe Sensitivität und der Sinn fürs Gras wachsen. Wer unempfindlich ist, der sieht die wirklich ungewöhnlichen Dinge nicht, dem fallen nur die normalen Sachen ein. Und normal ist langweilig ist unkreativ. Mir fällt bei solchem Setting jedenfalls grundsätzlich nichts Gescheites ein :-) Geben Sie es zu: Ihnen auch nicht. Sie werden an die exorbitante Rechnung denken, auf der Sie sitzenbleiben werden, und dass Sie die langweilige Schärpenbluse der Dame aufregt. Sie denken daran, dass die Kärtchen auf der Metaplanwand mit einem hässlich trocken gelaufenen Edding beschriftet sind und auch noch quietschend falsch. Wie soll ein mit allen Sinnen ausgestatteter Mensch voll guten Willens da auf ungewöhnliche beflügelnde Gedanken kommen – eine Zumutung für seine Sinne, seine neuronalen Verknüpfungen und die Kreativität. Sie bleiben kleben, Sie haben Hänger. Statt zu fliegen.

d) So geht’s also nicht. Wie es besser geht, wie Sie zu besseren kreativen Eingebungen kommen, indem Sie so ein grob ungünstiges Setting verlassen, beim nächsten Mal. Hier auf diesem Blog.

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Wichtig bei jedweder Kreativitätstechnik ist, dass am Schluss eine Evaluierung der Ideen (= auf Relevanz abklopfen)  vorgenommen wird. Und da scheidet sich die Spreu vom Weizen, nicht nur die Spreu der schlechten Idee vom Weizen der guten, sondern, ob man vorher überhaupt eine ordentliche Strategie gemacht hat. Denn wie will man sonst "abklopfen" und wissen, welche Idee gut oder welche schlecht ist, ob sie auf dem Punkt sitzt, was man denn überhaupt kommunizieren will. Es braucht ein Sieb zum Aussieben, und zwar ein gutes. Weitmaschig genug, dass nicht zu Langweiliges raus kommt – engmaschig genug, dass kein inhaltlicher Blödsinn passiert, der gar nicht stimmt.

So weit so gut und so schlecht. Mir ist wirklich egal, von wem gute Ideen kommen und wie sie produziert werden. Aber es gibt deutlich bessere Kreativitätstechniken als ausgerechnet das sozial schwierige und wahre Offenheit eher bremsende Brainstorming, bei dem Chefs oder distanzierte Kollegen mit drinsitzen. Bei denen man nicht sicher ist, ob es zur nächsten Gehaltsrunde langt, wenn Sie eine krasse ungewöhnliche, oder besonders hirnrissige Idee äußern :-) All das wird die Runde bremsen. Auch wenn die Chefs und die Kollegen supernett sind, das spielt keine Rolle. Gerade in flachen Hierarchien sind sanfte und subtile, aber dennoch heimlich brodelnde Machtkämpfe voll normal. "Wir doch nicht. Wir sind wie eine Familie!" Ähm, wer vitale gesunde Familien kennt, weiß, wie da getrickst und gefochten wird, ist ja auch in Ordnung. Aber auch eine lebhafte, nette Familie ist Hierarchie, und Kreativität darf keine Hierarchien kennen. Sie ist egalitär, frei und von allen Rücksichten und Kämpfen unbehindert. Auch der mentale Stress, der Ehrgeiz, vor dem Chef besonders gut mit tollen Ideen da stehen zu wollen, kann immens blockieren. Ich werde in loser Folge demnächst welche vorstellen, nicht Chefs, bessere Kreativitätstechniken.

Gute und relevante Ideen können und dürfen vom Hausmeister oder vom Aufsichtsratschef kommen, mir egal. Hauptsache sie sind ungewöhnlich und zünden. Die Großagentur McCann-Erickson lebt seit Jahren von der greisen Legende, dass seinerzeit eine McCann-Sekretärin – und kein Kreativer – eine wunderbare Headline-Idee für die Deutsche Bahn hatte, ich memoriere: "Wir fahren bei jedem Wetter – die Bahn."
Daraus wurde später: "Alle Wetter – die Bahn".

Nun, das war keine besonders ungewöhnliche Idee – aus heutiger Sicht. Zu dieser Zeit in den 70ern und 80ern war es aber ein sogenannter Meilenstein, denn Bahnwerbung war damals mühsam und dröge. Bevor JvM sie in die Hand genommen hat. Seither ist es umgekehrt: Bahnwerbung ist jetzt viel besser als die Bahn. Das soll zwar auch nicht sein, arge Unsymmetrie zwischen Produkt und unglaubwürdiger Kommunikation schadet dem beworbenen Produkt, aber das ist eine andere Geschichte.

Wie der Teufel das Weihwasser…

… so fürchten manche Unternehmen die Offenheit.

Oder wie ist es zu erklären, dass ich zwar immer öfter gebeten werde, zu höchstkomplexen Projekten individuelle detaillierte Preise (Leute, das kostet mich immer einige heftige Arbeits- und meist Nachtstunden plus Recherche, das geht nicht in 10 Minuten) abzugeben, aber auf meine E-Mail-Nachfragen nicht reagiert wird. Nein, die Mails werden sogar gelöscht, sauber.

Es ist nicht zu erklären. Es ist, was es ist:

Schofel. Unverschämt

Ich weiß noch nicht, ob ich so einen Vorgang mal mit Namen blogge, nächste Woche werde ich mehr wissen. Im Grunde ist einiges darüber hinaus nicht koscher. Was mich vermuten lässt, dass es konkret in dem einen Einzelfall, wo man mich gebeten hat, eine große Site mit über 30 Unterseiten und diversen Tools nachzupreisen id est dann auch später nachzubauen (!) falls Preis gutt, darum geht, einfach die Nutzungsrechte des anderen Webdesigners einzusparen, der die "Vorbild"-Site gebaut hat.

Wenn meine Vermutung stimmt, dann kotze ich schon mal jetzt vorsorglich.

Verbindliche Kostenvoranschläge über größere Projektseiten machen richtig Arbeit (ohne Pflichtenheft auch gar nicht ordentlich zu machen) und dafür ist eine Gebühr zu veranschlagen. Nur grobe Kosten gehen rascher, dafür sind sie aber auch nicht verbindlich. So ist das und bleibt es im goldenen Handwerk. Und Nutzungsrechte eines anderen umgehen, das geht gar nicht.

Ich glaube, wir haben uns verstanden.

.

Namensgebungs-Hilfestellung aus Bayern für Österreich

Hallo liebe Österreicher,
ich würde es nicht

                                       

                                 INFEKTIONSNETZ
ÖSTERREICH

nennen. Traut man sich eh kaum, durchzufahren *duck*. Und dann das.

‘+~*"^°µ #´`´`

Grüße aber auch,
euer gottseidank noch nicht angestecktes missing link – die Linksüberholer.
Aus reiner Vorsicht treuer Leser von UNIVERSIMED aus Wien.

______________________________
Gefunden auf dem aktuellen Newsletter von
UNIVERSIMED, the Power of Communication.

Power, yesyes.

Ich habe schon unterschrieben. Und Sie?

Es geht um den 37-jährigen Journalisten und Dichter Shi Tao.

Shi_tao_titel

Foto,
© : amnesty international

Alles, was Sie tun müssen: Ihre gültige E-Mail von dort abschicken (In die Petitionsliste für ihn von ai eintragen, siehe linke Spalte ebendort und blauer Kasten.)
http://www.amnesty-einsatz.de/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=20&Itemid=40

Auszug:

Zahlreiche Menschen sind in China wegen der friedlichen Ausübung
ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert. Viele davon sind
„Cyber-Dissidenten“ wie der 37-jährige Journalist und Dichter Shi Tao.

Shi Tao hatte über sein Yahoo-Konto eine E-Mail an eine amerikanische
Nichtregierungsorganisation (NGO) geschrieben. Darin schrieb er, dass
die chinesische Regierung Journalisten davor gewarnt hatte, im Vorfeld
des 15. Jahrestages über das Massaker auf dem Tiananmen-Platz zu
berichten. Diese E-Mail wurde anonym veröffentlicht.

 

Durch
die Zusammenarbeit mit Yahoo konnte die chinesische Regierung den
Absender dieser E-Mail ermitteln. Daraufhin verurteilte ein Gericht Shi
Tao im April 2005 zu zehn Jahren Haft. Die Urteilsbegründung: Er soll
dem Ausland „Staatsgeheimnisse“ verraten haben.

Tatsächlich
hatte Shi Tao die betreffende Informationen bei einer Redaktionssitzung
der Zeitung, für die er arbeitete, erhalten. Wie er beteuerte, handelte
es sich nicht um Staatsgeheimnisse.

Setzen Sie ein Zeichen und zeigen Sie Einsatz für Shi Tao.

(Text von mir gefettet)

_______________
Es ist so einfach, mit seiner E-Mail mal was Nützliches anzustellen.
Denken Sie nach!!!


Hokus Pokus Viribus

Viral ist die Zauberidee ( und sprichst du nur das Zauberwort…), wenn das Budget schmal ist und man trotzdem Bekanntheit möchte. Denn es verkörpert auf geniale Weise, wie Internet funktioniert: Der gelangweilte Lebens- und Büroslacker hüpft freiwillig drauf und amüsiert sich prächtigst zu Tode und erzählt das auch noch von selber weiter (der Depp als Viruswirt…).

Leider erzählen irgendwelche komischen Web 2.0 Unternehmensb(e)rater-Gurus, die sich als Freud-Epigonen wähnen, in Wirklichkeit aber aus der Ecke Informatik kommen, absoluten Kommunikations-Blödsinn: Witzig sei nur, was als Tabubruch daher käme. Und KMU fallen darauf herein. Nur weil Papa Freud mal erzählt hat, dass ein wirklich guter Witz nur dann ein echter Knaller ist, wenn er ein Tabu berührt. 

Logisch: Wir lachen am meisten über das, was uns weh tut. Witze über Schwiegermütter und über Chefs lehren uns das.

Die sogenannte logische Umkehrung aber, dass alles, was ein Tabu bricht, automatisch dann auch witzig sei *zurücklehn*, ist ein Fehlschluss. Der nur aus der Mathematiker- und Informatik-Ecke kommen kann. Rührt euch, wenn ihr Mumm habt, ihr lebensfremden Kommunikationsversager! *french kiss aber auch*.

In Wirklichkeit ist Humor aber immer ein zweischneidiges Schwert. Man muss sich fragen: Funktioniert auch der Witz sozial? Passt er fürs social web? Oder halte nur ich ihn für witzig, weil ich gern primitive und unkorrekte Witze höre? Und das ist viel komplexer als eine mathematische Gleichung, die in ihrer Welt der emotionslosen Zahlen immer und komplikationslos als simple Umkehrung funktoniert: a = b, also ist b = a. True = true;  false = false.  Oder für die Fans des Pythagoras:

a² + b² = c². Also ist  Dbdb285a1c7df59d99931a73095b1efc

Wunderbar.

Nur: Wenn ich Tabus wie Porn, Sex, Inzest, Betrug oder den Furz zum Inhalt meiner viralen Spots nehme, ist der dann auch wie die Umkehrung der mathematischen Gleichung auch gleichzeitig immer witzig? Eine Witzischkeitsgarantie?

Nä. Auf dieses Idee, diese schmale logic fuzzi Brett, können echt nur Mathematiker und Ingenieure kommen, oddr? Falls Werber (Berufskommunikatoren, hach) drauf kommen, dann sind sie entweder windelweiche Ja-Sager oder blöd in der Birne und haben ihren Beruf verfehlt. Weil sie Ihre Kohle wollen und kaum fragen: "Zahlt das auch auf Ihre Marke ein?"

http://www.werbeblogger.de/2007/06/19/pariser-duft/
http://www.werbeblogger.de/2007/05/16/happy-fathers-day/
http://the-missinglink.blogs.com/logisches/2007/06/westaflex-is-ov.html
http://www.werbeblogger.de/2007/03/18/jvm-weis-genau-was-hinten-raus-kommt/

OK, jetzt habe ich es mir mit Ingenieuren und Mathematikern komplett verdorben. Dabei war ich sehr gut in Mathe und eine meiner besten Freundinnen im Gym ist Mathematikerin geworden. Ich liebe Mathematiker! Und Bach. Manchmal, wenn von Glenn Gould gespielt. Aber das war auch nur so ein furzender Verrückter… Und wenn der Web 2.0 Käse vorüber ist, wird es darüber ein fettes Buch von T. C. Boyle geben wie damals das "Grün ist die Hoffnung" (World’s End.  New York: Viking, 1987.) und "Willkommen in Melville" (The Road to Wellville.  New York: Viking, 1993). Eine Glosse über inkompetente Ernährungsgurus und windige Geschäftemacher.

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Fetter Rat an Kosten sparen wollende KMU: Holt euch Leute, die wirklich was vom Witz verstehen, Informatik-Professoren und Web 2.0 Gurus sind es jedenfalls nicht, die den Tabubruch wie Porn, Splatter, Vergasung zur heiligen Kuh erheben wollen. Informatiker haben null Humor und begreifen als soziale Autisten absolut nicht und nie mehr in diesem Leben, warum nur Harald Schmidt und Polen Polenwitze machen dürfen. Und Web 2.0 Gurus haben nur ihr eigenes Beratergeld im Kopf. Ihnen ist es wurscht, ob Sie sich blamiert haben. Logisch mal  wieder: Es ist nicht ihr Geld, sie stehen nicht in der Verantwortung.

Zweiter fetter Rat an KMU:

Bester Humor ist: Selfirony. State of the Art, wie Engländer und englisch schnackende Länder wissen. Nichts ist dumpfer und peinlicher als deutscher schenkelklopfender Anal-Humor. Nichts ist sympathischer als souveräne Selbstironie wie in einer Anzeige der Hilfsgemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte:

Was sagt ein Blinder wenn man ihm Schleifpapier gibt?

"Verflucht, ist das aber klein geschrieben!"

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