Blüht, fruchtet, rankt und klettert

Update zu innovativpreiswertkompetent:

Vor nicht sehr vielen Jahren kamen mit der Post noch Prospekte vom Orion Versand, mit dessen Kalenderbildern die Wehrpflichtigen ihren Spinden eine weibliche Note verleihen. Heute krieg ich Kataloge vom Gartenversand.

Das Schlimmste daran: Ich kann den Katalog von Ahrens + Sieberz nicht mal rundum uninteressant finden. Für Lebensformen wie mich, die zur Ernährung unpraktischerweise auf Essen angewiesen sind, pflegen sie in Seligenthal ein durchaus anregendes Angebot.

Als mein Vater noch seinen Schrebergarten betrieb, hätte er seine gesamte März- und Junirente auf Zuchterfolge wie die heute bestürzend weit fortgeschrittene Bandbreite von Säulenobst verwendet. Und ich hätte ihn dabei unterstützt, weil immer ich auf die Leiter musste, um die Kirschen zu ernten, und es noch gut finden sollte, weil "richtige Jungen" gefälligst auf Bäume zu klettern haben. Ob jemals einer ausrechnen wird, wie viele Knie- und Bandscheiben sich mit den rezenten Säulen-Zwetschen hätten retten lassen?

Wir kannten gerade mal zwei Sorten Erdbeeren: mit und ohne Pferdemist; Ahrens + Sieberz kennt fünf Katalogseiten voll. Von der Arkansas-Brombeere Navaho, der ersten dornenlosen Säulen-Brombeere der Welt, und der Weltneuheit Prosecco – eine perfekte Züchtung aus einer wertvollen italienischen Birne und einem ganz besonderen französischen Gourmet-Apfel, prickelnd wie Champagner, saftig wie Pfirsiche, knackig wie Äpfel, aromatisch wie Birnen, dabei völlig anspruchslos und monatelang haltbar und selbstbefruchtend auch noch – ganz zu schweigen.

Man kann heute im eigenen Vorgarten Nashi und Kaki ziehen und wild gemustertes Obst mit Namen, die früher den ewähnten Damen beim Orion-Versand vorbehalten waren, sich mit dem Sweet Aloe Vera vom Fensterbrett von Insektenstichen, Brandverletzungen, Bluthochdruck und rheumatischen Erkrankungen kurieren und mit Basilicco die Fliegen und Fruchtfliegen aus der Küche vertreiben. Und weil Gesundheit noch mehr ist denn die Abwesenheit von Krankheit, genießt man die Power-Beere Cranberry, eine wahre Multi-Vitamin-Beere. Den Gewinnlern der Klimakatastrophe zum Trotz zieht man sich so gerüstet Musa, die absolut winterharte (bis -10°C) Bananenstaude als dekorative Solitärpflanze. Schon klasse.

Um bei den Adressenhändlern als Zielgruppe für Schrebergartenbedarf durchzugehen, reicht offenbar kein Vorname, der aufs Germanische (nicht etwa auf dieses neumodische Alt- und Mittelhochdeutsch) zurückgeht; es müssen schon noch Wohneigentum und ein paar Amazon-Erwerbungen aus der Kategorie "Klassiker" dazukommen.

Wenn die ganzen dreijährigen Benedikt, Wenzel, Kreszenzia und Magdalena ins Archiv von Schober kommen, erfahren sie von den Segnungen der Gentechnik, noch bevor sie wissen, was man mit dem ORION Covergirl der Stunde anstellen könnte.

Das allzu liebe KMU-Netzwerk – Oder wie man Fehlärr vermeidet, indem man verwandte Zulieferer vermeidet. Am Beispiel des Westaflex-Desasters.

Unser Westaflex-Artikel zog Kreise. Ziemlich mittelgroße, der Werbeblogger berichtete.

Was mich aber endgültig stutzen machte, war ein Fund auf Bjoerns Blog www.ognibeni.de. Auch der gute Bjoern, der Blogger von Ognibeni, war im Dialog mit Sabine, der PR-Lady von Westaflex. Die tapfer anschließend Blog-Monitoring betrieb und sich dankenswerterweise dem Web 2.0-Dialog stellte. So wünscht sich das ein Blogger, danke Bjoern, danke Sabine und Hochachtung (no kidding).

Und sie sagte etwas für mich Aufschlussreiches, was mir spontan eine Ursache der missglückten Clips erklärte: (Zitat
Sabine DeCuir auf dem Blog ognibeni): "Ansonsten hatten wir Hilfe aus der Verwandtschaft beim Imagevideo."  Gemeint war der wohl der Bierfilm. Zu vermuten auch: der Pups-Film. Aber das weiß ich nicht genau.

Ich ging dem Link nach, googelte auch nach dieser Produktionsfirma und fand das, was ich mir dachte: Sie sind Techniker durch und durch, stolz auf ihre Kameras, Bühnen, Cutteranlagen. Eine kreative Abteilung aber fand sich nirgends. So weit so gut. Zitat aus "Philosophie" von http://www.filmundtv.de/ (Mist, ihr TV-Leute, ihr habt die Asbach-Uralt-Frames, gehts noch) :

– Unser Grundsatz uns von Beginn an mit der Philosophie unserer Kunden
zu identifizieren und Filme herzustellen, die auf einer excellenten
Filmidee basieren. Filme, die wir mit vollem Vor- und Zunamen
unterschreiben können.

– Unsere Innovationskraft schafft außergewöhnliche Filme mit
außergewöhnlichen Techniken: damit sie tiefer und länger im Gedächtnis
der Betrachter verbleiben.

– Unsere Flexibilität auch zu ungewöhnlichen Zeiten an verschiedenen
Orten mit professionellen Menschen und perfekter Technik (HDTV) unsere
Arbeit zu leisten. In Zusammenarbeit mit unseren Netzwerkpartnern
Ihnen, unserem Kunden, einen Full Service anzubieten."

Summary: Sie stellen heraus, dass sie sich mit ihren Kunden identifizieren wollen, sie heben dazu noch explizit ihre technischen Anlagen hervor, die sicher respektabel sind. Dagegen ist nix zu sagen, ein Must. Klingt normal, so kennt man zig Firmen-"Philosophien" (Obwohl: wir haben eine andere, wir beraten unsere Kunden vorab, und zwar ergebnisoffen, which means wir lassen die Kohle auch mal sausen – und wir widersprechen, wenn wir es für geboten halten. Wir legen unsere Kunden nicht rein, indem wir plattes brown-nosin’ bei Prosecco betreiben, sondern segeln im Gegensatz zu vielen in unserer Branche lieber hart am Wind.)

Ihr Westaflexer (ich wende mich jetzt wieder an den Auftraggeber Westaflex), wisst ihr, was überhaupt nicht geht? Was schädlich ist, wenn man sich Lieferanten zur Umsetzung sucht? Genau. Verwandtschaft!

Seid ehrlich. Habt ihr schon mal Verwandtschaft getroffen, die akkurat, professionell und ehrlich Ideen von euch analysiert und in der Lage ist, diese unemotional und offen mit euch zu besprechen? Geht nicht. Das wissen sogar Umfrager: Verwandte und Freunde sind bei solchen Punkten am allerunehrlichsten. Sie wollen euch… schonen und sagen immer, dass das supertoll ist  Von ihnen werdet ihr nie die Wahrheit erfahren. Gründungsberater raten beispielsweise dringend von der Verfahrensweise ab, Business- und Vermarktungs oder Werbeideen von Verwandten & Freunden bewerten zu lassen. Ist eine alte Binse. Man muss, wenn man es ernst meint mit Firma und so und keinen Wolladen aufmachen will, echte Mini-Marktforschung betreiben  – nix mit billig Verwandte fragen – oder eben Leute finden, die das Angebot und die Idee aus ehrlicherer Distanz bewerten können. Und nun das…

Eine Idee braucht zum Gedeihen: Sparringspartner. Eine Idee braucht manchmal auch: einen advocatus diaboli. Sie braucht Menschen, die genügend Abstand haben, auf echte Relevanz abzuklopfen. Sie braucht nicht: willfährige, vorwiegend technisch orientierte Umsetzer, die dazu noch keine eigene kreative Abteilung zu  haben scheinen. Ich weiß, das klingt böse. Ich will nicht: diese TV-Firma in den Schmutz ziehen, sie hat sicher auf ihre Weise gute Arbeit geleistet. Wir sind auch keine direkte Konkurrenz, wir machen "nur" Design und Strategie. Wir Ollen.

Aber bitte begreift den Zusammenhang. Holt euch beim nächsten Mal Kreative, die aus sich, aus ihrer unabhängigen Herkunft heraus (Verwandtschaft = immer unvermeidbare Abhängigkeit, sei es um die nächste Grillparty, das Grundstück von Omma oder der nächste Stadtratssitz), sagen was sie fachlich wirklich denken. Die sich aus sich heraus, weil sie eben keine Rücksichten auf Bruder, Onkel oder Tante nehmen müssen und aus ihrer professionellen Distanz heraus auch trauen, euch zu widersprechen. Die auch eine andere Philosophie haben. Holt euch Sparringspartner aus dem Filmbereich, die auch eigenständige Drehbücher und Plots können, die für bessere Ideen kämpfen, die 2.0 Expertise haben, die eigens eine kreative Abteilung haben und nicht behaupten, sie wollten  sich mit ihren Auftragskunden identifizieren. Ganz anders: Sie sollen sich in den Abnehmer- oder Endkunden hineinversetzen können, der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Im Moment scheint es so, dass der arme Zulieferer von euch gezwungen wurde, den Wurm (!) für den Angler (sic!) und nicht für den Fisch (sic!) schmackhaft herzurichten, bäh, entsetzlich, grauenvoll, ganz falsch. Es ist zu eurem Besten, sich da zu besinnen.

Jetzt hab ihr euren Imageschaden, und der ist durch nichts mehr gut zu machen. Nein, wir bewerben uns nicht um das nächste Projekt bei euch. Grund: Uns scheint, eure Geschäftsleitung ist noch nicht so weit zu begreifen, dass Ideen, im Team geschmiedet und von der lieben unbuckligen Verwandtschaft umgesetzt, trotzdem Scheißideen sein können. Tut uns sorry.

Bis dahin lest pidde (nicht nur eure arme PR-Lady, die dauernd nur euere Macken ausbaden muss, sondern die Geschäftsleitung!! menno!!!!) dringend Brainwash und den genialen Kaizen-Meister, Teamkritiker und Kritiker der Impliziten Logiken Guido Stepken und trinkt ein Bierchen auf uns alle zur Beruhigung. Wir meinen es gut mit euch und wollen nur spielen. Cheers, Sláinte! "May you live lucky and healthy a hundred years, but with one extra year to regret!"

Fachliches Disclosure:
Kleine unbedeutende 2-Mann-Frau-Agentur, aber aus Top Ten Agentur stammend, mit jahrelanger kreativer Workflow-,  Storyboardentwicklungs- , Fotoregie- und Strategie-Erfahrung.  Erfahrung auf dem Gebiet der Kommunikations- und Wahrnehmungsforschung, Konstruktivisten und Dekonstruktivisten. Systemisch und prozessual denkend, aber immer wissend, dass die meisten Entscheider "nur" ergebnisorientiert und nicht prozessorientiert denken. Was ihr gutes Recht ist, dafür haben sie ja uns.

Westaflex is over

Update zu Was Youtube verschweigt:

Vorschule der Ästhetik, Lerninhalt 1: Niemals sind die Dinge "so peinlich, dass sie schon wieder gut sind", sondern sie sind gut oder schlecht oder etwas dazwischen. Die Schöpfer der Welt kennen 0 und 1 in sehr vielen Einzelentscheidungen, aber kein "so 0, dass es schon wieder 1 ist".

Die Ikone der selbstbewussten Unternehmensdarstellung schmiert radikal ab, weil sie offenbar ihre Positionierung optimieren wollte oder irgendwas: Westaflex macht jetzt auch witzige Werbung.

Wie es zu solchen Tragödien kommt? – Ein Familienunternehmen, wie Westaflex eins ist, investiert Zeit, Geld und Mühe in seine Selbstdarstellung (Original mit Quicktime). Dann kommen Leute, die nicht die Zielgruppe sind, und lachen es dafür aus. Dann kommen andere, Zielgruppe oder nicht, und finden es gut – und das Familienunternehmen hält es für Ironie und schämt sich.

Wie oft noch: Irony is over, sagt Jarvis Cocker auf der This is Hardcore von 1998. Weil die Hauswerber von Westaflex solche Platten offenbar nicht hören, fühlen sie sich zu so würdelosen Verrenkungen gedrängt, um einem wie auch immer gearteten Zeitgeist zu genügen.

Sowas passiert nicht etwa beim Fliegenfischen oder einem anderen Hobby, bei dem es aufs Mundhalten ankommt, sondern innerhalb der Kommunikationsbranche.

Allerdings kann alles noch viel schlimmer kommen, wenn man sie hantieren lässt. Immerhin lässt die Reklamefirma, die Westaflex ihre viralen Versuche eingeredet hat, im zweiten Spot an der wichtigsten Stelle eine andächtige Stille:

Unser gut geschultes Mitarbeiterteam ist motiviert,
weil die Zufriedenheit unserer Kunden groß geschrieben wiert.

Danke an Kay von den Buzz-People für die Aufmerksamkeit!

O mein Gott, es ist eine Bockwurst

Update zu The Bockwurst Experience:

Pimp My Profilethe missing link, Ihre Lieblingsagentur für ein freundliches Miteinander, schimpft ungern über Kollegen. Wirklich. Vor allem die branchenübliche Gratisschelte auf schlechte Werbung hat so was von Sandkasten. Blaue Ersatzflüssigkeit, Telefonklingeln gegen Geld, “Impossible is nothing”, Apostrophen und Leerschritte, wo Aussagen hingehören – alles geschenkt. Vielleicht wollte der Kunde das so, und wer wäre denn ein Werber, der seinem Kunden widerspräche.

Auf alte coole Hunde wie meinen Kollegen (protz, protz!) Reinhard Siemes wird traditionell zu wenig gehört. Zum Beispiel dann, wenn er sich gegen die Zurschaustellung von Tieren wendet, die für den Verzehr ihrer selbst werben.

Mit dergleichen Schreckgespenstern musste man im freien Westen ja aufwachsen: Kinder, die vor dem Einschlafen “Hänsel und Gretel” vorgelesen bekommen, verkraften auch Darstellungen von drei Kühen, die singen: “Mit Zamek fängt die Mahlzeit an!” Nicht viel später gähnten sie vor Raubvideos, in denen große Mengen Schlachtabfall als Requisit eine Rolle spielten: “Mach doch mal die scheiß Reklame weg.” (Wir erinnern uns: 3 Programme, keine Fernbedienung.)

Wie verbreitet die Darstellungen autophagischer Monstren inzwischen sind, sieht man auf Flickr: Hier haben schonungslose Investigatoren das ganze Ausmaß festgehalten.

Den Link zum einschlägigen Bilderpool stellen wir aus rein dokumentarischem Interesse zur Verfügung, im Vertrauen darauf, dass nur charakterlich gefestigte Erwachsene ihn verfolgen werden.

Blindbild: Pimp-My-Profile.com; Lizenz: Creative Commons.

Rettet bedrohte Wörter!

Oder: bedrohte… Worte?

Jedenfalls gibt es eine Reihe von Worten, die am Aussterben sind. Wann haben Sie zum letzten Mal "Kleinod" gesagt zu einem Ihnen lieben Gegenstand, einem kugelrunden weißen Stein aus Griechenland oder einem alten Ring Ihrer Großtante. Oder zu Ihrer Katze? "Mein kleiner Augapfel" ist das Mindeste, was Sie zu Ihrem niedlichen Kind (nicht nur "wo ist denn das liebe Niederwild?" ) oder zu einer solch liebenswerten Kreatur aus der Gattung Felide sagen können, die einem beide das Leben mit tausend niedlichen Minnie-aturen versüßen.

Wann haben Sie zum letzten Mal "Labsal" gesagt oder "Fisimatenten", wenn das Callcenter rumzickt.

Lassen Sie uns doch mal wieder schwelgen in schönen alten Worten, die einem auf wundersame Weise den Kopf klar machen.

Noch eins?

Kaltmamsell.

Das war meine Oma in Alexandersbad und Marienbad. Und sie war eine dermaßen pflichtbewusste und perfekt temperaturbewusste Kaltmamsell, dass sie einmal rausstürmte zu einem Kurgast, der sich über die zu heiß servierte Suppe beklagte. In weißer Montur mantelte sich die zierliche Rothaarige vor dem Gast auf und fuhr ihn an: "Das kalt Kochen ist noch nicht erfunden, mein Herr!!"

Das muss die Vorlage gewesen sein zu "Bella Martha", als Martina Gedeck als Sterne-Köchin sich mit dem Gast anlegte, ob das Parfait zu roh sei, und ihm dann die weiße Tischdecke samt Burgunder auf den Schoß räumte.

Herrlich altmodisch. Ich liebe solche alten Worte und solche göttlichen Furien.

Mehr auf http://www.bedrohte-woerter.de/wettbewerb/ und dem Wortmuseum.
Der etwas andere Wettbewerb, wenn Sie zwischendurch von Design- und Grimme-Ähword-Klüngeln die Nase voll haben. Andere nennen es Arbeit, wir nennen es Schabbes*, ähm, Schabernack.

* Ruhepause, Sabbat

 

15.06.2007 Wie kommuniziert man ein Unternehmensprofil in einem Logo. Teil II

Muss man das überhaupt? Reicht es nicht, dass man einfach irgendein nettes Logo macht – was das Unternehmen darstellt, wird doch über die Werbekommunikation genügend transportiert…? Und dann würde das Logo automatisch mit diesen Bedeutungen aufgeladen. Stimmt das?

Dazu Logo-Papst Erik Spiekermann zum WM-Logo:
"Am liebsten würde ich mich verstecken und behaupten, ich sei Gehirnchirurg oder sonst was."

Und zu Logodesign grundsätzlich sagt der Designguide:

Ein Logo soll…

Aufmerksamkeit erlangen

eine klare Aussage haben
verständlich sein
einfach erinnerbar sein
originell sein
am Kunden orientiert sein
klare Form haben
reproduzierbar sein
zeitlos sein

Da haben wirs: Es braucht sehr wohl eine klare Aussage. Und was für ein Aussage? Die, dass Landschaften meist grün sind oder – geschmäcklerisch – dass Grün sehr gut zu gelb passe? Nein, eine essenzielle, komprimierte und trennscharfe Aussage über das Unternehmen und seine Ausrichtung! Sind wir wieder beim strategischen Unternehmensprofil  – eine Logoaussage muss es komprimiert widerspiegeln = on strategy sein.

Auch Farben sind Aussagen.

Bevor es mit den Entwürfen losgeht, kläre ich mit dem Kunden noch rasch seine Hausfarben ab und schlage eine Modifikation in Richtung gedeckter/dunkler und  damit – etwas – edler vor. Denn sein derzeitiges Blau erschien mir zu "billig" (das macht der hohe Rotanteil), zu sehr technisch-maschinenbauerhaft. Sie haben zwar unter anderem auch technische Seminarkunden, doch ein Tagungshaus steht nicht unbedingt vordergründig selbst für beispielsweise Maschinenbau, sondern für gute Räume und perfekten Service. Letztere sind weichere, edlere Faktoren, die ich nur in einem gedeckteren Blau sehe.

Die derzeitige etwas hart und zitronig wirkende Zusatzfarbe Yellow wurde in ein symphatisch warmes Maisgelb modifiziert. Die neue Farbgebung (rechts) wurde jetzt abgenickt:

Modifizierte_hausfarben

Was bisher geschah:

Das Vorhaben (Intro):

"Der Relaunch des alten Logos war notwendig" (Teil I):

Weiter zu:

"And the Winner is!!" (Teil III, der neue Claim ist gefunden)

 

14.06.2007 Der Relaunch des alten Logos war notwendig

Das Logo, um das es geht, gehört einem Unternehmen der Tagungsbranche.

Auf dessen alter und derzeitiger Website  – die wird ebenfalls gerade von the missing link relauncht und ist demnächst on air – sieht es so aus:

Altes_logo

Im Schriftverkehr und anderen Medien wird aber bereits dieses hier verwendet:
Derzeitiges_logo

Es wurde 2005 von einem Designer redesignt, und wie ich finde, fand damit bereits eine deutliche Verbesserung zugunsten von Einfachheit und Klarheit statt: Die Schrift des zweiten Logos ist wesentlich besser lesbar, wenn die Outlines weg sind, und die Geschwindigkeitsstreifen des alten Logos waren schlicht überflüssig. Das wurde richtig erkannt. Von Kundenseite hing man noch sehr an dem Bildmotiv der Bildmarke, den drei Businessfiguren in Blau, die sind – leider  – geblieben.

Warum leider? Redundanz (sagt das Gleiche oder Ähnliche wie im Text, sagt einfach nur: Business). Den wertvollen Raum, den eine Bildmarke geistig und formal einnimmt, sollte man nicht mit Redundanz verschenken.

Der Zusatz "Böblingen" fiel weg. Der Grund war wohl, dass man in Zukunft plante, weniger standortbezogen aufzutreten und Kunden außerhalb der Region Stuttgart-Böblingen anzusprechen. Es kam hinzu: ein Claim: "You’re welcome!"  Er soll die besondere Herzlichkeit und servicebetonte Atmosphäre des sehr gut geführten Hauses ausdrücken. Denn "You are welcome!" heißt ebenfalls auch: "Gern geschehen!", "Bitte!".

Die Schreibschrift soll persönlich wirken, mir ist sie jedoch zu brav. Und da sie aber deutlich eine Satzschrift ist und keine echte einzigartige Handschrift, drückt sie gerade eben nicht gut das individuell-Persönliche aus, sondern wirkt maschinell, wie auf tausendfach publizierten Glückwunschkarten.

Und jetzt kommt the missing link ins Spiel mit dem vom Kunden akzeptierten Vorschlag, den Logoauftritt (das zweite Logo) zu überdenken, da die Lesbarkeit des sehr (zu) langen Wortes noch gut verbesserbar ist.

Es versteht sich von selbst, dass auch das in unserer Marketinganalyse von uns entwickelte und trennscharfe Profil des Hauses (vorher gab es keines) sich nicht nur in den Aussagen und der Optik der neuen Website, sondern sich auch im neuen Logo oder der neuen Bildmarke wiederfinden muss. Denn die neue Kommunikation des Profils findet nicht nur im Web, sondern folgerichtig auch auf dem Briefkopf statt. Wie das geht?

Fortsetzung "Wie kommuniziert man ein Unternehmensprofil in einem Logo (Teil II):
Das Vorhaben (Intro):


11.06.2007 Laut nachgedacht

Im Moment überlege ich mir, ob es nicht eine schöne und spannende Idee ist, die aktuelle Entwicklung des Logos eines Kunden zusammen mit dem Kunden auf dem Blog zeitnah zu begleiten. Angefangen mit dem Ausgangspunkt, dem alten Logo, dann über die Message, die das relaunchte Logo verkörpern soll bis hin zu den verschiedenen Design-Entwürfen, den Diskussionen darüber und der letztendgültigen Auswahl des Kunden. Und warum sie so gefallen ist und nicht anders. Das wäre doch mal ein guter Sinn eines Blogs: zu zeigen, wie man arbeitet. Und dass Design ein Prozess ist, in dem Designer und Auftraggeber mitwirken. Und nicht ist wie Brötchenkauf.

Sprechen rechtliche Gründe dagegen oder ist das null Problemo…

[Edit: ICH DARF!  Premiere: Auf diesem Blog ensteht eine Life-Logentwicklung. Ab morgen wieder reinschauen, da kommt der erste Artikel dazu

Wegen der ungünstigen Angewohneit von Blogsoftware, absteigend zu archivieren (das Neueste zuerst), habe ich beschlossen, nach Projektende hier eine chronologische Anordnung (das Älteste zuerst) zu erzwingen, damit man zeitnah und im echten nach-unten-Ablauf verfolgen kann wie ein Logo entsteht.]

Hier gehts zu Teil I "Der Relaunch des alten Logos war notwendig"

Hier gehts zu Teil II "Wie kommuniziert man ein Unternehmensprofil in einem Logo"