Schnauze! Einfach kaufen!

Also, ich referiere das nur…

Die Prosa meiner Spam-Mails wird immer lyrischer. Wenn die namenlosen Texter dieser Preziosen noch ein paar Jahre üben, kriegen sie vielleicht selbst mich dahin, dass ich mal eine lese. Hat eigentlich schon mal jemand auf sowas geantwortet?

Bald werden Sie jammern und schluchzen: Haette ich doch Wettaktien gekauft ich armer Depp

war sogar noch besser als

Arme Lemminge kaufen immer falsche Aktien. Daher der Tipp hier: Wettaktien

Dabei dachte ich vor der Jahrtausendwende schon,

Fools are without number

wäre der Gipfel des Entertainments. Und schon wieder hat die Realität die Satire überholt.

Suche mittelständischen Spam-Anbieter, textorientiert und solvent, gerne da, wo andere Urlaub machen, Qualifikationen siehe gute-worte.de!

Publikumsbeschimpfung

Wozu bloggen, wozu die Worte erlesen wählen.
Interessiert keine Sau.

Ja, Sie haben gehört, ich werde deftig. So wird man, wenn man sich die Suchworte und Mehrfachbegriffe in den blogeigenen Tracking-Statistiken anschaut, nach denen Leute in unserem Blog aufschlagen:

"texte gratis speichern"

"beautifulagony4free"

"Whisky-Festival"

""sexuelle weltrekorde" cd download"

"cheddar watch"

"Sex agentur"

(jo freili…, gehts noch, wir sind eine ehrbare Design-Agentur)

"Man Roland PR 01"

(Der einzige Begriff, der halbwegs zu unserm Fachblog  – Medien, Design und Werbung –  passt, das ist nämlich eine Druckmaschine, wie sie Druckereien zu haben pflegen, und nicht die Billig-Copyshops, Freunde der Blasmusik.)

"leck mich im arsch"

Dieser letzte Mehrfachsuchbegriff sagt es. Und ich auch:
Schleichts euch!

[Jetzt schlagen sie vermutlich alle auf einmal auf.]

Jennicam unplugged (2004)

Update zu Wir nennen es Würdigung:

I do not do this because I love being watched but because I don’t mind being watched.

Jennifer Ringley, 2001

In unserer Serie über historisch bedeutsame Seiten des Web 0.1 bis Web 1.0 gedenken wir der Jennicam, die man ja gern verlinkt hätte, wenn es sie noch gäbe.

Auf dieselbe Idee ist vor ein paar Tagen (leider?) schon der grafische Kollege Sven K. gekommen, der eine Würdigung über Jennis Nachfolgerin Ana Voog verfasst hat, über der man sich ganz weitgesurft und weh vorkommt.

Jennicam als das Pendant zu den Beatles, Anacam als Rolling Stones, es stimmt schon. Der Ausverkauf der Girlcams, Jennicam goes Tokio Hotel, fing an mit Natacha Merritt von den Digital Diaries: Selbstverständlich kannte jeder von uns lauter Mädels des Jahrgangs 1977, die den lieben langen Tag ihren Hang zum Exhibitionismus auslebten, aber sicher doch. Ständig hatten sie ihre Digicam dabei, wenn sie mit ihrem Freund oder ihren die Tür einrennenden Liebhabern Sex hatten. Unter der Dusche legten sie die Kamera ins Wasser und seiften sich mit gespreizten Fingern und Beinen die Urogenitalbereiche ein. Dann masturbierten sie sich mit und ohne Hilfsmittel ins nächste Jahrtausend – und im jeweils schönsten Moment streckten sie ihren Arm aus und knipsten sich dabei selber. Professionell ausgeleuchtet waren sie von Natur aus. Das war nämlich die Darstellung ihres Lebensgefühls, die einzig zeitgemäße Form des Tagebuchführens: Sie lebten lasziv und zeigten es. Taten wir das nicht alle, wir alten Himmelhunde der New Economy?

Ich war ja mehr so der Typ fürs Gutenberg-Projekt

In fünf Minuten zur Selbstständigkeit

Aus der Reihe Dekonstruktion goes Nachhaltigkeit goes Flash:

Eine Motivation, sich selbstständig zu machen, kann sein: Man wird nicht ständig von diesen lästigen Meetings inkommodiert. Man weiß ja gar nicht mehr, wie man denen entkommen soll. Dann sitzt man drin und dekonstruiert, statt, wie kreativen Menschen angemessen, sinnvolle Dinge zu tun. Wie gesagt: eine Motivation.

Think mittelgroß

Vempire. Die KMU geben alles.

Der deutsche Mittelstand besteht zumindest teilweise aus Idealisten. Anders als in den sprichwörtlichen USA der unbegrenzten Möglichkeiten, wo jeder Schuljunge mit einem selbstgezimmerten Rülpswasserstand Millionär werden kann, haben hierzulande die Behörden ein Auge darauf, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Vom November 2006 ist über das blaue Mädchen die Geschichte einer aufstrebenden Indie-Kneipe überliefert, die zum Bier ein bissel Musik machen wollte. In Auszügen:

Die Wirtin Gabi vom Vempire in Landshut, an deren Integrität und bestem Willen es so wenig Grund zu zweifeln gibt wie an ihrem Engagement, klagt:

Wir zahlen GEMA – doch es heißt, wenn wir mit Veranstaltungen werben, z. B. “anläßlich seines Todestages ein Johnny Cash Special”, oder “Mittelalter- und Deutschrock mit DJ Gabi” oder “DJ Zappa scheuert Euch die Gehirne blank”, dann wäre für jeden GEMA-pflichtigen Song (und das sind in dem Fall alle) extra bezahlt werden, und das, obwohl wir wie gesagt unseren Tarif für Hintergrundmusik vom Datenträger bereits entrichten.

Bei einer kleinen Kneipe, in der maximal 100 Leute Platz haben, ist das ziemlich happig.

Bei Live-Events muss erst ein Antrag gestellt und danach für jeden GEMA-pflichtigen Song extra bezahlt werden. Zudem, wenn man Eintritt verlangt, nochmal eine Abgabe an die GEMA. Da bleibt für die Musiker und für den Veranstalter so gut wie nichts mehr übrig – wie soll man denn dann noch heimische Bands fördern?

Falk von FALK kennt sich aus und erklärt aus Erfahrung mit einem privaten Webradio den Sachverhalt so, dass es auch die verstehen, die Musik und nicht Jura treiben wollen:

Also – egal wie widersinnig es erscheint, es macht für die GEMA einen Unterschied, ob da Musik nur als schmückendes Beiwerk (Gaststätte) oder als Hauptgrund läuft (Discoveranstaltung). Und bitte das Wort Disco nicht mit Club verwechseln. Und danach berechnet sich der Tarif.

Livemusik ist nochmal ein völlig anderer Tarif ;)

Die Berechnung nach Quadratmetern ist eben auch ein Status quo, den man so hinnehmen muss. Aus Sicht der GEMA: kleinerer Raum = weniger Leute und umgedreht. Nachvollziehbar.

Zu deiner Vermutung, wenn du singst: Dann muss man das trotzdem der GEMA melden. Allerdings fällt in diesem Falle keine Vergütung an (es sei denn, nachfolgend ist noch eine Discoveranstaltung *g*) Bei Tonträgern ist dieser Nachweis schon wieder schwieriger bis nicht möglich, da die gesetzlich verankerte, so genannte GEMA-Vermutung davon ausgeht, dass die GEMA für alle Titel, die weltweit erschienen sind, kassieren darf. Solang da kein anderes Abrechnungssystem eingeführt ist, zahlt man trotz GEMA-freier Musik diese Pauschalen.

Die Unterscheidung zwischen Original und Kopie im gewerblichen Umfeld ist weder witzig noch albern oder sonstwas. Denn eine Kopie für gewerbliche Zwecke muss nun mal vergütet werden. An dem Punkt würd ich auch niemals diskutieren, dieses Privileg hat entweder der Urheber (oder sein Label) oder man erkauft es sich mit der Zahlung dieser Gebühr.

Aber ich glaub du merkst grad, wie unglaublich komplex das Thema ist, oder?

Noch fit? Dann hören wir noch einmal, wie es Gabi vom Vempire ein paar Tage später erging:

Kurz nach meinem ersten und letzten Eintrag hier hatte ich “zufälligerweise” einen Tag später die GEMA in der Kneipe. Unsere Kneipe ist grad mal 50 qm groß (was die GEMA-Leute auch gleich via Infrarot-Ping ausmachten).

Am Anfang, als wir die Kneipe übernahmen, hatte der Vorgänger seinen A… nicht hoch gekriegt, um die Kneipe namentlich bei der GEMA zu umschreiben, und ich hab mich halt dann selbst drum gekümmert: “Musikkneipe mit Datenträger” hab ich angekreuzt. Jetzt kamen die und erklärten uns, dass wir eine “Erlebnisgastronomie” haben, obwohl bei uns gegessen und Kaffee getrunken wird und die Leute hauptsächlich zum Ratschen kommen. Tja, aber auflegen “DJ Abend mit der Wirtin” oder “DJ Abend mit dem Wirt”, das geht da nicht bei dem Tarif. Jetzt dürfen wir großzügigerweise den ca. 4-fachen Tarif bezahlen (da “Erlebnisgastro”) und es ist uns somit großzügigerweise erlaubt, laut zu spielen und auch DJ-Abende zu machen. Nur – tanzen darf niemand. Sag mal ‘nem Punk, dass er nicht ausflippen darf, wenn er will.

Nu ja – Pech wegen den Konzerten. Wir wollten 1-mal monatlich ein Konzert machen. Dafür muss man natürlich extra zahlen: weiter ca. 650 € im Jahr. Klasse. Leider hat das Ordnungsamt der Stadt das noch nicht genehmigt.

Letztendlich kann ich nur sagen, die GEMA-Außendienstler waren sehr hilfsbereit (das mein ich ehrlich), haben halt ihren Job gemacht und es war ihnen offensichtlich peinlich.

Die ganze Geschichte steht etwas ausführlicher, aber wie man solche bürokratischen Wüstenritte kennt, immer noch nicht erschöpfend beim blauen Mädchen, das sich abschließend nur fragen konnte:

Warum seid ihr jetzt Erlebnisgastronomie? Sind die Gäste zu schön? Oder die Deko?

Was tut man da sinnvollerweise? Think big? Eintritt verlangen, Kohle scheffeln, Förderungen einsacken, bis es sich rentiert?

Vielleicht ist das eine Lösung. Aber keine, die der ursprünglichen Idee dient. Die Leute wollten eine gemütliche Kneipe, kein Flaggschiffprojekt.

KMU bedeutet: kleine und mittlere Unternehmen. Sich einen Rülpswasserstand zimmern mag kleine Jungs in Amerika weiterbringen. Und bei uns? Think medium könnte helfen.

Kreative Langeweile 12

Also, damals in der Agentur haben wir noch Kaffee genommen. Heute hat ja alles einen Zweitnutzen, einen USP und was nicht noch alles. Muss ja auch. Die galoppierende Verzwonullung ist nur mit einer anständigen Dosis EGAAL durchzuhalten.

Kein Zufall, sondern offenbar Selbsthilfe: dass der gleiche Laden ein Produkt namens Langweilig in zwölfter Folge herausgibt.

War die Rede von Zweitnutzen? Auch in diesem Eintrag: the missing link, Ihre Lieblingsagentur für umsatzsteigernde Werbemaßnahmen, empfiehlt weiterhin aufwühlende Musik.

OSTERdesEInER

Keine Ahnung, welchen Marketingerwägungen der Ostereintrag vom letzten Jahr geopfert wurde. Muss man halt heuer nochmal den Osterhasi verlinken, der selbstverständlich mindestens doppelt so "süß" wie Knut ist.

the missing link, Ihre Lieblingsagentur für dicke bunte Eier, wünscht also allen Kunden und denen, die es noch werden müssen, ein gedeihliches Osterfest.

Vorsicht: Am Montag können Sie im Bett bleiben, wofern Sie nicht gerade Notarzt, Serviertochter oder Werber sind, da ist nämlich auch Feiertag. Das vergisst sich immer so leicht. Die Biergärten sind geöffnet, in München sogar beheizt.