Auch Web Design braucht erst mal ein Konzept

Ganz billig war the missing link da nicht, aber unsere Arbeit für diese über 40 Seiten tiefe Website eines innovativen Ernährungsberaters aus dem schwäbischen Hildrizhausen/Böblingen hat sich für alle Beteiligten gelohnt.

Unternehmensberatung, Marketinganalyse Wellness und Life Science, Unternehmensprofil, Visuelles Konzept, Textkonzept, Lektorat, W3c-valides XHTML, farbige Radio-Buttons: the missing link.

Das Logo wurde ein No-Logo: die Unterschrift, der gute Namen. Eine edle, seriöse Lösung ohne werbliches Gedöns.

Serverseitig (PHP) programmierte Module (15 teiliger Stressesser-Test, Kontakt, Anmeldung, Authentifizierungsscript): SiteArt (Dank an Roland von SiteArt für die perfekte Zusammenarbeit)

Mögen viele Neukunden – vielleicht auch Sie, der Sie vor dem Rechner schon wieder was knabbern, ich seh alles…, von der Expertise eines echten Ökotrophologen und vom State of the Art der aktuellsten Ernährungsforschung profitieren. Happy entspann’ und dabei abnehm’:

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Die zehn Todsünden bei der Kundengewinnung

Aus http://www.bmbf.de/de/6965.php des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF "Viele Haken beim Angeln nach Kunden".

Rot ist das, womit ich als konzeptioneller und analyselastiger Designer auch oft konfrontiert werde, wenn es um ein neues visuelles Konzept geht für eine Broschüre, eine Website oder einen komplett neuen Unternehmensauftritt. Solange diese Dinge nicht geklärt sind, kann ich jedoch als Designer eigentlich gar nicht anfangen.

Der unbekannte Kunde. Der
beauftragende Unternehmer überlegt sich nicht, wer wirklich seine potenziellen Kunden sind und
wer von dessen Entscheidern wirklich über den Zuschlag entscheidet
für die ihnen angebotenen Produkte und Dienstleistungen.
Der unbekannte Nutzen. Der Unternehmer weiß nicht, welchen wirklichen Nutzen sein Produkt oder seine Dienstleistung für den potenziellen Kunden hat. (Wichtige Kernfrage: Was hat der Kunde davon, dass er ausgerechnet dieses Produkt kauft.)
Der unbekannte Produktvorteil. Das Unternehmen kann dem Kunden nicht verdeutlichen, worin das eigene Produkt den anderen überlegen ist.
Der teuere Mischmasch-Kundeneintopf.
Obwohl der Unternehmer wenig Zeit und Geld hat, spricht er alle
potenziellen Kunden an,
statt bewusst die wirklich stimmigen im Vorfeld auszuwählen und herauszufiltern.
Die verkehrte Ansprache.
Der Unternehmer kennt die geeigneten Wege, die richtigen Medien nicht – zum Beispiel ob per Brief
oder per E-Mail oder PR – wie er am geschicktesten die Aufmerksamkeit des Kunden wecken kann.
Die fehlende Koordinierung. Wenn zur Kundengewinnung mehrere Zuarbeiter nötig sind, wird deren Einsatz oft nicht geplant und miteinander abgestimmt. Tödlicher Effekt: Sie sprechen nichtsahnend zu gleicher Zeit den gleichen Kunden an.
Keine Ziele oder Zwischenziele festgelegt.
Das Ziel, wie der Kunde gewonnen werden soll, steht nicht fest, zum Beispiel welche
Produkte aus der Produktpalette ihm präsentiert werden oder wieviel genau (Obergrenze) für Muster, Messen, Fahrten oder
Einladungen ausgegeben werden soll.
Fehlende Dokumentation. Es wird unterlassen, nach jedem Kundengespräch Inhalt und Ergebnisse festzuhalten.
Fehlendes Nachfassen. Wenn der Kunde sich nach einem ersten Gespräch nicht wieder meldet, fragt der Unternehmer oder seine Mitarbeiter aus Vorsicht/Angst/Enttäuschung nicht mehr nach.
Fehlendes Controlling. Das Unternehmen wertet Geld- und Zeitaufwand und Ergebnisse nicht aus und verdirbt sich so eine passgenaue Zukunftsplanung.

Wie man wirklich zu kreativen Ideen kommt

Wer kennt das nicht: Alles über das zu Be_werbende ist auf dem hart erarbeiteten Arbeitspapier niedergeschrieben. Man liest die Schlüsselwörter immer wieder, die als relevant und notwendig erarbeitet wurden, und wiederholt sie wie ein Mantra. Man weiß in- und auswendig, wie das Unternehmen, das Produkt ist, oder die Dienstleistung, welche es gilt, möglichst intelligent, außergewöhnlich und natürlich auf kreative Weise bekannt zu machen. Man weiß, was man eigentlich aussagen sollte und muss das nur in eine möglichst kreative Botschaft packen.

Alles da.
Nur: es kommt nichts. Keine einzige Idee, niente, Mattscheibe.

Werfen Sie Ihr komisches Gebetsmühlenpapier weg. Ja, tun Sie es. Manche haben ein solches breitangelegtes Mantra-Papier lediglich im Kopf. Das ist aber noch schlimmer, denn das Gehirn rattert dann nur noch in diesen Kreis-Bahnen.

So, weggeschmissen, eliminiert, aus der Gehirnschale ausradiert? Gut.
Jetzt verrat’ ich Ihnen, warum das nichts werden konnte: Es waren zu viele Dinge auf einmal, stimmt’s? Geben Sie es zu, Sie Vielfalts-Fan.
Alles sollte rein in die Broschüre, auf die Website. Jeder nur mögliche Kunde sollte sich irgendwo angesprochen fühlen. Worte wie Qualität, Kompetenz, Service mussten auch noch vermittelt werden und dann eben auch als Worte rein. Sind doch schön kurz, nicht. Zusatz-Angebote, weitere Qualifikationen, man muss doch alles irgendwo reinpacken.

Muss man?

Kleiner, optischer Aufmerksamkeits-Test:

Schauen Sie, was passiert, wenn Sie 2 Gegenstände, die 30 cm voneinander entfernt liegen, gleichzeitig und gleichwertig genau sehen wollen. Nicht wie hier auf einem kleinen Gif-Bildchen – schummeln Sie nicht: auf den Tisch mit: links einem Füller, rechts einem Klebestick!

Was nehmen Sie wahr.

Blind

Genau. Sie können so nie zwei Gegenstände gleichzeitig wahrnehmen. Sehen Sie, es geht nicht. Und nicht nur beim Sehen ist das so, auch beim Denken. Genauso beim Ideenkreieren, genauso geht es Ihrem Kunden in seiner Wahrnehmung, wenn er es versucht (falls er reizüberflutet es dennoch versuchen sollte, was er nicht wird), Ihr verschwommenes und überladenes Angebot zu verstehen.

Die Lösung für wirklich kreative Ideenfindung:
Werden Sie single-minded! Konzentrieren Sie sich auf nur einen Sachverhalt, den Sie erzählen wollen. Nur so kann sich eine kreative Idee daran entzünden. Sobald Sie rückfällig werden (das werden sie, denn Sie sind noch ungläubig, ich sehe es) und dieses dazu noch erzählen wollen und jenes, dann werden Sie merken, dass sich Ihre kreative Ideenkraft wieder verflüchtigen wird.

Das ist das Geheimnis von den Grundlagen sauberer, schlüssiger und wirklich kreativer Kreation. Von mir in jahrelanger Berufserfahrung immer und immer wieder erprobt und erlebt. Wer also eine Agentur sucht, die ihm echte zündende Ideen liefern soll, sollte

1. dringend darauf schauen, wie intensiv und exakt sie Singlemindedness im Re-Brief, in der Analyse und im Profil anstrebt (das klingt sehr leicht, ist aber das Schwerste, fast ZEN, und dieser Aufwand kann nicht nichts kosten) und prüfen

2. wie frei sie andererseits wieder von einengenden geistigen Konventionen und Barrieren sich anschließend benimmt: eine wirklich kreative Agentur ist da geistig sehr lebendig und überschreitet gerne die üblichen Grenzen von Konvention, von Denkgewohnheiten und manchmal auch von absoluten Denk-Tabus. Stufe 1 kann sie dabei leider nie auslassen, sonst kann sie nicht frei denken. Bedenken Sie: Wer an alles gleichwertig denken muss, der kommt auf keine kreative Lösung. Keiner, auch nicht der kreativste Topchecker von Wieden & Kennedy oder JvM. Wer das nicht glauben will, muss fühlen: wird an viel durchschnittlich schlechte und deshalb an dienernde & dackelnde Agenturen ("…könna mea Ehana ois mocha…") money for nothing ausgeben. Eine gute Agentur erkennt man daran, dass sie gelegentlich widerspricht, dem Kunden nicht in allem nach dem Munde redet..

Wer wirklich eine zündende Idee will, statt nette nichtssagende Gardinchen hinhängen an austauschbare Allerweltswände seiner kommunikativen Architektur: Welcome! So arbeiten wir: vor dem Vergnügen der Ideenfindung die harte Arbeit des Destillierens.

Verstehen Sie als Kunde etwas von Design?

DER DESIGN- UND MARKETING-TEST

Wer Fach-Dienstleistungen einkauft, muss sie nicht können (er kauft sie ja genau deswegen ein), aber er muss wissen, was er denn einkauft. Ein Widerspruch?

Hand aufs Herz: Wissen Sie als einkaufender Kunde hundertprozentig, was Design ist, warum Sie glauben, es zu brauchen, und wissen Sie auch, was es kann? Und was es nicht kann?

3 kleine Testfragen, wie fit Sie sind.

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Frage 1:
Ein Unternehmens-Auftritt Ihrer Konkurrenz gefällt Ihnen ausnehmend gut und Sie glauben, Ihr Konkurrent macht damit mehr Punkte als Sie. Warum?

a) Weil seine Farben schöner sind als Ihre.

b) Weil er so eine hübsche kreative Idee mit flotten Sprüchen als Aufhänger hat.

c) Weil er in den Texten seiner Kundschaft beweist, dass er ihre Bedürfnisse verstanden hat und ihnen dazu etwas Perfektes anbietet.

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Frage 2:
Sie ärgern sich über den schwachen Rücklauf Ihrer teuren online Banner-Kampagne. Was sagen Sie Ihrer Agentur?

a) Sie soll das nächste Mal auch so ein designiges Flash-Dingens wie von Firma XY machen, wo der User interaktiv damit spielen kann, das bringt mehr Klicks.

b) Sie soll sich das nächste Mal um bessere Schlagwörter kümmern, die den User wirklich interessieren.

c) Sie kündigen ihr, denn sie hat nicht verstanden, dass Ihr Produkt/Ihre Dienstleistung einen echten Dialog mit den zukünftigen Kunden braucht und die Banner-Berieselung nicht der richtige Weg ist.

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Frage 3:
Sie haben Messeauftritte zu planen. Wann fangen Sie an damit?

a) Mindestens ein halbes bis dreiviertel Jahr vorher, denn Sie wissen, dass ein aufregender Messeauftritt und die Messe-Aussagen plus das Design und die ganze Vorbereitungen dazu genauso lange brauchen.

b) 8 Wochen vorher anzufangen reicht Ihnen. Es zieht Ihnen eh schon zuviel Manpower vom Tagesgeschäft ab. Zudem einmal hat Ihr Vertrieb noch nicht einmal die Anfragen der letzten Messe nachbearbeiten können, Neu-Schulung braucht er auch nicht, das Produkt kennt er in- und auswendig.

c) Ein Vierteljahr vorher genügt. Und die Agentur soll die wirklich netten Bilder vom Vorjahr, die Ihnen so gut gefallen haben, nehmen und einfach neuen Text dazu schreiben. Ist auch nicht so wichtig, denn Ihre Messebesucher werden sowieso von Ihrer Firma eingeladen, zum Stand zu kommen. Die kommen, garantiert. Daher brauchen Sie kein aufgeblasenes Kommunikationskonzept und sind – schlau – nicht auf Laufkundschaft angewiesen.

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Die Auflösung:
Ich verrate im Kommentar unten, welche Antwort Design-Dummfug ist, welche schlau ist und welche nicht.
Aber heute noch nicht. Viel Spaß beim Kommentieren

1. a?b?c?  2.  a?b?c?  3. a?b?c?
Den richtigen Kombi einfach in das Kommentarfeld pasten.

Mehr draus machen

In unserer Straße wird saniert. Auch unsere Jahrhundertwende-Immobilie, die im 2. Weltkrieg ab dem 2. Stock von aliierten Bomben abrasiert wurde – wir wohnen im dick- und hochwandigen EG eigens wegen unserer Miezekatze, welche traditionell sofort auf die Straße nach Mäusen gehen will, statt auf Balkonen eingesperrt zu sein – bekommt ein neues Dach, statt das unschöne Nachkriegsdach. Und hat eben neue Balkone bekommen.

Für den Mehrwert nehme ich einiges in Kauf, z. B. ständig verstopfte Parklücken voller Schutt-Container und Handwerker-Lieferwagen. Ich fange an als Schreinerstochter, die die den Duft von Holzleim und geschnittenen Hölzern liebt, Zementgeruch zu lieben.

Der Lieferwagen hier aber in unserer Reifenstuelstraße (der Reifenstuel war ein Star-Architekt und Baumeister unter Ludwig II) hat meine durch ständige Hammer- und Bohrgeräusche lädierte Laune schlagartig verbessert. Ich arbeite vor allem wegen Bildbearbeitung am Rechner nachts und bin dann tags durch den Wind, wenn Handwerkerkrach abgeht. Wenn aber bunt, dann so:

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Welcher Handwerksmeister, der nur ein ein wenig darauf achtet, das Geld für die wenigen traditionellen Werbemittel, die er verwendet, halbwegs sinnvoll zu verwenden, würde da nicht neidisch auf diese Fuhrpark-Werbung: kreative und plakative Autobeschriftung. So fällt man auf auf den Straßen, und auch noch angenehm. Wenn mich ein Badezimmer-Handwerker – ob Fliesenleger oder Sanitärmeister – um kreative Ideen bittet, geht es ab sowas erst los. Bitte anschnallen!

[Edit: Unser Haushalt hat aber ein noch viel tolleres Badezimmer. Mit freistehender Löwenpfoten-Badewanne, ja. Und Rundbogen über dem Spiegel und selber gemachter Spezialputz, in 3,30 m Höhe schwindelnd auf Alu-Leiter stehend, handgerieben und mundgebissen.]

Du bist der Marktrebell


Die liebevolle Photoshoparbeit von Sven Boogie Augustin erspart mir, alle grassierenden Mönchsbildchen mit Muckenpatschern und Dildos selber zusammenzufieseln. Die Freizeit dieser jungen Menschen ist weise angelegt, geht es doch um nicht weniger als den natürlichen Sohn von Martin Luther und Kurt Tucholsky zu verunglimpfen, denn sie wissen sowieso nicht, was sie tun sollen. – Noch jemand?

Diese Weltretterei durch Tagebuchführung nervt mindestens so sehr wie das kollektive Genervtsein darüber. Bald schreib ich Ihnen wieder was Fachliches.

Cheddar-Watch

TV heißt Fernsehen und Fernsehen, das war angeblich mal so was Ähnliches wie Youtube für 70er-Hippies.

Web 2.0, universell segensreich wie gewohnt, entwickelt TV-Formate, bei denen man keins der Elemente vermisst, die auch 1970 schon die eigentliche Kommunikation stifteten. In der Hauptsache also einvernehmliches Ablästern über den alten Käs, den man gestern wieder angeschaut hat.

Die Neuerung dabei: Wenn der Käse reif ist, wird er ausgetauscht.