Die Kritik des Spiegel im Spiegel der Kritik

Braucht man zum Bloggen eigentlich Abitur? Wer sich heute alles Blogger nennt, scheint ja großmächtig Geld damit zu verdienen. Ich mach das rein aus meiner grenzenlosen Zuneigung zu meinen Kunden, die sich höchstens wundern, warum ich nicht lieber Geldwertes schreibe. Nächstes Mal trag ich in die Umsatzsteuer auch "Blogger" ein – und verlinke die Kollegen immer noch nicht, ätsch.

Nach dem Vorbild des Bildblog ist eine Spiegelkritik entstanden, angesichts derer sich solche Fragen erheben. Ihr Spannungsgehalt gleicht dem Ausgang einer Fußballweltmeisterschaft, ihr Erkenntniswert dem Besinnungsaufsatz meines Banknachbarn in der Neunten zum Thema "Journalisten sind auch nur Menschen, aber in einer Demokratie muss man halt mit Pressefreiheit leben".

In jenen fernen Zeiten, als jeder Sonderschüler noch eine Homepage brauchte, wurden die Dinger noch nicht mal als Klowände des Internets beschimpft. Dagegen hat man heute richtig einen Ruf zu verlieren.

Gibt’s eigentlich schon einen Playboy-Watch? – Im Sankt-Pauli-Magazin ist mir unlängst eine retuschierte Brustwarze aufgefallen. Wenn das nix wird, geb ich mein Abitur zurück.


Der Da Vinci Code: Nur echt ohne Binde Strich

War nicht gestern Donnerstag? Wo die Filme im Kino anlaufen? Und wieder einen Blockbuster verpasst und wieder nichts versäumt.

Warum muss ich Dan Brown lesen, solang ich noch nicht mal alle drei Teile Illuminatus! geschafft hab? Aus dem schon Eco sein Pendel geklaut hat, aus dem Brown seinen Da Vinci Code…? Aber das darf man bestimmt noch nicht wieder öffentlich sagen.

Mein Gott, worum wird’s schon gehen. Dass ein Messer scharf wird, wenn man es über Nacht unter eine Pyramide legt, dass auf Dollarscheinen ein Auge drauf ist und ein bisschen Verunglimpfung von Freimaurern. Noch nerviger sind nur jene alternativen Eliten, die Dan Brown schon gelesen haben, als es noch cool war, und seit er übersetzt ist wieder Zeug suchen, das sonst möglichst niemand je lesen wird.

Am demütigsten bewundern wir eine Marketingmaschine, die uns solches Wissen injiziert, ohne dass wir jemals das Buch lesen müssen.

Ad vocem Blockbuster: Am Sonntag ist internationaler Orgasmustag. Stöhn.

Delia bleibt

Soeben erreicht mich die anrührende Johnny-Cash-Biografie vom Rolling Stone.

Nachdem Herr Cash bis 1994 als Hänschen Kleingeld verunglimpft wurde, durfte er im Auftrag eines Punkrock-Produzenten zu einem der ganz wenigen Comebacks, die wirklich eins waren, Kate Moss gleich zweimal erschießen. (Weil es um die denn doch irgendwie schade wäre, hat sie später noch sehr viel lebendiger gewirkt.)

Daran musste aus ganz & gar nicht aktuellem Anlass auch mal wieder erinnert werden.