Postzustellung in München

Ich weiß nicht, was Zumwinkel und sein Personal so alles treiben. Ich weiß nur, dass gewisse Post- und Briefsendungen – auch DHL – in München überhaupt nicht ankommen. Nicht dass ich überhaupt noch drauf warten würde – obwohl jetzt bald die "stade Zeit" (für Nichtbayern: die Adventszeit) kommt – , aber ein zu der Zeit für wichtig erachteter und von der Druckerei pünktlich versandter Andruck kam bei uns NIE an. Das ist zwei Wochen her. Drucker und ich haben uns in unserer Not telefonisch die Farbpalettenwerte zugeraunt.

Jedenfalls hab ich mal den vorletzten Briefträger, den wir im Frühjahr hatten, ab 14 Uhr ums Eck im italienischen Weingrosshandel, welcher Weinproben macht, verschwinden sehen. Sein gelbes Wagerl stand lang davor. Es stand auch noch um 15 Uhr davor. Ob ich mal beim Weinfritzen nach meinen Sendungen fragen soll?

Gelbe Seiten

Ich ruf gleich die Beraterin an, ob ich eine Anzeige in der Printausgabe 2006/2007der Gelben Seiten für sinnvoll halte (wohl nicht), oder lieber gleich nur online… Informationen über Nutzergruppen habe ich leider in der Hochglanz-Infobroschüre nicht gefunden.

Jeder Yellow-Press-Friseurzeitschriften-Verlag – um mal bei der Farbe zu bleiben – hat vernünftige Studien über seine Leser… Dafür hat die Gelbe Seiten Business-Info so schwammige aussagestarke HLs wie "Spezialisiert auf alle Anforderungen" und "einfach schneller am Ziel". Aaarrrghh. Darf ich deren Texter verhauen?

Charms-Jahr 2005

© www.station15.de

Nachdem aus dem Schillerjahr auch so langsam die Luft raus und die Frankfurter Buchmesse so geruchlos wie immer verdampft ist, kann man sich ja mal besinnen, was sonst noch so los ist, literarisch.

Wer mal richtig lange lesen will, wende sich an die Russen. Bei "Krieg und Frieden" hat schon der Film genervt, "Schuld und Sühne" finden die Buchhändlerinnen nicht mehr, seit es "Verbrechen und Strafe" heißt, Gogol ist zu albern und Turgenjew zu depressiv?

Dann ist es jetzt günstig: Daniil Charms lesen! Geboren am 17. Dezember 1905 – hat also gleich seinen Hundertsten -, 1944 im Knast verhungert, und dazwischen hat er sich angenehm kurz gefasst. Und es gibt dauernd was zu lachen.

Richtig in war er nie. Lang kann’s aber nicht mehr dauern, bis er entdeckt wird, weil sein Übersetzer gerade das letzte Material von Tschechow durch hat. Diogenes wird sich also was anderes überlegen müssen. Und wer gleich zuschlägt, wird in zwei Jahren sagen können: "Hey, ich hab Charms schon gelesen, als es noch cool war!"

"Was zu lachen" bedeutet wie immer, wenn wir über Qualität reden, ein Lachen unter Tränen. Schlagen wir wahllos irgendwo auf:

Gestern zum Beispiel kam Olejnikov zu mir und sagte, er habe sich völlig in den Fragen des Lebens verheddert. Ich gab ihm ein paar Ratschläge und entließ ihn. Und er ging, von mir beglückt, von dannen, in seiner allerbesten Laune.

Die Menschen sehen in mir einen Halt, wiederholen meine Worte, bestaunen mein Tun, Geld zahlen sie mir aber keins.

Dumme Menschen! Bringt mir lieber Geld, und ihr würdet sehen, wie froh ich darüber wäre.

Aus: Fälle.

Ist das wertfreie Blödelei? Ist das Satire? Es ist das Schreiberleben.

Werbekosten und die Krux mit dem ROI

Ich bin sehr dafür, dass der Design-Kunde handelt, aushandelt und verhandelt. Und er soll sich freuen, preiswert eingekauft zu haben und dafür was Gutes zu kriegen. Es gibt allerdings eine preisliche und oft eben auch qualitätsbedingte Grenze nach unten, die nur noch Studenten oder Freunde durchbrechen können, weil die nicht dauernd davon leben müssen, sondern das als kurzfristiges, nettes Zubrot sehen.

Wundert mich nicht, dass versucht wird zu sparen wie Teufel: Bei Corporate und Werbung liegt der ROI für nachgedachtes und gutes Design nicht sofort und direkt auf der Hand.

Wie beim gut sitzenden Anzug, der seinen Teil eben gekostet hat – und beim schlecht sitzenden Anzug mit den zu kurzen Ärmeln aus dem Kaufhaus um die Ecke. Keiner kann sagen, was ersterer sofort in pecunia einbringt, wenn man damit zum Banker oder zu einem wichtigen Kunden geht. Klar ist mir nur, dass der billige, schlecht sitzende Geschäftsanzug und die unpassende Krawatte auffällt – negativ ;-) Kapier ich nicht: Beim Gesicht seines eigenen Unternehmens nimmt das mancher hin.

 Ein mittelständische Unternehmen aus meiner Zweitheimat Mittelfranken hat fast alles: ein klares Profil, Kooperationen, sehr gute Ideen, gute Öffentlichkeitsarbeit, lebendige Sprache, und macht inhaltlich vieles richtig richtig. Gespart wurde aber an Gedanken oder Geld für den geeigneten optischen Auftritt, der für die wirklich gut durchgestalteten, skandinavisch und freundlich wirkenden Möbel in meinen Augen zu bieder ist. Finsteres unnachhaltiges (!) tropisches Mahagoni-Rot passt inhaltlich nicht zu den hellen einheimischen und nachhaltigen Hölzern; Fotos mit fürchterlichem weichem Rand, warum; gelbe Schrift, zweimal "Start" in mieselgrau; auf den ersten Blick hält man das für ein Gastronomieangebot der Sorte "Busse herzlich willkommen". Nun könnte mir einer sagen, ist doch wurscht, wir haben trotzdem Kunden wie nix, und denen isses egal. Aus den ebendort veröffentlichten Umsatz- und Gewinnzahlen könnte man sich jedoch vorsichtig zusammenreimen, dass ihnen ein guter Schwung zahlungskräftiger Neukunden, die Nachhaltiges lieben, durchaus guttun würde. Und wohnbewusste Menschen – wohnst du schon oder suchst du noch? – suchen gezielt weiträumig nach gut aussehenden nachhaltigen Möbeln, immer öfter übers Netz, weil es dieses Angebot nicht an jeder Ecke gibt.

Solche Geschichten und Gesichter vom übersparsamen oder fehlorientierten Mittelstand, dem vernünftiges Internet-Design oder Corporate-Design an sich augenscheinlich wurscht ist, gibt es viele, da kann ich mir den Wolf bloggen ;-), weiß schon.

Bei diesem Unternehmen finde ich es aber besonders schade.

Brothers Grimm

Sicher ist nur, dass der Filmtitel von Heinz Erhardt geklaut ist. Ansonsten spickt und starrt alles vor Doppelsinn. The Brothers Grimm ist dann ein guter Film, wenn man nicht alles verstehen muss.

Wenn man nicht auf eine stringente Handlung angewiesen ist. Wenn man was gegen die allzu festgelegten Schubladen der Filmgenres hat. Wenn man sich souverän mit den Märchen der namensstiftenden historischen Figuren auskennt – und dann noch ein paar anderen, nach Belieben aufgesammelten. Oder besser: Wenn man sie lieber nicht kennen lernen will. Selbst bei der handlungstragenden Nebenrolle des zwölften Mädchens namens Sascha, was ja ein mehr oder weniger männlicher Vorname sein soll, kann man nicht sicher sein, ob’s nicht doch ein Buberl ist.

Dabei müsste mir so was gefallen. Monty Python kann man ja zur Not von Terry Gilliam unterscheiden. Ich halte schwarzen Humor, überraschende Wendungen und Skurrilitäten auf allen Ebenen für essenziell, dergleichen betonen zu müssen dagegen für erbärmlich. Verstanden hab ich den Film trotzdem nicht.

Das sind meine Brüder Grimm nicht. Für die Sammlung Kinder- und Hausmärchen, die wir alle vorgelesen bekamen, könnte ich sie allein schon respektieren. Dann haben sie aber auch noch das Deutsche Wörterbuch (nein, muss man nicht mehr kaufen und im Weg rumstehen haben) zusammengestellt. Nicht das erste. Nur das erste, das noch gilt.

Und dann noch ein paar Sammlungen deutscher Sagen, irischer Elfenmärchen und nebenher noch das Standardwerk über Deutsche Mythologie und was eben so die Identität eines Volkes definiert. Das waren die positivistischen Haudegen des 19. Jahrhunderts: Man fragt sich wirklich, ob die vor lauter Arbeiten nie aufs Klo mussten.

Was Herr Gilliam da gebastelt hat, ist von keiner Recherche angekränkelt. Und das vom ruhmvollen Angehörigen einer Komikertruppe, die „Bruce’s Philosophers Song“ schmetterte, und der nachher so historisch bedeutsame Werke wie „Twelve  Monkeys“ und „Fear and Lathing in Las Vegas“ ablieferte.

Ab 12 ist der Film? Sollte ich je eine zwölfjährige Tochter haben, werde ich sie nicht mit den „Brothers Grimm“ erschrecken. Das mag damit zusammenhängen, dass "der Deutsche" unter Romantik eine Art Vorstufe des Biedermeiers versteht, der Brite und ihm anverwandte Amerikaner dagegen alles, was Poe und Walpole angeleiert haben: Gothic Novels nebst allen todessehnsüchtigen Folgen. Noch wahrscheinlicher ist das Freigabealter Erwägung der Marketingabteilung eines Filmvertriebs, der vermutlich ausgerechnet hat, dass über Fünfzehnjährige schon in der Lage sind, einer Handlung zu folgen.

Abgesehen davon, dass Sätze wie „Oh! Was ist denn das?!“, wenn einer allein den Raum erkundet, nicht mal in ein Boulevard-Theaterstück, geschweige denn in ein Drehbuch gehören, das Geld einspielen soll, hab ich die Übersetzungshunde, die in der deutschen Version begraben liegen, erfolgreich verdrängt.

Was das mit einer aufstrebenden Zwei-Leut-Agentur zu tun hat? Nun: Zuallererst mal suchen wir zu zweit dem Not leidenden Volk mit Federkiel und weisem Ratschlag beizustehen. Und wenn wir mal groß sind, wollen wir auch gerne von Monty Pythons Überresten verfilmt werden – aber doch nicht so.

So groß werden wir sowieso nie, denn die Germanistik ist jetzt ja schon erfunden. Geradezu ein Jammer. Vielleicht liegt es daran, dass wir unseren Beruf, ungleich den Brüdern aus der hanebüchenen Filmhandlung, nicht darin sehen, unseren Kunden die Gruben erst zu schaufeln, aus denen wir ihnen zu helfen gedenken. Dafür ist mit uns auch künftig noch zu rechnen. Seit 2002, da die Mark qua Europapolitik nur noch 50 Pfennig wert ist, trifft man die Jungs ja nicht mal mehr auf seinen Lieblingsgeldscheinen.

Trüffeljäger Magazin. Jetzt neu. Wir jagen vor: Trüffel nur für den Mittelstand.


Ankündigung 1
für den Jäger:

Am 7. November gibt es Trüffeljäger Nr. 3.

Ankündigung 2,
es wird vor_gejagt:

Da unsere Trüffeljäger-Beobachtungen ziemlich oft aufgerufen werden: Ab heute wird hier der
Trüffeljäger auf wirklich wichtige Themen für den Entscheider aus dem
Mittelstand quergelesen und sachlich-knapp, ohne launige Bemerkungen die
wahren Trüffel vorgestellt.

Für den Sammler:

Nach Datum und Ausgabe gesammelt im "Kategorie"-Link "Trüffeljäger beobachten"

KREATIV-INDEX im Manager-Magazin

Jetzt neu: Diesmal gibt es das Ranking des Manager-Magazins: Springer & Jakobi sind trotz miesem tAX (Ranking des Trüffeljägers) hier auf Platz 1. Wer wissen will, was das SPIEGEL-Volk zu den von den Juroren ausgezeichneten Arbeiten und zu Werbung denkt, schaue hier: Thema "Werbe-Wirkung – Was ist kreativ?"

Da posten zwar auch die üblichen Werbehasser und sonstigen Erhitzten, manchen Postings kann ich jedoch nicht absprechen, wie recht sie haben. Werbeleiter und Kreative, geht in euch. Unternehmen, werdet mutiger, mit viel Geld und Sendezeit gepowerte Langeweile und Penetranz bleibt eben immer noch Langeweile und Penetranz. Das gleiche Lied wie bei den unerträglichen Pop Ups.

Auf Besserung hofft:
ein kleiner Kreativer.

Carpe Diem!

Schock: Wenn der Babyboomer in die Jahre kommt

Der Markt für die jetzt um die 40jährigen Babyboomer fängt an, sich neu aufzustellen. Da man sich ausgerechnet hat, dass diese vorgeblich technikverliebte Generation es auch in der Rente als Silver Generation nicht lassen wird, auf Technik zu verzichten. Irjendwo muss ja der Konsum herkommen, näch?

Zum Beispiel gibt es den sogenannten Parkinson Calculator, der
dem alternden Grafik-Designer bei sehr zittrigen Fingern einwandfrei
das Taschengeld für den Enkel ausrechnet, indem er sich nach Häufigkeit
und Wahrscheinlichkeit orientiert. Die Dame oben –
Ex-Mediengestalterin? – sitzt am "seniorengerechten" Computer "Pinguin"
(Ob der Linux drauf hat?).

Das is ja alles ganz prima, aber die Begriffe "Junge Alte" und "seniorengerecht" sind schon echt Scheiße. Der Babyboomer und die Babyboomerin, die ich so kenn, pfeift auf verlogene Senioren-Werbung und will normal angesprochen werden (er kennt die schrecklichen Anzeigen zum Treppen-Lifta?) nicht mit solchen Wörtern, steigt entrüstet auf die Harley und geht abends eins trinken oder gamen.

(Quelle: Technology Review, November 2005, Bericht S. 45. Der übrigens sonst sehr ordentlich ist. Es werden demnach folgende Erfindungen auf den Babyboomer zukommen, sofern er dann noch kaufkräftig und nicht verhartzt ist:

Handies mit Riesentasten und großen Displays

Vereinfachte Computer mit TouchScreen oder Spezial-Maus-Software

Tölzer Würfel statt i-Pod (Tonwiedergabegerät ohne Knöpfe und Schalter)

Autos mit Fahrerassistenzsystemen wie Auffahr-Stop oder Einschlaf-Signal

vernetztes Wohnen "in-house"

Die Japaner haben fürs Altersheim eine "Menschenwaschmaschine" entwickelt. Kein Scherz.

Roboteranzug, der Gehbehinderten beim Laufen hilft.)

Irjendwie finde ich das alles furchtbar. Kann man bitte nicht normal altern wie früher? Muss einen die Marketing-Maschine bis zum Gartengrill oder ins hintere Malzimmer verfolgen oder dauernd beim Lesen eines Buches stören? Ich meine, ich hab sogar als Designer/Werber seit 4 Jahren meinen Fernseher abgeschafft. Geht prima ohne TV-Spots (wenn ich gute sehen will, gehts zur Cannes-Rolle oder ins Internet), TV-Shopping, Christiansen, Jauch, Fliege und Ungeheuer am Mittag. Nur das Leben ohne diese Herrschaften hält mich geistig fit.

Harter Einsatz

Design wie im wirklichen Leben:

Gestern waren die Bodenrausreißer da. Das alte Parkett und die vermoderten Holzbohlen darunter wurden rausgerissen. Im Augenblick schaut es bei uns aus wie nach einem Bombenangriff, für die Betriebskatze sieht das aus wie ein riesiges Katzenklo. Abdecken gegen den Staub half wenig.
Bin gespannt, ob die Rechner den Staub packen. Oder hätten wir uns bei Panasonic mit dem hier eindecken sollen. Wird u.a. bei der Rallye Paris-Dakar verwendet.

Haertefall