Adele, Adele

Schon die Eingangsfrage ist eine des Alters: Erkennen Sie Adele (sprich nicht: “A-dé-le” wie die fränkische Abschiedsformel, sondern ungefähr: “Erdäll”), wenn sie wie immer unangesagt im Radio kommt? Denn welcher Bürger einer Industrienation unter 30 hört heute noch allen Ernstes Radio? Oder andersrum: Wann bitte soll einer der Musik kleiner Mädchen hinterherforschen, solange er noch nicht mal die kompletten Gambenkonzerte von Telemann aufgeholt hat?

Adele.tvNachrichten über das Fräulein Adele erreichen mich über die Zeitung – jawohl, Print – und besagen, dass sie erstens soeben einen ganzen Armvoll Grammys – sechs an der Zahl – gewonnen hat, also richtig gut sein muss, und diesen Höhepunkt ihrer jungen Karriere zweitens zum Anlass nimmt, aufzuhören. Sie sei dann mal für vier, fünf Jahre weg.

Recht so, denkt mein innerer alter Sack, würd ich auch. 23 ist das Kindchen, in dem Alter hab ich noch keine so tollen Lieder geschrieben. Warum soll sie sich da nicht erklärtermaßen zur Aufzucht von Kindern und Gemüse zurückziehen, solange ihr Derzeitiger (37) noch keinen erektilen Dysfunktionen unterliegt und sie sich ihre selbstgezogenen Radieschen noch von oben anschauen kann? Endlich erlebe ich auch mal, wie man auf erfolgreiche Prominenzen neidisch sein kann: wenn sie sich mit etwas Erreichtem zufrieden geben, statt noch ein Auftragsgeträller für einen charakterfreien Disneyfilm abzuliefern, an dem das Marketing eifriger herumgestopselt hat als die Drehbuchabteilung.

Wie, ich bin ja bloß neidisch? Ja, schon, hab ich ja gerade gesagt. Was uns zur zweiten Altersfrage trägt: Auch ich hatte mal Jugendträume. Und vermutlich waren es so ähnliche wie die von Patrick Süskind, der als Schulbub ein einziges Buch zu schreiben plante, von dem er dann ein Leben lang zehren kann. Bei mir ist nichts draus geworden, weil er Das Parfüm dann schon selber geschrieben hat, sogar den charakterfreien Film dazu gibt’s schon lange als ermäßigte DVD.

Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Pelzrock, 1500Altersfrage 3: Kaum verabschiedet, bereitet Adele ihr Comeback vor. Wahrscheinlich noch im selben Interview, keine Zeit zu verlieren, wie solche Twitterkinder halt so sind. Ihre “Auszeit” gedenke sie mit dem Schreiben eines neuen, möglichst optimistischen Albums zu verbringen – also außer dem üblichen anstehenden “sich wahnsinnig auf das Baby freuen” und “Erfüllung im eigenen Garten finden” jetzt – weil sie nicht länger “als verbitterte Hexe” auftreten will (zur Erinnerung: Sie ist 23. Siehe auch: Bunte und Landlust, Jahrgänge ab ca. März 2012).

Das Optimistischste an Fräulein Adeles mittelfristiger Lebensplanung finde ich heute schon die Unterstellung, dass in fünf Jahren die Musikeinheiten immer noch in Alben gerechnet werden, und dass bis dahin noch jemand weiß, wer mal die Adeledings war, ohne das sie – Mazeltov – den Weg der Whitney Houston gegangen wäre. Das macht mich ausnahmsweise moderner, um nicht zu sagen: jünger als sie. Der Unterschied ist: Sie kann sich das leisten, weil ich nicht von Tantiemen meiner fünf Jahre alten Textarbeiten leben kann. Glauben Sie mir, ich hab’s versucht, aber heiß ich Süskind?

Altersfrage 4: Ein paar Seiten weiter im Kulturteil geht’s nochmal um die Verbreitung von Kunstwerken. Überschrift: “Nicht mehr transportfähig”. Aber damit meinen sie schon nicht mehr Adele, sondern Albrecht Dürer.

Bilder: Adele im Luminaire in Kilburn, London, 2007;
Albrecht Dürer: Selbstbildnis im Pelzrock, 1500.

Diese Woche gelernt:

  1. Zu warm zum Schneien ist immer noch zu kalt zum Schneeschippen;
  2. ein medial überpräsenter Beruf wird nicht zwingend durch eine leicht zugängliche Ausbildung erreicht (“Sexperte”!);
  3. die 1922er “Orthodoxie. Eine Handreichung für die Ungläubigen” von Gilbert Keith Chesterton, die der Enzensbergers-Hans Magnus mal in der Anderen Bibliothek herausgegeben hat, erwischt man heute ungelogen noch am besten als Taschenbuch eines erzkatholisch-erzbischöflich geführten Verlags am Schriftenstand in der Theatinerkirche St. Kajetan am Odeonsplatz (bitte ehrlich bleiben und die 9,90 Euro in den Opferstock auf mindestens 10 aufgehen lassen!).

Soundtrack: Die Doraus und die Marinas: Die Welt ist schlecht, das Leben ist schön, was ist daran nicht zu verstehn? aus: Die Doraus und die Marinas geben offenherzige Antworten auf brennende Fragen, 1983.

Stück 1—5 €!!!

Zur Selbsthilfe rede ich mir ab heute ein: In Bücherkisten reicht ein Blick im Vorbeigehen, es sind nie andere dabei. Jedenfalls nicht wesentlich andere. Offenbar wurde Anfang der 1970er Jahre ein Bestand von Büchern gegründet, der unter Antiquaren weiterverkauft wird. Wenn ein Bücherkunde eins wegkauft, muss ein neues eingespeist werden. Das passiert aber pro Barsortimentergebiet nur einmal im Jahr. Dann muss immer der Club Bertelsmann einen Remittenden stiften. Die Lücken in den Umzugskartons werden mit Reader’s-Digest-Auswahlbüchern aufgefüllt. Reclam entsorgt laufend seine eigenen Schulklassensätze von Catull und Gerhart Hauptmann. 2013 sollen die Harry Potters dazukommen, 2016 Twilight.

  • Luis Bromfield: Der große Regen
  • Pearl S. Buck: Die gute Erde
  • Dale Carnegie: Sorge dich nicht, lebe!
  • Christliches Vergißmeinnicht
  • Roald Dahl: Küßchen, Küßchen!
  • Theodore Dreiser: Eine amerikanische Tragödie
  • Hans Fallada: Der eiserne Gustav
  • Anne Golon: Angélique 1—10
  • Willy Heinrich: So long, Archie
  • Hermann Hesse: Peter Camenzind
  • Ephraim Kishon: Im nächsten Jahr wird alles anders; Nicht so laut vor Jericho
  • Thomas Mann: Der Zauberberg; Joseph in Ägypten
  • Thyde Monnier: Liebe — Brot der Armen
  • Boris Pasternak: Doktor Schiwago
  • Harold Robbins: Die Aufsteiger; Die Gnadenlosen; Die Traumfabrik; Die Unersättlichen
  • Françoise Sagan: Bonjour tristesse
  • Gaby von Schönthan: Die Rosen von Malmaison
  • Adalbert Stifter: Der Hochwald

Insel Bücherei Bücherkiste

Steckrüben – in München mission impossible

Bei meiner Oma gabs die immer zum Schweinebraten, später raspelte ich sie als junge (Haus-) Frau zum Gemüse. Immer lecker. Meine Tochter müsste sich an sie erinnern können, befürchte aber, dass nicht mehr.

Was in Oberfranken noch möglich war, ist im luxuriösen München schwierig bis nicht möglich. Eher bekommt man handgekneteten Ziegenkäse aus der Auvergne. Einmal bekam ich auf dem Viktualienmarkt etwas Steckrübenähnliches. Das war bereit fertig geraspelt. Und furchtbar salzig – nie wieder, brr.

Heuer probierte ich es beim Biomarkt als Bestellung. Warte immer noch auf den Telefonanruf, dass jetzt da. Müssen wir erst wieder Kriegswinter kriegen, damit ich im Süden problemlos Steckrüben bekomme? Dann ist halt auch wieder Käse mit dem Ziegenkäse aus der Auvergne. Ich weiß.

 

Tigercontent: Die größte Katze der Welt

“Kleine Jungen müssen immer etwas werden. Ein Tiger ist immer ein Tiger”, sagt Hobbes (nicht verwandt). Kleine Jungen müssen in der Kälte wohnen oder mühsam hinfahren und dem Sikahirschen die Nahrungsgrundlage entziehen, der seinerseits die Nahrungsgrundlage des Amur-Tigers Panthera tigris altaica ist. Das macht keinem der Beteiligten so richtig Spaß, die kleinen Jungen könnten also am liebsten sofort damit aufhören.

Amurtiger, Derek Ramsey, 18. Februar 2007Wenn sie nur auf die Vorträge in der Zoologischen Staatssammlung München hören wollten. Vielleicht braucht es ein gewisses Lebensalter, um sich auf Einladungen zu Vorträgen einzulassen, die nicht mal eine Multimedia-Show, sondern allen Ernstes Dias versprechen; wobei ich zugeben muss: Bei einer Androhung von PowerPoint hätten selbst wir gekniffen. Einer der zuständigen Freunde ist jedoch jung genug von Herzen, einen fleißig und kompetent bestückten Weblog zu führen.

Der Eintritt war frei. Und dann erzählt der Herr Claus M. Schmidt eine Dreiviertelstunde an seinen Urlaubsdias entlang, wie er eine Woche am Rande von Sibirien einmal keinen Tiger gesehen hat. Was auch gut so ist, sonst könnte er nicht länger vor uns stehen. Es trägt durchaus ein paar Tage lang, sich zu merken: Der Amur-Leopard Panthera pardus orientalis ist flauschiger als alle anderen. Wer das nicht interessant findet, kann ja gern PowerPoint-Präsentationen über die Optimierung von irgendwelchem wichtigen Zeug beiwohnen.

Sie haben es nicht nötig, ihr Merchandising hinter Glas zu halten oder auch nur eine sichtbare Kasse aufzustellen: Wer ein Kinder-T-Shirt mit einem Hirschkäfer drauf oder einen Satz Kunstkarten mit altertümlich penibel gezeichneten Eulenarten klaut, nur weil sie da wahrscheinlich keine Videoüberwachung haben, nimmt auch kleinen Mädchen das Eis weg (gut, bei Geliebtes Schwarzhölzl: Schicksal einer Landschaft im Münchner Nordwesten und Durch Streuwiese und Auenwald: Erlebniswandern in oberbayrischen Naturschutzgebieten von Josef Koller aus Karlsfeld könnte ich ein Eigentumsdelikt kurz erwogen, aber sehr schnell wieder verworfen haben).

Sie tun nicht so, als ob sie etwas anderes wären als eine idyllische, einnehmend verschnarchte wissenschaftliche Forschungssammlung in Obermenzing. Allein das ist die 30 Euro Jahresbeitrag wert.

Süßes Katzenbild: Derek Ramsey: A photograph of a cub of an Amur Tiger, taken at the Pittsburgh Zoo, February 18, 2007.

München ist das neue Berlin

Sofas wie Müll auf die Straße werfen, liegen und verrotten lassen und eine dreiste Schnauze, das kennt man bislang nur von Berlin. Dass Berlin auch in München möglich ist, muss der erleben, in dessen Garten Leute nachts um 1 vor seinem Fenster palavern, um anschließend im Hof das Wasser abzuschlagen.

Die Krönung ist, dass dann von denen gesagt wird, wer bist denn du, gleich hole Polizei, weißt du. Und ihr iPhone zücken. Ich denke Apple-Nazi ist hier ausnahmsweise der richtige Begriff.

 

 

Nicht mal ganz zwei Mark

Es kann sein, dass ich wieder zu tief in mehrere hundert Jahre alte Erlebnisberichte verbuddelt war, in denen die Leute noch mit Klappmützentalern und Hirschgulden zahlen, aber hat jemand etwelche Feierlichkeiten bemerkt, in denen sich darüber gefreut wird, dass wir jetzt seit zehn Jahren diese “Euros” haben?

Um mal positiv zu denken, könnte man sich ja eventuell darüber freuen, dass sich seit zehn Jahren nicht immer alles nur ums Geld dreht, oder wann haben Sie zuletzt mit etwas anderem als einer skurrilen belgischen Krisenvaluta eingekauft? Und es hält das Gehirn fit, wenn man ein paarmal täglich das Einmaleins mit 1,95583 trainiert.

Lange kann’s nicht mehr dauern, bis wieder Geld ausgezahlt werden muss. Dass der Euro nach einem unerwarteten vollen Jahrzehnt doch noch kapeister geht, wird doch wohl nicht bedeuten, dass dann wieder Isarkiesel und Katzenfelle gelten. Oder? Oder??

Bild: Die Sage vom Hirschgulden
in: Hauffs Märchen. Eine Auswahl für die Jugend mit 8 Buntbildern und 70 Zeichnungen von Eva von Paszthory-Molineus,
Hoch-Verlag GmbH, Düsseldorf/Deutschland 1952,
via Micky the Pixel, 26. Oktober 2010.

Über die Faulheit

Entspanne dich, lass das Steuer los,
trudle durch die Welt, sie ist so schön.

(Kurt Tucholsky)

 

Ich kann mir zur Zeit nur zwei Dinge vorstellen: eine Torte zu machen oder ein Rezept auszudenken für den Riesen-Rotkrautkopf, der noch von Weihnachten da ist. Was aber im Moment gar nicht geht, ist

Aufräumen, Sachen sortieren, ausmisten.

Die vom letzten Katzenbesuch auf dem Regal schief umgekippten Kunstbände sind Wochen lang so: schief. Gefährlich schief. Vermutlich muss mir zur Heilung einer dieser Zementziegel auf den Kopf fallen.

 

Was fürs Ausgehen spricht: Die meisten Unfälle mit Todesfolge passieren daheim.

 

Verhalten im Weihnachtsfall

Weil Weihnachten ist, fangen wir an mit einer guten Nachricht: An Weihnachten sind Sie mit einem sozialprestigebefreiten Beruf im Vorteil. Wenn Sie Designer, Krankenschwester, Bierschwemmenbedienung, Domina, Politiker, Texter oder was mit Medien sind, wird Ihnen ohne weiteres abgenommen, dass Sie über Weihnachten arbeiten müssen und leider nicht zur Feier erscheinen können. Dass der Erlöser zuerst den Unterprivilegierten in der Provinz erschien, trägt für uns Heutige sehr wohl eine exegetische Botschaft.

Und das sag ich Ihnen jetzt. Wenn es Sie also schon erwischt hat und Sie für den Heiligen Abend in eine erklärt feierliche Runde (etwa Heilsarmee, Eltern, angeheiratete Familie) vorgeladen wurden, helfen immer noch einige Verhaltensregeln. the missing link, Ihre Lieblingsagentur für stille Nächte, rät:

Meiden Sie Getränke, die Tiroler Hutzelpunsch, Markbrandenburger Gurkenwasser, Heißer Erzbegirgischer Nussknacker oder Schlimmeres heißen. Unterlassen Sie zu erörtern, ob das Zeug genau wie die “polnische Hafermastgans” aus einer chinesischen Rattenküche stammt. Auch dann, wenn Sie in der Zutatenliste in 2-Punktschrift mehr als drei Druckfehler finden, ohne zu suchen. Ich weiß, wovon ich rede.

Solange niemand das Wort an Sie richtet, leisten Sie unauffällig Ihren Beitrag zu Herstellung und Beseitigung des Weihnachtsessens. Verzehren Sie maßvoll Gebäck, und zwar von jeder Sorte gleichmäßig zwei Stück. Sobald Ihnen jemand eine Frage stellt, äußern Sie ausschließlich Zustimmung und Lob. Notfalls würdigen Sie den Salzteig, der außen an der Haustür klebt, und die Katze. Ansonsten nutzen Sie jede Gelegenheit, den Mund zu halten.

Wenn Ihnen jemand zu viele Fragen stellt, machen Sie den DJ, das ist eine akzeptierte Tätigkeit auf jeder Art von Feier. Beachten Sie dabei: “Wir warten aufs Christkind” von den Toten Hosen ist keine Weihnachtsplatte, das Vintage-Doppelalbum “Die lustige Witwe” mit René Kollo und Anneliese Rothenberger von Ihrem Vater schon. Wenn der Vinylplattenspieler schon seit 1991 unrepariert auf dem Dachboden herumrostet, ist dieses eine Mal im Jahr Bayern 1 ein zulässiger Radiosender. Faustregel: Wichtige Musik ist, wenn da welche Geige spielen und die Frau so piepst.

Spielen Sie auf keinen Fall den Helden. “Vom Himmel hoch, da komm ich her” hat je nachdem, wo man nachschaut, 62 oder 164 Strophen und wäre demnach Martin Luthers zweitgrößte Leistung als Texter. Es ist Konsens, nur die ersten drei Strophen von allen Liedern abzusingen. Setzen Sie getrost voraus, dass alle anderen auch nur die erste kennen. Die erste Zeile geht: “Vom Himmel hoch, da komm ich her”, alle folgenden: “Da dáram dá, da dáram dá.”

Wenden Sie kein Musikinstrument an. Besonders keines, in das man hineinblasen muss.

Stufen Sie die so genannte gewaltfreie Kommunikation als das ein, was sie ist: eine besonders perfide Kampftechnik mit zulassungsfreien Waffen. Verzichten Sie deshalb auf die “Ich-Aussagen” dieser Lehre, geben Sie lieber jederzeit jedem Recht. Auf eigene Konfliktgegner wirken Sie stets deeskalierend ein, auf fremde sicherheitshalber gar nicht. Nicht jeder Satz, der mit “Ich” anfängt, ist gleich ein Manöver der gewaltfreien Kommunikation. Warten Sie deshalb das Satzende ab, bevor Sie die Sprecherin verprügeln.

Rufen Sie sich schon während der Zurüstungen und vor allem während der Feierlichkeiten immer wieder ins Gedächtnis: Die Zeit arbeitet für Sie. Was erst einmal angefangen hat, ist praktisch auch schon vorbei. So eine Christmette fängt heutzutage schon um 22.00 Uhr an, das war noch vor zwanzig Jahren gerade mal die Zeit für eine Kindermette. Dazu müssen Sie schon um halb neun los, um nicht auf einen Stehplatz hinterm Taufbecken gedrängt zu werden, so lange halten Sie zur Not durch. Bis zum eigentlichen Showteil übt der Organist gerne schon ein paar Händevoll Bach-Fugen, das kann wirklich schön sein. Lauschen Sie ergriffen, das spricht für Ihre Andacht.

Diese Metten mit Hochamt, großem Bahnhof und drei vollständigen Kantaten wurden vor einigen Jahren von kirchlichen Seelsorgern in den späten Nachmittag vorverlegt. Damit folgten sie der Erfahrung, dass sich die Gemeinde, zu lange sich selbst ausgesetzt und von Tiroler Hutzelpunsch befeuert, zu oft gegenseitig mit dem Christbaum erschlägt oder Baumspitzen, brennende Tannenzweige und Krippenfiguren in Körperöffnungen rammt, die es gar nicht gibt.

Durch solche Ursprünglichkeit drücken manche Familienverbände ihre Zuneigung untereinander aus. Respektieren Sie das Brauchtum und zugleich Ihre physischen Grenzen.

Nach der Christmette, in eher humanistisch orientierten Haushalten oder solchen, die Hanukkah begehen, sogar schon nach dem Essen, ist Ihr geordneter Rückzug legitim. Handeln Sie kooperativ, aber zielgerichtet. Geben Sie jedem die Hand und wünschen Sie “Fröhliche Weihnachten” und, ganz wichtig: “einen guten Rutsch”, nicht dass noch einer vor Silvester schon wieder anruft. Antworten Sie auf alle weiteren Ansprachen eisern: “Feiert noch schön.” Wird erwartet, dass Sie sich für etwas bedanken, bedanken Sie sich ohne Zeitverzögerung. Vermeiden Sie Ihren sarkastischen Tonfall. Streunen Sie durch die nächtliche Stadt und schließen Sie für einige Stunden Freundschaft mit einer studentischen Bierschwemmenbedienung.

Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch, feiert noch schön.

Soundtrack: “Stille Nacht”, was denn sonst? Und zwar in der einzig wahren Version von Tom Waits, 1989.

Was Katzen und Kreativität mit Grafikdesign zu tun haben: Der Oberflausch!

Font Moritz: Type aus Tigerfell

Gestaltungswille und emotionaler Ausdruck. Die übliche Welt der Fonts und designigen Buchstaben kann nur unzulänglich beschreiben, was eine Katze ausmacht. Da hilft dem in Katzen verliebten Typografen ein kleiner Filtertrick, damit das Wesen dieser Tiere auf einen Blick erfasst werden kann: Flausch!

Dieser hilfreiche Beitrag, um vom Design her wertvollen Katzencontent in die Welt zu bringen, stammt von uns, the missing link, der kleinen aber feinen Designagentur (auch Werbeagentur) in München. Damit man sieht, dass das Objekt nicht nur in Punkto Typografie und bahnbrechendes Design, sondern auch von Stimmung, Schnurr und Flausch her absolut gut getroffen wurde, hier das pelzige Original: